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Freitag, 10. April 2009

Am Anfang stand die Lotterie: Tel Aviv - die junge Stadt, die niemals schläft

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Die Geschichte Tel Avivs beginnt vor mehr als 100 Jahren ... (Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Geschichte Tel Avivs beginnt vor mehr als 100 Jahren ...

Die Geschichte Tel Avivs beginnt vor mehr als 100 Jahren ...

... mit einer Lotterie. Am 11. April 1909 trafen sich 60 Familien in den Sanddünen am Meer.

Akiva Weiss, so berichtet es die Stadtchronik, schrieb auf 60 weiße Muscheln die Familiennamen und auf 60 graue die Nummern der zu verlosenden Landparzellen.

Das Gruppenfoto zeigt die Pioniere bei der Gründung ihres "Wüstenwunders", aus dem später die "erste hebräische Stadt" hervorgehen sollte.

Auf dem Weg zu einer kosmopolitischen Metropole hat Tel Aviv in den 100 Jahren noch viele andere Beinamen getragen. Knapp ein Jahr nach der Lotterie ... (Wandmalerei anlässlich des 100. Geburtstags im Jahr 2009)

... gaben die Gründer ihrer Siedlung den bis heutige gültigen offiziellen Namen: "Tel Aviv" lautete die hebräische Übersetzung des Buchtitels "Altneuland" des österreichischen Schriftstellers und zionistischen Visionärs Theodor Herzl (1860-1904).

Die Gründerväter wollten damals neue Maßstäbe setzen, um Käufer anzulocken. Sauber sollte der Ort sein und Hebräisch die Amtssprache. (Kinder beim Sportunterricht, 1948)

Mitte der 1920er-Jahre lebten bereits mehr als 30.000 Menschen in Tel Aviv. (Jüdische Kinder beim Wochenfest "Shawuot", Mai 1947)

Bäume entlang der Hauptstraßen, Parks und Gärten ...

... machten aus ihr eine "Gartenstadt", ...

... auch wenn der amtliche Status einer Stadt erst 1934 verliehen wurde. Zu dieser Zeit waren bereits ... (Demonstration am 1. Mai 1949)

... zehntausende Juden vor der Verfolgung durch das NS-Regime in Deutschland und wachsendem Antisemitismus in Europa geflohen. Rund 130.000 Menschen lebten 1936 in Tel Aviv. (Schiff mit 700 jüdischen Flüchtlingen vor Tel Aviv, August 1939)

Mit den jüdischen Flüchtlingen aus Europa kamen auch Architekten. Viele hatten die Bauhaus-Schule absolviert.

Sie entwarfen bis 1956 rund 4500 Gebäude im klassischen Bauhaus-Stil, wie hier am Rothschild-Boulevard.

Der vorwiegend weiße, aber auch pastellfarbene Anstrich der Fassaden führte zwangsläufig zum nächsten Beinamen: "Weiße Stadt". (Bauhaus-Gebäude in der Petah-Tikwa-Straße)

Tel Aviv ist das wohl weltweit größte Bauhaus-Museum unter freiem Himmel. Seit 2003 ... (in der Dizengoff-Straße)

... gehört die weiße Stadt zum Weltkulturerbe. Viele der Bauten sind aber nicht mehr in gutem Zustand, ... ("Bootshaus" genanntes Gebäude von Arie Cohen von 1934 in der Lavanda-Straße)

... die Fassade bröckelt. Die strengen Auflagen der UNESCO sehen vor, ... (in der Biyalik-Straße)

... dass über 1000 Häuser bis zum Originalzustand restauriert werden müssen.

Tel Aviv ist heute mit rund 405.000 Einwohnern nach Jerusalem die zweitgrößte Stadt Israels - und eine wahre Wirtschaftslokomotive. (Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv)

In Tel Aviv finden sich die Wertpapier- und die Diamantenbörse - eine Kleinstadt für sich. Und im "Silicon Wadi", einer Abwandlung vom "Silicon Valley" im US-Bundesstaat Kalifornien, haben sich viele Hightech-Firmen angesiedelt.

Rund 800.000 Menschen pendeln nach Angaben des Statistikbüros jeden Tag zur Arbeit in die Stadt.

Die Staus sind ebenso nervtötend ...

... wie die explodierenden Mietpreise. Tel Aviv rangiert inzwischen an der Spitze der teuersten Städte in der Region.

Tel Aviv ist jung und hip - eine Mischung aus mediterranem, nahöstlichem Flair und kosmopolitischem Lebensstil.

"Die Stadt, die niemals schläft", wird Tel Aviv daher auch genannt.

Besucher, die am Strand oder ...

... in den vielen Pubs, Bars, Restaurants, Kneipen, Nachtclubs, Museen, Galerien und auf den großen Einkaufsmeilen nicht auf ihre Kosten kommen, sind selbst schuld.

Auf jeden Fall ist Tel Aviv die wohl toleranteste Stadt in der Region.

Nirgendwo in weitem Umkreis leben so viele Schwule und Lesben unbehelligt zusammen mit Heterosexuellen.

Die Stadt solle deshalb "Pink City" heißen, schlug ein Journalist vor.

"100 Jahre später ist die Vision unserer Gründungsväter, die auf die Sanddünen schauten und dort das Potenzial für eine dynamische Stadt sahen, wahr geworden", sagt Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai (im Bild) anlässlich des 100. Geburtstags der Stadt. (Text: Andrea Beu, mit dpa)

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