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Politik

Vor 100 Jahren geboren: Claus Schenk Graf von Stauffenberg

 
Der Ehrenhof des Bendlerblocks ist in Berlin einer der stilleren Orte.

Der Ehrenhof des Bendlerblocks ist in Berlin einer der stilleren Orte.

Abgesehen vom 20. Juli, wenn alljährlich mit einem feierlichen Gelöbnis an das gescheiterte Attentat gegen Adolf Hitler erinnert wird, geht es in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand meist geruhsam zu.

Nun aber rückt der Bendlerblock erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Am 15. November 2007 ist es auf den Tag genau hundert Jahre her, dass Claus Schenk Graf von Stauffenberg geboren wurde ...

... - der Offizier, der Hitler mit einer Bombe töten wollte.

Mit dem Hollywood-Film "Walküre", der zurzeit mit Tom Cruise in der Hauptrolle gedreht wird, wird Stauffenberg bald noch bekannter machen.

Bislang ist Stauffenberg noch ein sehr deutscher Held. Mehr als 300 Straßen und Schulen sind hierzulande nach ihm benannt.

Inzwischen sind sich Ost und West in seiner Beurteilung auch einigermaßen einig. In den ersten Jahren der Bundesrepublik war er für viele noch ein "Verräter".

In der DDR galt er lange als "Junker" mit zweifelhafter Moral. Hier stand der kommunistische Widerstand im Vordergrund. Und zum Beispiel die Geschwister Scholl. (Im Bild Hans und Sophie Scholl.)

Aber auch nach so vielen Jahrzehnten gibt es erstaunlich viele Dinge, die man immer noch nicht über Stauffenberg weiß. Gewissheit besteht lediglich über die biografischen Grunddaten.

Geboren am 15. November 1907 als Spross einer schwäbischen Adelsfamilie. Verheiratet, fünf Kinder. Hingerichtet in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Bendlerblock, mit nur 36 Jahren.

In seiner Jugend wurde Stauffenberg stark von den Ideen Stefan Georges beeinflusst. Dessen Werk "Das neue Reich" (1928) strebte eine neue Gesellschaftsordnung auf rein geistiger Ebene an.

Anders als George begeisterte sich Stauffenberg für die nationalsozialistischen Bewegung, auch schon vor 1933.

Seine Karriere war in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts für einen deutschen Adeligen nicht ungewöhnlich.

Wie der Vater ging Stauffenberg nach dem Abitur zum Militär. Dort machte er schnell seinen Weg.

Zunächst nahm Claus Schenk Graf von Stauffenberg am Polenfeldzug teil. (Im Bild reißen deutsche Soldaten am 1. September 1939 den Schlagbaum an der deutsch-polnischen Grenze nieder.)

Manchmal überkamen ihn Zweifel, aber noch im ersten Kriegsjahr schrieb er seiner jungen Frau aus Polen: "Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt."

Wann genau es zum Bruch mit den Nazis kam, darüber streiten die Historiker noch heute. Spätestens wohl Anfang 1942, als er von der Massenerschießung von Juden in der Ukraine erfuhr.

Auch die militärische Führung durch Hitler war in den Augen Stauffenbergs verfehlt. (Im Bild eine Kampfszene der Schlacht um Stalingrad 1942.)

Der Historiker Hans Mommsen meint, die Geschehnisse an der Ostfront nach 1941 hätten ihn zu dem missglückten Attentat bewegt.

Pro Monat starben dort 109.000 deutsche Soldaten oder wurden vermisst.

Stauffenberg habe schon vor dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad erkannt, dass diese Geschehnisse die deutschen Einsatzmöglichkeiten überforderten, so Mommsen.

Auch moralische Motive spielten laut Mommsen eine Rolle. So soll sich Stauffenberg an der Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen und der Juden gestört haben.

Seine Abkehr von Hitler fand demnach statt, bevor er 1943 nach Tunesien an die Front musste. Dort wurde er schwer verwundet, verlor die rechte Hand, zwei Finger der linken und ein Auge. (Ausschnitt aus einem TV-Film.)

Nach der Genesung tat er sich mit anderen Wehrmachts-Offizieren zusammen, um Deutschland von Hitler zu befreien. Er kam zu dem Entschluss: "Es gibt nur eine Lösung. Töten."

Im Militär sah Stauffenberg ein Machtmittel, sich auch gegen die SS zu behaupten. Rechts im Bild Heinrich Himmler, "Reichsführer SS", dem auch die Gestapo und der Sicherheitsdienst (SD) unterstanden.

"Er wusste, das Hitler nicht durch Beschwörungen von seinem Kurs abzubringen war", so Hans Mommsen.

Die meisten Verschwörer - wohl auch Stauffenberg - wollten keineswegs eine Demokratie errichten, sondern eine Art Militärherrschaft.

Stauffenberg bekräftigte noch im Mai 1944: "An Gebietsabtretungen, an einen Verzicht auf Österreich denkt in den Reihen der Konspiration niemand."

Einen Monat später, im Juni 1944, fügte er hinzu: "Nach einem Regimewechsel ist es das wichtigste Ziel, dass Deutschland im Spiel der Kräfte ein Machtfaktor darstellt ...

... und dass insbesondere die Wehrmacht in der Hand ihrer Führer ein verwendbares Instrument bleibt."

Berthold Graf von Stauffenberg erklärte im Oktober 1944 im Gestapo-Verhör für sich und seinen Bruder Claus: "Auf innerpolitischem Gebiet hatten wir die Grundideen des Nationalsozialismus zum größten Teil durchaus bejaht.

Diese Ideen sind aber in der Durchführung durch das Regime fast alle in ihr Gegenteil verkehrt worden."

Die wenigsten Verschwörer waren bereit, die Ermordung Hitlers selbst zu übernehmen.

Nur Stauffenberg war willens und auch in der Lage dazu. Als Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres hatte er direkten Zugang zu Hitler.

Bei einer Besprechung in der Wolfschanze in Ostpreußen deponierte er eine Aktenmappe mit Sprengstoff direkt neben Hitlers Platz. Vier Menschen starben, doch der Diktator wurde nur leicht verletzt.

Stauffenberg wurde noch am selben Abend verhaftet und im Bendlerblock erschossen. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: "Es lebe das heilige Deutschland." Anderen Quellen zufolge sagte er: "Es lebe das geheime Deutschland!"

Er wurde mit Uniform und Ehrenzeichen auf dem Friedhof der Matthäi-Kirche bestattet.

Später ließen die Nazis den Leichnam wieder ausgraben und verbrennen. Die Asche wurde über die Felder vor Berlin gestreut.

In seinem Geburtsort Jettingen wird Stauffenberg aus Anlass seines 100. Geburtstages mit einem Großen Zapfenstreich geehrt. (Bilder: dpa, AP)

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