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Tibet: 50 Jahre Aufstand gegen China

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"Die Clique des Dalai Lama unterscheidet nicht das Richtige vom Falschen. Sie verbreitet Gerüchte", sagt der Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

"Die Clique des Dalai Lama unterscheidet nicht das Richtige vom Falschen. Sie verbreitet Gerüchte", sagt der Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

"Die Clique des Dalai Lama unterscheidet nicht das Richtige vom Falschen. Sie verbreitet Gerüchte", sagt der Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

Und fährt fort: "Die demokratischen Reformen in Tibet sind die umfangreichsten und tiefgreifendsten in seiner Geschichte."

Es ist der 10. März 2009, der 50. Jahrestag des Aufstands in Tibet gegen die chinesische Besatzung. Zeit für Propaganda.

Aus chinesischer Sicht war es ein Aufstand der tibetischen Elite gegen die kommunistischen Reformen, die das Schicksal der Tibeter verbesserte.

Dies soll gefeiert werden - allerdings am 28. März. An diesem Tag im Jahr 1959 wurde der Aufstand endgültig niedergeschlagen, die tibetischen Regierungseinrichtungen vollständig aufgelöst.

Den 28. März 2009 erklärt China nun zum Tag der "Befreiung von der Leibeigenschaft". (Dieses und das vorige Bild zeigen Mönche in Tibet bei der "Umerziehung")

Aus tibetischer Sicht richtete sich der Aufstand gegen die Fremdherrschaft. Er markiert damit den Beginn der massiven Unterdrückung eines ganzen Volkes. Noch immer hoffen der Dalai Lama und tausende Exil-Tibeter auf eine Rückkehr.

Ziel des Dalai Lama ist seit 1988 "echte" Autonomie für Tibet innerhalb Chinas. "Wenn diese Hoffnung erfüllt wird, würde das tibetische Volk seinen Beitrag für die Erhaltung von Einheit und Stabilität in China leisten", sagt der Dalai Lama am Jahrestag.

Die Volksrepublik habe den Tibetern die Hölle auf Erden bereitet. Seit dem Aufstand vom 10. März 1959 habe China den Tod von hunderttausenden Menschen verursacht und unaussprechliches Leid über die Himalaya-Region gebracht.

Seit fast 60 Jahren ist das Hochplateau, einer der abgeschiedensten Orte der Erde, von China besetzt.

Die Regierung in Peking sieht das Land als Teil ihres Reiches. Doch diese Auffassung ist umstritten.

Bis in das 18. Jahrhundert hat Tibet keine festen Grenzen. Die widrigen Umweltbedingungen, die dünne Besiedlung, die Armut an Rohstoffen und Waren bieten wenig Anreize, das Land zu besuchen oder gar zu erobern.

Nach dem Ende des Königtums im 10. Jahrhundert entwickelt sich Tibet zu einem Feudalsystem unter der Herrschaft der Lamas. Der Dalai Lama wird als Gottkönig verehrt.

Der inneren Autonomie steht immer wieder eine äußere Schutzbedürftigkeit gegenüber, die im Laufe der Geschichte durch Mongolen, Chinesen oder Briten gewährleistet wird. (Im Bild: die Stadt Lhasa 1927)

Anfang des 20. Jahrhunderts wird Tibet unter die Vorherrschaft des chinesischen Kaisertums gestellt. Erst nach dessen Ende kehrt der nach Indien geflohene Dalai Lama zurück und ruft 1913 die Unabhängigkeit aus - die China jedoch nie anerkennt.

Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 versucht China, seinen Anspruch auf Tibet mit Gewalt durchzusetzen. Offiziell wollen die Chinesen das tibetische Volk von der feudalen Herrschaft des Dalai Lamas befreien.

Nach dem Einmarsch der Chinesen wird Tibet 1951 annektiert. Teile des Hochlandes werden bestehenden chinesischen Provinzen angegliedert, das damals bestehende Tibet wird damit zerrissen.

Das 1,2 Quadratkilometer große Kerngebiet mit der Hauptstadt Lhasa wird zum "Autonomen Gebiet Tibet" erklärt und ebenfalls in die Verwaltungsstruktur Chinas eingegliedert. (Lhasa 1939)

Nach Besetzung und Annexion muss der Dalai Lama ein 17-Punkte-Abkommen unterzeichnen. Darin wird Tibet zunächst religiöse, kulturelle und politische Autonomie zugebilligt. (Der Dalai Lama und Mao Zedong 1954 in Peking)

Doch der Schein trügt: Autonomie genießen die Tibeter nicht. Die zugesicherten Freiheiten werden bereits in den fünfziger Jahren von der Unterdrückung der tibetischen Kultur abgelöst.

Auch das Land wird wirtschaftlich ausgebeutet. Durch Landreform und Zwangskollektivierungen wird die gesellschaftliche und wirtschaftliche Grundlage Tibets zerstört.

Gerüchte über die geplante Entführung des Dalai Lama nach Peking führen 1959 zu einem Volksaufstand.

Die Revolte wird blutig niedergeschlagen. Politischen Säuberungen fallen tausende Tibeter zum Opfer - nach Angaben der tibetischen Exilregierung werden 86.000 Tibeter getötet.

Der Dalai Lama und mit ihm tausende Anhänger fliehen auf einem beschwerlichen Weg über die Pässe des Himalaya ...

... nach Indien, Nepal und Bhutan.

In Indien erhält der Dalai Lama Asyl ...

... und bildet eine Exilregierung, die seither für die Interessen Tibets eintritt.

Die Chinesen verstärken unterdessen die Unterdrückung der tibetischen Kultur. Der Buddhismus wird behindert. Verheerend wirkt sich die chinesische Kulturrevolution der 60er Jahre aus. Tausende Klöster werden geplündert und zerstört.

Mönche und Nonnen werden gefoltert und getötet. Über eine Million Tibeter fallen der Kulturrevolution Maos zum Opfer.

Erst in den 70er Jahren kommt es zu einer wirtschaftlichen Liberalisierung. Von der langsamen Öffnung Chinas profitiert auch Tibet.

Einzelne Klöster werden für den Massentourismus wieder aufgebaut und restauriert. Doch das sind Ausnahmen.

Denn die Unterdrückung hält an. So kommt es in den 80er Jahren erneut zu Protesten gegen die chinesischen Besatzer, die mit Waffengewalt niedergeschlagen werden.

Die Tibeter befürchten den schleichenden Verlust der eigenen Kultur ...

... und vor allem der religiösen Traditionen des tibetischen Buddhismus.

Mit gezielten Umsiedlungsprogrammen versucht die chinesische Regierung, den Einfluss der Tibeter im eigenen Land zurückzudrängen, indem Chinesen langfristig die Bevölkerungsmehrheit bilden.

Für die Exil-Tibeter ist dies ein schleichender Völkermord. Die Zugezogenen verfügen meist über eine bessere Bildung und besetzen Schlüsselpositionen in Tibet. Die Tibeter selbst sind oft verarmt.

Der Zerfall der tibetischen Kultur schreitet voran. Vor allem die Religionsausübung wird streng überwacht und reglementiert.

Die Anzahl der Mönche und Nonnen wird von der Regierung in Peking bestimmt.

Als der in Tibet verbliebene Panchen Lama (hier 1964), ein weiterer hoher Vertreter des tibetischen Buddhismus, 1989 stirbt, beginnt die Suche nach einem Nachfolger.

Der vom Dalai Lama anerkannte Panchen Lama verschwindet jedoch spurlos. Die chinesische Regierung präsentiert dagegen einen anderen Nachfolger.

Seine Anerkennung ist bis heute umstritten und wird von Exil-Tibetern abgelehnt.

Doch ein weiteres Problem bedroht die Traditionen: Indem der Kommunismus zur Staatsdoktrin wird, weitet sich der Säkularismus aus. Kinder und Jugendliche lernen die tibetische Kultur und ihre Vertreter kaum noch kennen.

Denn der Dalai Lama lebt seit fast 50 Jahren im indischen Exil. Seine Portraits sind, wie auch die Flagge der Exil-Tibeter, strengstens verboten.

Nur international ist der Dalai Lama ein anerkannter Kämpfer für den Frieden, erhält 1989 den Friedensnobelpreis.

Die chinesische Regierung versucht indes nach Jahrzehnten der Vernachlässigung, Tibet stärker an den Staat zu binden.

Zum Beispiel durch den Bau der Lhasa-Bahn soll der Austausch von Waren, aber auch der Zuzug von Chinesen verstärkt werden.

Die subtile Methode der Pekinger Regierung: Tibet soll langsam chinesisch werden.

Doch obwohl die Zerstörung der tibetischen Kultur und die Unterdrückung der tibetischen Bevölkerung international immer wieder bemängelt und angeklagt werden, wird die Besatzung nicht als solche angesehen.

Meist bleibt es bei Protesten von Exil-Tibetern, Menschenrechtlern ...

... oder engagierten Prominenten wie Richard Gere.

Konzerte für die Freiheit Tibets (hier die Beastie Boys) erregen zwar Aufmerksamkeit, der politische Nutzen ist aber begrenzt.

Tibet und seine bedrohte Kultur bleiben somit weitestgehend auf sich selbst gestellt.

Sichere Nachrichten vom "Dach der Welt" gibt es kaum.

Ein Jahr nach den Unruhen vom 14. März 2008 ist die Zahl der Opfer noch immer unklar. Die Regierung in Peking spricht von 19 getöteten Chinesen, ...

... die Exiltibeter gehen davon aus, dass in den zwölf Monaten nach dem Aufstand 220 Tibeter getötet wurden. 1200 Tibeter werden nach Angaben der Internationalen Tibet-Kampagne seither vermisst. (Text: Markus Lippold und Hubertus Volmer. Alle Bilder: AP, dpa, rts)

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