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Politik

Mubarak klammert sich an die Macht: Ägypten am Abgrund

 
Mubarak klammert sich an die Macht: Ägypten am Abgrund

Verwundet, aber nicht geschlagen: Auch nach blutigen Straßenschlachten auf dem Tahrir-Platz im Herzen Kairos geben die Regimekritiker nicht auf.

Nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums sterben fünf Menschen, Hunderte sind verletzt.

Hinweise verdichten sich, dass die Auseinandersetzungen von der Führung in Kairo gesteuert wurden.

"Wir rannten hinter den Mubarak-Leuten her bis auf die Brücke des 6. Oktobers hinter dem ägyptischen Museum, plötzlich blieben sie stehen und schossen auf uns", erzählt ein Regimegegner.

Das Militär, das bisher nicht einschritt, gibt am Morgen danach die passive Haltung auf und versucht, die rivalisierenden Gruppen zu trennen.

Soldaten verhaften Provokateure.

Panzer werden um den Platz herum postiert.

Aber auch die Demonstranten bewaffnen sich.

Brandbomben werden gebastelt.

Wurfgeschosse liegen bereit.

Wer keinen Bauhelm hat, erfindet Kopfschutz.

Essen wird ausgegeben.

Bei den landesweiten Unruhen in Ägypten kommen nach einer Zählung des arabischen Senders Al-Dschasira insgesamt mindestens 150 Menschen ums Leben.

Präsident Husni Mubarak klammert sich an die Macht: In einer Fernsehansprache verspricht er zwar Reformen und beruft Stunden später die Regierung ab.

Die Demonstranten lassen es sich aber nicht ausreden, auf die Straßen zu gehen.

Die Proteste gegen das Regime des seit 30 Jahren regierenden Mubarak gehen weiter.

Friedensnobelpreisträger el-Baradei stellt sich an die Spitze der Bewegung.

"Der Wandel kommt in den nächsten Tagen", ruft el-Baradei den Demonstranten in Kairo zu. Offenbar gibt es eine Absprache zwischen dem früheren Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA und den Muslimbrüdern.

Mubarak bietet mit der Bildung eines neuen Kabinetts "neue Schritte hin zu mehr Demokratie" und eine Verbesserung des Lebensstandards an.

Ob eine neue Regierung die Protestwelle stoppen kann, ist fraglich. Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt Kairo versammeln sich erneut mehrere tausend Demonstranten.

In Sprechchören fordern sie den Rücktritt Mubaraks.

Unter den Demonstranten sind auch viele Aktivisten der ersten Stunde, die bereits am vergangenen Dienstag an großen Protestkundgebungen teilgenommen hatten.

Augenzeugen zufolge sind an mehreren Stellen in Kairo Schüsse zu hören.

Wieder werden Geschäfte geplündert, ...

... Restaurants verwüstet, ...

... Autos in Brand gesetzt ...

... und Geldautomaten aufgebrochen.

Schon in der Nacht zuvor hatten Randalierer mehrere Hotels attackiert und Zerstörungen angerichtet, ...

... darunter im bekannten Ramses Hotel ...

... und einem Hotel an der Ausfallstraße zu den Pyramiden von Gizeh.

Aus mehreren Polizeiwachen wurden Häftlinge befreit - ob dahinter eine Strategie der Regierung steckt, um in der Bevölkerung Angst zu verbreiten, ist bislang nur Spekulation.

An wichtigen Straßenkreuzungen und vor Behördengebäuden sind gepanzerte Fahrzeuge und Panzer der Armee postiert.

Die Polizei, die von wütenden Demonstranten noch am Freitag teils überrannt worden war, zeigt dagegen nur an wenigen Stellen Präsenz.

Demonstranten berichten, die Soldaten seien weniger aggressiv als die Polizei und hätten sie in der Nacht sogar mit Essen und Tee versorgt.

Auf einem Panzer lassen sich Menschen mit Soldaten fotografieren.

An den Straßen stehen ausgebrannte und zerstörte Wracks von Polizeiwagen, Brandgeruch liegt in der Luft.

Der öffentliche Nahverkehr in Kairo ist stark eingeschränkt. Nur wenige Busse verkehren noch.

Wer nicht unbedingt aus dem Haus muss, bleibt lieber daheim.

Um die massiven Proteste einzudämmen, ließ die ägyptische Regierung am Freitag wichtige Kommunikationsmittel abschalten.

Mobilfunkverbindungen funktionieren jetzt zumindest wieder teilweise.

US-Präsident Barack Obama fordert von Mubarak eine sofortige Regierungsübergabe.

Angesichts der Lage droht das Weiße Haus Einschnitte bei der milliardenschweren Unterstützung für Kairo an, auch bei der Militärhilfe.

Wie Obama fordern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ...

... und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein Ende der Gewalt und mahnen Meinungs- und Informationsfreiheit an.

Der Iran wertet die Proteste in Ägypten als "Welle des islamischen Erwachens".

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