Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Politik

Briten ohne steife Oberlippe: Cameron und Clegg

 
Briten ohne steife Oberlippe: Cameron und Clegg

Der Regierungswechsel in Großbritannien ist in mehrfacher Hinsicht historisch. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg bekommt das Land eine Koalitionsregierung.

Für Großbritannien ist es zugleich das Ende einer Ära: 13 Jahre "New Labour" sind vorbei.

Und schließlich ist David Cameron mit seinen 43 Jahren der jüngste britische Premierminister seit 1812.

Auch wenn die Konservativen die absolute Mehrheit verfehlten - im Unterhaus haben sie 306 von 650 Sitzen - ist sein Einzug in die Downing Street Nummer 10 ein großer Erfolg für Cameron.

Er öffnete seine Partei zur Mitte und machte sie damit für jene Wählerschichten attraktiv, die einst für Tony Blair und dessen "New Labour" gestimmt hatten - selbst seine Frau Samantha soll einmal Blair gewählt haben.

Der Herkunft nach ist Cameron ein echter britischer Konservativer, wenn auch ohne die "steife Oberlippe", die lange das Markenzeichen der britischen Oberklasse war:

Cameron besuchte das elitäre Eton College (Bild) und die Traditionsuniversität in Oxford. Über König William IV. und dessen irische Mätresse Dorothea Jordan ist er mit Königin Elizabeth II. verwandt, ...

... was ihm allerdings keinen Platz in der Erbfolge gibt.

Auch seine Frau Samantha Cameron kann auf (ebenfalls illegitime) königliche Herkunft verweisen: Ihr Vater, ein "Baronet" und damit Angehöriger des niederen Adels, führt seinen Stammbaum auf Karl II. zurück, der im 17. Jahrhundert regierte.

Ob Camerons sozialer Hintergrund im Wahlkampf ein Vor- oder ein Nachteil war, ist umstritten - nicht zuletzt dank Labour ist schließlich auch das einst so klassenbewusste Königreich im 21. Jahrhundert angekommen.

Interessant ist immerhin, dass Camerons Koalitionspartner eine ganz ähnliche Herkunft hat.

Nick Clegg, der Chef der eher links orientierten britischen Liberaldemokraten, besuchte nicht Eton, sondern Westminster, nicht Oxford, sondern den alten Rivalen Cambridge. Auch Clegg gehört der britischen Oberklasse an, ...

... ist dabei jedoch alles andere als eine Cameron-Kopie. Cleggs Vorfahren väterlicherseits waren russische Adelige, die nach der bolschewistischen Revolution nach England flohen.

Cleggs Mutter war eine Niederländerin, die als Kind im Zweiten Weltkrieg in Jakarta im damaligen Niederländisch-Indien mit ihrer Familie von den Japanern interniert worden war.

Anders als Cameron ist Clegg ein überzeugter Europäer:

Er spricht nicht nur Englisch, sondern auch Deutsch, Niederländisch, Französisch und Spanisch. Fünf Jahre saß er für die Liberaldemokraten im Europaparlament, seine Frau, die Anwältin Miriam Gonzalez Durantez, ist Spanierin. Ihre Söhne Antonio, Alberto und Miguel wachsen zweisprachig auf.

Die Camerons erwarten im September ihr viertes Kind. Erst im vergangenen Jahr war ihr schwerbehinderter Sohn Ivan im Alter von sechs Jahren gestorben. Ihre Tochter Nancy kam im Januar 2004 zur Welt, ihr Sohn Arthur im Februar 2006.

Mit dieser Familie zieht Cameron nun in die Downing Street - Familie Brown (Bild) muss ausziehen.

Bereits eineinhalb Stunden, nachdem der bisherige Premier Gordon Brown seinen sofortigen Rücktritt erklärt hatte, spazierte Cameron durch die Eingangstür von Nummer 10.

Zuvor hatte Königin Elizabeth Cameron zum neuen Premierminister ernannt.

Er nutzte die Gelegenheit, der Königin die Hand zu küssen.

In einer kurzen Ansprache kündigte Cameron an, gemeinsam mit den Liberaldemokraten eine "echte Koalition" einzugehen, um dem Land eine stabile Regierung zu geben. Großbritannien stehe vor "schweren und drängenden Problemen".

Siegerposen gab es nicht: Die Briten starren in ein riesiges Haushaltsloch, der Schuldenberg summiert sich auf 163 Milliarden Pfund.

Cameron sagte, Aufgabe sei es, das Vertrauen der Bürger in "unser politisches System" wiederherzustellen. Umgekehrt aber müsse auch die Gesellschaft mehr Verantwortung für ihr Land übernehmen.

Die erste Nacht im neuen Amt verbrachte Cameron noch im alten Zuhause: Das Bild zeigt ihn am Mittwochmorgen, wie er die Zeitungen reinholt.

Der neue Vize-Premier Clegg, der bis zum ersten Fernsehduell mit Cameron und Brown außerhalb seiner Liberal-Demokratischen Partei so gut wie unbekannt war, ...

... kündigte eine "neue Art der Regierung" an: Er hoffe, dies sei der "Beginn einer neuen Politik, an die ich immer geglaubt habe".

"Lasst uns etwas anderes wagen", hatte Clegg im Wahlkampf gesagt. Was immer kommt: Anders wird es auf jeden Fall.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.