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Flüchtlinge im Flughafen Tempelhof: Bedrückendes Heim im Hangar

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Über 70.000 Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Berlin. Für die Hauptstadt eine riesige Herausforderung. (Foto: picture alliance / dpa)

Über 70.000 Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Berlin. Für die Hauptstadt eine riesige Herausforderung.

Über 70.000 Flüchtlinge kamen im vergangenen Jahr nach Berlin. Für die Hauptstadt eine riesige Herausforderung.

Doch anstatt nach angemessenen Alternativen zur Unterbringung in Wohnungen zu suchen, setzt der Berliner Senat allein auf Massenunterbringungen ...

... wie die Notunterkunft auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof zeigt.

Wo einst Arbeiter die Kampfbomber der Nazis zusammenschraubten und nach dem Krieg im Minutentakt die Rosinenbomber der US-Amerikaner zur Versorgung des blockierten West-Berlin landeten, ...

... ist jetzt ein Massenlager, eine "Kleinstadt für Flüchtlinge" entstanden.

100 Meter lange Hallen mit 20 Meter hohen Decken.

Die Flüchtlinge schlafen Zelt an Zelt, Koje an Koje.

Jeweils zwölf Menschen teilen sich 25 Quadratmeter. In den Zelten stehen sechs Stockbetten.

Die Notdurft wird draußen auf dem Vorfeld verrichtet.

Im Freien - vor jedem Hangar - steht eine Wand aus mehr als 50 Dixi-Toiletten. Der Geruch dringt bis in die Hallen.

Bislang sind hier rund 4000 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irake, Pakistan und Ex-Jugoslawien auf engstem Raum untergebracht. Rund ein Drittel, die in den Hangars leben, sind Kinder. Bis auf 12.000 Menschen sollen hier bald versorgt werden.

Die Bewohner der Massenunterkunft klagen über mangelnde Rückzugsmöglichkeiten.

Eine Privatsphäre gibt es nicht. Jeder kann alles hören, die Luft ist stickig, es herrscht permanenter Lärm, bis in die Nacht hinein.

Zudem ist die Hygiene ein echtes Problem. Duschen und Waschmaschinen gibt es nicht.

Es riecht nach Schweiß und alten Socken. Zum Duschen geht es mit Bussen zu einem Schwimmbad.

Doch am schlimmsten sei die Langeweile und die Enge, berichten Flüchtlinge.

Gemeinschaftsräume sind selten, in den Zelten und den mit Messestellwänden improvisierten Schlafräumen gibt es keine Tische und Stühle.

In den Kleiderregalen sieht man Mangel und Überfluss nah beieinander. Die Fächer für Männerhosen und Pullover in den Größen S und M sind leer. Auch lange Röcke sind knapp. Frauenkleidung ab L stapelt sich. Die meisten Flüchtlinge sind Männer, eher kleiner als der Durchschnittsdeutsche.

Im November war die schlechte Stimmung in den Hangars in Gewalt umgeschlagen.

An der Essensausgabe gab es eine Massenschlägerei zwischen Flüchtlingen. Mehrere Menschen wurden verletzt.

23 Bewohner wurden festgenommen, 150 Polizisten waren im Einsatz.

Eigentlich sollen die Flüchtlinge nach zwei Wochen in Gemeinschaftsunterkünfte umziehen. Doch die Realität sieht anders aus. Nun harren Flüchtlinge hier schon Wochen, manche sogar Monate aus.

Demnächst sollen auf dem Gelände sogar bis zu 8500 Menschen unterkommen, berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf Pläne des Senats.

Dann sollen alle Hangars belegt werden, außerdem werden weitere Hallen als Unterkünfte auf dem Vorfeld gebaut.

Demnach ist außerdem geplant, auf dem ehemaligen Vorfeld eine Schule, Sporthallen, Werkstätten und eine Großküche entstehen zu lassen.

Eine Bürgerinitiative hat bereits Proteste angekündigt. Auch der Flüchtlingsrat steht den Plänen mehr als skeptisch gegenüber.

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