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Dienstag, 08. Mai 2012

Die Stunde null: Als Europa in Trümmern lag

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Deutschland im Mai 1945: Stunde Null in einem vom Krieg völlig zerstörten Land. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Deutschland im Mai 1945: Stunde Null in einem vom Krieg völlig zerstörten Land.

Deutschland im Mai 1945: Stunde Null in einem vom Krieg völlig zerstörten Land.

Sowjetische Streitkräfte nehmen Berlin ein. Ein totaler Triumph für die Rote Armee, die so viele schreckliche Verluste in diesem Krieg zu erleiden hatte.

Ein Krieg, den das nationalsozialistische Deutschland 1939 anzettelt und damit die größten Teile Europas mit Leid und Zerstörung überzieht.

1932 wird die NSDAP bei Wahlen stärkste Partei. Nach dem Rücktritt des Reichskanzlers Kurt von Schleicher am 27. Januar 1933 ist der Weg Hitlers zur Kanzlerschaft frei. In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar brennt der Reichstag. Der Anschlag wird den Kommunisten in die Schuhe geschoben.

Von da an regiert Hitler nur noch mit Notverordnungen, wie sie die Weimarer Verfassung vorsah. Am 23. März, nachdem die NSDAP trotz brutalem Terror bei den Reichtagswahlen nicht die absolute Mehrheit erringen konnte, wird das "Ermächtigungsgesetz" erlassen. Der Terror gegen Regimegegner aller Art kennt nun keine Grenzen mehr. Der deutsche Staat wird in allen seinen Institutionen vereinnahmt, die Medien "gleichgeschaltet" und die Gesellschaft mit der braunen Ideologie durchsetzt.

Hitlers Regime festigt seine Macht. Schon wenige Monate danach ist die Diktatur nationalsozialistischer Prägung fest etabliert. Deutschland wird Zug um Zug remilitarisiert.

Hitler will den Krieg. Dazu beginnt er ab 1936 mit dem Eingriff in den spanischen Bürgerkrieg seine aggressive Außenpolitik zunehmend auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Im März 1938 wird Österreich ans "Reich angeschlossen", kurz darauf marschieren deutsche Truppen in das zur Tschechoslowakei gehörende Sudetenland ein. Der britische Premierminister Neville Chamberlain versucht mit seiner Appeasement-Politik den Krieg zu verhindern und erzielt im September 1938 eine Einigung mit Hitler.

Doch der Diktator will den Krieg. Ein Jahr später bricht mit dem Überfall Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg aus. Ohne Kriegserklärung marschieren deutsche Truppen am 1. September 1939 im östlichen Nachbarland ein. Zwei Tage später erklären Frankreich und England im Rahmen ihrer Beistandsverträge den Krieg gegen Nazi-Deutschland.

Winston Churchill wird am Tag der Kriegserklärung ins Kabinett berufen. Nach dem Verlust Norwegens an die deutsche Wehrmacht bildet er im Mai 1940 eine All-Parteien-Regierung in England und wird zum Kriegs-Premierminister. Er soll Hitler-Deutschland in einem langen, schmerzhaften Krieg Paroli bieten können.

Am 27. September 1940 beschließen Japan, das faschistische Italien und Nazi-Deutschland mit dem Dreimächtepakt eine Achse Rom-Berlin-Tokio. Der Krieg wird in der Folge die ganze Welt umspannen.

Nach dem Sieg gegen Frankreich und seine Verbündeten im Westen und der Niederlage Deutschlands im Luftkrieg gegen England wenden sich Hitlers Truppen, trotz des Nichtangriffspaktes mit Stalin, gegen die Sowjetunion.

Der Einmarsch der deutschen Truppen läutet den schrecklichsten Teil des Krieges auf dem europäischen Kontinent ein. Mehr als 20 Millionen Sowjetbürger werden in den kommenden fast vier Jahren sterben, darunter alleine rund 13,6 Millionen Rotarmisten.

Bei der Schlacht um Stalingrad muss die deutsche Wehrmacht im Winter 1942/43 nach einer anfänglichen Siegesserie die erste vernichtende Niederlage hinnehmen. Der Vormarsch der Deutschen ist an der Wolga gestoppt, der Krieg im Osten danach nicht mehr zu gewinnen.

Auch im Westen wendet sich das Blatt gegen Hitler-Deutschland. Die Luftüberlegenheit der Allierten wird erdrückend. Ab 1942 gehen die Briten dazu über, große Bomberschwärme mit mehr als 1000 Maschinen nach Deutschland zu schicken und Flächenbombardements auf deutsche Städte durchzuführen.

Der Luftkrieg, den Deutschland zuvor gegen England begonnen hatte, kehrt mit schrecklicher Gewalt in die Heimat zurück.

Im Juli 1944 landen alliierte Truppen in der Normandie und eröffnen so eine zweite Front gegen Hitler-Deutschland im Westen.

Der deutsche General Hasso von Manteuffel kommandiert das letzte Aufbäumen der Wehrmacht gegen einen übermächtigen Feind.

Für die alliierten Truppen wird die Invasion am sogenannten D-Day und die folgende Schlacht um die Normandie trotz der nominellen Überlegenheit verlustreich.

Bis August verlieren etwa 53.700 alliierte Soldaten ihr Leben, 18.000 werden vermisst und 155.000 verwundet. Dazu kommen rund 20.000 Tote in der französischen Zivilbevölkerung. Auf deutscher Seite sterben 200.000 Soldaten.

Der Weg ist frei für die alliierten Truppen. Im August 1944 betreten sie das Deutsche Reich. Nur noch vereinzelt treffen sie auf größeren Widerstand organisierter deutscher Wehrmachtsverbände. Die Niederlage Nazi-Deutschlands ist unausweichlich.

Was die Soldaten der Sowjetunion und die Alliierten bei ihrem Vormarsch entdecken, ist unvorstellbares Grauen.

Im Januar 1945 befreit die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen wird sichtbar.

Für die Durchführung dieser noch nie dagewesenen Gräuel sind maßgeblich diese Männer verantwortlich: Der Reichsführer SS Heinrich Himmler (l.) und der Leiter des Reichssicherheithauptamtes Reinhard Heydrich. Letzterer wurde 1941 mit der sogenannten "Endlösung der Judenfrage" beauftragt und organisierte den Holocaust.

Zusammen mit Schreibtischtätern wie Adolf Eichmann (im Bild), der den bürokratischen Teil des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte erledigt.

Bis zuletzt läuft die Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Die Zahl der Toten steigt in den letzten Kriegswochen durch Todesmärsche und Massenerschießungen noch mal sprunghaft an. Aber die Alliierten rücken weiter vor und können nach und nach alle Konzentrationslager befreien.

Aber nur ein Teil der Gefangenen überlebt die Grausamkeiten der SS, wie diese Menschen des Konzentrationslagers Dachau nach der Befreiung durch die US-Truppen am 30. April 1945.

Viele sterben zuvor an Hunger und Erschöpfung oder werden systematisch von den Nazis ermordet. (Bild: Massengrab im KZ Bergen-Belsen nach der Befreiung am 17. April 1945)

Auch vielen Regimegegnern, die in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern gefangen gehalten werden, bringt das Regime noch im Untergang den Tod. Unter ihnen Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet wird.

Auch im restlichen Deutschland sind die Alliierten auf dem Vormarsch: Im März 1945 fällt das völlig zerstörte Köln in die Hände amerikanischer Truppen.

Rund 1200 Menschen finden am Nachmittag des 27. Februar 1945 in Mainz im Bombenhagel der Alliierten Truppen den Tod. 80 Prozent der Innenstadt werden in Schutt und Asche gelegt.

Die Not in der Zivilbevölkerung wächst täglich (Bild: Plünderung einer Bäckerei in der Grotestraße in Hannover). Im April 1945 sind in Hannover fast 80 Prozent der öffentlichen Gebäude, 60 Prozent der Industriebetriebe und ebenso viele Wohnhäuser schwer beschädigt oder völlig zerstört.

Hitlers letztes Aufgebot hat den Gegnern nichts mehr entgegenzusetzen außer verzweifeltem Widerstand. Fanatisierte Jugendliche werden zu tausenden in einen sinnlosen Tod geschickt.

Eine der letzten Aufnahmen Hitlers am 20. April 1945, seinem Geburtstag, bei der Auszeichnung von Angehörigen der Berliner Hitler-Jugend. Zehn Tage später wird sich der Diktator durch Selbstmord dem Untergang seines "Tausendjährigen Reiches" entziehen.

Ein Soldat der Wehrmacht wäscht sich im Frühjahr 1945 in der Spree bei Berlin. Schon längst hat die Rote Armee die Stadt eingekesselt.

Die Schlacht um Berlin wird ein letzter verzweifelter Akt. Zehntausende sterben bei den Gefechten um die Reichshauptstadt einen sinnlosen Tod. Zahlreiche Menschen nehmen sich angesichts der heranrückenden Roten Armee das Leben.

Auch der Obersalzberg, die "Alpenfestung" Hitlers, wird von alliierten Bomberverbänden Ende April 1945 zerstört. US-Truppen nehmen die Residenz des Diktators ohne Gegenwehr ein.

Am 3. Mai übergibt Generalmajor Alwin Wolz (2.v.l.) dem britischen Brigadier Douglas Spurling die Stadt Hamburg.

Britische Truppen ziehen über die Mönckebergstraße in der Hansestadt.

Der schrecklichste Krieg, den die Welt bis dahin gesehen hat, neigt sich in Deutschland seinem Ende entgegen.

Am 8. Mai, rund eine Woche nach dem Selbstmord Hitlers, bittet eine deutsche Delegation unter Admiral Hans Georg von Friedeburg (l.) den britischen Feldmarschall Bernard Law Montgomery (2.v.r.) bei Lüneburg um die Angabe der Bedingungen für eine Kapitulation Deutschlands.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wird der Vertrag zur bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands von Generalfeldmarschall Keitel in Berlin-Karlshorst unterzeichnet.

Am 20. Mai marschieren Einheiten der Roten Armee am vom Krieg gezeichneten Brandenburger Tor in Berlin vorbei.

Das Ende des Krieges in Europa wird frenetisch gefeiert.

Der Krieg in Europa ist zu Ende. Die Befreiung des Kontinents von der nationalsozialistischen Herrschaft entlässt die Menschen eines vom Krieg gezeichneten Kontinents in eine Zukunft in Freiheit.

Deutschland aber liegt in Trümmern, wie hier die Hofkirche in Dresden und ...

... die Stiftskirche und das Rathaus im zerstörten Stuttgart.

Auch Berlin ist durch die Bombardements und den Häuserkampf der letzten Kriegstage zu großen Teilen verwüstet.

Die Parolen von gestern sind nichts mehr wert.

Es geht nur noch ums nackte Überleben. Der Hunger treibt die Zivilbevölkerung zu verzweifelten Maßnahmen: ...

... Hungrige Menschen suchen 1945 in Regensburg, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, in den Trümmern zerbombter Güterwagen nach Nahrung und Kleidung.

Soldaten verteilen Brot an deutsche Frauen in Berlin. Erst allmählich kommt die Versorgung der Zivilbevölkerung in Gang.

Der Schwarzmarkt blüht auf angesichts der teils dramatischen Versorgungslage.

Um das Überleben zu sichern, wird ge- und verkauft, was gerade zur Hand ist.

Deutsche Männer und Frauen ziehen im Juli 1945 Karren mit Holz und Säcken durch das zerstörte Berlin. Hunger und Kälte quälen die von pausenlosen Bombenangriffen verschreckten Menschen, die in den Ruinen einst stolzer Städte hausen. Um etwas Wärme zu bekommen, verheizen sie Holz aus Grünanlagen, Parkbänke, Bücher - Kohlen gibt es kaum noch.

Frauen bücken sich im Dezember 1946 nach Kohlenstücken oder klettern gar gleich ganz auf den Waggon eines Kohlenzuges und stehlen das begehrte Heizmaterial. Im kalten Winter 1946/47 hält Josef Kardinal Frings seine Silvesterpredigt, in der er den Kohlenklau moralisch zu erlauben schien.

Es beginnt die Zeit der Trümmerfrauen, die in zahlreichen deutschen Städten die Schuttberge mit bloßen Händen abtragen.

2,5 Millionen Kinder werden in Deutschland im Krieg zu Halbwaisen, 100.000 zu Vollwaisen. Mehr als ein Drittel aller Kinder sind während des Krieges oder danach auf der Flucht gewesen.

Erst allmählich kehrt etwas Normalität in den Alltag der Deutschen ein. Restaurants öffnen wieder im Herbst 1945.

Doch die Wunden des Krieges und der deutschen Verbrechen bleiben bis heute. Das Land muss sich den grausamen Taten stellen und tut sich damit lange schwer. (Bild: Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt versammeln sich 1946 anlässlich einer Gedenkveranstaltung am Börneplatz in Frankfurt am Main.)

Der Zweite Weltkrieg selbst endet aber erst am 2. September 1945 mit der Kapitulation Japans. An Bord des in der Bucht von Tokio ankernden US-Schlachtschiffs "Missouri" unterzeichnet der japanische General Yoshijiro Umezu (r) die Kapitulationsurkunde. Mit dieser Unterzeichnung sowie den Worten des US-amerikanischen Oberbefehlshabers General Douglas MacArthur (l am Mikrofon): "Die Verhandlungen sind abgeschlossen", endet offiziell der Zweite Weltkrieg.

Jetzt können auch in New York die Menschen das Ende des Krieges feiern. Insgesamt sterben in den knapp sechs Kriegsjahren mehr als 55 Millionen Menschen, fast 40 Millionen davon allein in Europa.

Für Deutschland beginnt mit der bedingungslosen Kapitulation die Zeit des Kalten Krieges zwischen der Sowjetunion und den westlichen Alliierten und die Zeit der Teilung des Landes. Aber es kommt auch eine Zeit des Friedens, die bis heute anhält. Erst 1990, 45 Jahre nach Kriegsende, wird Deutschland seine Wiedervereinigung feiern können. Die Schmerzen des Krieges und der Gräueltaten, die im deutschen Namen verübt wurden, werden aber für immer die Geschichte Deutschlands prägen. (Text: Markus Mechnich)

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