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Zu früh in der Tonne: Wie lange Lebensmittel halten

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Neulich im Supermarkt: "Tut mir leid, die dürfen wir Ihnen leider nicht mehr verkaufen", sagt die Kassiererin und packt die Schokoladentafel weg, die laut Auszeichnung zum halben Preis zu haben sein sollte. "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist seit drei Tagen abgelaufen." (Foto: picture alliance / dpa)

Neulich im Supermarkt: "Tut mir leid, die dürfen wir Ihnen leider nicht mehr verkaufen", sagt die Kassiererin und packt die Schokoladentafel weg, die laut Auszeichnung zum halben Preis zu haben sein sollte. "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist seit drei Tagen abgelaufen."

Neulich im Supermarkt: "Tut mir leid, die dürfen wir Ihnen leider nicht mehr verkaufen", sagt die Kassiererin und packt die Schokoladentafel weg, die laut Auszeichnung zum halben Preis zu haben sein sollte. "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist seit drei Tagen abgelaufen."

Auch wenn das der Kundin wenig ausmachen würde, bleibt die Kassiererin stur. Verboten ist eben verboten. Dabei kann es sich aber höchstens um eine interne Anweisung handeln. Kein Gesetz untersagt es, Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums - kurz MHD - unters Volk zu bringen. Nur ist das Risiko den meisten Händlern zu groß. Denn dann ist es an ihnen, zu gewährleisten, dass das Produkt noch nicht verdorben ist.

Das allerdings dürfte drei Tage nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums nur selten der Fall sein. Das MHD ist schließlich kein Verfallsdatum, sondern ein Stichtag, den der Hersteller setzt. Bis dahin garantiert er, dass das Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften enthält, etwa Aroma und Konsistenz.

Kein Grund also, Essen wegzuwerfen, bloß weil das MHD schon ein paar Tage her ist. Diese Erkenntnis hat sich aber offenbar noch nicht überall durchgesetzt: Jeder Bundesbürger wirft pro Jahr 81,6 Kilogramm Lebensmittel in den Müll, wie nun eine Studie der Universität Stuttgart zeigt. Meistens, weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder das Essen verdorben erscheint.

Dabei wäre weit mehr als die Hälfte noch zu gebrauchen, so die Studienautoren. Meistens sind es Obst, Gemüse oder Backwaren, die noch essbar in der Tonne landen. Solche Lebensmittel müssen in vielen Fällen kein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Ob sie noch essbar sind, liegt also im Ermessen des Verbrauchers.

Vorgeschrieben ist das MHD laut Lebensmittelrecht nur für vorgeschnittenes oder geschältes Obst und Gemüse und für abgepackte Samen oder Sprossen. Solche Lebensmittel sind anfällig für Keime und sollten nach Ablauf des MHD nur noch mit Vorsicht verwendet werden.

Getränke mit mehr als zehn Prozent Alkohol müssen dagegen kein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Alkohol konserviert bekanntlich, Keime können sich hier nicht entwickeln.

Das heißt aber nicht, dass Alkohol endlos gelagert werden kann. Günstige Weine aus dem Supermarkt werden nicht unbedingt besser, wenn man sie lange aufhebt, das gleiche gilt für Sekt, der auch im Zweifel besser frisch ins Glas kommt. Hier geht schon nach ein bis zwei Jahren das Prickeln verloren. Schnaps dagegen kann sich viele Jahre halten, vorausgesetzt, er ist gut verschlossen.

Auch Zucker ist für seine konservierende Wirkung bekannt und hält im Grunde ewig. Er muss deshalb ebenso wenig ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen ...

...wie Salz. Nur wenn Jod zugesetzt ist, muss ein MHD ausgewiesen sein.

Lebensmittel, die besonders keimanfällig sind, haben kein MHD. Stattdessen ist das Verbrauchsdatum angegeben - und zwar verbindlich. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums dürfen Produkte nicht mehr verkauft werden. Wer Wert auf seine Gesundheit legt, sollte sie auch nicht mehr essen.

Ein Verbrauchsdatum gibt es beispielsweise für vorgeschnittene Fertigsalate, für Rohmilch oder Geflügelfleisch.

So wie das MHD wird auch das Verbrauchsdatum vom Hersteller selbst festgelegt. Verkauft ein Supermarkt etwa selbst gemachtes Hackfleisch, dann muss er auch das Verbrauchsdatum mit angeben.

Wer Fleisch oder Käse direkt an der Theke ordert, findet das Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdatum in der Regel auf dem Papierzettel, auf dem auch Gewicht und Preis stehen.

Ob in den Untiefen des Kühlschranks, in der Vorratskammer oder im Gewürzregal - fast in jedem Haushalt finden sich Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeit schon überschritten ist. Bevor sie in den Müll wandern, sollte man ihnen eine Chance geben.

Das heißt: anschauen, riechen, schmecken. In den meisten Fällen ist auf die eigenen Sinne Verlass. Was ranzig riecht oder schmeckt, kommt weg.

Das gilt beispielsweise bei Schokolade. Hier kann der Schein trügen: Ausflockende Kakaobutter sorgt für einen weißlichen Belag, der Geschmack wird dadurch aber nicht beeinträchtigt. Ein paar Monate nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum ist Schokolade in aller Regel noch gut genießbar.

Kritisch kann es werden, wenn die Schokolade Nüsse enthält. Diese können ranzig werden, schlimmstenfalls auch schimmeln. Bei ranzigem oder bitterem Geschmack muss die Schokolade auf den Müll - egal, ob vor oder nach dem MHD.

Wie Schokolade ist auch Kakao nach Ablauf des MHD meist noch brauchbar. Allerdings nicht allzu lange.

Kaffee verliert schnell an Aroma, wenn die Packung erstmal geöffnet ist. Vakuumverpackt hält er sich aber deutlich länger, als das MHD vorgibt.

Überhaupt es oft die Verpackung, die über die Haltbarkeit von Lebensmitteln entscheidet. Das gilt insbesondere für Getreideprodukte wie Mehl, Reis oder Nudeln. Ist die Folie erstmal geöffnet, kann Feuchtigkeit eindringen. Das heißt: Schimmelgefahr.

In der Originalpackung kann Getreide dagegen hingegen jahrelang halten. Bei Eiernudeln ist allerdings Vorsicht angebracht. Hier sollte das MHD allenfalls wenige Wochen überschritten werden.

Schimmel ist bei Getreideprodukten ein klares Signal: Weg damit!

Bei Marmelade entscheidet der Zuckergehalt: Liegt der Zuckeranteil über 50 Prozent, reicht es, die schimmlige Stelle großflächig zu beseitigen. Ansonsten muss das Glas entsorgt werden.

Schimmliges Obst wandert bei den meisten Menschen gleich in den Biomüll. In manchen Fällen ließe sich die betroffene Stelle einfach herausschneiden. Bei fleischigen Sorten, etwa Pfirsichen oder Tomaten, lässt man das besser.

Bei manchen Käsesorten gehört Schimmel ganz natürlich dazu. Camembert oder Blauschimmelkäse etwa reifen im Kühlschrank nach und sind auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar - vorausgesetzt, man mag den intensiveren Geschmack.

Auch Hartkäse ist gewöhnlich noch mindestens zwei Wochen länger haltbar als angegeben. Wird er zu hart, kann man ihn gut zum Reiben oder Überbacken verwenden. Schimmel lässt sich meistens entfernen.

Joghurt wandert in vielen Haushalten schon nach drei Tagen über MHD in den Müll. Dabei wäre er meist noch gut zehn Tage essbar. Wölbt sich der Deckel, ist der Fall klar: Der Joghurt ist schlecht.

Das gilt auch für andere Sauermilchprodukte wie Buttermilch oder Quark, die sich ungeöffnet normalerweise mindestens eine Woche länger halten. Nur bei Kefir ist der gewölbte Deckel kein Zeichen für Verderb, hier ist schließlich erwünscht, dass sich etwas Kohlensäure bildet.

Egal, ob H-Milch, pasteurisierte Frischmilch oder ESL-Milch: Sobald die Packung geöffnet ist, beginnt der Verfall. Nach drei Tagen sollte der Inhalt aufgebraucht sein. Vorsicht: H-Milch schmeckt oft auch noch Tage länger ganz normal, obwohl sie inzwischen verdorben ist.

Für manche ist es unvorstellbar, doch auch Bier kann ablaufen. Bei handwerklich gebrautem Bier ist das meist schon nach einem halben Jahr der Fall.

Doch auch jenseits des MHD sollte man Bier zumindest eine Chance geben. Die Risiken: Weniger Schaum und Flocken, außerdem kann es geschmackliche Einbußen geben.

Konserven werden oft auf Vorrat gekauft und dann vergessen. Oft kann man sie auch noch essen, lange nachdem das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Ist der Inhalt verdorben, erkennt man das meist an einem Zischen beim Öffnen. Bei Fischkonserven sollte man darauf achten, dass das Öl nicht ranzig riecht.

Beim Bäcker gibt es kein Mindesthaltbarkeitsdatum, schließlich ist die Ware zum baldigen Verzehr bestimmt. Je höher der Weizenanteil, desto schneller schmeckt es altbacken. Roggenbrot kann man dagegen oft auch noch nach einer Woche gut essen. Der Kühlschrank hat allerdings keine konservierende Wirkung, im Gegenteil: Hier werden Backwaren schneller trocken.

Nicht immer landen Lebensmittel im Müll, weil sie vermeintlich verdorben sind. Oft wird auch einfach zu viel oder in zu großen Packungen gekauft, so das Ergebnis der anfangs zitierten Wegwerf-Studie.

Nur in 16 Prozent der Fälle landet Essen im Müll, weil es nicht schmeckt. Fraglich ist, ob das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht ist.

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