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Freitag, 16. Juni 2017

Opfer von Hexerei: Neue Hoffnung für verstümmelte Albino-Kinder

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Noch immer wird in Tansania und auch in weiteren Teilen Afrikas regelrecht Jagd auf die "weißen Schwarzen" gemacht. Sie werden verstümmelt und sogar getötet, um ihre Gliedmaßen zu verkaufen. (Foto: REUTERS)

Noch immer wird in Tansania und auch in weiteren Teilen Afrikas regelrecht Jagd auf die "weißen Schwarzen" gemacht. Sie werden verstümmelt und sogar getötet, um ihre Gliedmaßen zu verkaufen.

Baraka, Mwigulu, Emmanuel und Pendo stammen aus Tansania. Sie tragen den Gendefekt Albinismus in sich. Ihre Haut ist hell, ebenso ihre Haare und ihre Augen.

Noch immer wird in Tansania und auch in weiteren Teilen Afrikas regelrecht Jagd auf die "weißen Schwarzen" gemacht. Sie werden verstümmelt und sogar getötet, um ihre Gliedmaßen zu verkaufen.

Der Grund dafür ist der weit verbreitete Aberglaube, dass Gliedmaßen von Albinos Glück bringen und Krankheiten heilen könnten.

Rituale mit ihren Körperteilen sollen auch Macht und Reichtum bringen. Manche Menschen halten die "weißen Schwarzen" sogar für unsterbliche Geister.

Viele der attackierten Albinos sterben. Wer überlebt, bleibt für den Rest seines Lebens gezeichnet. Die vier Albinos aus Tansania haben Glück, sie werden in den USA medizinisch versorgt.

Der Global Medical Relief Fund (GMRF) ermöglicht ihnen eine kostenlose Behandlung im Shriners Kinderhospital in Philadelphia.

Dabei geht es vor allem um Kinder, die Körperteile verloren haben. Die Organisation versorgt sie mit modernen Prothesen und zeigt ihnen, wie sie damit umgehen müssen.

Der kleine Baraka Lusambo war anfangs noch ein bisschen misstrauisch gegenüber dem hautfarbenen Fremdkörper an der Stelle, an der sich eigentlich sein rechter Arm befinden sollte. Doch inzwischen bewegt sich der Siebenjährige ganz selbstverständlich mit dem neuen Plastik-Körperteil.

Mwigulu Magesa ist 14. Ihm wurde gewaltsam sein linker Arm entfernt. Das hält den Jungen aber nicht davon ab, groß zu träumen: Er möchte eines Tages Präsident von Tansania werden.

Auch Mwigulus Freund Emmanuel Rutema hat große Zukunftspläne. Wenn er erwachsen ist, möchte er Arzt werden.

Dem 15-Jährigen fehlen der linke Arm und viele seiner Finger. Er hat auch Probleme mit dem Sprechen. Die Kriminellen, die ihn damals gewaltsam überfielen, versuchten ihm auch seine Zunge und Zähne herausreißen.

Bei dem grausamen Handel werden vor allem Hände, Füße, Genitalteile, Ohren, Zunge und Nase verkauft. Ein ganzer "Satz" an Körperteilen kann für umgerechnet rund 67.000 Euro verkauft werden. Bei einem Durchschnittseinkommen von umgerechnet etwa 820 Euro im Jahr ist das viel Geld.

Die tansanische Regierung versucht aktiv gegen die Tötungen von Albinos vorzugehen. Es gab 2015 bereits viele Razzien in dem Zusammenhang, bei denen mehr als 220 selbsternannte "Heiler, Hellseher und Zauberer" festgenommen wurden.

Während der Wochen in den USA haben die vier Kinder neben den Klinikaufenthalten viel Zeit zum Spielen. Jeden Tag werden sie mutiger und offener gegenüber ihren Betreuern.

Der Heilungsprozess nach verschiedenen Behandlungen wird dabei von Videos und Animationsfilmen unterstützt. Auch Geplapper untereinander auf Swahili führt zur schnellen und erfolgreichen Genesung der Kinder.

Beim Spielen an der Sonne ist für die Kinder hingegen Vorsicht geboten. Weil die Pigmentbildung gestört ist, kann sich ihre Haut nicht vor der Sonneneinstrahlung schützen. Darum erkranken die Betroffenen häufiger an Hautkrebs. In Tansania erreichen deswegen weniger als zehn Prozent der Albinos das 30. Lebensjahr.

Schätzungen zufolge gibt es einen Menschen unter Dreitausend mit dem angeborenen Gendefekt Albinismus in Tansania. Die Vereinten Nationen gehen von 75 ermordeten Albinos im Zeitraum von 2000 bis 2015 aus. Allerdings ist Experten zufolge die Dunkelziffer um Vielfaches höher.

Pendo Noni ist die Älteste der vier Tansanier. Alltagsaufgaben wie Wäschewaschen und Kochen sind für die 16-Jährige durch den Verlust ihres Armes kompliziert. Die neue Prothese soll ihr in Zukunft vieles erleichtern.

Insgesamt behandelte die Einrichtung GMRF bereits mehr als 200 verletzte Kinder aus vielen Ländern der Welt. Die Prothesen sollen ihnen helfen, ihr Leben zukünftig selbstständig bewältigen zu können.

Nach drei Monaten Behandlung kehren die vier Albinos von New York aus in ihr Heimatland zurück. Im Gepäck, oder besser, am Körper: angepasste Prothesen für ihre fehlenden Körperteile – und eine Portion Selbstbewusstsein.

Für die Kinder bedeutet die Rückkehr eine Reise zurück in ein Land, in dem sie tagtäglich um ihr Leben bangen müssen. Außerdem werden sie wieder Misstrauen und Argwohn begegnen.

Oftmals werden sie als Aussätzige behandelt und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Die Helfer in den USA hoffen, dass sie ihren Schützlingen nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch neuen Lebensmut mitgegeben haben. (teb/rts)

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