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Die Schöne ist gekommen: Nofretete hält Hof

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"Beschreiben nützt nichts, ansehen!" (Text: jga)

"Beschreiben nützt nichts, ansehen!" (Text: jga)

Sie gilt als eine der schönsten Frauen der Geschichte: Nofretete.

Die berühmte Büste der ägyptischen Königin zieht die Betrachter im Neuen Museum in Berlin auch 3400 Jahre nach ihrer Entstehung in den Bann.

Ebenmäßiges, symmetrisches Gesicht, mandelförmige Augen, hohe Wangenpartie, schmale Nase und geschwungene, volle Lippen machen die berühmte Büste zu einer Ikone zeitloser, universeller Schönheit. Daran ändern auch zarte Falten nichts. Im Gegenteil: Durch sie gewinnt das Gesicht an Ausdrucksstärke und Individualität.

Der Fund der Büste gilt als Sternstunde der Archäologie. Sie wurde vor 100 Jahren von dem deutschen Altertumsforscher Ludwig Borchardt entdeckt. Er leitete im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft Ausgrabungen in Armana, den Ruinen der altägyptischen Königsstadt Achet-Aton. Dort stieß er auf eine gut erhaltene Werkstatt, die offenbar dem Oberbildhauer Thutmosis gehörte.

Der Wüstensand verbarg mehr als 10.000 Fundstücke, darunter etwa 50 Kunstwerke. Als Borchardt die Büste der Nofretete am 6. Dezember 1912 in den Händen hielt, wusste er, dass er auf etwas Großes gestoßen war. "Beschreiben nützt nichts, ansehen", notierte er in das Grabungstagebuch. "12.40 Uhr zu Bett gegangen nach diesem Duseltage."

Wie damals noch üblich, teilten Deutsche und Ägypter den Fund je zur Hälfte auf - Nofretete kam mit 5500 anderen Objekten nach Berlin.

In der Hauptstadt ist sie seit 1924 öffentlich zu sehen. Seitdem hat sie zahllose Besucher fasziniert - und die Fantasie angeregt. Man wolle sie unbedingt als greifbares Individuum wiederauferstehen lassen, sagt die Direktorin des Ägyptischen Museums, Friederike Seyfried.

Damit erleide Nofretete das Schicksal wie fast alle historischen Persönlichkeiten, über die man wenig wisse, die aber interessant erscheinen. Und so hat Nofretete Generationen von Wissenschaftlern und Autoren beschäftigt. Damit gibt es zwar jede Menge Spekulationen, aber noch immer kaum historische Fakten.

Fest steht allerdings: Nofretete schlägt eine Brücke zwischen dem Alten Ägypten und der Gegenwart, denn die Büste entspricht unserer heutigen Ästhetik. Doch über den Kontext, in dem das großartige Kunstwerk entstand, wissen viele Menschen kaum etwas.

Das will eine Ausstellung im Neuen Museum ändern, die anlässlich des 100sten Jahrestags der Entdeckung der Büste in Berlin gezeigt wird.

"Im Licht von Amarna - 100 Jahre Fund der Nofrete" heißt die Schau, sie läuft bis Mitte April kommenden Jahres. Nicht nur Theologie und Kunst jener Zeit stehen im Mittelpunkt, auch der Alltag der damaligen Metropole Amarna wird gezeigt.

Zu sehen sind Varianten der Nofretete-Büste wie dieser unvollendete Modellkopf ...

... diese Standfigur, ...

... oder der Kopf einer einstigen Doppelsitzstatue.

Eine Büste des Pharaos Echnaton, mit dem Nofretete verheiratet war, wurde eigens rekonstruiert.

Daneben zeigt das Museum zahlreiche bislang noch nie ausgestellte Fundstücke: Beispielsweise Fragmente von Fliesen ...

... und von Gefäßen ...

... sowie Fotos der Grabung, bei der Nofretete gefunden wurde.

Den Mittelpunkt bildet natürlich die Büste der Nofretete. Doch was weiß man wirklich über die Frau, die vor über 3000 Jahren Modell gesessen hat?

Nicht viel. Sie war wahrscheinlich die Tochter eines einflussreichen Hofbeamten und heiratete in jungen Jahren den späteren König Amenophis IV., der vermutlich 1336 oder 1334 v. Chr. starb, nachdem er 17 Jahre Ägypten regiert hatte.

Sie war die Hauptfrau des Pharaos, der sich später Echnaton nannte. Sie ist die Mutter von sechs gemeinsamen Töchtern.

Ob sie auch die Mutter von Echnatons Sohn Tutanchamun ist, ist umstritten.

Ungewiss ist auch, welchen Einfluss Nofretete hatte.

War sie lediglich die Gattin eines revolutionären "Ketzerkönigs" - oder machtvolle Mitregentin und treibende Kraft einer Kulturrevolution?

Echnaton hatte die traditionelle Religion abgeschafft und an ihrer Stelle einen neuen Gott eingeführt: Den Sonnen- und Lichtgott Aton.

Darum nannte er sich auch nicht mehr Amenophis, sondern Echnaton ("Der Aton dient"). Der König schloss die alten Tempel und gründete eine neue Hauptstadt in der Nähe des heutigen Amarna: Achetaton ("Horizont des Aton").

Doch diese monotheistische Religion war den Ägyptern zu radikal und abstrakt. Nach Echnatons Tod kehrte das Land Schritt für Schritt zu den alten Göttern zurück. Der Herrschersitz wurde nach Memphis verlegt.

Der Umsturz wurde rückgängig gemacht, die Spuren der Episode wurden gründlich gelöscht.

Und was bleibt von Nofrete? Ihr Name ("Die Schönheit ist gekommen") und ihre Porträts entsprechend der von Echnaton proklamierten Maxime von Schönheit und Vollkommenheit der Schöpfung.

Doch wie ähnlich die reale Nofretete den überlieferten Darstellungen tatsächlich ist, weiß niemand. Die "Große königliche Gemahlin" bleibt rätselhaft und Gegenstand zahlloser Spekulationen.

Sicher ist: Sie ist eine Ikone, die uns mit dem Alten Ägypten verbindet. Oder wie es Borchardt ausdrückte ...

"Beschreiben nützt nichts, ansehen!" (Text: jga)

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