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Trump, Clinton, Putin: Bei wem sich Johnson bald entschuldigen muss

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Stellen Sie sich so den Außenminister eines der wichtigsten Länder der Welt vor? (Foto: AP)

Stellen Sie sich so den Außenminister eines der wichtigsten Länder der Welt vor?

Stellen Sie sich so den Außenminister eines der wichtigsten Länder der Welt vor?

Oder so?

Nein? Und dennoch: Boris Johnson, vorübergehend als Brexit-Drückeberger verschrien, wird Chefdiplomat Großbritanniens.

Wer der "House of Cards"-artigen Ämterrochade in London etwas Positives abgewinnen will, könnte sagen: ...

Dann ist der verbale Haudrauf wenigstens dazu gezwungen, sich ein wenig im Ton zu mäßigen.

Denn bei allen Talenten, die der Politiker Johnson hat: Diplomatie gehört bisher nun ausgerechnet nicht dazu.

Und so ist die Liste der Persönlichkeiten der Weltpolitik, bei denen sich Johnson demnächst ein wenig moderater geben muss, lang.

Da wäre zum Beispiel Donald Trump, zu dem Johnson gewisse Ähnlichkeiten im politischen Stil nachgesagt werden. Der Brite selbst will davon scheinbar nichts wissen. Verwechslungen sind ihm unangenehm.

"Ich mache mir wirklich Sorgen, dass er der nächste Präsident der USA werden könnte. Ich war in New York und ein paar Fotografen haben versucht, ein Bild von mir zu machen. Da kam ein kleines Mädchen zu mir und fragte mich, ob ich dieser Trump sei. Das war einer der schlimmsten Momente überhaupt."

Noch vor einem Jahr sagte er: "Der einzige Grund, warum ich einige Teile New Yorks nicht besichtigen würde, ist das ernsthafte Risiko, Donald Trump zu treffen." Wird Trump im Herbst Präsident, werden Begegnungen jedoch unausweichlich.

Doch auch ein Wahlsieg von Trumps Kontrahentin, der Demokratin Hillary Clinton, dürfte Johnson in Verlegenheit bringen. Auch über sie hat der Brite schon Verächtliches fallen lassen.

"Sie hat gebleichtes Blondhaar und Schmolllippen sowie einen stahlblauen Blick, wie eine Krankenschwester in der Nervenanstalt", sagte er 2007. Vergessen ist das aber nicht.

Auch nicht, dass er damals ätzte: "Alle, die die USA lieben, sollten Hillary unterstützen. Nicht weil sie zwingend die nächste Präsidentin werden soll, sondern weil wir Bill Clinton gerne in der Rolle des First Husband sehen wollen. Wenn er mit Hillary klarkommt, kann er auch jede andere globale Krise bewältigen."

Auch der amtierende US-Präsident Barack Obama dürfte nicht besonders gut auf Johnson zu sprechen sein. Nicht nur, dass die Briten seinen eindringlichen Appell, den von Johnson betriebenen Brexit abzulehnen, in den Wind geschossen haben. Auch persönlich wird er ein Hühnchen zu rupfen haben.

Zwar sagte Johnson noch schmeichlerisch kurz vor Obamas Wahl im Jahr 2008: "Im Gegensatz zum derzeitigen Bewohner des Weißen Hauses hat er keine Schwierigkeiten damit, aus dem Stehgreif eine Reihe von grammatikalisch korrekten englischen Sätzen zu formulieren, von denen jeder ein Hauptverb enthält."

Doch dass Obama kurz nach seinem Amtsantritt eine Büste des von Johnson so verehrten Winston Churchill aus dem Oval Office entfernen ließ, nahm er dem Amerikaner doch ziemlich übel: "Manche sagten, es war eine Brüskierung Britanniens. Manche sagten, es war ein Ausdruck der ererbten Abneigung des halb-kenianischen Präsidenten gegen das britische Empire."

Dass der US-Demokrat bei einem London-Besuch kurz vor der Abstimmung den Briten ins Gewissen redete, war Johnson wie gesagt dann doch etwas zu viel: "Die USA wachen über ihre Demokratie mit größerer hysterischer Eifersucht als jedes andere Land auf der Erde. Dass die Vereinigten Staaten uns in Großbritannien sagen, wir sollten die Kontrolle über einen so großen Teil unserer Demokratie aufgeben, ist ein atemberaubendes Beispiel des Prinzips 'Mach, was ich sag, nicht, was ich tue'."

Damit sind wir schon wieder zurück in Europa. Dass er die Briten aus der EU getrieben hat? Geschenkt. Aber manche Sprüche, die er im Brexit-Wahlkampf fallen ließ, waren dann doch etwas herb.

Er unterstellte der EU, einen Superstaat errichten zu wollen, und wagte zweifelhafte Vergleiche: "Napoleon, Hitler, verschiedene Leute haben das versucht, und es endet (immer) tragisch." Nun ja, was auch immer sie in Brüssel planen, vergleichbar ist das wohl mit dem Dritten Reich nicht.

Nur so semi-sensibel war auch Johnsons Vorgehen in der Debatte um das Schmähgedicht des deutschen Satirikers Jan Böhmermann. Er ließ sich im Mai 2016 bei einem Wettbewerb der Schweizer "Weltwoche" zu einem eigenen Reim hinreißen.

"There was a young fellow from Ankara, who was a terrific wankerer, till he sowed his wild oats, with the help of a goat, but he didn't even stop to thankera." Frei übersetzt: "Es gab einen jungen Typen aus Ankara, der ein großartiger Wichser war, bis er sich seine Hörner abstieß, mithilfe einer Ziege, doch gabs von ihm kein Dankeschön." Johnson gewann den mit 1300 Euro dotierten Wettbewerb.

Wie Kanzlerin Angela Merkel mit der diplomatischen Krise umging, hat Johnson auch nicht gefallen: "Teilnahmslos hat sie sich dazu entschieden, vor den Forderungen Erdogans den Kotau zu machen, einem Mann, der die eiskalte Unterdrückung der türkischen Meinungsfreiheit betreibt", sagte er, nachdem Merkel den Weg für ein Strafverfahren gegen Böhmermann frei gemacht hatte. Vielleicht sind die Reaktionen Berlins auf Johnsons Berufung zum britischen Außenminister ja deshalb so schmallippig.

Apropos schmallippig: In Russland sollte sich Johnson so bald wohl nicht blicken lassen. Sagte er doch einmal über Wladimir Putin: "Mal abgesehen davon, dass er aussieht wie Dobby, der Hauself aus Harry Potter, ist er ein gewissenloser und manipulativer Tyrann."

Für Uneingeweihte: Dobby muss man sich so vorstellen.

Wird Boris Johnson künftig also verbal etwas tiefer stapeln? Vermutlich wird ihm nichts anderes übrig bleiben, wenn er nicht zügig diplomatische Verstimmungen mit der halben Welt riskieren will.

Messen wir ihn doch an seinen eigenen, Hoffnung spendenden Worten: "Wenn wir jeden nach den dummen, unüberlegten Dingen beurteilen, die aus ihm einfach so herausplatzen, kommen wir gar nicht voran." (jog)

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