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Sprechen ohne Hirn: Alles Nazis, alle Hitler, alle Goebbels!

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Alle Jahre wieder? Nein, irgendwo auf dieser Welt versucht fast täglich jemand, mit einem Nazi-Vergleich auf sich aufmerksam zu machen. (Foto: picture alliance / dpa)

Alle Jahre wieder? Nein, irgendwo auf dieser Welt versucht fast täglich jemand, mit einem Nazi-Vergleich auf sich aufmerksam zu machen.

Alle Jahre wieder? Nein, irgendwo auf dieser Welt versucht fast täglich jemand, mit einem Nazi-Vergleich auf sich aufmerksam zu machen.

Sogar Wissenschaftler beschäftigen sich bereits mit dem Phänomen. Es geht um "eine allgemeine diskursive Praxis, die alle kommunikativen Maximen verletzt und die kognitive Rolle des Vergleichs bewusst missbraucht", lautet beispielsweise die Definition der französischen Sprachwissenschaftlerin Marie-Hélène Pérennec.

Mit anderen Worten: Nazi-Vergleiche sind häufig, verstoßen gegen die guten Sitten und sind eigentlich keine Vergleiche, sondern Gleichsetzungen.

Seit einigen Jahren würden Nazi-Vergleiche inflationär eingesetzt, schreibt Pérennec. Ihre ursprüngliche Funktion einer drastischen Warnung, die sie in den 1950er Jahren noch hatten, hätten sie längst eingebüßt.

Nur mit ungewöhnlich viel gutem Willen kann man diese Warnung noch aus einem Zitat aus dem Herbst 1979 heraushören. Zu dieser Zeit war Edmund Stoiber (r.) CSU-Generalsekretär und organisierte den Wahlkampf für den Unions-Kanzlerkandidaten Franz-Josef Strauß (l.).

Nachdem Strauß in NRW mit Eiern beworfen worden war, sagte Stoiber, diese Leute benähmen sich "wie die schlimmsten Nazi-Typen in der Endzeit der Weimarer Republik".

Tatsächlich hatten Nazi-Vergleiche schon in den fünfziger Jahren vor allem den Sinn, andere zu diffamieren. 1950 sagte Bundeskanzler Konrad Adenauer auf dem ersten CDU-Bundesparteitag, der Druck, den "der Nationalsozialismus" durch Konzentrationslager ausgeübt habe, sei "mäßig" gewesen "gegenüber dem, was jetzt in der Ostzone geschieht".

Auch dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ging es im Juli 2003 nur darum, sein Gegenüber zu beschimpfen. Sein Nazi-Vergleich wurde legendär und machte den SPD-Europaabgeordneten Martin Schulz (Bild) schlagartig einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Nachdem Schulz Berlusconi bei einem Auftritt im Europaparlament kritisiert hatte, sagte dieser: "In Italien wird gerade ein Film über die Nazi-Konzentrationslager gedreht, ich schlage Sie für die Rolle des Lagerchefs vor. Sie wären perfekt." (Schulz wurde allerdings nicht Schauspieler, sondern Präsident des Europaparlaments.)

Doch Nazi-Vergleich waren und sind kein Privileg der Konservativen. Ein kleines Kunstwerk gelangt "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein 1980. Unter der Überschrift "Strauß ist kein Hitler" stellte er klar, dass es "keine Berechtigung" gebe, "dem Franz Josef Strauß auch nur einen Teil des Rufes und Ruches anzudichten, der den Hitler umwölkt".

Um dann jedoch zu schreiben: "Strauß denkt von sich, und hier darf man wohl sagen wie Hitler, dass er und nur er die Welt oder doch zumindest Europa vor einer Katastrophe bewahren kann."

1985 sagte SPD-Chef Willy Brandt, CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sei der "seit Goebbels schlimmste Hetzer in diesem Land". Zuvor hatte Geißler der SPD vorgehalten: "Ohne den Pazifismus der 30er Jahre wäre Auschwitz überhaupt nicht möglich gewesen."

Und 2001 sagte der damalige Umweltminister Jürgen Trittin über CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, dieser habe "die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen".

Im Juli 2005 schließlich warf SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler der Union vor, der Satz im Wahlprogramm "Sozial ist, was Arbeit schafft" erinnere an die NS-Parole "Arbeit macht frei".

Sprachwissenschaftlerin Pérennec meint, Nazi-Vergleiche seien längst zur "Folklore in der Politik" geworden. Wer häufiger an Debatten im Netz teilnimmt, dem dürfte "Godwin's Law" bekannt sein: "Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion tendiert die Wahrscheinlichkeit eines Vergleichs, bei dem es um Nazis oder Hitler geht, gegen eins."

Heißt: Je länger Menschen miteinander diskutieren, desto wahrscheinlicher wird es, dass einer die Nazi-Keule rausholt.

Nach wie vor ist allerdings ein gewisses Maß an (akuter!) Dummheit die zwingende Voraussetzung für einen Nazi-Vergleich. "Wenn ich geahnt hätte, dass mein Verweis auf Hitler missverstanden hätte werden können, hätte ich seine Erwähnung unterlassen", sagte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner, nachdem er in einer Predigt zum Dreikönigsfest 2005 Abtreibungen mit dem Holocaust verglichen hatte.

Meisner muss das dann vergessen haben, denn zu Allerheiligen 2009 zog er wieder die Nazi-Karte. "Ähnlich wie einst die Nationalsozialisten im einzelnen Menschen primär nur den Träger des Erbgutes seiner Rasse sahen, definiert auch der Vorreiter der neuen Gottlosen, der Engländer Richard Dawkins, den Menschen als 'Verpackung der allein wichtigen Gene', deren Erhaltung der vorrangige Zweck unseres Daseins sei", sagte Meisner damals über den britischen Religionskritiker und Evolutionstheoretiker.

Zwei Jahre zuvor hatte Meisner in schönster Nazi-Terminologie von "entarteter" Kunst gesprochen: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet." Soll heißen: Ohne den Glauben an Gott gibt es keine Kultur.

Die katholische Kirche definiert die Zeit des Nationalsozialismus als Folge eines "Abfalls der Welt von Gott". Vielleicht neigen ihre Würdenträger deshalb zu Nazi-Vergleichen.

Papst Johannes Paul II. schrieb 2005 in seinem Buch "Erinnerung und Identität", nach dem Sturz der nationalsozialistischen und kommunistischen Regime hätten die jeweils von ihnen praktizierten "Formen der Vernichtung" zwar aufgehört. "Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen."

Doch die Kirche wird selbst mit dem Nationalsozialismus verglichen. Den Nachfolger von Johannes Paul II., den deutschen Papst Benedikt XVI., nannte Hollywood-Schauspielerin Susan Sarandon 2011 "den Nazi, den wir jetzt haben".

Der Fall zeigt, dass Nazi-Vergleiche keineswegs auf Deutschland beschränkt sind - und ebenfalls nicht auf Politiker. Aber offenbar wecken Deutsche ganz grundsätzlich noch immer bestimmte Assoziationen - selbst dann, wenn sie lange nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Welt gekommen sind.

So sagte US-Moderatorin Joan Rivers im Februar 2013 über Model-Mutti Heidi Klum: "Das letzte Mal, dass Deutsche so heiß ausgesehen haben, war, als sie Juden in die Öfen stießen."

Vor allem Hitler-Vergleiche sind in den USA beliebt. Nachdem Osama bin Laden 2011 von US-Soldaten erschossen worden war, wies die "New York Daily Mail" darauf hin, dass sowohl der Chefterrorist wie 66 Jahre vor ihm Adolf Hitler an einem 1. Mai für tot erklärt wurden.

Überhaupt werden die Feinde der USA gern mit Hitler verglichen. 1990 sagte US-Präsident George Bush, der irakische Diktator Saddam Hussein sei schlimmer als Hitler.

Der oberste iranische Führer Ajatollah Ali Chamenei verglich 2007 seinerseits sowohl Saddam als auch US-Präsident George W. Bush mit Hitler. Man kann den Kreis immer weiter drehen: Ungezählt sind die Politiker, die den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad mit Hitler verglichen haben.

Besonders pikant: Durch Wikileaks kam heraus, dass auch Abu Dhabis Kronprinz Mohamed bin Zayed Ahmadinedschad mit Hitler nicht nur verglichen, sondern vollständig gleichgesetzt hat: "Ahmadinedschad ist Hitler", sagte er den enthüllten US-Botschaftsdepeschen zufolge. (Das Bild wird allerdings von einem iranischen Demonstranten gehalten, 2009 in Islamabad.)

Eine neue Qualität war erreicht, als rechte Gruppierungen in den USA Präsident Barack Obama im Zuge der Proteste gegen die Gesundheitsreform mit Hitler gleichsetzten.

Denn normalerweise werden US-Präsidenten eher aus dem Ausland mit Hitler verglichen. Die türkischen Demonstranten, die hier zu sehen sind, sehen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren eigenen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gleich in einem Abwasch ebenfalls als Hitler.

"Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht", soll die damalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) im September 2002 bei einem internen Gespräch gesagt haben.

Dieses Zitat fällt in die Kategorie der "Auch Hitler"-Vergleiche. "Auch Hitler ist demokratisch an die Macht gekommen", sagte beispielsweise der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider im Februar 2004 über George W. Bush. (Fußnote: Haider wurde selbst auch gelegentlich mit Hitler verglichen.)

Diese Form der Diffamierung ist unter Politikern die beliebteste: "Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch", sage Altkanzler Helmut Schmidt im September 2008.

Möglicherweise wollte Schmidt sich verspätet revanchieren, denn in derselben Kategorie war er 1982 von Lafontaine beleidigt worden. Lafontaine war damals Oberbürgermeister von Saarbrücken, Schmidt war noch Bundeskanzler. Und Lafontaine sagte: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. ... Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."

Ein weiteres Beispiel der "Auch Hitler"-Kategorie, ebenfalls aus dem 1980er Jahren - nur dass zum Vergleich hier nicht Hitler, sondern dessen Propagandaminister Joseph Goebbels herangezogen wurde: Im Oktober 1986 sagte Schmidts Nachfolger Helmut Kohl über den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow: "Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der ... versteht was von PR - der Goebbels verstand auch was von PR."

Eine besonders unappetitliche Variante der Nazi-Vergleiche ist die Instrumentalisierung des Holocaust. Als die Tierschutzorganisation Peta die Massentierhaltung mit dem nationalsozialistischen Massenmord verglich, war dies ein kalkulierter Tabu-Bruch ...

... und wurde verboten, erst von deutschen Gerichten, 2012 schließlich auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Peta, die grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Tieren und Menschen machen, wollten Bilder aus deutschen Konzentrationslagern neben Fotos von gequälten Nutztieren stellen. Überschrift: "Der Holocaust auf Ihrem Teller."

Der Tabu-Bruch wird auch eingesetzt, wenn jemand mal so richtig tabulos lustig sein will. In der Debatte um die Äußerungen des damaligen FDP-Chefs Guido Westerwelle über Hartz-IV-Empfänger sagte der Schauspieler Michael Lerchenberg in der Rolle des "Bruder Barnabas" 2010: "Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er (gemeint ist Westerwelle) in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, ...

... drumrum ein großer Stacheldraht - hamma scho moi g'habt. Dann gibt's a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt's von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: 'Leistung muss sich wieder lohnen.'" Als Reaktion auf die öffentliche Kritik an dieser verunglückten Nockherberg-Predigt nahmen Lerchenberg und sein Ko-Autor Christian Springer später ihren Hut.

Insgesamt sind Rücktritte nach Nazi-Vergleichen aber selten geworden. Nach seinem Nazi-Vergleich konnte Christian Wulff 2008 niedersächsischer Ministerpräsident bleiben, zwei Jahre später sogar noch (zumindest kurzzeitig) Bundespräsident werden.

Gesagt hatte er folgendes: "Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogrom-Stimmung verbreiten." Wie die meisten der hier zitierten Personen entschuldigte Wulff sich später.

Nur Tage zuvor, im Oktober 2008, hatte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sinngemäß das Gleiche gesagt - nur noch ein wenig zugespitzter. "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. Auch in der Weltwirtschaftskrise von 1929 wollte niemand an einen anonymen Systemfehler glauben. Damals hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager."

Nach demselben Muster hatte der hessische Ministerpräsident Roland Koch schon im Dezember 2002 verglichen. Im Landtag in Wiesbaden sagte der CDU-Politiker, wenn Verdi-Chef Frank Bsirske die Namen von Vermögenden in Deutschland nenne, sei dies eine "neue Form von Stern an der Brust" und eine "schlimme Parallele zu anderen Zeiten".

In diese Kategorie fällt auch ein Nazi-Vergleich von Altkanzler Kohl aus dem Jahr 2000. Hintergrund war die Parteispendenaffäre, in deren Verlauf Kohl den Schaden für die CDU-Kasse wettmachen wollte, indem er legale Spenden einsammelte. Die SPD rief daraufhin dazu auf, diese Geldsammelaktion zu boykottieren.

Dazu Kohl: "Ich habe mich schon sehr daran erinnert, wie ich als Kind von meiner Mutter immer mitgenommen wurde in Geschäfte und andere Leute haben da nicht mehr gekauft, weil dort ein Schild hing: 'Ein Deutscher kauft hier nicht'."

Kohl, von Hause aus bekanntlich Historiker, hatte ein Faible für Nazi-Vergleiche. Im August 2002 verglich er Bundestagspräsident Wolfgang Thierse laut "Spiegel" in kleinem Kreis mit dem Hitler-Stellvertreter und NS-Reichstagspräsidenten Hermann Göring. Thierse sei "der schlimmste Präsident seit Hermann Göring".

Selbst Politiker, die normalerweise nicht zu übermäßiger Polemik neigen, können dem Reiz des Nazi-Vergleichs nicht widerstehen. "Wir hatten den 'größten Feldherrn aller Zeiten', den GröFaZ, und jetzt kommt die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten", sagte Schäuble 2007 über eine Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung.

Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise haben Nazi-Vergleiche ganz eindeutig Hochkonjunktur. Vor allem in den Schuldenstaaten, die sich als Opfer der deutschen Sparpolitik sehen.

Niemand kann die Plakate ...

... und Zeitschriftentitel zählen, ...

... auf denen Merkel als Nazi abgebildet ist.

Nur selten sind die Plakate so freundlich wie dieses, mit dem irische Fußballfans sich auf dem Weg zur Europameisterschaft aus Dublin verabschiedeten. (Die jungen Leute auf dem Foto wurden später vom deutschen Botschafter in Dublin empfangen. Wahrscheinlich wollte er sie wegen des irischen Abschneidens bei der EM trösten.)

Kritik an Deutschland folgt in der Regel dem simpelsten Muster von Nazi-Vergleichen. Dabei ist es ganz egal, ob der Kritiker aus der Perspektive eines Steuer-Paradieses oder eines Schulden-Staates spricht.

So sagte der Fürst von Liechtenstein, Hans-Adam II., im September 2008, sein Land habe in den letzten 200 Jahren schon "drei Deutsche Reiche" überlebt. Es hoffe, auch noch das "vierte Reich" zu überleben.

Und als der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück 2009 im Zusammenhang mit dem Schweizer Bankgeheimnis von Indianern sprach, die von der Kavallerie aufgescheucht werden müssten, sagte der Schweizer CVP-Abgeordnete Thomas Müller: "Er erinnert mich an jene Generation von Deutschen, die vor sechzig Jahren mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gegangen sind."

Geschichte wiederholt sich nicht, es sei denn als Farce, wusste der alte Marx. Recht hatte er.

"Wir werden alles tun, um Ungarn auf den richtigen Weg zu bringen, aber nicht gleich die Kavallerie schicken", versuchte Merkel sich an einem Witz über die ungarische Regierung, die nach Ansicht von liberalen und linken Politikern dabei ist, die Demokratie in Ungarn zu demontieren.

Orbans Reaktion: "Die Deutschen haben schon einmal eine Kavallerie nach Ungarn geschickt, in Form von Panzern. Unsere Bitte ist, sie nicht zu schicken. Es war keine gute Idee, sie hat sich nicht bewährt."

Man könnte diesen Nazi-Vergleich als harmlose Bemerkung abtun, schließlich hat Orban nicht einmal die Bundeskanzlerin attackiert. Dann fiele allerdings unter den Tisch, dass es ihm gelungen ist, mit seinem Spruch eine ganz neue Kategorie von Nazi-Vergleichen zu kreieren: die doppelte Verharmlosung.

Verharmlosend sind Nazi-Vergleiche immer. Orban schafft es jedoch, auch die Rolle Ungarns im Zweiten Weltkrieg umzudrehen: Bis 1944 war Ungarn ein Verbündeter des nationalsozialistischen Deutschland. (Das Bild zeigt ungarische Rechtsradikale von heute: Eine Demonstration der Partei "Jobbik", mit 12 Prozent drittstärkste Kraft im ungarischen Parlament. Natürlich soll Jobbik hier keinesfalls verglichen werden!)

Die Entrüstung, die seine Bemerkung ausgelöst hat, hat Orban vermutlich überrascht (egal wird sie ihm trotzdem sein). Doch die Empörung folgt einem ewigen Gesetz: Nazi-Vergleiche, so dumm sie auch sind, sorgen für Aufmerksamkeit.

Weniger beachtet wird das zweite ewige Gesetz der Nazi-Vergleiche: Sie bringen dem Vergleichenden keinen Vorteil. Denn normalerweise folgt auf den Nazi-Vergleich die Entschuldigung. Zumindest dann, wenn der Vergleichende am Ende doch noch anfängt, sein Gehirn zu benutzen.

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