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Mehr als 50 Jahre unabhängig: Afrika verändert sich

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Viele afrikanische Länder sind bereits länger als 50 Jahre unabhängig - und entwickeln sich in eine positive Richtung. Die Wirtschaft wächst relativ konstant, auf dem gesamten Kontinent im Jahr 2010 um etwa sechs Prozent. Zugleich sinkt die Armutsrate. (Foto: picture alliance / dpa)

Viele afrikanische Länder sind bereits länger als 50 Jahre unabhängig - und entwickeln sich in eine positive Richtung. Die Wirtschaft wächst relativ konstant, auf dem gesamten Kontinent im Jahr 2010 um etwa sechs Prozent. Zugleich sinkt die Armutsrate.

Viele afrikanische Länder sind bereits länger als 50 Jahre unabhängig - und entwickeln sich in eine positive Richtung. Die Wirtschaft wächst relativ konstant, auf dem gesamten Kontinent im Jahr 2010 um etwa sechs Prozent. Zugleich sinkt die Armutsrate.

Gleich 17 Staaten lösten sich 1960 auf dem Kontinent von ihren europäischen Kolonialmächten. Es sollte der Aufbruch in ein neues Zeitalter sein. Doch die Bilanz nach 50 Jahren ist durchwachsen.

In vielen der 54 afrikanischen Länder herrschen Autokraten, trotz des leichten wirtschaftlichen Aufschwungs grassiert an vielen Orten noch der Hunger.

48 Länder Afrikas liegen südlich der Sahara. Sie prägen vor allem unser Afrika-Bild, viele der vorhandenen Zahlen beziehen sich ausschließlich auf diesen Teil des Kontinents.

Häufig wird Afrika auf seine Rolle als Rohstofflieferant oder Empfänger von Entwicklungs- oder Nothilfe reduziert.

Doch vor allem die vergangenen zehn Jahre der afrikanischen Nachkolonialzeit werten Experten als echte Erfolgsgeschichte.

So haben fast alle afrikanischen Länder Bemühungen um demokratischere Verhältnisse unternommen und Wahlen mit mehreren Parteien abgehalten. In Umfragen sprechen sich inzwischen die meisten Afrikaner für die Demokratie und für den Rechtsstaat aus.

Staaten wie Botswana haben mehrere demokratische Regierungswechsel vollzogen und dabei stabile sowie funktionierende staatliche und demokratische Strukturen entwickelt.

Andererseits finden sich viele afrikanische Länder unter den "gescheiterten Staaten", also jenen, deren Strukturen immer weiter erodieren, bis schließlich nur noch Willkür und Gewalt regieren.

Unter den ersten zehn Staaten des "Failed States Index 2011" der Organisation "Fund for Peace" sind sieben afrikanische. Platz 1 bis 4 belegen Somalia, Tschad, Sudan und Kongo.

Hier prägen der Zerfall des Staates, zunehmende Repression und die Ausbeutung der Institutionen durch verschiedene Clans noch immer das Bild.

In vielen Ländern herrschen Diktatoren und blutige Konflikte. Millionen Afrikaner sind auf der Flucht oder leben als Vertriebene irgendwo jenseits ihrer ursprünglichen Heimat.

Gleichzeitig nahmen die Bemühungen zur Bekämpfung der Armut zu. In vielen Ländern südlich der Sahara werden derzeit unter Beteiligung der Zivilgesellschaft nationale Armutsbekämpfungsstrategien entwickelt und umgesetzt.

Ein Drittel der Armen auf der Welt lebt in Afrika - nach Angaben der Vereinten Nationen sind das 458 Millionen Menschen. Insgesamt leben auf dem Kontinent etwa 1 Milliarde Menschen.

Dennoch sind die Fortschritte oft erheblich. Im Jahr 1990 lebten noch 57 Prozent der afrikanischen Bevölkerung in extremer Armut.

In Mosambik können heute eine Million Kinder mehr als bisher zur Schule gehen. Uganda konnte zwischen 1996 und 2001 die Anzahl der eingeschulten Kinder auf 6,9 Millionen verdoppeln.

Die Kolonialzeit hinterließ den afrikanischen Staaten ein schweres Erbe mit einer überwiegend auf Monokulturen ausgerichteten Landwirtschaft und einer Industrie, die in erster Linie am Rohstoffexport orientiert ist.

Afrika besitzt zahlreiche, strategisch wichtige Rohstoffe wie reiche Ölfelder in Angola, Nigeria, Sudan, Tschad und Kamerun, ...

... einen Großteil des weltweiten Goldes und Diamanten, 90 Prozent des Kobalts, 50 Prozent der Phosphate, 40 Prozent des Platins und eine große Menge Uran.

Die Rohstoffe und landwirtschaftlichen Produkte werden häufig zu niedrigen Weltmarktpreisen exportiert, Investitionsgüter aber meist teuer importiert, der Aufbau Klein- und mittelständischer Unternehmen hat kaum stattgefunden.

Arbeitslosigkeit, besonders Jugendarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und geringbezahlte Gelegenheitsarbeiten als Straßenhändler oder im Dienstleistungsbereich sind für viele Afrikaner eher die Regel als bezahlte Erwerbsarbeit.

Die Einkünfte daraus bleiben meist unversteuert und kommen somit den Staatswesen nicht zu Gute.

Hinzu kommt, dass der Erlös aus dem Verkauf von mineralischen Ressourcen wie Öl, Gold und Diamanten oft ausschließlich der Selbstbereicherung der jeweiligen autokratisch regierenden Regime dient.

Ein neueres Phänomen ist das, was Kritiker als "land grabbing", also Landraub, bezeichnen. Seit einigen Jahren kaufen oder pachten Regierungen und Investmentfonds in Afrika riesige Flächen Ackerland, um dort Nahrungsmittel oder Biosprit anzubauen.

Statt des Landverkaufs fordern Experten eine Förderung der einheimischen Bauern durch Mikrokredite, den Ausbau der Infrastruktur und eine bessere Ausbildung.

Der Verlust großer Flächen fruchtbaren Ackerlandes gefährdet die einheimische Landwirtschaft zusätzlich zu den besonders deutlichen Folgen des Klimawandels auf dem Kontinent. Die Nahrungsmittelpreise sind seit 1984 nicht mehr so hoch gewesen. 60 bis 80 Prozent der Einkommen werden für Lebensmittel verwendet.

Seit einigen Jahren wird der Kontinent immer häufiger von Klimakatastrophen wie Hitze und Dürre, Fluten und Wirbelstürmen getroffen, mit immer verheerenderen Folgen.

Die zunehmende Ausweitung bestehender und das Entstehen neuer Wüstenregionen vernichten landwirtschaftliche Anbauflächen und Weidegebiete, führen zu Migrationsbewegungen und häufig zu neuen Konflikten um die natürlichen Ressourcen von Land und Wasser.

Etwa 22,5 Millionen Menschen in Afrika, rund 3 Prozent der Bevölkerung, sind HIV-infiziert oder an AIDS erkrankt. Es ist der am stärksten betroffenen Teil der Welt.

Von den Infizierten waren 2009 etwa 2,3 Millionen unter 15 Jahre alt. Weltweit tragen 2,5 Millionen Kinder den Virus in sich.

Haupttodesursache bleibt jedoch die Malaria, auch an Tuberkulose und den häufigen Durchfallerkrankungen sterben viele Afrikaner.

Während die Lebenserwartung von 1960 bis 2010 um zehn auf 49,9 Jahre gestiegen ist, bleiben die Säuglings- und die Kindersterblichkeit erschreckend hoch.

In vielen Ländern fehlt eine flächendeckende Gesundheitsversorgung, in den rasant wachsenden Großstädten ist die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung kaum bezahlbar.

Seit dem Ende der Kolonialzeit hat sich die afrikanische Bevölkerungszahl verdreifacht. und liegt jetzt knapp unter einer Milliarde Menschen.

Nach Ansicht von Experten werden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zwei Milliarden Menschen auf dem Kontinent leben.

Die für Afrika bisher typischen Großfamilien lösen sich zunehmend in Kernfamilien auf.

Schon heute sind zwei von drei Afrikanern jünger als 25 Jahre. Auch aus diesem Grund gelten umfassende und gute Bildungsangebote als eine der wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte.

Afrika erlebt einen Boom der Städte, aber bisher gibt es noch wenige afrikanische Mega-Metropolen. Lediglich Kairo mit etwa 16 Millionen Einwohnern, Lagos und Kinshasa (jeweils circa 10 Millionen Menschen) sind bisher Riesenstädte.

Meist handelt es sich um eine ungeordnete, spontane Urbanisierung, in der Slums ohne jegliche Infrastruktur an den Außenbezirken der Großstädte in die Landschaft wuchern.

Doch die neuen Städte werden nach Ansicht von Experten zu Entwicklungsmotoren des Kontinents.

Hier wird die afrikanische Mittelschicht wachsen. Afrikaforscher erwarten freies Unternehmertum und ein wachsendes Bedürfnis nach Mitsprache

Schon jetzt ist Afrika vielfältiger, als viele meinen. Der Kontinent verändert sich - und die nächsten Jahrzehnte werden spannend. (Text: Solveig Bach/Roland Peters)

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