Originell und original, Schein und Sein: Unechte Terrakotta-Krieger in Hamburg
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Wieder einmal sorgte im Dezember 2007 die tönerne Armee des ersten Kaisers von China für Aufregung. Alles drehte sich um die Frage:Bild 1 von 42 Echt oder unecht? Alles schöner Schein?Bild 2 von 42 Weil die im Hamburger Völkerkundemuseum aufgebauten Terrakotta-Krieger eben keine Originale sind, hat das Museum nun den Vertrag mit der Ausstellungsfirma Center of Chinese Arts and Culture (CCAC) gekündigt.Bild 3 von 42 Die Ausstellung mit angeblich acht Original-Figuren, zwei Original-Pferden und zahlreichen Nachbildungen wird geschlossen. "Wichtig ist die Glaubwürdigkeit des Museums", erklärt der Museumsdirektor Wulf Köpke.Bild 4 von 42 Als die Zweifel an den ausgestellten Terrakotta-Kriegern in den Vitrinen bekannt wurden, informierte man die Besucher mit Hinweisschildern:Bild 5 von 42 "Es gibt von dritter Seite Hinweise darauf, dass es sich bei einigen oder allen der in der Ausstellung als authentisch ausgewiesenen Objekten um Kopien handeln könnte."Bild 6 von 42 "Von dritter Seite" meinte in diesem Fall, dass der Leipziger Kulturmanager Roland Freyer Anzeige erstattet hatte. Er selbst hatte 2004 erstmals Originalfiguren nach Markkleeberg bei Leipzig geholt (Bild) und sie auch wieder abreisen sehen.Bild 7 von 42 Die chinesische Behörden geben Freyer Recht und erklären, es gebe keine echten Krieger-Figuren in Hamburg.Bild 8 von 42 Dabei hatte das Unternehmen CCAC dem Museum "Echtheitszertifikate vorgelegt, aber keine Transportpapiere", so Direktor Köpke. Die Unterlagen seien jedoch unübersichtlich gewesen.Bild 9 von 42 Also kann man jetzt in Deutschland nur noch Fotos oder Nachbildungen der echten Krieger bewundern.Bild 10 von 42 Die Figuren haben die Proportionen echter Menschen - egal ob Original-Terrakotta oder zertifizierte, authentische Reproduktionen wie in Hamburg.Bild 11 von 42 Im Völkerkundemuseum hätte man eigentlich schon misstrauisch werden müssen, als die wertvollen Figuren ohne ihren chinesischen Begleitschutz eintrafen, ...Bild 12 von 42 ... dass Museumsmitarbeiter sie aufbauen durften und dass sie nicht wie geplant eingeflogen, sondern verschifft wurden.Bild 13 von 42 Schließlich gelten die weltberühmten, 2200 Jahre alten Krieger als das achte Weltwunder.Bild 14 von 42 Und Weltwunder verschifft man nicht. Weltwunder besucht man vor Ort. So sieht es auch Jaques Chirac, der den Originalschauplatz in China besuchte und eigenhändig ins Gästebuch schrieb:Bild 15 von 42 "Es gibt sieben Weltwunder. Wer die Pyramiden nicht gesehen hat, kennt Ägypten nicht ...Bild 16 von 42 ... und wer das 'achte Weltwunder' nicht sah, dem ist das Reich der Mitte verloren. Die Terrakotta-Armee ist das achte."Bild 17 von 42 Die faszinierenden Krieger wurden 1974 in einem chinesischen Dorf nahe der alten Kaiserstadt Xi'an in der Provinz Shaanxi entdeckt. Bauern wollten einen Brunnen graben und stießen auf eine der größten archäologischen Sensationen des 20. Jahrhunderts.Bild 18 von 42 Auf dem riesigen Gelände der Grabanlagen des Kaisers Qín Shángdìs (259 bis 210 vor Christus) fand man mehrere Gruben ...Bild 19 von 42 ... mit bronzenen und hölzernen Streitwagen, ...Bild 20 von 42 ... Hunderten von tönernen Pferdeskulpturen, ...Bild 21 von 42 ... und Tausenden lebensgroßen Terrakotta-Soldaten, die sich in Reih und Glied zur Armee gruppieren, teilweise auf Flächen von der doppelten Größe eines Fußballfeldes.Bild 22 von 42 Noch ist nicht das gesamte Areal erschlossen. Der Grabhügel des Herrschers, der hier seit 210 v. Chr. ruht, ist bis heute ungeöffnet.Bild 23 von 42 Der erste Kaiser des Reiches der Mitte bestieg mit 13 Jahren als König Zheng von Qin den Thron. Ab 230 v. Chr. unterwarf er die Nachbarstaaten und einigte das Reich. 221 v. Chr. ernannte er sich selbst zum "Ersten Erhabenen Gottkaiser von Qin".Bild 24 von 42 Elf Jahre lang regierte er sein Kaiserreich, er führte eine einheitliche Währung und Schrift ein, ließ Infrastruktur und eine Vorform der chinesischen Mauer errichten.Bild 25 von 42 Doch der Kaiser führte sein Reich auch mit harter Hand. Dieben wurden die Hände abgehackt, politische Widersacher zerstückelt oder lebendig begraben. Die mächtige Armee sollte den großen Kaiser ins Jenseits geleiten. Die enorme Grabanlage sollte ihn unsterblich machen.Bild 26 von 42 Von Chinas großem Historiker Sima Qian ist überliefert, dass 700.000 Arbeiter über 30 Jahre lang mit dem Bau der Grabanlagen beschäftigt waren. Von der Terrakotta-Armee ist in seinen Aufzeichnungen allerdings nichts zu finden.Bild 27 von 42 Die Unsterblichkeit ist dem König der Könige inzwischen jedenfalls sicher: 1987 erklärte die UNESCO das Areal zum Weltkulturerbe.Bild 28 von 42 Seitdem pilgern Scharen von Besuchern zum Mausoleum des Königs und seinem Museum in der Stadt Xi'an, um seine faszinierende Armee zu sehen.Bild 29 von 42 Seit die Menschenmassen kommen, kennt die Terrakotta-Armee einen reellen Feind: Die atemfeuchte Luft in den Gruben hat einem Angriff der Schimmelpilze Tür und Tor geöffnet.Bild 30 von 42 Während die Körper der Krieger in Formen gegossen wurden, sind ihre Gesichter individuell geformt und weisen Spuren von Farbe auf. Sie sollten möglichst echt aussehen.Bild 31 von 42 Zumindest der deutschen Kunststudent Pablo Wendel fühlte sich von den originalgetreuen menschlichen Proportionen der Krieger herausgefordert.Bild 32 von 42 Im September 2006 sorgte er für Aufsehen, als er sich in täuschend echter Terrakotta-Montur im Museum zwischen den Kriegern postierte und stillhielt.Bild 33 von 42 Prompt wurde der Student von der Polizei festgenommen, mehrere Stunden befragt und schließlich nicht ohne Ermahnung doch wieder freigelassen - denn schließlich hatte er nichts zerstört, sondern im Gegenteil die Sammlung erweitert.Bild 34 von 42 Vollrad Kutscher hatte eine andere originelle Idee: Er formte ein Heer aus Terrakotta-Köpfen, die allesamt seine Züge tragen.Bild 35 von 42 Inzwischen gibt es auch weibliche Terrakotta-Kriegerinnen.Bild 36 von 42 Die Künstlerin Marian Heyerdahl hat die Damen gestaltet. Manche von ihnen sind sogar schwanger.Bild 37 von 42 Das Spiel mit der Originalität treiben auch die unzähligen Souvenirshops, nur eben auf die altbewährte Art und Weise: Wie vor 2200 Jahren produzieren Manufakturen die lebensgroßen Krieger. Zertifikate bürgen für die Echtheit der Nachbildung.Bild 38 von 42 Besonders Amerikaner, Australier und Afrikaner lassen sich die Figuren gern in ihre Heimat liefern.Bild 39 von 42 In Deutschland sorgte eine Wanderausstellung für einen Großauftrag. 180 Figuren wurden für die Schau nach alter Rezeptur und Herstellungsweise nachgebaut. Die neuen Terrakotta-Krieger waren in elf deutschen Städten auf Tour, zum Beispiel in Berlin.Bild 40 von 42 Und immer wieder reizen die Reihen bewegungsloser Krieger die Menschen, es mit ihnen aufzunehmen.Bild 41 von 42 Doch original bleibt original.Bild 42 von 42
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