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Freitag, 28. Dezember 2007

Charismatisch und polarisierend: Benazir Bhutto ermordet

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Und ihrer Heimat, die Atommacht Pakistan, stehen vermutlich noch unruhigere Zeiten bevor. (Alle Fotos: AP)

Und ihrer Heimat, die Atommacht Pakistan, stehen vermutlich noch unruhigere Zeiten bevor. (Alle Fotos: AP)

Vielen galt sie als Pakistans Hoffnungsträgerin, ...

... für viele ist sie nun eine Märtyrerin:

Benazir Bhutto, ehemalige Premierministerin und pakistanische Oppositionsführerin, ...

... ermordet am 27. Dezember 2007 nach einer Wahlkampfveranstaltung in der Garnisonsstadt Rawalpindi.

Sie starb bei einem Selbstmordanschlag, ...

... bei dem der Attentäter noch mindestens 20 andere Menschen mit in den Tod riss.

"Gott hat längst entschieden, wann meine Zeit abgelaufen ist", hatte Bhutto erst kürzlich nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatland gesagt.

Bereits damals, im Oktober 2007, war bei dem großen Empfang in Karatschi ...

... ein Anschlag auf sie verübt worden.

140 Menschen starben, ...

... sie selbst entkam.

Jahrzehntelang spielte Benazir - was so viel heißt wie "die Unvergleichliche" - in der pakistanischen Politik eine wichtige Rolle.

1953 wurde sie als ältestes Kind in einer wohlhabenden Großgrundbesitzer-Familie geboren. (Im Bild rechts oben, mit ihren Eltern und drei Geschwistern)

Sie besuchte Privatschulen und studierte später in Harvard und Oxford.

In Oxford wurde sie als erste Ausländerin Präsidentin eines Studentenverbandes und Vorsitzende des renommierten "Debattierclubs".

Eloquent und intelligent wie sie war, galt sie vielen zugleich als eine reichlich arrogante Frau.

Während ihres Studiums stieg ihr Vater, Zulfikar Ali Bhutto, immer weiter auf.

Von 1971 bis 1973 war er Staatspräsident Pakistans, ....

... anschließend der erste demokratisch gewählte Premierminister Pakistans.

Am 5. Juli 1977 widerfuhr ihm, was vielen pakistanischen Mächtigen widerfuhr: Er wurde vom Militär gestürzt.

Der Militärdiktator Zia ul-Haq ließ ihn unter Arrest stellen.

Zwei Jahre später wurde Bhutto im Morgengrauen erhängt - ausgerechnet in Rawalpindi, wo Jahrzehnte später seine Tochter den Tod fand.

Für Benazir Bhutto war die Hinrichtung ein Schock.

"Als mein Vater gestürzt wurde, hätte meine Familie nie gedacht, dass sie ihn umbringen werden", sagte Bhutto einmal.

Der Tod des Vaters wurde zu einem Auftrag, der Glanz der Bhutto-Dynastie sollte wiederhergestellt werden.

Laut ihrer Autobiographie "Tochter des Ostens" soll ihr Vater gesagt haben:

"Meine Tochter wird in die Politik gehen ...

... Sie wird Premierministerin werden."

Bereits als 19-Jährige hatte Benazir ihren Vater als Assistentin unterstützt.

Nach seinem Tod versuchte sie die Lücke in der von ihm gegründeten Partei, der PPP, zu füllen.

Doch ihr politisches Engagement war nicht erwünscht. Es folgten Hausarrest und Verhaftungen. 1984 reiste sie ins britische Exil aus.

Als 1988 Diktator Zia ul-Haq bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz starb, erfüllte sie schließlich die Prophezeiung des Vaters:

Sie gewann die Wahlen und wurde Premierministerin, ...

... als erste Frau in einem muslimischen Staat.

Doch so sehr die charismatische Politikerin im Ausland gefeiert und bewundert wurde, ...

... im eigenen Land mehrte sich die Kritik.

Vorwürfe der Vetternwirtschaft kamen auf, die Opposition murrte wegen ihres autoritären Führungsstils.

Nach zwei Jahren wurde sie aufgrund von Korruptionsvorwürfen abgesetzt.

1993 gelang ihr die Rückkehr an die Macht - drei Jahre später wurde ihr erneut Korruption vorgeworfen und sie musste gehen.

Im Mittelpunkt der Skandale stand meist ihr Ehemann Ali Asif Zardari, den sie zum Investitionsminister gemacht hatte.

Er gilt vielen noch heute als einer der korruptesten Männer des Landes, auch genannt "Mister 10-Prozent". (Hier im Cockpit)

Auch in der Ehe kam es, wie Medien berichten, zu manchem Eklat.

So soll Benazir von ihrem Mann geschlagen worden sein, ...

... in der Öffentlichkeit erschien sie mit geschwollenem Auge.

Kurz bevor sich ihr Gegenspieler und jetzige Präsident Pervez Musharraf an die Macht putschte, ...

... ging Bhutto 1999 wieder ins Exil nach Großbritannien und Dubai, um einer Haftstrafe wegen Korruption zu entgehen.

Ihr Mann Ali Asif Zardari, der in Pakistan aus diesem Grunde im Gefängnis saß, folgte ihr und den drei Kindern Jahre später.

Aus dem Exil heraus lenkte Bhutto weiter die Geschicke der PPP.

Die Partei machte sie zur Vorsitzenden auf Lebenszeit, ihre Anhänger verehrten sie glühend.

Mit ihrer Rückkehr in die Heimat hofften viele auf eine Wende.

Zugleich war klar, dass Bhutto ein großes Risiko einging.

Bereits ihre zwei Brüder waren unter mysteriösen Umständen gestorben.

Ihr Bruder Murtaza (im Bild) wurde 1996 erschossen, der jüngste Bruder Sha Nawaz wurde 1985 in Südfrankreich vermutlich vergiftet.

Bis heute vermuten manche in Pakistan, dass Bhuttos Ehemann hinter der Erschießung Murtazas gesteckt habe, weil dieser der Schwester politisch gefährlich geworden sei.

Benazir Bhutto war sich sehr wohl bewusst, dass sie in großer Gefahr lebte.

Die Drohungen gegen die Politikerin häuften sich sich in jüngster Zeit.

Sowohl Präsident Musharraf als auch den islamistischen Kräften im Lande war sie ein Dorn im Auge.

Wiederholt warfen Parteimitglieder der Regierung vor, nicht genug für Bhuttos Sicherheit zu tun.

Doch Bhutto ließ sich nicht einschüchtern: "Nur die Demokratie kann uns retten, ...

... und wir sind bereit, dafür unser Leben zu riskieren", sagte sie im Oktober 2007 nach dem verfehlten Anschlag.

Nun hat sie mit dem Leben bezahlt.

Und ihrer Heimat, die Atommacht Pakistan, stehen vermutlich noch unruhigere Zeiten bevor. (Alle Fotos: AP)

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