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Er will nicht mehr.
Nach fast 50 Jahren als kubanischer Staats- und Parteichef ist der erkrankte Fidel Castro von seinem Amt als Präsident und oberster Befehlshaber der Streikräfte zurückgetreten.
Bereits 13 Tage vor seinem 80. Geburtstag im Juli 2006 hatte der "Große Führer" seine Amtsgeschäfte "vorübergehend" an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl abgegeben.
Grund damals: eine "verschärfte Darmkrise", wie es in Castros Erklärung an das kubanische Volk hieß, die im kubanischen Fernsehen verlesen wurde.
Sein Bruder Raúl, der auch Verteidigungsminister ist, war bereits bei der Gründung der "M-26-7" dabei, der "Movimiento 26 de Julio" (Bewegung des 26. Juli), die 1953 die kubanische Revolution einleitete.
Raúl hatte in den letzten 18 Monaten angeblich engen Kontakt zu seinem älteren Bruder. Die Öffentlichkeit sieht allerdings seit längerem nicht mehr allzuviel von Fidel. Hier Bilder vom Januar 2007: Besuch von Castro-Freund Hugo Chavez, dem Präsidenten Venezuelas.
Castro hat ein bewegtes Leben hinter sich. Dabei hat man es als Revolutionsführer nicht immer leicht. Alle Welt erwartet, dass man ein bescheidenes Dasein fristet, dem Volke verbunden auf Luxus verzichtet.
Fidel Castro macht da keine Ausnahme. Als die Zeitschrift "Forbes" ihm 2005 attestierte, er habe sein Vermögen in den vorangegangenen zwei Jahren auf 550 Millionen US-Dollar verfünffacht, bekam der "Maximo Lider" schlechte Laune. "Infamie", schäumte er.
Ein Jahr später wiederholte sich das Spiel. Castros Vermögen lag nun laut "Forbes" schon bei 900 Millionen Dollar. Mit dem Chef der kubanischen Zentralbank trat Castro vor die Presse und erklärte, er besitze überhaupt nichts. Nicht einen Peso.
Seinen monatlichen Verdienst bezifferte er auf 900 kubanische Pesos, umgerechnet etwa 40 Dollar - nicht zu viel für einen ordentlichen Kommunisten.
Ursprünglich jedoch war Castro nicht Kommunist, sondern lediglich Anti-Imperialist. Schon seine Herkunft ist nicht die eines Helden der Arbeiterklasse.
Castro kam am 13. August 1926 als (unehelicher) Sohn eines aus Spanien eingewanderten Großgrundbesitzers zur Welt. Im Bild sein Geburtshaus.
Fidel ging auf eine Jesuitenschule, studierte Jura und engagierte sich seit den späten 1940er Jahren in der "Orthodoxen Partei", deren Chef er 1951 wurde (auf diesem Bild von 1940 ist er der Junge mit dem Lutscher).
Ziel der "Orthodoxen" war der Kampf gegen die grassierende Korruption und eine Wirtschaftspolitik, die den Einfluss der USA auf Kuba zurückdrängen sollte. Castros Hauptgegner war Fulgencio Batista (Bild), ?
... der sich im März 1952 an die Macht putschte (hier 1959 auf einem Wandbild hinter Castro). Wenige Tage später klagte ein junger Rechtsanwalt vor dem Obersten Gericht des Landes Batista wegen Bruchs der Verfassung an. Sein Name: Fidel Castro.
Die Klage wurde abgewiesen. Castro berief sich nun auf sein verfassungsmäßiges Recht auf Widerstand. Mit rund 130 Anhängern stürmte er am 26. Juli 1953 die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba.
Der Aufstand scheiterte, Castro wurde verhaftet und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Bereits nach zwei Jahren wurde er mit vielen anderen im Rahmen einer Generalamnestie freigelassen.
Aus Batistas Sicht ein grober Fehler: Schon kurz nach ihrer Freilassung gründeten Castro und seine Mitstreiter eine neue politische Bewegung, die "Movimiento 26 de Julio", die den Untergrundkampf organisieren sollte (im Bild die Fahne der Bewegung).
Castro ging nach Mexiko ins Exil. Dort traf er einen anderen Berufsrevolutionär, Ernesto Che Guevara.
Zusammen mit Che Guevara und 80 weiteren Rebellen kehrte Castro im Dezember 1956 auf der Yacht "Granma" nach Kuba zurück. 26 Monate dauerte ihr Guerillakampf gegen die Batista-Diktatur. Das Bild zeigt Castro im Jahr 1957.
Nach dem Sieg der "Revolution" ?
? Anfang 1959 ?
? wurde Castro kubanischer Ministerpräsident.
Zu diesem Zeitpunkt war die Revolution noch nicht kommunistisch; noch gab es mehrere Parteien. Castros M-26-7 war nur eine davon.
Auch die USA waren noch nicht der Feind: Dieses Bild von 1959 zeigt Castro bei einem Besuch in New York.
Eine Reihe von Verstaatlichungen auch US-amerikanischer Unternehmen brachte Kuba auf scharfen Konfrontationskurs mit den USA. Washington verhängte eine totale Wirtschaftsblockade:
Die Lieferung des für Kuba wichtigen Öls wurde gestoppt, kubanische Produkte - darunter auch Zigarren - dürfen seither nicht in die USA eingeführt werden.
Castro, der sich ursprünglich auf einem "dritten Weg" zwischen den USA und der Sowjetunion sah, näherte sich der UdSSR an (im Bild 1960 mit Nikita Chruschtschow).
Forciert wurde dies durch die legendäre Invasion in der Schweinebucht.
Dort landeten am 17. April 1961 rund 1.200 Exilkubaner. Mit Unterstützung der US-amerikanischen Armee und der CIA sollten sie für die kubanische Exilregierung einen Stützpunkt erobern und von dort aus die USA offiziell um Hilfe bitten.
Die Aktion wurde für die USA ein Desaster.
Nach drei Tagen waren die Invasionstruppen besiegt.
Noch im selben Jahr erklärt sich Kuba, das die USA noch immer als ihren "Hinterhof" ansehen, zu einem sozialistischen Land. Castros Movimiento geht in den so genannten "Integrierten Revolutionären Organisationen" auf.
Zwei Umbenennungen später heißt dieses Gebilde seit 1965 nur noch PCC, Kommunistische Partei Kubas. Andere Parteien sind nicht zugelassen.
Nach der Invasion von 1961 wird Kuba zum Aufmarschfeld für die Sowjetunion - und zum Spielball der Atommächte. 40.000 sowjetische Soldaten und mehrere SS-4 Mittelstreckenraketen werden auf der Insel stationiert.
Als US-amerikanische Spionageflugzeuge im Oktober 1962 diese Raketen entdecken, ordnet US-Präsident Kennedy eine Seeblockade Kubas an. 200 Schiffe werden rund um die Insel in Stellung gebracht. Kennedy nennt dies "Quarantäne". Eine Invasion wird vorbereitet.
US-Verteidigungsminister McNamara sagt später, nur "schieres Glück" habe einen Atomkrieg verhindert. Nach 13 Tagen einigen sich die Sowjetunion und die USA: Moskau zieht seine Raketen aus Kuba ab (Bild), Washington sichert zu, Kuba nicht noch einmal anzugreifen.
Die Feindschaft zwischen den USA und Kuba bleibt bestehen. Nach Recherchen des Journalisten Wilfried Huismann von 2005 steckt Kuba sogar hinter der Ermordung von John F. Kennedy im Jahr 1963. Der Grund: Kennedy seinerseits wollte Castro umbringen lassen.
Dieses Bild zeigt Castro 1963 bei einem Tischtennisspiel gegen US-Studenten, die aus Protest gegen den Bann ihres Landes nach Kuba kamen. Der Legende nach sagte Castro, wenn ein Student ihn besiege, dann könne dieser kubanischer Regierungschef werden.
Bis zum Ende des Kalten Krieges bleibt Kuba ein Verbündeter der Sowjetunion. Die Fahne des "Anti-Imperialismus" und des "Internationalismus" hält Castro weiterhin hoch.
Er schickt Ärzte und Lehrer, aber auch Soldaten in die Welt. Castro unterstützt die Sandinisten in Nikaragua, ...
... kubanische Truppen kämpfen im Jom-Kippur-Krieg gegen Israel, in Äthiopien und sind bis 1989 am blutigen Bürgerkrieg in Angola beteiligt (hier 1969 mit dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser).
Zugleich sorgt der charismatische Castro dafür, dass Kuba sich ein Image schafft, ...
... von dem andere Diktaturen nur träumen können.
Auch der argentinische Fußballstar Maradona erliegt dem Charme des Revolutionsführers.
Als der Kommunismus in Osteuropa zusammenbricht, bleiben Castro und Kuba die vielleicht größte Projektionsfläche für linke Träume. Bis heute ist Kritik am karibischen Diktator in der Linkspartei ein heikles Thema.
Mancher Globalisierungskritiker sieht Fidel Castro und seine Verbündeten als Vorbilder für eine bessere Welt.
Das ist unangebracht. Im Jahresbericht 2007 zählt Amnesty International 69 politische Gefangene, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte sogar über 300. Außerdem sind 30 Gefangene zum Tode verurteilt, wobei seit 2003 keine Exekution mehr stattfand.
Für Kuba hatte der Zusammenbruch der Sowjetunion indes erhebliche wirtschaftliche Folgen. Nicht nur Absatzmärkte brachen weg, auch die Milliarden, die jährlich von Moskau überwiesen wurden, blieben aus.
Für die Krise ließ sich die kubanische Regierung einen hübschen Euphemismus einfallen: "besondere Periode in Friedenszeiten", kurz "Sonderperiode".
In die Schlagzeilen kam Castro Anfang des Jahrhunderts nur noch mit wüsten Attacken gegen die US-Regierung, als skurriler alter Mann oder mit Berichten über seinen Gesundheitszustand.
In der Energiekrise von 2005 gab er kubanischen Hausfrauen öffentlich Ratschläge, wie sie Strom sparen könnten.
"Castro gestürzt" titelten viele Medien im Oktober 2004. Politisch war das nicht gemeint: Castro, der nach eigener Aussage 600 Anschläge überlebt hatte, war bei einem öffentlichen Auftritt ins Straucheln geraten und eine Stufe heruntergefallen.
Drei Jahre zuvor war Castro bei einer Rede ohnmächtig geworden.
Auf Berichte der CIA, er habe Parkinson, reagierte Castro 2005 mit einer seiner berühmt-berüchtigten Dauerreden, bei der er fünf Stunden ohne Unterbrechung im Stehen durchhielt.
Die Zuhörer waren vermutlich froh, dass Castro nicht noch länger sprach: Sein Rekord soll bei zwölf Stunden liegen (dann allerdings mit Pausen).
In Zukunft wird man nun wohl weniger von Castro hören.
"Meine elementare Pflicht ist es nicht, mich an die Ämter zu klammern, und noch viel weniger möchte ich den Jüngeren den Weg versperren", versicherte Castro erst jüngst. Und er fügte hinzu:
"Meine Aufgabe ist es vielmehr, Erfahrungen und Ideen beizutragen, deren bescheidener Wert aus einer außerordentlichen Epoche stammt, in der ich gelebt habe."
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