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Demokratie unter dem Bulldozer: Ägypten versinkt im Blut seiner Bürger

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Es ist noch früh am Morgen, als am 14. August die Regierungsgegner in ihren Protestcamps in Kairo von Sicherheitskräften aus dem Schlaf gerissen werden. (Foto: AP)

Es ist noch früh am Morgen, als am 14. August die Regierungsgegner in ihren Protestcamps in Kairo von Sicherheitskräften aus dem Schlaf gerissen werden.

Es ist noch früh am Morgen, als am 14. August die Regierungsgegner in ihren Protestcamps in Kairo von Sicherheitskräften aus dem Schlaf gerissen werden.

Dicht an dicht stehen sie um die Plätze Rabaa al-Adawija und al-Nahda und feuern Tränengasgranaten auf die Zeltstädte ab.

Dann stürmen sie die Camps, es bricht Chaos aus, Schüsse fallen.

Das Gesundheitsministerium nennt abends eine Zahl von 248 Toten und 1500 Verletzten. Inzwischen sind es weit über 500 Tote.

Die Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi sprechen sogar von insgesamt 2200 Toten und 10.000 Verletzten.

Die Räumung der Lager war angekündigt worden - und wird mit unerbittlicher Härte durchgesetzt.

Auf dem Platz nahe der Rabaa-al-Adawija-Moschee rücken die Sicherheitskräfte mit Bulldozern vor.

Demonstranten versuchen erbittert, sich zu verteidigen.

Von den Barrikaden auf der Straße, die zu dem Platz führt, werfen sie Steine und Molotowcocktails auf die Sicherheitskräfte.

Einige von ihnen sind im Besitz von Schusswaffen.

"Wir werden ohnehin sterben", ruft einer.

Männer mit Gasmasken und Gesichtsschutz sammeln auf dem Platz Tränengaskanister auf und tauchen sie in Wasserbehälter.

Verhüllte Frauen eilen zu Verletzten.

Mit Tüchern bedeckte Leichen liegen auf dem Boden.

Auf der Hauptbühne werden islamische Lieder abgespielt, ...

... Demonstranten singen inmitten des Durcheinanders "Allahu Akbar" (Gott ist der Größte).

Die meisten Toten, die am Nachmittag in provisorischen Leichenhallen aufgebahrt werden, weisen ...

... Schusswunden auf.

Nach noch unbestätigten Berichten soll das Militär scharfe Munition eingesetzt haben.

Unter den Opfern ist auch ein Kameramann des britischen Senders Sky News.

Mick Deane wurde beim Einsatz für seinen Sender erschossen.

Derweil behandeln Ärzte in einem Notlazarett Verletzte.

Um Schwerverwundete können sie sich nicht kümmern.

Die Helfer behandeln nur jene, die noch gerettet werden können.

Zwei Stunden nach dem Beginn des Einsatzes vermeldet das Innenministerium, ...

der al-Nahda-Platz - das zweite Protestzentrum in Kairo - stehe "vollständig unter der Kontrolle" der Sicherheitskräfte.

Polizisten reißen die Zelte auf dem Platz ab, ...

... nachdem verhüllte Frauen mit ihren Kindern an der Hand von Sicherheitskräften vom Platz geführt werden.

Dann überschlagen sich die Ereignisse: Die Übergangsregierung …

... verhängt einen einmonatigen Ausnahmezustand über das Land.

Für Kairo und elf andere Provinzen gilt ab sofort eine nächtliche Ausgangssperre.

Der im Westen hoch angesehene Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei tritt als Vizepräsident zurück.

Er legt aus Protest gegen das Vorgehen der Sicherheitskräfte sein Amt nieder.

Es seien noch nicht alle friedlichen Alternativen ausgeschöpft gewesen.

Ein hoher Vertreter der Muslimbrüder twittert: "Das massive Vorgehen ist der blutige Versuch, jede oppositionelle Stimme zur Absetzung Mursis zu ersticken."

Die Bewegung spricht von einem "Massaker", gegen das sich die Ägypter auflehnen müssten.

Auch in vielen muslimischen Ländern sorgt das Vorgehen der vom Militär gestützten Regierung für Empörung.

Die Ereignisse bilden einen neuen Höhepunkt der Krise in dem gespaltenen Land.

Nach nur einem Jahr im Amt war Mursi Anfang Juli vom Militär abgesetzt und inhaftiert worden - in Reaktion auf die Massenproteste gegen seine Amtsführung.

Ihm wird vorgeworfen, eine Islamisierung der Gesellschaft betrieben zu haben, statt sich etwa um die siechende Wirtschaft zu kümmern.

Mursis Anhänger harren nach dem Sturz auf den Straßen aus, verweisen auf seine rechtmäßige Wahl und fordern seine Wiedereinsetzung.

Möglicherweise als direkte Vergeltung brennen nach dem Beginn der Räumung der Camps in Zentralägypten drei christliche Kirchen.

Auch in anderen Provinzen kommt es zu Ausschreitungen, mancher im Ausland fürchtet einen Bürgerkrieg.

Die Appelle aus dem Ausland, die Gewalt zu beenden und in einen Dialog zu treten, verhallen.

Angesichts der extrem verhärteten Fronten scheint eine Annäherung schwieriger denn je.

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