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Politik

Jemen, Pakistan, Afghanistan, Somalia: Brutstätten des Terrors

 
Jemen, Pakistan, Afghanistan, Somalia: Brutstätten des Terrors

Vier Länder werden von den USA derzeit offiziell als "staatliche Unterstützer des Terrorismus" angesehen: Kuba, der Iran, Sudan und Syrien.

Im jüngsten Jahresbericht des US-Außenministeriums werden außerdem Länder genannt, die "sichere Häfen" für Terroristen seien. Als solcher gilt laut State Department beispielsweise Pakistan, ...

... aber auch Saudi-Arabien, das seit 2006 verstärkt gegen Terroristen vorgeht.

Genannt werden in dem Bericht auch Al-Kaida im Irak, in Somalia, im Jemen, in Algerien und anderen Teilen Nordafrikas sowie die Taliban in Afghanistan. Nigeria (im Bild Slums von Lagos) wird vergleichsweise knapp behandelt; das dürfte sich in der nächsten Ausgabe der "Country Reports on Terrorism" ändern.

Denn aus Nigeria kam der 23-jährige Umar Farouk Abdulmutallab, der am 25. Dezember 2009 während des Landeanflugs auf Detroit versuchte, das Flugzeug zu sprengen. Den Sprengstoff dazu hatte er in seiner Unterhose versteckt.

Als Konsequenz aus dem gescheiterten Anschlag verschärften die USA die Sicherheitskontrollen für Passagiere aus 14 Staaten. Diese Liste ist die aktuellste Zusammenstellung der Häfen des Terrors aus Sicht der USA.

Auf der Liste stehen Afghanistan, Algerien, der Irak, der Iran, Jemen, Kuba, Libanon, Libyen, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan und Syrien.

Einige Länder auf dieser Liste sind Staaten, in denen die Zentralgewalt schwach ist und in denen es bereits Strukturen islamistischen Terrors gibt. Sie bieten sich geradezu als Rückzugsgebiete für Al-Kaida an. Solche Länder sind vor allem Pakistan, Jemen und Somalia, aber natürlich auch Afghanistan und der Irak.

Dennoch zählt nach wie vor Saudi-Arabien zu den Ländern, aus denen Al-Kaida besonders viele Terroristen rekrutiert und aus denen besonders viel Geld in den internationalen Terror fließt. Ein sicherer Hafen für Terroristen ist das Land allerdings nicht mehr.

Nigeria könnte in der Zukunft eine ähnliche Rolle wie Saudi-Arabien spielen: Auch hier gibt es radikale Strömungen und - trotz der drastischen Armut - viel Geld, Petrodollars. Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel Umar Farouk Abdulmutallab. Er ging in Togo zur Schule, ...

... studierte in London und Dubai und radikalisierte sich im Jemen. Das alles war möglich, weil seine Familie reich ist (hier ihr Wohnsitz in Funtua im Norden Nigerias): Sein Vater Umaru Abdul Mutallab ist Bankier; er gehört zu den Gründern von Jaiz International, der ersten islamischen Bank Nigerias.

Auf der anderen Seite des sozialen Spektrums kämpft die Sekte "Boko Haram" im Norden des Landes für einen islamischen Gottesstaat (das Bild zeigt festgenommene Mitglieder). Ihre Anhänger werden zwar oft als Taliban bezeichnet. Sie haben jedoch wohl keine direkten Verbindungen nach Afghanistan und Pakistan.

Vor allem auf den Jemen hat der Anschlagsversuch von Detroit ein Schlaglicht geworfen. Rund 300 Al-Kaida-Kämpfer sollen sich hier aufhalten.

Das Land sei schon seit Anfang der 1990er Jahre "ein großes Logistikzentrum, Rückzugsgebiet und ein wichtiger Rekrutierungspool" des Terrornetzwerks Al-Kaida, sagte Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, gegenüber n-tv.de. Das Bild entstand nach dem Anschlag auf die US-Botschaft im Zentrum von Nairobi (Kenia) am 7. August 1998.

Am selben Tag wurde in der tansanischen Hauptstadt Daressalam ebenfalls auf die US-Botschaft ein Anschlag verübt. In Nairobi und Daressalam starben insgesamt mehr als 220 Menschen. Nach diesen Anschlägen setzte das FBI Osama bin Laden auf seine Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher.

Aus Hadramaut im Südosten des Landes stammt der Vater von Osama bin Laden. "Das Terrornetzwerk rekrutiert sich fast ausschließlich aus dem Jemen und Saudi-Arabien", so Steinberg.

Anders als in Saudi-Arabien ist der Anti-Terror-Kampf im Jemen eher halbherzig. Dschihadisten werden zwar gelegentlich verurteilt. Sie kommen dennoch aus Saudi-Arabien über die Grenze, um Zuflucht im Jemen zu suchen.

Im Januar gab der Al-Kaida-Zweig im Jemen seine Umbenennung in "Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel" bekannt; zum einen soll die Umbenennung verschleiern, dass es seit 2006 kaum noch Al-Kaida-Aktivitäten in Saudi-Arabien gibt.

Zum anderen zeigt sie jedoch auch ein Selbstbewusstsein, das klar über die Grenzen des Jemen hinausgeht.

Al-Kaida profitiert von der Instabilität des Landes: Im Nordwesten kämpfen schiitische Rebellen, im Süden Separatisten gegen die Zentralregierung.

Schlagzeilen macht das Land immer wieder, wenn Ausländer entführt werden. Seit Juni 2009 wird eine fünfköpfige Familie aus der Lausitz von den Rebellen im Norden festgehalten.

Besserung ist nicht in Sicht. Steinberg befürchtet gar, "dass der Jemen zwangsläufig vor die Wand fährt". Das Land könnte wie Afghanistan zu einer Hochburg für militante Islamisten werden.

Nicht nur unter den reichen Söhnen Saudi-Arabiens und Nigerias, auch in den jemenitischen Armenvierteln rekrutiert Al-Kaida neue Kämpfer.

Die USA stecken in der Zwickmühle: Wollen sie den Terrorismus in Jemen bekämpfen, müssen sie ein System stärken, das "vollkommen verrottet" ist, wie Terrorexperte Steinbach sagt.

"Je stärker sich die USA in die Sicherheitslage des Landes einmischen, desto stärker wird der Zulauf zu Al-Kaida", prophezeit der jemenitische politische Analyst Abdul-Ghani al-Iryani.

Geografisch sind der Jemen und der Hindukusch weit von einander entfernt. Die jeweiligen Al-Kaida-Zweige stehen dennoch im engen Kontakt - was nicht zuletzt an Osama bin Laden liegen dürfte, der noch immer in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion vermutet wird.

Die Zahl der Al-Kaida-Mitglieder wird hier auf 400 bis 600 geschätzt. Unterstützung erhalten sie allerdings von mehr als 10.000 Taliban (das Bild zeigt Taliban-Kämpfer im Januar 2009 in Afghanistan).

Damit sind Pakistan und Afghanistan für Al-Kaida weiterhin die wichtigsten Rückzugsgebiete. In der Anti-Terror-Strategie der Obama-Regierung werden sie als ein Raum gesehen und seit Februar 2009 auch so bezeichnet: "AfPak". (Diese Süßigkeit namens Super Osama Bin Laden, Kulfa Balls" wird in Pakistan hergestellt.)

In Afghanistan kämpfen die USA bereits seit dem 7. Oktober 2001 gegen Taliban und Al-Kaida. Hier ist der "Krieg gegen den Terror", den der damalige US-Präsident George W. Bush am 20. September 2001 ausgerufen hatte, tatsächlich ein Krieg - wenngleich die Bundesregierung lieber von einem "Einsatz" spricht.

Dieser "Einsatz" ist noch immer nicht gewonnen, im Gegenteil: Es sieht schlecht aus. Für die ausländischen Truppen war 2009 das blutigste Jahr in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban.

Die Internationale Schutztruppe ISAF ging im vergangenen Jahr dazu über, die Flaggen der Truppensteller-Nationen am Hauptquartier in Kabul nicht mehr auf Halbmast zu setzen, wenn Soldaten getötet worden waren, weil sie zuletzt fast nur noch auf Halbmast wehten.

Der Irak war die zweite Front der USA im "Krieg gegen den Terror". Längst ist bekannt, dass es zwischen dem Regime von Saddam Hussein und Al-Kaida keine Verbindungen gab. Erst der Krieg hat Al-Kaida in den Irak gelockt.

Die irakischen Al-Kaida-Terroristen sieht Terrorexperte Steinberg wie die nordafrikanische Al-Kaida-Gruppe derzeit noch vorwiegend national orientiert.

Auch das Lager Gunatánamo Bay, in dem seit 2002 "ungesetzliche Kombattanten" aus Afghanistan und anderen Teilen der Welt festgehalten werden, gehörte zur Strategie der Bush-Regierung im Kampf gegen den Terror. Guantánamo ist sicherlich kein Hafen, ...

... möglicherweise aber eine Brutstätte des Terrors: Umar Farouk Abdulmutallab soll im Jemen Kontakt zu entlassenen Guantánamo-Häftlingen gehabt haben.

Laut "Times" hat sich mindestens ein Dutzend ehemaliger Guantánamo-Insassen im Jemen Al-Kaida angeschlossen. Berichten zufolge sollen zwei der vier Drahtzieher des gescheiterten Anschlags von Detroit in Guantánamo gewesen sein.

Und noch immer sitzen knapp 200 Menschen in Guantánamo; fast die Hälfte von ihnen kommt aus dem Jemen. Der Anschlagsversuch von Detroit hat ihre Chancen auf Rückkehr in die Heimat sinken lassen: Die US-Regierung hat den Transfer gestoppt.

Neben Afghanistan war das Horn von Afrika das erste Aufmarschgebiet der USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Seit Oktober 2001 kreuzen hier US-Aufklärungsschiffe, seit Anfang 2002 auch Schiffe der deutschen Marine. Sie sollen den Verkehr von Terroristen und Waffen zwischen dem Jemen und Somalia unterbinden.

Seit 2008 soll zudem die UN-Mission "Atalanta" für Sicherheit vor den immer häufigeren Piratenangriffen sorgen. Ohne Zentralregierung ist Somalia auch für Piraten ein idealer sicherer Hafen.

Somalia ist der schon klassische Fall eines "failed state", eines gescheiterten Staates. Eine funktionierende Zentralgewalt gibt es hier bereits seit dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 nicht mehr.

Ab 1992 versuchte eine internationale Truppe, den Bürgerkrieg zu stoppen. Bei der zweitägigen "Schlacht von Mogadischu" im Oktober 1993 wurden zwei US-Helikopter vom Typ "Black Hawk" abgeschossen, ...

... 18 amerikanische Soldaten wurden bei den Kämpfen getötet, US-Truppen mussten schließlich mit malaysischer und pakistanischer Unterstützung aus dem Kampfgebiet geholt werden.

Nach der Schlacht wurden die Leichen von US-Soldaten von somalischen Kämpfern durch Mogadischu gezogen - für die USA eine traumatische Erfahrung. Wenige Monate später wurden die US-Truppen aus Somalia abgezogen.

Theoretisch liegt die Regierungsgewalt heute bei der international anerkannten Übergangsregierung, die von einer Friedenstruppe der Afrikanischen Union unterstützt wird.

Tatsächlich kontrolliert jedoch die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz (Bild) große Gebiete des Landes - auch den größten Teil der Hauptstadt Mogadischu.

Der Al-Shabaab-Miliz werden Verbindungen zu Al-Kaida nachgesagt. Steinberg hält sie jedoch für eine rein regionale Bewegung. Ihre Ankündigung, Kämpfer zur Unterstützung von Al-Kaida in den Jemen zu schicken, sei wohl eher Propaganda.

Unterstützt werden die somalischen Islamisten nach Auffassung des UN-Sicherheitsrats von Eritrea. Kurz vor Weihnachten 2009 wurden daher ein Waffenembargo und Sanktionen gegen das Land am afrikanischen Ufer des Roten Meeres verhängt. Auf der amerikanischen Liste der Terrorstaaten fehlt Eritrea - noch.

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