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Fasten und Feiern: Ramadan

 
Das Fasten im Monat Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres, ist einer der fünf Grundpfeiler des Islam. Diesmal begann es am 13. September. (Fastenbrechen in einer Moschee in Lahore/Pakistan)

Das Fasten im Monat Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres, ist einer der fünf Grundpfeiler des Islam. Diesmal begann es am 13. September. (Fastenbrechen in einer Moschee in Lahore/Pakistan)

Während dieser vier Wochen, die sich im gregorianischen Kalender von Jahr zu Jahr um etwa zehn Tage verschieben, sind Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang tabu. (Markt in Kairo)

Dennoch sorgt die Bezeichnung "Fastenmonat" für Missverständnisse. Der Ramadan ist weniger der christlichen Fastenzeit vergleichbar, … (Markt in Dhaka/Bangladesch)

… sondern eher dem Weihnachtsfest. Das gilt vor allem für die soziale Seite des Festes, … (Palästinenser bei Ramadan-Vorbereitungen in Hebron/Westjordanland)

… aber auch für die Kritik daran: Strenggläubige beklagen, dass der Rummel um das Fastenbrechen längst nicht mehr mit dem Geist der religiösen Vorschriften im Einklang stehe. (Ein Mädchen betet am Schrein des Imam Ali, Nadschaf/Irak)

Wie beim Weihnachtsfest, zu dem nicht nur die regelmäßigen Kirchgänger den Tannenbaum schmücken, spiele beim Ramadan die soziale Komponente eine wichtige Rolle, so die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus. (Geschäft in Damaskus/Syrien)

"Am Fasten beteiligen sich auch die weniger Religiösen, die nicht täglich fünf Mal beten", so Spielhaus. 3,2 Millionen Muslime gibt es in Deutschland, weltweit sind es rund 1,2 Milliarden. (Markt in Neu Delhi/Indien)

Reisende, Kranke, Kinder, Schwangere, menstruierende Frauen und stillende Mütter sind von den Fastenvorschriften ausgenommen. Sie müssen das Fasten aber gegebenenfalls im Laufe des Jahres nachholen. (Auf dem Sabra-Markt in Beirut/Libanon)

Das Fasten soll die Selbstdisziplin und den Glauben der Muslime stärken. (In einer Moschee in Kairo)

In der Praxis steht das traditionelle Fastenbrechen (Iftar) nach Sonnenuntergang häufig im Vordergrund: Für die meisten Muslime ist es ein wichtiges Gemeinschaftserlebnis im Kreise der Familie. (Ein Mann kauft Shrimps auf einem Markt in Kuwait)

Das Fastenbrechen beginnt mit einer Dattel und einem Becher Milch. Nahezu jeder Abend im Ramadan werde von Treffen mit Verwandten, Freunden und Nachbarn bestimmt, sagt Spielhaus. "Gemeinsam wird gut und viel gegessen." (Dattel-Einkauf in Multan/Pakistan)

Viele arabische Familien sehen sich nach dem Essen eigens für diesen Anlass produzierte ägyptische oder syrische Seifenopern und andere Unterhaltungsprogramme an. (Dattel-Geschäft in Sidon/Libanon)

Die Analogie zum Weihnachtsfest liegt auf der Hand. Und noch eine Parallele überrascht: Nicht wenige Muslime nehmen während des Ramadan zu statt ab. (Markt in Kuwait)

Gesund ist diese Art des Fastens nicht. "Entweder schlagen die Muslime beim Essen am Abend über die Stränge, oder sie nehmen das Fasten so ernst, dass sie sogar auf wichtige Medikamente verzichten", sagt der pensionierte ägyptische Allgemeinarzt Mustafa Darwisch. (Stand mit Hähnchenkeulen in Putrajaya/Malaysia)

"Das Problem ist nicht das Fasten selbst, sondern dass die Menschen nach dem allabendlichen Fastenbrechen ihre Mägen mit zu vielen und zu fettigen Speisen strapazieren", erklärt die Ärztin Mona Abu Zekri. (Geschäft für Süßigkeiten in Bagdad/Irak)

Die Wartezimmer der Ärzte seien im Fastenmonat besonders voll. "Viele klagen über starke Magenschmerzen, Bluthochdruck oder Durchfall." (Auf dem Sabra-Markt in Beirut/Libanon)

Die Essenszeiten verschieben sich bis in die Nacht hinein. Vor Sonnenaufgang würden dann noch ungesunde Snacks verzehrt. (Hier, in Lahore/Pakistan, werden jedoch offensichtlich gesunde Mahlzeiten verteilt)

Hielten sich die Gläubigen an die Regeln des Korans und würden sie sich davor über ihren Gesundheitszustand informieren, hätte das Fasten nach Ansicht von Abu Zekri keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit.

"Es ist einfach lächerlich, dass die Menschen während des Fastenmonats in den meisten Fällen zunehmen", sagt sie. Rechne man zusammen, was die Muslime jeden Abend beim Fastenbrechen zu sich nehmen, sei es viel mehr als die normale Tagesration.

In Deutschland wird das Fasten von Schülern immer wieder kritisch diskutiert, berichtet Riem Spielhaus, weil Leistungsabfälle kaum zu vermeiden sind. "Das ist ein schwieriges Thema." (Auf dem Sabra-Markt in Beirut/Libanon)

Spätestens mit 14 Jahren seien Jungen und Mädchen im islamischen Kulturkreis erwachsen und damit angehalten zu fasten. (Gebet in einer Moschee in Manila/Philippinen)

Doch wie die Weihnachtszeit, die ja in den deutschen Supermärkten bereits im September beginnt, … (Hebron, Westjordanland)

… gilt auch der Ramadan als Zeit der Besinnung und der Fürsorge für die Armen und sozial Benachteiligten. (Schiitische Geistliche in Koranschule von Nadschaf/Irak)

Im Ramadan fließen daher auch die Spenden an Moscheen oder Bedürftige reichlicher. (In Hargeisa/Somaliland verkauft eine Frau Teigtaschen)

Trotz der abendlichen Schleckereien dominiert tagsüber die Enthaltsamkeit. Das kann - vor allem an heißen Tagen - sehr hart sein. (Junge Muslime warten in Jakarta/Indonesien auf den Sonnenuntergang.)

Mehrere Länder wie Saudi-Arabien verbieten auch Nicht-Muslimen bei Androhung des Landesverweises im Ramadan das Essen, Trinken oder Rauchen in der Öffentlichkeit. (Touristen in Dubai vor einem Schriftzug, der einen "fröhlichen Ramadan" wünscht)

"Der Ramadan ist eine Zeit, in der Selbstdisziplin geübt wird", sagt Spielhaus, die an der Berliner Humboldt-Universität forscht. (Ein Geschäft für Gebetsketten in Damaskus/Syrien. Gebetsketten werden während des Ramadan häufiger verkauft als gewöhnlich)

Neben dem Spirituellen gehe es auch um die Frage: "Wie stark ist der eigene Wille gegenüber dem Körper?" (In Damaskus/Syrien weckt Abu Hossam die Gläubigen kurz vor Sonnenaufgang, damit sie sich vor Tagesanbruch noch einmal stärken können)

Das Fasten gehört zusammen mit dem Glaubensbekenntnis, der Verrichtung der fünf täglichen Gebete, den Almosen und der Pilgerfahrt nach Mekka zu den religiösen Pflichten jedes Muslims. (Gebet in einer Moschee in Kairo/Ägypten)

Nach islamischer Überlieferung begannen die Offenbarungen Gottes an den Propheten Mohammed, die dann als Koran zusammengetragen wurden, im Jahre 610 im Monat Ramadan. (Moschee in Islamabad, Pakistan)

In der zweiten Sure, Vers 185, heißt es: "Wenn jemand von euch diesen Monat hier erlebt, dann soll er während des Monats fasten." (Ein Palästinenser liest in Gaza-Stadt im Koran)

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