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Schröder und Putin im Reich der Mitte: China feiert seine militärische Stärke

Von Martin Morcinek

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Riesenspektakel in der chinesischen Hauptstadt: Mit 70 Schuss Salut und einer Flaggenzeremonie beginnen in Peking die Feiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Asien. (Foto: REUTERS)

Riesenspektakel in der chinesischen Hauptstadt: Mit 70 Schuss Salut und einer Flaggenzeremonie beginnen in Peking die Feiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Asien.

Riesenspektakel in der chinesischen Hauptstadt: Mit 70 Schuss Salut und einer Flaggenzeremonie beginnen in Peking die Feiern zum 70. Jahrestag des Kriegsendes in Asien.

Die Führungsriege der Kommunistischen Partei lädt anlässlich des großen Jubiliäums zu einer Machtdemonstration der Superlative ein.

Gesteuert von tausenden Funktionären und ihren Helfern hinter den Kulissen hält Peking nichts Geringeres als ...

... die größte Militärparade in der Geschichte der Volksrepublik ab.

Eine Delegation aus Russland nimmt als Chinas Weltkriegs-Verbündeter im Kampf gegen Faschismus und japanischem Kaiserreich mit einer Ehrengarde an der Parade teil.

Stargast des großen Staats-Show-Spektakels ist allerdings Russlands amtierender Staatschef.

Präsident Wladimir Putin ist höchstpersönlich nach Peking gereist, um an der Seite der chinesischen Parteiführung und 30 weiteren Staatsgästen den Truppenaufmarsch von der großen Ehrentribüne aus abzunehmen.

Zeitpunkt und Umfang des Staatsaktes sind außergewöhnlich: ...

Es ist das erste Mal überhaupt, dass China den Sieg über Japan im Großen Weltkrieg mit einer eigenen Parade ehrt.

Alle früheren Militärparaden dieser Größenordnung fanden stattdessen zum Jahrestag der Gründung der Volksrepublik am 1. Oktober statt.

Diesmal jedoch lässt Peking zum 70. Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg nicht nur ein starkes Truppenkontingent aufmarschieren.

Die demonstrative Waffenschau zielt auf die Wirkung in der Öffentlichkeit. Die Veranstaltung ist bis ins letzte Detail durchgeplant und inszeniert.

Offensichtlicher Zweck ist es, die neue Weltgeltung Chinas mit Macht, Menge und Material hervorzuheben.

Die Volksbefreiungsarmee - wie die Streitkräfte offiziell noch immer heißen - ist mit 12.000 Soldaten an der Parade beteiligt.

Dazu kommen etwa 200 Militärflugzeuge und -hubschrauber sowie rund 500 gepanzerte Fahrzeuge.

Wie angekündigt zeigt China auch modernstes Kriegsgerät aus der Kategorie der schweren Waffensysteme.

Zu sehen sind etwa die neuesten Versionen von Chinas schwerem Hauptkampfpanzer "Typ 99A".

Geheimdienstexperten aus aller Welt warten jedoch auf ganz andere Neuentwicklungen.

Westliche Militäranalysten zum Beispiel erhoffen sich von der Parade Einblick in die Schlagkraft Chinas im Bereich der weitreichenden Raketenartillerie.

Und tatsächlich: Erstmals zeigt das chinesische Militär unverhüllt eine seiner neuesten ballistischen Interkontinentalraketen vom Typ Dongfeng DF-31A.

Die Reichweite der hochmobilen, strategischen Feststoffraketen aus der Dongfeng-Baureihe liegt angeblich bei mehr als 11.000 Kilometern.

Bereits lange vor der Parade verbreiteten chinesische Staatsmedien die Nachricht, dass China mit seinem Raketenarsenal "jeden beliebigen Punkt innerhalb der USA" erreichen könnte.

Die Fernwirkung der neuen Reichweiten stärkt das international zur Schau gestellte Selbstbewusstsein der Machthaber in Peking.

Präsident Xi Jinping (hier in der offenen Limousine unter dem berühmten Porträt des legendären KP-Chefs Mao Tse-tung) steht an der Spitze einer wirtschaftlichen und militärischen Supermacht.

China verfügt über eine große Bandbreite an strategischen und taktischen Waffen - und zeigt sie mittlerweile auch bereitwillig vor. (Im Bild eine Dongfeng-Kurstreckenrakete vom Tyo DF-15B).

In beeindruckender Präzision ziehen ausgewählte Einheiten aus fast allen Truppenteilen durch das Zentrum Pekings.

Die Parade zieht über die breite Prachtstraße am Eingang zur "Verbotenen Stadt", an der Großen Halle des Volkes und damit auch am Platz des Himmlischen Friedens vorbei.

Jedes Detail der Veranstaltung verrät, dass sich Chinas Generäle längst nicht mehr nur als Mittel zum Zweck der Landesverteidigung verstehen.

Dass Staatspräsident Xi in seiner großen Ansprache eine Reduzierung der Truppenstärke um 300.000 Mann ankündigt, fällt bei all der Machtsymbolik kaum ins Gewicht.

Die Volksrepublik werde stets den Weg der friedlichen Entwicklung gehen, verspricht Xi.

Doch auch nach dem Truppenabbau bleibt das chinesische Militär mit einer Kopfstärke von ...

... immer noch gut zwei Millionen Soldatinnen und Soldaten eine der personalstärksten Streitmächte der Welt.

Und: Präsident Xi will die chinesische Volksbefreiungsarmee modernisieren und schlagkräftiger machen.

Auf ein paar hunderttausend Mann kann das Militär dabei gut verzichten.

Ohnehin haben sich die chinesischen Streitkräfte in den vergangenen Jahren bereits stark verändert.

In Peking blicken Zuschauer auf hochmoderne Einsatztruppen, die fähig - und wohl auch bereit - sind für hochbrisante Aufträge.

Die Parade muss in ihrer Dramaturgie auf Chinas Nachbarn, Partner und Rivalen wie ein Wink mit dem geopolitischen Zaunpfahl wirken.

Wenn zum Beispiel amphibische Schützenpanzer der Landungstruppen im Marine-Tarnmuster vor den riesigen Video-Leinwänden vorbeirollen, ...

... werden insbesondere Beobachter in Südkorea, Japan und Taiwan an alte Konfliktlinien und den schwelenden Inselstreit im chinesischen Meer denken.

Hochmobile Panzerhaubitzen des Heeres könnten Brückenköpfe abschirmen oder Abwehrstellungen sturmreif schießen.

Mit dem Formationsflug mittelschwerer Transporthubschrauber der Heeresflieger vom Typ "Z-8" demonstrieren die Chinesen ihre die Fähigkeiten zum schnellen Vorstoß aus der Luft.

Kettengetriebene Panzerabwehreinheiten sollen im Ernstfall motorisierte Bodentruppen in Schach halten.

Flakpanzer, die Kenner der Bundeswehr ihrem Design an den einstigen Flugabwehreinheiten vom Typ "Gepard" erinnern dürften, könnten etwa feindlichen Kampfhubschraubern gefährlich werden.

Auffallende Ähnlichkeiten zu einem möglichen Vorbild aus dem Westen zeigt auch diese Kampfdrohne namens "Wing Loong". Das unbemannte Fluggerät wirkt wie eine Kopie der US-amerikanischen MQ-9 "Reaper".

Präsident Xi Jinping (l.) und seine Amtsvorgänger Jiang Zemin (M.) und Hu Jintao (r.) wissen: ...

Die Masse des Materials dürfte den großen Gegenspieler im pazifischen Raum, die USA, wohl nur mäßig beeindrucken.

Um die USA in der chinesischen Einflusszone in gewisse Schranken zu weisen, setzt die Führung in Peking auf neue Allianzen - und auf eine Waffe, die selbst den Trägerkampfgruppen der US Navy Kopfzerbrechen bereitet.

Es sind dies die schnell verlegbaren Anti-Schiffs-Raketen, die vor allem die riesigen und milliardenteuren US-Flugzeugträgerflotten im Konfliktfall auf Abstand halten sollen.

China werde den Frieden verteidigen und nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholt, verspricht Präsident Xi zu Beginn der Militärparade im Beisein ebenso hochdekorierter wie betagter Veteranen.

Chinas Führungsriege blieb auf der Tribüne nicht ganz alleine: Für die Vereinten Nationen nimmt Generalsekretär Ban Ki Moon teil, aus Südkorea kommt Präsidentin Park Geun-hye.

Die meisten westlichen Staatschefs wollten - im Gegensatz zum Kremlchef - nicht persönlich an der Jubiläums-Waffenschau teilnehmen.

Eine Einladung aus Peking hatten Washington, Paris oder London im Vorfeld diskret abgelehnt.

Deutschland und die USA schicken offiziell nur Botschafter.

Privat taucht in Peking allerdings Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (r.) auf. Die Geste kommt beim Gastgeber gut an.

Die chinesischen Staatsmedien würdigen den SPD-Politiker daraufhin als "Freund Chinas".

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