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Nobelpreisträger, Idol und stete Provokation: Der Dalai Lama

 
Nobelpreisträger, Idol und stete Provokation: Der Dalai Lama

"Teile dein Wissen mit anderen. ...

... Dies ist eine gute Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen."

Ein Ratschlag des vierzehnten Dalai Lama, den er selbst seit Jahrzehnten befolgt.

Überall in der Welt vollzieht das geistige Oberhaupt der Tibeter Rituale, betet ...

... hält Vorträge und schreibt Bücher. Über Tod und Unsterblichkeit und die Erlösung von menschlichem Leid.

Dabei zieht er Millionen Menschen in seinen Bann - und nicht nur Buddhisten.

Sein friedlicher Widerstand gegen die seit Jahrzehnten andauernde chinesische Besetzung Tibets hat ihn weltberühmt gemacht.

Der Dalai Lama setzt stets auf eine gewaltfreie Lösung - alles andere würde auch nicht dem Buddhismus entsprechen.

Nur ganz selten schlägt der buddhistische Gelehrte scharfe Töne an, wie nach dem gewaltsamen Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte in Tibet im Jahr 2008.

Auch wenn es Peking gerne anders darstellt:

Sein Ziel ist nicht die Unabhängigkeit Tibets, sondern eine begrenzte Autonomie der Himalaya-Region.

Das tibetische Staatsoberhaupt steht nicht von Geburt an an der Spitze Tibets. Als Sohn eines Bauern wird Lhamo Thondup am 6. Juli 1935 in einem Dorf im Nordosten Tibets geboren.

Bald haben zwei Mönche eine Vision. Sie erkennen in dem Zweijährigen die Reinkarnation des 1933 verstorbenen XIII. Dalai Lama. Am 22. Februar 1940 wird der Viereinhalbjährige als vierzehnter Dalai Lama inthronisiert und erhält den Namen Tenzin Gyatso.

Seine Ausbildung beginnt im Alter von sechs Jahren. Sie umfasst tibetische Kunst und Kultur, Grammatik und Sprachwissenschaften, Medizin sowie buddhistische Philosophie, das wichtigste Fach. Mit 15 Jahren wird er zum Staatsoberhaupt von Tibet ernannt.

1949/1950 marschieren chinesische Truppen in Tibet ein. 1951 unterzeichnet Tibet gezwungenermaßen ein Abkommen, das ihm autonome Rechte und Religionsfreiheit zusichert - allerdings unter der Aufsicht der chinesischen Militärbehörden.

Neun Jahre bleibt der Dalai Lama noch in Tibet. 1954 führt er in Peking erfolglose Gespräche mit Mao Zegong und versucht, Tibets Unabhängigkeitsanspruch geltend zu machen. Die Situation spitzt sich zu.

Am 10. März 1959 kommt es zu einem Volksaufstand der Tibeter gegen die Besatzer, der am 21. März von der chinesischen Armee blutig niedergeschlagen wird. Zehntausende sterben oder fliehen.

Auch der Dalai Lama flüchtet sich nach Indien ...

... wo er freundlich empfangen wird und seit 1960 seinen Sitz hat. (Hier mit seiner Mutter)

Im Dharamsala ruft er eine Exilregierung ins Leben und erlässt 1963 eine demokratische Verfassung für Tibet.

Aus der Ferne muss er mit ansehen, wie die Chinesen während der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1977 in Tibet die meisten Klöster und kulturellen Zentren zerstören. Rund eine Million Menschen sollen der Verfolgung, Hinrichtung und Folter durch die Chinesen zum Opfer gefallen sein.

Außerdem siedelt Peking Zehntausende von Han-Chinesen in dem Gebiet an.

Viele Tibeter fliehen und leben inzwischen im Exil.

Bis heute kämpfen sie um ihre Unabhängigkeit ...

... und haben dabei mit dem Dalai Lama einen höchst populären, hartnäckigen und humorvollen Fürsprecher.

Für China ist der Dalai Lama, dessen Name "ozeangleicher, weiser Lehrer" bedeutet, die verkörperte Provokation.

Staats- und Regierungschefs, die sich mit ihm treffen, straft Peking regelmäßig ab.

Im Februar 2010 verschärft das Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und dem Dalai Lama die diplomatischen Verstimmungen zwischen Washington und Peking.

Deutschland und Frankreich ergeht es kaum besser, nach Treffen von Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem geistigen Oberhaupt der Tibeter.

Um seine Belange zu vertreten, nutzt der Dalai Lama gewandt die Medien ...

... und prominente Freunde wie Richard Gere ...

... oder Harrison Ford und dessen Frau Melissa Mathison Ford.

Im Fernsehen ist er ein gern gesehener Gast, ...

.. zumal er immer wieder mit Charme und Witz die Zuschauer für sich gewinnt.

Als er vor einiger Zeit gefragt wurde, was er am meisten in seinem Leben bereue, kam die Antwort prompt:

"Nicht geheiratet zu haben."

Auch an Ratschläge mangelt es ihm nicht: "Lebe ein gutes, ehrbares Leben ...

... Wenn du älter bist und zurück denkst, wirst du es noch einmal genießen können."

Die Hälfte des Jahres reist der Dalai Lama durch die Welt und wirbt für seinen "Weg der Mitte", der vor allem Gewaltfreiheit und Aussöhnung bedeutet.

Dabei zeigt er Geduld und wertet es schon als "große Errungenschaft", dass das Tibet-Problem nach wie vor lebendig sei und die internationale Gemeinschaft großen Anteil daran nehme.

"Von diesem Standpunkt gesehen, habe ich keinen Zweifel, dass die Gerechtigkeit eines Tages die Oberhand gewinnen wird", so der Dalai Lama, ...

... der 1989 für seine Politik des Ausgleichs den Friedensnobelpreis erhält.

Doch nicht alle Exiltibeter sind so geduldig wie ihr geistiges Oberhaupt.

Vor allem junge Aktivisten glauben, dass die Forderungen nach Autonomie nach dem Scheitern vieler Verhandlungen mit Peking keinen Sinn mehr habe.

Sie wünschen sich die Unabhängigkeit Tibets und sind auch bereit, dafür zu kämpfen.

Noch kann der Dalai Lama diese Kräfte bändigen.

Wie es nach seinem Tod sein wird, bleibt die große Frage.

Zumal die Nachfolgefrage ungeklärt ist und die Gefahr besteht, dass China sich wieder einmischen könnte.

Bereits 1995 entführt Peking einen sechsjährigen Jungen, ...

... den der Dalai Lama zum Panchen Lama, dem zweitwichtigsten Geistlichen in Tibet, bestimmt hatte.

Peking installiert daraufhin einen eigenen Panchen Lama, der seitdem als Zeichen chinesischer Vorherrschaft in Tibet präsentiert wird.

Möglich ist daher nun, dass der Dalai Lama entgegen der tibetischen Tradition seinen Nachfolger selbst bestimmt.

Doch noch ist der Dalai Lama höchst aktiv ...

... und wird an seinem 75. Geburtstag am 6. Juli ...

... weltweit groß gefeiert.

Es scheint, als könne er noch lange ein Stachel in Chinas Fleisch bleiben.

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