Bilderserie
Samstag, 12. Dezember 2015

Auf dem Weg zur Macht: Das Erfolgsrezept der Marine Le Pen

Bild 1 von 26
Seit ihrem Karrierestart wettert die Front-National-Chefin gegen die Migranten im Land - mit jedem neuen Terroranschlag in Frankreich treffen ihre Thesen in der Bevölkerung auf wachsende Zustimmung. Verkörpert Marine Le Pen eine neue politisch konservative Generation oder eine neue Form von Faschismus? Was steckt hinter ihrem Erfolg? (Foto: AP)

Seit ihrem Karrierestart wettert die Front-National-Chefin gegen die Migranten im Land - mit jedem neuen Terroranschlag in Frankreich treffen ihre Thesen in der Bevölkerung auf wachsende Zustimmung. Verkörpert Marine Le Pen eine neue politisch konservative Generation oder eine neue Form von Faschismus? Was steckt hinter ihrem Erfolg?

Seit ihrem Karrierestart wettert die Front-National-Chefin gegen die Migranten im Land - mit jedem neuen Terroranschlag in Frankreich treffen ihre Thesen in der Bevölkerung auf wachsende Zustimmung. Verkörpert Marine Le Pen eine neue politisch konservative Generation oder eine neue Form von Faschismus? Was steckt hinter ihrem Erfolg?

Ihr Vater ist Jean-Marie Le Pen. Der FN-Parteigründer ist als Rechtsradikaler weithin bekannt und wurde wegen seiner verbalen antisemitischen Ausfälle schon mehrfach verurteilt.

Seine drei Töchter Marie-Caroline, Yann und Marine (v.l.) begleiten Jean-Marie in der Jugend schon zu offiziellen Anlässen, hier auf einen Marsch zum Gedenken der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc 1985.

Die vielen Gerichtsprozesse und Ablehnung in der Bevölkerung halten den Vater nicht davon ab, seine Hassbotschaften gegen andere Kulturen und Religionen, insbesondere den Islam und das Judentum, immer wieder zu äußern.

1993 legt er Blumen zum Gedenken an die gefallenen Soldaten im Indochina-Krieg nieder. Le Pen diente dort früher als Fremdenlegionär, ebenso im späteren Algerienkrieg. Mehrere mutmaßliche Opfer warfen ihm Folterpraktiken in dieser Zeit vor - verurteilt wurde Le Pen deshalb nicht.

Die Anfeindungen gegen den Vater finden ihren Höhepunkt im Jahr 1976: Im Hause Le Pen explodiert eine Bombe, die das Gebäude nahezu komplett zerstört. Der Attentäter wurde nie gefunden. Der Anschlag soll Marine zunächst von der politischen Karriere abgehalten haben.

Doch kurze Zeit später tritt Jean-Marie Le Pen das Millionenerbe des Bauunternehmers Lambert an. Die Familie zieht in das edle Anwesen Montretout in Saint-Cloud bei Paris. Frei von materiellen Sorgen erlebte Marine eine Jugend als "Bourgeoise", wie Jean-Marie es beschreibt. So blieb Marine auch nach der Scheidung ihrer Eltern ...

... beim Vater und erlebt einen Rosenkrieg. Nach der Trennung 1984 rächte sich Mutter Pierrette Lalanne an ihrem Ex. Jean-Marie soll gesagt haben, dass sie putzen gehen soll, wenn sie Geld braucht. Das quittierte Pierrette mit lasziven Nacktaufnahmen als Putzfrau in einer "Playboy"-Ausgabe von 1987. Diese vermeintliche Schande hängt der politisch aktiven Familie bis heute nach.

Umso weniger reizte es Marine anfangs, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und ein Leben im Scheinwerferlicht zu führen.

Ende der 80er zog es Marine vielmehr in die Pariser Nachtclubs als an den Verhandlungstisch.

Die politische Laufbahn sollte zunächst nur ihre Schwester Marie-Caroline einschlagen. Marine begann stattdessen als Anwältin zu arbeiten, mit mäßigem Erfolg.

Die Schwester Marie-Caroline tritt in die Partei des Vaters ein. 1998 verstößt sie der Vater live im Fernsehen: Sie hatte sich nach einem Machtkampf in der Partei mit ihrem Ehemann Bruno Mégret verbündet, der zuvor aus der Partei ausgeschlossen worden war.

Stattdessen gibt Marine ihre Karriere als Anwältin auf, um die politische Nachfolge anzutreten. Der Vater schickt sie immer wieder vor die Kameras, stellt sie ins Scheinwerferlicht.

2011 tritt sie die Nachfolge ihres Vaters als Parteivorsitzende an und schlägt eine neue Richtung ein: Die Partei wird regelrecht "entteufelt" und soll nicht länger als rechtsextrem gelten.

Immer mehr Wähler kommen aus der Mitte der Gesellschaft und machen Marine Le Pen zum Star einer neuen Bewegung mit Aussicht auf die Präsidentschaft. Ihre Sprache balanciert zwischen Rechtspopulismus und Gewaltfreiheit. Dennoch kommt ihr Vater in ihren Aussagen hin und wieder durch.

So muss sich Le Pen 2015 vor Gericht verantworten. Sie hatte betende Muslime auf Frankreichs Straßen mit der Nazi-Besatzung verglichen. Die Staatsanwaltschaft fordert jedoch einen Freispruch: Le Pen habe nicht die gesamte muslimische Gemeinde, sondern eine "Zahl von Personen" gemeint. Das Urteil wird am 15. Dezember 2015 gesprochen.

Im August 2015 wird ihrem Vater wegen seiner antisemitischen Äußerungen die Ehrenpräsidentschaft und Mitgliedschaft des Front National entzogen. Die Differenzen treiben einen Keil in die Familie Le Pen. Schon zuvor macht sich die Eifersucht des Vaters auf seine viel erfolgreichere Tochter bemerkbar.

Am 1. Mai stürmt Jean-Marie Le Pen die FN-Rednerbühne bei einer Parteiveranstaltung zum Tag der Arbeit und stiehlt seiner Tochter die Show. Trotz der familiären Krise im Hintergrund spielen die Terroranschläge im November der Partei in die Hände.

In der ersten Runde der Regionalwahlen Anfang Dezember wird der Front National mit 28 Prozent stärkste Kraft. Unterstützung aus der eigenen Familie erhält Marine von ihrer Nichte Marion Maréchal-Le Pen.

Die Enkelin Jean-Marie Le Pens wohnt in der Villa Montretout ihres Großvaters und ist der neue Stolz der Familie.

Denn auch die 25-Jährige weiß ihre politische Ideologie zu verkaufen. Auch sie wehrt sich wie Marine dagegen, als rechtsextrem bezeichnet zu werden. Sie wolle zudem keine Marionette ihrer Tante oder ihres Großvaters sein.

Schon mit 22 Jahren wurde sie zur jüngsten Abgeordneten in die französische Nationalversammlung gewählt und hofft auf eine lange politische Karriere.

Mit dem Namen Le Pen hat sie jedenfalls keine schlechten Chancen.

Und es könnte kommen, wie die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" schon vor den Regionalwahlen prognostizierte: "Die neue invasive Spezies in der Provence-Alpes-Côte d'Azur (PACA) - bald überall in Frankreich".

Und auch ihre Tante, so scheint es, kann nichts stoppen. Lange schwebt sie auf einer Erfolgswelle. Doch ihr oberstes Ziel, den Präsidentenpalast, ...

... verpasst sie. Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 unterliegt sie in der Stichwahl dem Wirtschaftsliberalen und Pro-Europäer Emmanuel Macron.

weitere Bilderserien