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Absturz in Alabama: UPS verliert Frachtmaschine

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Großalarm am Flughafen Birmingham-Shuttlesworth (IATA-Code BHM) in Alabama: Beim nächtlichen Landeanflug auf Runway 18 zerschellt ein Frachtflugzeug wenige hundert Meter vor der Landebahn. (Foto: REUTERS)

Großalarm am Flughafen Birmingham-Shuttlesworth (IATA-Code BHM) in Alabama: Beim nächtlichen Landeanflug auf Runway 18 zerschellt ein Frachtflugzeug wenige hundert Meter vor der Landebahn.

Großalarm am Flughafen Birmingham-Shuttlesworth (IATA-Code BHM) in Alabama: Beim nächtlichen Landeanflug auf Runway 18 zerschellt ein Frachtflugzeug wenige hundert Meter vor der Landebahn.

Kurz nach Sonnenaufgang bietet sich den Rettungskräften vor Ort ein schrecklicher Anblick: Die Maschine vom Typ Airbus A300-600F liegt in mehrere Teile zerbrochen im Anflugbereich des Airports. Teil des Rumpfs und der Flügel brennen nahezu komplett aus.

Die Bug-Sektion liegt abgetrennt gut 50 Meter vom Rumpf entfernt. Für die zweiköpfige Crew kommt offenbar jede Hilfe zu spät.

Obwohl das Cockpit von außen beinahe unversehrt erscheint, können die Retter nichts mehr für sie tun: Pilot und Copilot haben den Aufschlag nicht überlebt. Was ist mit Flug 1354 geschehen?

Der zweistrahlige Cargo-Jet gehörte zur Flugzeugflotte des Paketdienstleisters UPS.

Die Maschine war auf einem nächtlichen Linienflug unterwegs von ihrem Startflughafen in Louisville, Kentucky, zum regionalen Frachtdrehkreuz bei Birmingham im US-Bundesstaat Alabama. Im Frachtraum: tausende UPS-Pakete verschiedener Art und Größe.

Der Standort Louisville ist der zentrale Knotenpunkt im weltweiten Logistiknetz der Frachtfluggesellschaft UPS Airlines, einer hundertprozentigen Tochter des weltgrößten Paketdienstleisters United Parcel Service (UPS).

Rund um die Uhr starten von diesem "Worldport" UPS-Frachtmaschinen im Minutentakt. Ihre Ziele liegen in allen Himmelsrichtungen, überall auf der Welt.

Auch Flug 1354 hebt in der Nacht von diesem Hauptverteilerzentrum ab.

Der Flug verläuft zunächst offenbar vollkommen reibungslos. Doch unmittelbar vor dem Zielflughafen nimmt das Unglück seinen Lauf.

Kurz vor der Landung um 4.51 Uhr morgens muss es zu außergewöhnlichen Problemen gekommen sein: Ersten Angaben zufolge soll es keinen Notruf gegeben haben. Ohne Vorwarnung rast die Maschine ihrem Ende entgegen.

Die A300-600F flog offenbar ungewöhnlich tief an: Kurz vor dem Aufschlag soll sie bereits bei der Annäherung an den Flughafen so niedrig gewesen sein, dass sie mehrere Baumwipfel in einem benachbarten Wohngebiet streifte und eine Stromleitung kappte.

Die Anwohner in der Einflugschneise und die Stadt Birmingham hatten offenbar Glück im Unglück. Der Flughafen mit seinen beiden Rollbahnen ist nahezu komplett umringt von dicht bebauten Wohngebieten und viel befahrenen Verkehrsadern.

Eine Maschine des betroffenen Typs wiegt leer bereits etwa 90 Tonnen. Das maximale Startgewicht der rund 54 Meter langen und von Flügelspitze zu Flügelspitze 45 Meter breiten Maschine liegt bei knapp 166 Tonnen.

Im grasbewachsenen Vorfeldgelände ist die Wucht des Aufschlags am Morgen danach erschreckend deutlich zu erkennen.

Nach Angaben der US-Flugaufsicht Federal Aviation Administration (FAA) berührte die Maschine etwa 900 Meter vor Beginn der Nord-Süd-Landebahn den Boden - dort, wo das Gelände zum Airport-Areal leicht ansteigt.

Die Wetterbedingungen waren zum Zeitpunkt des Unglücks nicht weiter ungewöhnlich.

Kurz vor fünf sei eine laute Explosion zu hören gewesen, berichten Anwohner in lokalen Medien. "Die Erschütterungen in meinem Haus waren so stark, dass ich aufsprang", schildert ein Nachbar den Beginn des Unglücks.

Kurz darauf soll es eine zweite Explosion gegeben haben. Womöglich war das der Flugzeugtreibstoff, der nach dem Aufschlag am Boden in Flammen aufging.

Zerschmettert liegt die Bug-Sektion am Boden: Der Aufprall des tonnenschweren Jets muss gewaltig gewesen sein.

Die Spuren am Boden deuten es an: Die Maschine muss im flachen Sinkflug mit dem Bauch voran aufgeschlagen sein.

Bereits wenige Stunden nach dem Absturz nehmen Experten der Flugsicherheitsbehörde National Transport Safety Board (NTSB) Ermittlungen auf: Hier begutachten sie die Überreste eines der beiden Pratt & Whittney-Triebwerke.

Der Flugzeugbauer Airbus - Hersteller der Unglücksmaschine - entsandte eigenen Angaben zufolge ein Team an Spezialisten, um die Nachforschungen der US-Behörden vor Ort zu unterstützen.

Die Maschine war knapp zehn Jahre alt und hatte rund 6800 Flüge und 11.000 Flugstunden auf dem Buckel - kein besonders hoher Wert für ein gut gewartetes Frachtflugzeug.

Auch Anzeichen für ein Feuer im Frachtraum gibt es ersten Erkenntnissen zufolge nicht - ein solcher Vorfall hatte vor knapp drei Jahren zum Absturz einer UPS-Frachtmaschine vom Typ Boeing 747-400F in Dubai geführt.

Auf den ersten Blick erinnert das UPS-Unglück von Alabama stattdessen an die Bruchlandung einer Passagiermaschine in San Francisco.

Dort hatte Anfang Juli eine Boeing 777-200 der Asiana Airlines eine Begrenzungsmauer des Flughafens mit dem Heck gestreift.

Die Maschine mit 307 Menschen an Bord überschlug sich und ging in Flammen auf. Das Unglück forderte drei Todesopfer und zahlreiche teils Schwerstverletzte. Immerhin 175 Personen konnten der Bruchlandung ohne größere Verletzungen entkommen.

Ersten Ermittlungen zufolge war die Anfluggeschwindigkeit zu gering. Untersucht wird auch, ob der Flugzeugführer womöglich zu wenig Praxiserfahrungen mit der 777 hatte.

Klar ist bislang nur, dass beide Maschinen im offenbar kontrollierten Sinkflug vor der Landebahn aufkamen und erst dann durch die dabei auftretenden Kräfte zerbarsten.

Ob sich darüber hinaus weitere Parallelen zwischen den beiden Unglücken ziehen lassen, werden die weiteren Ermittlungen zeigen.

Mit einem ersten Zwischenbericht ist - wie in solchen Fällen üblich - frühestens in einigen Monaten zu rechnen. (mmo)

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