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Juli 2009: Ein Toter, 446 Verletzte, davon acht Schwerverletzte.
Angesichts dieser blutigen Bilanz hat die Stierhatz im nordspanischen Pamplona erstmals seit Jahren eine hörbare Debatte über das lebensgefährliche Spektakel ausgelöst.
Im Mittelpunkt steht dabei aber nicht etwa die Forderung, Spaniens international bekanntestes Volksfest oder gar die landesweit beliebte Tradition des Stiertreibens abzuschaffen, so wie es Tierschützer seit langer Zeit verlangen.
Vielmehr geht es - vorerst - um die Sicherheit, denn im Laufe der Jahre ist das jetzt zu Ende gegangene San Fermín-Festival zu einer Massenveranstaltung und damit immer gefährlicher geworden.
Vor allem der Tod des 27-jährigen Spaniers Daniel Jimeno, der von einem 515 Kilogramm schweren Bullen am Hals aufgespießt wurde, hat viele Menschen zum Nachdenken gebracht.
"Ein solches Unglück müsste die Behörden dazu bringen, die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern", forderte die Zeitung "El Mundo".
Dazu gebe es derzeit keinen Anlass, konterte Pamplonas zuständige Stadträtin Ana Elizalde.
"Wenn wilde Kampfstiere durch die Straßen rennen, ist das Risiko ohnehin nicht ganz auszuschließen."
Es kann höchstens verringert werden", pflichtete ihr Sicherheitschef Patxi Fernández bei.
Auch die Regierung in Madrid sieht keinen Handlungsbedarf.
Die Stadt Pamplona als Veranstalter verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren bereits viel für die Sicherheit getan worden sei.
Während des Festes zu Ehren des Schutzpatrons San Fermín sind in der 185.000 Einwohner zählenden Stadt inzwischen etwa 3000 Polizisten und 350 Sanitäter und Helfer des Roten Kreuzes im Einsatz.
Die hölzernen Absperrungen entlang der Strecke wurden verstärkt, …
… das glitschige Kopfsteinpflaster in den Gassen der Altstadt wird jeden Morgen mit einem Antirutschmittel besprüht, um Stürze zu vermeiden.
Das nützt nach Ansicht der Kritiker aber wenig, wenn trotz aller Kontrollen verkaterte Touristen auf die Strecke gelangen oder der Andrang in den engen Gassen so groß ist, ...
... dass die Teilnehmer übereinander stolpern.
Auch gebe es keine geeigneten Fluchtwege.
Für die Traditionalisten sind solche Vorwürfe ein Affront.
"Die Stierhatz ist ein heiliger Rausch, sie bedeutet Ekstase und Glücksgefühl und darf nicht angetastet werden", meint der Schriftsteller Fernando Sánchez Dragó.
Und die Zeitung "Diario de Navarra" schrieb: "Ein Fest ohne Zwischenfälle wäre nur möglich, wenn die Hatz abgeschafft würde und die Stiere in ihrem Gehege blieben."
Dabei wäre es auch den Profi-Läufern in Pamplona, den echten "Mozos", am liebsten, wenn die unerfahrenen Möchtegern-Toreros verbannt würden.
Sie gefährden aus Sicht der "Mozos" mit ihrem Leichtsinn nicht nur sich, sondern auch alle anderen.
Dennoch: "Das Risiko ist ein Teil der Fiesta, und diese Tradition müssen wir mit aller Kraft bewahren", sagen einheimische Läufer wie Jokin Zuasti.
"Daniel hat die Hatz mit seinem Tod nur noch größer gemacht", ergänzte ein anderer Profi voller Respekt vor dem getöteten Kameraden.
Größere Einschränkungen wird es aber kaum geben, schließlich beschert die Touristenflut der Stadt während des neuntägigen Festes reichlich Einnahmen.
Allein dieses Jahr sind es geschätzte 74 Millionen Euro.
"Machen wir uns doch nichts vor, es geht vor allem ums Geld", meinte die Schriftstellerin Lucía Etxebarría.
Der wahre Schuldige, schrieb ihr Kollege Eduardo Mendicutti, sei ohnehin Ernest Hemingway.
Hätte der US-Autor die Hatz mit seinem Roman "Fiesta" (1926) nicht weltberühmt gemacht, ...
... "dann wäre sie heutzutage so harmlos wie der Christopher Street Day".
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