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Panorama

Orgie mit Stieren: Sanfermines in Pamplona 2008

 
Firmin der Ältere war der erste Bischof von Amiens. Er stammte aus Pamplona.

Firmin der Ältere war der erste Bischof von Amiens. Er stammte aus Pamplona.

Selbst für Hobby-Anthropologen ...

... ist der kulturhistorische Wert dieser uralten Tradition auf den ersten Blick zu erfassen.

Am Montag fand der erste "encierro" statt. Täglich werden nun sechs Kampfstiere zusammen mit sechs zahmen Leitochsen über 825 Meter durch die engen Gassen der Altstadt bis in die Arena gejagt.

Wie in jedem Jahr liefen hunderte "mozos" vor den bis zu 700 Kilo schweren Bullen her.

Als einzige "Waffe", um die Stiere von sich fernzuhalten, dient den Läufern eine zusammengerollte Zeitung.

Und wie in jedem Jahr gab es Verletzte. Erstaunlich genug: Seit 1924 kamen nur 14 Läufer ums Leben, zuletzt 2003 ein 62-jähriger Spanier.

Wie in jedem Jahr hatten Tierschützer vor den Läufen gegen die Hatz protestiert. Die Stiere würden vor dem Rennen mit Elektroschocks und spitzen Stöcken gereizt, danach in der Arena gequält und geschlachtet, kritisiert die Organisation PETA.

"Tiere zu unserer Unterhaltung zu quälen und abzuschlachten, ist ein Spektakel aus der Steinzeit", sagte eine PETA-Aktivistin.

Bei der ersten Stierhatz rammte eines der Tiere sein Horn in den Oberschenkel eines jungen Mannes. Neun Läufer mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Stier löste sich von der Herde und ging gezielt auf einzelne Teilnehmer los.

In der Arena werden die Stiere schließlich von Toreros getötet.

Die Einheimischen beharren darauf, eine große Tradition zu pflegen. Selbst der Nachwuchs wird ausgebildet.

Die unerfahrenen und nicht selten völlig verkaterten Touristen werden von den Einheimischen "patas" genannt - Trottel. Sie packen die Stiere am Schwanz oder an den Hörnern oder versuchen gar, sie zu reiten.

Klar, dass man sich dann über eine spontane Dusche freut.

... und eventuell vorhandene Hemmschwellen senkt.

... jedoch gelegentlich die Kontaktaufnahme zu erleichtern scheint ...

Ihm zu Ehren veranstaltet die Stadt bereits seit dem 16. Jahrhundert alljährlich zwischen dem 6. und dem 14. Juli die sogenannten Sanfermines, ...

... die im vergangenen Jahrhundert von Ernest Hemingway berühmt gemacht wurden.

"Sonntagmittag, den 6. Juli, brach die Fiesta aus. Es gibt keinen anderen Ausdruck dafür", schrieb er in seinem Roman "The Sun also Rises", der auf Deutsch den Titel "Fiesta" trägt.

1923, als Hemingway mit seiner Frau Elizabeth Hadley Richardson durch die nordspanische Stadt streifte, war er einer von wenigen Ausländern, die an den Sanfermines teilnahmen.

Heute erklingt in den Straßen von Pamplona Hemingways Muttersprache ziemlich häufig.

Auch in diesem Jahr fiel der Startschuss für die Fiesta auf einen Sonntag. Zehntausende kamen zum Abschuss der Rakete vom Rathausbalkon, die das Fest eröffnete.

Insgesamt werden bis zum 14. Juli eine Million Touristen zu den "204 Stunden Fiesta ohne Pause" erwartet. Pamplona selbst hat lediglich 185.000 Einwohner.

"Viva San Fermn, gora San Fermn!" (Es lebe San Fermn), schrie die Stadträtin Uxue Barkos auf Spanisch und Baskisch den jubelnden Menschen zu.

Gekleidet waren sie mit der traditionellen Tracht: weiße Hose, weißes Hemd, rote Schärpe und rotes Halstuch.

Nicht selten nimmt die weiße Kleidung bald ebenfalls einen rötlichen Ton an. Das liegt am Rotwein, ...

... der in leicht verschwenderischer Form konsumiert ...

... und ausgeschenkt wird, ...

Hemingway selbst soll übrigens nie mitgelaufen sein - er sei meistens zu betrunken gewesen, behaupten böse Zungen. (Bilder: dpa / AP)

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