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Dienstag, 14. November 2017

Krise fördert Glücksspiel: Venezolaner zocken um ihr Überleben

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Die wirtschaftliche Lage in Venezuela ist katastrophal. (Foto: REUTERS)

Die wirtschaftliche Lage in Venezuela ist katastrophal.

Die wirtschaftliche Lage in Venezuela ist katastrophal.

Obwohl das südamerikanische Land über die größten Ölreserven der Welt verfügt, grassiert dort eine Hyperinflation.

Lebensmittel und Medikamente sind kaum noch zu bekommen, immer mehr Menschen leiden Hunger.

Weil mit Arbeit kaum noch Geld zu verdienen ist, haben sich viele Menschen aufs Glücksspiel verlegt.

Obwohl die Menschen insgesamt auch dabei mehr verlieren, als sie gewinnen, ist die Illusion einer größeren Zahlung einfach zu verlockend.

Die Venezolaner wetten auf jede erdenkliche Weise, nicht nur auf Pferderennen.

Besonders beliebt ist gerade "Los Animalitos", eine Art Tierlotterie. Die Verlosungen finden bis zu acht Mal am Tag statt.

Selbst Kinder kaufen Lose, obwohl Glücksspiel für unter 18-Jährige in Venezuela verboten ist.

Man setzt auf eines von 38 Tieren, die Ziehung ist als Video auf Youtube zu sehen und das Ergebnis wird auf Twitter veröffentlicht.

Zehn Minuten nach der Verlosung wollen die Menschen schon ihren Gewinn haben, berichten die Losverkäufer.

"Es hat mir sehr geholfen", sagt Eduardo Liendo über einen rechtzeitigen Sieg. Er hatte auf den Hund gesetzt, nachdem sein eigener kürzlich gestorben war.

Der 63-Jährige lebt in einem Auto in Caracas Propatria. Bis vor Kurzem hatte er noch ein Haus.

Das billigste Ticket kostet 100 Bolivar, nach den derzeitigen Schwarzmarktkursen weniger als 1 Eurocent.

"Die meisten Leute, die ich in der Lotterie sehe, sind arbeitslos und versuchen, ein bisschen mehr zu verdienen, weil die Auszahlungen gut sind", sagt Veruska Torres.

Die 26-jährige Krankenschwester hat kürzlich ihren Job in einer Apotheke verloren und spielt jetzt jeden Tag Animalitos.

An einem Kiosk in Catia spielt sie oft mehr als ein Dutzend Mal täglich, gibt dabei zwischen 5000 und 10.000 Bolivar aus.

Sie gewinnt immer mal wieder, bis zu 60.000 Bolivar, mehr als ein Viertel des monatlichen Mindestlohns. Dann kauft sie von der einen Hälfte Lebensmittel und Windeln.

Die andere Hälfte investiert sie wieder in die Lotterie.

Venezuelas Glücksspiel-Unternehmen, die von einer Mischung aus Privatunternehmen und lokalen Gebietskörperschaften geführt werden, sagen, der Handel boomt.

"In einer Krise wie der, die wir durchmachen, trinken und spielen die Leute mehr, um der Realität zu entkommen", meint die Psychologin Rosa Garcia aus dem ländlichen Bundesstaat Barinas.

Weil es kaum möglich ist, mit der schwindelerregenden Inflation Schritt zu halten, haben viele Bars, Läden und Wettbüros bereits auf elektronische Zahlungen umgestellt.

Das ist für das Caracas-Hippodrom ein Problem.

Denn bei den Pferdewetten ist normalerweise Bargeld Trumpf.

Aber noch gehen an jedem Wochenende Tausende dorthin.

Sie stehen an den Zäunen vor der Sandbahn und feuern ihr Pferd an.

Und während im Hintergrund die Salsa-Musik dröhnt, hoffen sie auf einen Gewinn, mit dem sie eine weitere Woche überleben können.

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