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Politik

Parade der Stärke: China im Militär-Rausch

 
Parade der Stärke: China im Militär-Rausch

Es ist eine waffenstarrende Geburtstagsfeier.

China zeigt sich anlässlich seines 60. Geburtstages sowohl "revolutionär" wie früher, ...

... als auch stolz, moderne Militärmacht mit fortschrittlichen Waffensystemen zu sein.

Im besten kommunistischen Propagandastil ...

... schwenken jubelnde Kinder und hübsche Frauen bunte Blumensträuße.

Mit stolzgeschwellter Brust ...

... und vorgestreckten Gewehren ...

... marschieren tausende Soldaten zackig an der kommunistischen Führung vorbei.

Tausende Darsteller verwandeln den Platz des Himmlischen Friedens in Peking fein synchronisiert in ein rot-gelbes Farbenmeer, ...

... das der Volksrepublik zum 60. Jahrestag ihrer Gründung in riesigen Schriftzeichen wünscht, noch "zehntausend Jahre" alt zu werden.

Solche Bilder kennt die Welt sonst nur aus Nordkorea, ...

... rätseln ausländische Beobachter über die wahren Intentionen der Erben von Mao Tse-tung, Karl Marx und McDonald's.

"China ist eine verantwortliche große Nation", ...

... versichert das Staatsfernsehen zu Bildern mobiler Interkontinentalraketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt ostwärts die USA treffen können.

Nach dem "Ostwind" (Dongfeng) sind nicht nur diese "Trumpfkarten" der strategischen Abschreckung benannt, sondern auch die Mittelstreckenraketen, Marschflugkörper und anderen Raketen, ...

... die eine wachsende Gefahr sowohl für Nachbarstaaten oder Taiwan, als auch für US-amerikanische Marineschiffe im Pazifik darstellen.

Die größte Waffenschau seiner Geschichte zeige, dass China eine neue "stählerne Große Mauer" geschaffen habe, verkünden Staatsmedien.

Außer Raketen rollen moderne Panzer, Luftabwehrgeschütze, Stalinorgeln und Flugzeugdrohnen über die verbreiterte "Straße des Ewigen Friedens" am Tian'anmen-Platz vorbei.

Vor 20 Jahren rollten hier die Panzer gegen das eigene Volk, zerschlugen am 4. Juni 1989 die friedliche Demokratiebewegung.

Seither regieren in Peking die Hardliner, werden Reformer unterdrückt, die neben wirtschaftlicher Liberalisierung auch politische Lockerungen für nötig halten.

Die erste Militärparade seit zehn Jahren ist denn auch eine Warnung an das Milliardenvolk, ...

... dass die Armee voll hinter der kommunistischen Führung steht ...

... und auch künftig jeden Aufstand niederschlagen wird.

Nicht umsonst wurden die Truppen der paramilitärischen Polizei in der Militärparade besonders als Hüter der Stabilität hervorgehoben. Sie wurden nicht nur jüngst gegen aufständische Tibeter und Uiguren eingesetzt, sondern sollen künftig mehr denn je für innere Sicherheit sorgen.

Die demonstrative Schau militärischer und internationaler Stärke ...

... offenbart damit auch politische Schwäche, mit den wachsenden sozialen und ethnischen Spannungen wie überhaupt mit Andersdenkenden umzugehen.

Es fehlt an Vertrauen ins eigene Volk, das zur Parade nur handverlesen zugelassen war, weil sonst Störungen befürchtet wurden.

Die einzigartige Propagandaschau blieb ein inszeniertes Fernsehereignis, in dem bestellte Zuschauer strahlende Gesichter in die Kameras hielten, ihren Führern und Truppen - wie 1949 - mit roten Fähnchen zujubelten.

So weltoffen sich China bei den Olympischen Spielen vor einem Jahr in Peking noch präsentiert hatte, ...

... so angestaubt und rückständig zeigt sich das kommunistische System trotz militärischer Modernität zur Geburtstagsfeier.

Unausweichlich wird die protzige Waffenschau im Rest der Welt erneut das Schreckgespenst einer "chinesischen Bedrohung" wecken, ...

... egal wie oft die Militärs scheinbar unschuldig beteuern, es diene doch alles nur der Verteidigung.

Denn niemand macht letztlich einen Hehl daraus, dass sich die zu schützenden "Interessen Chinas" heute weit über die Landesgrenzen hinaus erstrecken.

Und so hat denn auch der russische Regierungschef Wladimir Putin China zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik gratuliert und die Entwicklung des Nachbarlandes als Erfolgsgeschichte gelobt.

China habe "eine feste Position" unter den führenden Weltmächten und "eine hohe Autorität" in der internationalen Gemeinschaft, schrieb Putin in einem Telegramm.

Diese "außerordentlich beeindruckenden Errungenschaften" seien "mit einer Politik der Reformen und der Offenheit verbunden".

China und Russland seien heute strategische Partner, so Putin.

Internationale Menschenrechtsgruppen haben indes scharfe Kritik an dem kommunistischen Regime in China geübt.

Im Ausland lebende Vertreter ethnischer Minderheiten wie Tibeter und Uiguren beklagten die kulturelle und politische Unterdrückung ihrer Volksgruppen.

Die in den USA ansässige Organisation "Human Rights in China" (HRiC) stellt in einer Mitteilung fest: "Das Machtspektakel kann tiefe Unsicherheit nicht verbergen."

Eine Koalition von chinesischen, tibetischen und uigurischen Aktivisten in Großbritannien verurteilte die "tyrannische Herrschaft der Kommunistischen Partei". (Im Bild: Proteste in Nepal)

Ihre autokratische Haltung könnte mit dem wachsenden Einfluss Chinas in der Welt eine Gefahr für die Freiheit und das Wohlergehen der Menschheit darstellen, wenn sie nicht in ihre Schranken gewiesen werde.

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