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Donnerstag, 17. August 2017

Ein Leben in atomarer Gefahr: Bürger Guams schnorcheln gegen die Angst

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Wenn die Großen streiten, leiden die Kleinen. In diesem Fall bedeutet das: Wenn sich die USA und Nordkorea in die Haare kriegen, gerät die US-Pazifikinsel Guam zwischen die Fronten. (Foto: REUTERS)

Wenn die Großen streiten, leiden die Kleinen. In diesem Fall bedeutet das: Wenn sich die USA und Nordkorea in die Haare kriegen, gerät die US-Pazifikinsel Guam zwischen die Fronten.

Wenn die Großen streiten, leiden die Kleinen. In diesem Fall bedeutet das: Wenn sich die USA und Nordkorea in die Haare kriegen, gerät die US-Pazifikinsel Guam zwischen die Fronten.

Aber von vorn: Nordkorea droht, mehrere Raketen auf die rund 3400 Kilometer entfernte Pazifikinsel abzufeuern.

Dort unterhalten die USA einen Militärstützpunkt.

Auslöser des Streits ist, dass Nordkorea trotz aller Verbote des UN-Sicherheitsrates eine Interkontinentalrakete abschoss. Die Rakete hatte eine Reichweite von rund 10.000 Kilometern und könnte damit das US-Festland erreichen.

Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea. US-Präsident Donald Trump drohte dem Land mit militärischen Folgen. Kim Jong Un wehrte sich und drohte seinerseits mit Raketen auf Guam.

Guams Gouverneur Eddie Baza Calvo gibt sich trotz der angespannten Lage betont gelassen. In einer Videobotschaft an die Bevölkerung sagt er: Die größte Gefahr für die Insel seien nicht Raketen, sondern Wirbelstürme. "Geht raus, habt Spaß, genießt die Strände."

Auf der 545 Quadratkilometer großen Insel leben 160.000 Menschen.

Und einige Bürger folgen Calvos Ratschlag.

Sie sind Drohungen aus Nordkorea gewohnt.

So erklärt eine Journalistin der Regionalzeitung "Mariana Variety": "Wenn es passiert, dann passiert es eben. Lasst uns einfach beten und das Beste aus dem machen, was wir jetzt haben."

Andere sprechen offen aus, dass sie Angst haben. Und bereiten sich mit Hamsterkäufen auf das Schlimmste vor.

Ein weiterer Inselbewohner gibt zwar zu, besorgt zu sein, sagt aber auch: "Was können wir tun? Wir leben auf einer kleinen Insel. Sollte es zu einem Angriff kommen, kann man sich nirgends verstecken."

Calvo weiß um die Ängste der Bevölkerung: Die Insel sei "auf alle Eventualitäten vorbereitet". Er wolle eine Koordinierungsgruppe einberufen, um über die Einsatzbereitschaft von Militär und Rettungskräften zu sprechen, verspricht der Gouverneur.

Gleichzeitig erinnert er daran: Guam sei Teil der USA. Wer Guam angreife, werde behandelt, als habe er US-Kernland angegriffen. "Wir sind nicht nur eine Militäranlage."

Eine Sprecherin des US-Heimatschutzministeriums erklärt: Sollte eine nordkoreanische Rakete Kurs auf Guam nehmen, gebe es ein ausgeklügeltes Alarmsystem und die Bevölkerung wisse, was dann zu tun sei. "Wenn Sie die Sirenen hören, schalten Sie das Radio oder den Fernseher an und warten Sie auf weitere Instruktionen", sagt die Sprecherin zu den Bürgern Guams.

Doch das System funktioniert nicht immer einwandfrei. Ein falscher Alarm ließ die Bewohner mitten in den Nacht zum 16. August hochschrecken. Die Radio- und Fernsehsender sendeten eine Gefahrenmeldung ohne genauere Informationen.

Vor wenigen Tagen hatte die Verwaltung der Pazifikinsel Merkblätter an die Bevölkerung verteilt. Darauf stehen Verhaltensregeln im Falle eines Atomangriffs. "Legen Sie sich flach auf den Boden und bedecken Sie Ihren Kopf", lautet einer der Tipps.

Doch auch wenn dunkle Wolken über Guam aufziehen, überwiegt doch die positive Stimmung im Land.

Der Marketingdirektor der örtlichen Tourismusbehörde, Josh Tyquiengco, findet es sogar gut, dass Guam nun international in den Fokus rückt: "Die Umstände sind zwar unglücklich, aber dies ist eine gute Gelegenheit, die Welt über Guam und unsere Kultur zu informieren".

Tyquiengco betont: "Wir sind ein sicheres Urlaubsziel für Familien."

Bislang würden die Touristen nicht abgeschreckt. Zwar gebe es "einige wenige Stornierungen aus Südkorea", aber jeden Tag strömten Tausende Touristen nach Guam, vor allem aus Ländern wie Japan, Taiwan und China.

Die "Guam Daily Post" nimmt die Raketenkrise zum Anlass, in einem Leitartikel die Vorzüge der Südseeinsel zu rühmen: "Das Wasser ist kristallklar, die Strände sind nicht überrannt, und die Wanderwege sind leicht zugänglich."

Immerhin hat Nordkorea seine Drohung mittlerweile entschärft. Kim erklärt, er werde das Verhalten der USA "ein wenig länger" beobachten.

Sollten die USA jedoch ihre "extrem gefährlichen und rücksichtslosen Handlungen auf der koreanischen Halbinsel" fortsetzen, werde er umgehend eine "wichtige" Entscheidung treffen.

Experten deuteten Kims Aussagen als Versuch, die angespannte Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel zu entschärfen.

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