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Die Päpstliche Schweizergarde: Männlich, ledig, jung, gesucht

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Wenn ein Tourist sich in Rom dem Petersdom nähert und zum ersten Mal die jungen Männer in den bunten Uniformen sieht, ihre aufgerichteten Hellebarden und ihren entschlossenen Blick, dann beschleicht den Besucher mitunter eine Frage: ... (Foto: picture alliance / dpa)

Wenn ein Tourist sich in Rom dem Petersdom nähert und zum ersten Mal die jungen Männer in den bunten Uniformen sieht, ihre aufgerichteten Hellebarden und ihren entschlossenen Blick, dann beschleicht den Besucher mitunter eine Frage: ...

Wenn ein Tourist sich in Rom dem Petersdom nähert und zum ersten Mal die jungen Männer in den bunten Uniformen sieht, ihre aufgerichteten Hellebarden und ihren entschlossenen Blick, dann beschleicht den Besucher mitunter eine Frage: ...

Warum heißt die Truppe, die den Vatikan bewacht, eigentlich Schweizergarde?

Die Antwort ist simpel: ...

... Weil sie aus der Schweiz kommen.

Aber warum ausgerechnet aus der Schweiz?

Es war vor über 500 Jahren, bewegte Zeiten in Rom. Papst Julius II. (laut Martin Luther ein "Blutsäufer") hatte Streit mit Venedig, Frankreich und Spanien. Militärischer Schutz für den Kirchenstaat musste her, der unter Julius seine größte Ausdehnung erreicht hatte.

Da der Papst angesichts der Ränkespiele im heimischen Rom seinen Landsleuten nicht viel Vertrauen schenkte, schaute er sich im Ausland um. Schweizer hatten im damaligen Europa einen Ruf als verlässliche Söldner.

200 "Fußknechte" von den "geliebten Söhnen Oberalemanniens" forderte Julius II. an; angeheuert wurden sie in Luzern und Zürich. Die Männer zogen zu Fuß über den Gotthardpass und marschierten am 22. Januar 1506 in Rom ein.

Dort wurden sie neu eingekleidet, ...

... bekamen den päpstlichen Segen und ...

... zogen noch am Abend in ihre Kaserne ein - kurz und prosaisch war der Amtsantritt.

Etwas feierlicher wurde der 500. Geburtstag der Schweizergarde begangen.

Der Vatikan feierte das Jubiläum mit einer Messe in der Sixtinischen Kapelle.

"Kleinste Armee der Welt" wird die Garde oft genannt. Stimmt, ist aber nur die halbe Wahrheit.

110 Gardisten auf 500 Staatsbürger des Vatikans, also ein Soldat auf fünf Einwohner - nirgendwo sonst gibt es auch nur annähernd eine solch hohe Rate.

In den USA beispielsweise kommen auf 297.700.000 Einwohner "nur" 1,45 Millionen Soldaten, also ein Soldat auf 205 Einwohner.

Der Vatikan ein hochgerüsteter Staat? Auch nicht ganz richtig: Neben ihren Hellebarden trägt die Garde Pfefferspray und Handfeuerwaffen. Zur Ausbildung gehört allerdings auch Karate.

Zeitweise wurde die Schweizergarde von Deutschen ersetzt. Ein dunkles Kapitel, es begann mit dem "Sacco di Roma" am 6. Mai 1527, der Plünderung Roms. Deutsche und spanische Landsknechte fielen in die Stadt ein.

Medici-Papst Clemens VII. flüchtete in den Petersdom. Vor seinen Augen wurden die Garden niedergemetzelt. Ein Zeitzeuge: "Da er das gesehen, ist er bald von der mess geflohen und eilends durch ain haimliche thur und beschlossenen gang gestigen, und so schnell gelaufen dass ihm der schwaiss ausgegangen."

Es war die erste Plünderung der Ewigen Stadt seit dem Einfall der Vandalen 455. Die Landsknechte wüteten einen Monat lang. Rund 30.000 Menschen kamen ums Leben.

Von den 189 Schweizergardisten überlebten nur 42. Ihnen gelang es in letzter Minute, Papst Clemens VII. über den Geheimgang in die Engelsburg in Sicherheit zu bringen.

Erst 1548 wurde die Schweizergarde durch Papst Paul III. wieder neu gebildet.

Für die Truppe ist das traumatische Datum bis heute ein hoher Gedenktag.

Jedes Jahr am 6. Mai werden die neuen Rekruten in Rom vereidigt.

Und bis heute erinnern die Farben der Schweizergarde daran, dass die Schweizergarde Papst Clemens VII. rettete. Clemens war ein Medici; auch deren Farben sind blau, rot und gelb.

Unvergessen ist die Nacht zum 4. Mai 1998:

Ein junger Gardist stieg die Stufen zur Wohnung seines Kommandanten Alois Estermann (Bild) empor, zückte seine Dienstpistole und schoss den verhassten Chef nieder.

Dann zielte er auf dessen Frau (Bild) und brachte am Ende sich selbst mit einem Schuss in den Mund um. Doppelmord im Vatikan - niemand hätte gedacht, dass es nach den Giftmorden im Mittelalter jemals wieder solche blutigen Abgründe im Kirchenstaat geben würde.

"Liebe war nicht im Spiel, auch keine Eifersucht", versuchte der Vatikansprecher eiligst sprießende Spekulationen einzudämmen - natürlich erfolglos. Die offizielle Version heißt: Der junge Gardist sei einer "Attacke des Wahnsinns" verfallen.

Doch seitdem gab es Reformen: Bei Rekruten wird auf die Psyche geachtet, hitzige Typen und Draufgänger will man nicht.

Die Gardisten müssen jünger als 30 Jahre alt sein, katholisch, zuerst ledig und ...

... auch weiter unbescholten, dazu regulär in der Schweizer Armee ausgebildet.

Noch schieben die Gardisten an den Eingängen zum Kirchenstaat Wache.

Doch seit Papst Franziskus im Vatikan das Sagen hat, steckt die pittoreske Schweizergarde in einer Krise. Seitdem schwirren Gerüchte durch Rom, wonach die Garde allenfalls als ...

... fotogene Trachtengruppe überleben soll.

Dass es Veränderungen geben wird, scheint sicher. Und es gäbe ja auch eine Alternative zur Garde: ...

... die Gendarmeria Vaticana, die Vatikan-Polizei.

Die Polizisten treten weniger martialisch auf. In ihren kurzärmeligen Uniformhemden wirken sie freundlich und locker. Sogar lachen und scherzen dürfen die Gendarmen, was bei den Gardisten verpönt ist.

Zwölf-Stunden-Schichten sind nicht selten. Als der Papst in der Kantine einst auf übermüdete Gardisten in Uniform traf, habe er sie gefragt, ob sie sich nicht setzen und etwas trinken wollten. Das sei ihnen untersagt, sei die Antwort gewesen.

Ende 2014 feuerte Franziskus Gardekommandant Daniel Anrig, der eine 380-Quadratmeter-Wohnung im Vatikan für sich in Anspruch nahm und "jede Bodenhaftigkeit" verloren hatte.

Der neue Kommmandant dementierte Gerüchte, wonach der Papst die Schweizergarde abschaffen wollte: "Franziskus schätzt die Schweizergarde, und er steht hinter uns. Der Papst hat nie an eine Auflösung der Schweizergarde gedacht", so Christoph Graf.

Vielmehr wolle er eine Garde, die zu ihm passt, zu einer Kirche, wie er sie sich vorstellt: menschlich, freundlich, verzeihend statt strafend.

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