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Deutschlands teuerste Dienstwagen: Der Fuhrpark der Bundeswehr

Von Martin Morcinek

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Dieser Auftrag ist nicht ohne: "Die Bundeswehr schützt Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger", heißt es in den offiziellen verteidigungspolitischen Richtlinien, und ... (Foto: dapd)

Dieser Auftrag ist nicht ohne: "Die Bundeswehr schützt Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger", heißt es in den offiziellen verteidigungspolitischen Richtlinien, und ...

Dieser Auftrag ist nicht ohne: "Die Bundeswehr schützt Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger", heißt es in den offiziellen verteidigungspolitischen Richtlinien, und ...

... "sichert die außenpolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands", ...

... "trägt zur Verteidigung der Verbündeten bei", ...

... "leistet einen Beitrag zu Stabilität und Partnerschaft im internationalen Rahmen" ...

... "und fördert die multinationale Zusammenarbeit und europäische Integration."

Doch wenn die Soldaten der Bundeswehr in den Einsatz ziehen, müssen sie nicht unbedingt zu Fuß gehen.

Zur Bewältigung ihrer Aufgaben im Alltag, bei Übungen oder im Auslandseinsatz steht den Staatsbürgern in Uniform eine gut bestückte Fahrzeugflotte zur Verfügung.

In Kampfpanzern fährt dabei nur ein kleiner Teil der Truppe.

Doch womit fährt der Rest?

Fahrspaß abseits trockener Straßen bietet der "Wolf gl" - zumindest wenn es zur Übung ins Gelände geht: Der Standardjeep der Bundeswehr ist bei der Truppe recht beliebt.

Schließlich ist der Wolf gl ein echter Mercedes, die Militärversion der G-Klasse, die sich im Zivilleben nicht jeder Dienstgrad leisten kann: härter gefedert, kaum Komfort - dafür leicht, robust, schnell und wendig auf und neben befestigten Straßen.

"gl" steht für "geländegängig": Die Bundeswehr fährt den Militär-Mercedes in verschiedenen Versionen wie etwa mit und ohne Plane, mit Panzerglasscheiben, als Funkfahrzeug oder als Kastenwagen für Sanitäter.

Oder in einer der neueren Versionen mit nachgerüsteter Schutzausstattung für den Einsatz im Krisengebiet.

Viel Schutz und Platz bietet der Wolf allerdings nicht. Für den Einsatz in feindlichen Gefilden ist das unbewaffnete Gefährt nur bedingt geeignet.

Die Welt verändert sich und mit ihr die Aufgaben der Bundeswehr. Für Truppe und Steuerzahler heißt das: Neue, speziell entwickelte Fahrzeuge müssen ran.

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) fährt zum Beispiel den "Serval": Das Aufklärungs- und Gefechtsfahrzeug (AGF) bietet noch weniger Komfort, dafür aber mehr Durchhaltefähigkeit und vor allem: ...

... reichlich Feuerkraft. Der Beifahrer richtet seine Waffe nach vorne. Eine schweres Maschinengewehr auf dem Dach sichert in alle Richtungen. Ein weiterer MG-Schütze hält Verfolger auf Abstand.

Den Namen leiht sich der extra für den Wüsten-Einsatz entwickelte Gefechts- und Aufklärungsjeep von einer Wildkatzenart aus Afrika: Technisch gesehen ist der Serval eine Weiterentwicklung des Wolfs. Gebaut wird der Spezialwagen allerdings bei Rheinmetall.

Im Fuhrpark der Bundeswehr zählt der Serval zu den Exoten: Weniger als zwei Dutzend Vertreter dieser Spezies sind im Einsatz, und das auch nur beim KSK.

Doch wie bewegt sich das Gros der Truppe?

Wenn es um kurze Strecken oder kompliziertes Terrain geht, verlädt die Armee ihre Lasten in den Unimog: Zivil wie militärisch ist der Allzweck-Mercedes eine lebende Legende im Gelände - bei der Bundeswehr ist der Unimog seit den Gründungstagen mit dabei.

Überflutete oder verschlammte Straßen sind für das vielseitige Lastentier mit bis zu zwei Tonnen Zuladung kein Problem - jedenfalls, solange das Wasser nicht höher als 1,20 Meter steht.

Vorteile wie Bodenfreiheit, Allradantrieb und variable Aufbauten machen den gutmütigen Unimog zum "Mädchen für alles" - sehr nützlich ist er auch bei Hochwasser und anderen Hilfseinsätzen im Inland.

So vielfältig wie seine Modellvarianten sind auch die Einsatzgebiete des "UNIversal-MOtor-Geräts": Dieser Unimog zieht und schiebt Hubschrauber eines Lufttransportgeschwaders aus dem Hangar in die Startposition.

Für Fahrschulzwecke und alltägliche Nachschubfahrten von Kaserne zu Kaserne nutzt die Bundeswehr kompakte Laster mit Zuladungen zwischen 5, 7, 10 und 12 Tonnen.

Die olivgrün gestrichenen Lkw von Herstellern wie Daimler, Iveco oder MAN tragen das kryptische Kürzel "tmil": Sie sind "teilmilitarisierte" Versionen ziviler Modelle. Anders als ihre voll geländegängigen Kameraden brauchen sie weniger Sprit. Schotter und nasse Wiesen lassen sich trotzdem noch meistern.

Verwaltet werden sie von der "BwFuhrparkService GmbH", einer gemeinsamen Tochter von Bundeswehr und Deutscher Bahn. Der "Mobilitätsdienstleister" sorgt für eine bessere Auslastung - und gibt dem Fuhrpark einen neuen Anstrich.

Denn ein großer Teil der 26.000 Fahrzeuge umfassenden Flotte fährt nicht mehr in Olivgrün, sondern Mattweiß oder Silbergrau durch Deutschland. Carsharing ist ebenso im Angebot - ausdrücklich auch für Zivilisten.

Schwierigere Aufträge, wie etwa die Versorgung von Panzertruppen im Gelände, erledigen Nachschubsoldaten mit speziell für das Militär entwickelten Offroad-Modellen von MAN.

Die allradgetriebenen Lastkraftwagen lassen sich leicht an der stets etwas betrübt wirkenden Frontpartie erkennen. Es gibt sie in den Nutzlastklassen 5 Tonnen (mit zwei Achsen), 7 Tonnen (mit drei Achsen) und ...

... 10 Tonnen (mit vier Achsen). Allen Modellen gemeinsam ist die runde Luke im Dach des Führerhauses: ...

... Aus ihr heraus kann der Beifahrer die Umgebung mit einem Maschinengewehr in Schach halten oder friedlich winkend den Fahrtwind genießen. Im Ernstfall soll er allerdings Ausschau nach angreifenden Tieffliegern halten.

Das Rangieren mit diesen grobschlächtigen Lastenträgern ist nicht ganz einfach. Die Bundeswehr schickt ihre Fahrer deshalb zur Ausbildung durch spezielle Geländeparcours.

Um das Verladen militärischer Frachtgüter vom Schiff auf die Straße oder umgekehrt zu beschleunigen, gibt es das "Wechselladersystem Multi" mit einer Zuladung von 15 Tonnen.

"Multi" steht in der Sprache der Militärs für "Mechanisierte Umschlag-, Lager- und Transport-Integration": Auf der Ladefläche lassen sich Munitionspaletten ebenso verstauen wie Mineralwasser.

In der Version "Multi 2 (A3)" sind die Insassen geschützt vor direktem Beschuss aus Infanteriewaffen, Minen und der Wirkung von Artilleriesplittern.

Für die ganz schweren Brummer holt das Heer den Schwerlasttransporter (SLT) aus der Garage: Die Zugmaschine des fränkischen Herstellers Faun mit extrastarkem Sattelauflieger transportiert überschwere Lasten auf zehn Achsen über öffentliche Straßen.

Das Ungetüm, das sogar ausgewachsene Kampfpanzer herumkutschieren kann, hört auf Namen wie "Elefant" oder "Franziska" und wiegt unbeladen schon 40 Tonnen - so viel wie die schwersten zivilen Lkw.

Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 92 Tonnen. Mit dem Gasfuß kann der Fahrer die Kraft von 730 PS entfesseln und sein Gespann auf bis zu 65 Kilometer je Stunde beschleunigen: gerade genug für eine zivile Fahrt auf der Autobahn.

Für die Versorgung mit Diesel, Kerosin und anderen Kraftstoffen unterhält die Bundeswehr eine eigene Flotte an Tankwagen. Die Zugmaschinen liefert die Fiat-Sparte Iveco.

Doch was passiert mit Großgerät, das auch vollbetankt nicht mehr rollen kann? Für einfachere Fälle gibt es den geländegängigen "Fahrzeugkran leicht" (FKL, hier im Bild). In der mittleren Variante "FKM" kommt eine zusätzliche Hinterachse und eine stärkerer Winde dazu.

Beide Kranwagen liefert das Familienunternehmen Liebherr, im Zivilleben unter anderem bekannt für seine Auswahl an Baggern, Containerstaplern und Hafenkränen.

Zum Bergen schwerer Lasten ruft die Bundeswehr den Berge- und Kranfahrzeug (BKF) "35-4" zu Hilfe. Wie Elefant und Franziska stammt das Gerät aus dem Hause Faun.

Beim Heben und Hieven ist die Maschine das schwerste Kaliber der Bundeswehr: Das "BKF 35-4" kann einen havarierten 15-Tonner-Lkw zur Not auch vollbeladen aus dem Graben retten. Im Ernstfall soll der Faun fahruntüchtiges Material "dem Zugriff nicht autorisierter Kräfte" entziehen.

Wichtig für die Einsatzplanung: Trotz seiner Größe darf der Wagen auch ins Gelände. Aus der Sicht der Strategen erhöht der Kran damit die "materielle Durchhaltefähigkeit, die Mobilität und die taktische Beweglichkeit".

Jüngster Neuzugang im truppeneigenen Berge- und Abschleppdienst ist der gegen Sprengladungen und dem Beschuss aus Handfeuerwaffen geschützte "Bison" - im Kern eine Militärversion des "Actros"-Pannenhelfers von Daimler.

Ganz eilige Transportjobs übernehmen die Heeresflieger mit ihren Hubschraubern.

Die große Masse der Logistik rollt allerdings über Land. Bei Auslandseinsätzen, wo die Truppe den Nachschub auch zu entlegenen Außenposten sicherstellen muss, gelten Lkw-Konvois als leichtes Ziel und damit als besonders gefährdet.

Vor allem die schmerzhaften Erfahrungen mit Minen, Hinterhalten und improvisierten Sprengfallen in Afghanistan haben die Ausstattung der Fahrzeugflotte stark verändert.

Wie in allen Armeen demokratischer Staaten spielt der Schutz der Besatzung eine zentrale Rolle: Der Dienstherr muss Vorsorge treffen und entsprechend nachrüsten.

Für Patrouillen und Aufklärungsmissionen rollt die Bundeswehr mittlerweile mit stark gepanzerten Fahrzeugen wie dem "Eagle IV" aus dem Lager.

Der Hersteller des Eagle, der Schweizer Rüstungspezialist Mowag, ist fest in US-amerikanischer Hand: Der US-Rüstungskonzern General Dynamics - bekannt für seinen Kampfjet "F-16" - hat den Spezialfahrzeugbauer 2003 übernommen, um daraus eine europäische Rüstungssparte zu schmieden.

Der Eagle hält einiges aus: Panzerglasscheiben und ein spezieller Splitterschutz im Unterboden sollen die Insassen vor der tödlichen Wirkung von Sprenkörpern bewahren. Das MG auf dem Dach lässt sich wie bei vielen der neueren Fahrzeuge sicher aus dem Inneren bedienen.

Der Panzerjeep gehört zur neuesten Fahrzeug-Generation, die speziell für die Anforderungen in Auslandseinsätzen entwickelt wurde. Er wiegt leer rund 6,7 Tonnen, kann bis zu 5 Soldaten aufnehmen und insgesamt knapp 2 Tonnen Nutzlast tragen.

Bei der Bundeswehr soll der Eagle künftig den deutlich leichteren Wolf ersetzen. Doch der "Adler" bleibt nicht alleine.

Am Horizont tauchen weitere Fahrzeuge auf: ...

... Modelle wie "Dingo", "Boxer", "Fennek" und "Mungo" spiegeln die neuen Einsatzbedingungen wider und dokumentieren damit den Wandel der Streitkräfte - von der Landesverteidigung hin zum Dauereinsatz im Ausland.

Das ist ein "Dingo": Ein militärischer Transporter für alle Lebenslagen. Der Name soll die Besatzung an die Eigenschaften des australischen Wildhunds erinnern - er ist zäh und ausdauernd.

Der schwere Transporter ist hoch wie ein Lkw, geländegängig wie ein Jeep und geschützt wie ein leichter Panzer.

Auf dem Dach trägt er wahlweise einen Granatwerfer oder ein schweres Maschinengewehr.

Wenn es sein muss, geht es für die acht Mann Besatzung bis ungefähr Nabelhöhe auch ohne Brücke durch den Fluss. Der Dingo kommt mit fast allen Klimazonen klar.

Im Inneren des bis zu 12,5 Tonnen schweren Fahrzeugs warten unter anderem eine Klimaanlage, Standheizung, Reifendruckregelanlage, ABS, Rückblickkamera, SatCom-Anlage, GPS-Navi, Funk und Außenbordsprechanlage.

Das Fahrgestell entspricht den Abmessungen eines Unimogs. Praktisch für die Luftverlegung: Der Wagen passt in Transportflugzeuge wie die Transall "C-160" oder den neuen A400M "Grizzly".

Mit Dingos fährt die Bundeswehr erst seit der Jahrtausendwende. Im afghanischen Alltag verwandelt sich der Truck für die Soldaten auf langen Patrouillenfahrten zu einer Art bewaffnetem Wohnmobil. Die Beflaggung an der Antennenspitze ist optional.

Den Soldaten soll der "Dingo" dank des "ausgewogenen Schutzes (...) ein hohes Maß an Sicherheit und Durchsetzungsvermögen" bieten, wie es beim Heer heißt.

Dazu kommt: Alleine dürfte ein Dingo bei der Bundeswehr selten anzutreffen sein.

Noch unförmiger und merkwürdiger als der Dingo wirkt dieses Mittelding aus Jeep und beweglichem Beobachtungsbunker.

Es ist ein gepanzerter Spähwagen vom Typ "Fennek". Seine Merkmale: niedriger Querschnitt, große Spurbreite, drei Mann Besatzung - und ein ausfahrbarer, abnehmbarer Kameramast.

Der Fennek dient Aufklärern und vorgeschobenen Beobachtern als Basis: heimlich, leise und hochsensibel.

Seinen Namen hat der Spähwagen von einem eigentlich harmlosen Sahara-Fuchs mit übergroßen Ohren. Der kennt seine Chancen und beißt nur zu, wenn es nicht anders geht.

Die Bundeswehr soll laut Plan insgesamt 212 Fennek bekommen: Ein Teil davon für die Koordinierung der Luftunterstützung und der Rest für die bewaffnete Aufklärung und die Zielführung der Artillerie.

Beim Heer freuen sich die Befehlshaber über die "nahezu geräuschlose Mobilität in jedem Gelände, modernste Sensorenausstattung, den weitreichenden Schutz und die Möglichkeit der Selbstverteidigung."

Doch nicht allen Soldaten ist mit Dingo oder Fennek gedient. Das Kommando Spezialkräfte stellt ganz eigene Ansprüche.

Wenn der Serval zu klein ist, rasen die Kommandosoldaten mit dem "Mungo" zum Einsatzort.

Das namensgebende Geschöpf, der ebenso flinke wie schlaue Mungo, ist ein katzenartiges Raubtier. Anzutreffen ist der Mungo in einer Region, die vom Irak bis nach Südostasien reicht.

Wenn es ernst wird, weicht er auch dem Kampf mit gefährlichen Giftschlangen nicht aus.

Der Bundeswehr-Mungo ist ein Gemeinschaftsprojekt von Krauss-Maffei-Wegmann und Multicar Waltershausen. Wie der Serval wurde der Mungo als Einsatzfahrzeug für die "spezialisierten Kräfte" der Bundeswehr konzipiert.

Das Fahrzeug bietet Platz für bis zu zehn Mann Besatzung. Die Panzerung bietet Schutz gegen Handfeuerwaffen und Handgranaten.

Ohne Aufbauten passt der Mungo in den Laderaum einer Sikorsky CH-53, dem Transporthubschrauber der Heeresflieger.

Mit Aufbauten lässt sich der KSK-Transporter unter dem Hubschrauber an den Haken hängen.

Das Fahrzeug ist in jeder Hinsicht speziell: Viel Platz bietet es nicht. Auch die Nutzlast ist mit gerade einmal 2 Tonnen recht beschränkt.

Eagle, Dingo, Fennek und Mungo sind Spezialfahrzeuge, die in vergleichsweise kleinen Stückzahlen in den Einsatz rollen. Die große Masse der Soldaten folgt mit Transportpanzern wie etwa dem "Fuchs".

Es ist der mit Abstand beliebteste Radpanzer der deutschen Streitkräfte: Insgesamt 765 Stück sollen künftig für Ernstfall und Auslandseinsätze bereitstehen - gut drei mal mehr als Kampfpanzer.

Die ersten Modelle des voll schwimmfähigen Truppentansporters bezog das Heer im Jahr 1979. Seitdem hat der Hersteller Rheinmetall das Konzept ausgebaut und an die neuen Anforderungen angepasst: ...

Es gibt den Fuchs als Funkstörer, Sanitätswagen, Radarträger, Befehlsfahrzeug und in der Standardversion als ...

... amphibischen und leicht gepanzerten Gefechtsfeldbus.

Das dreiachsige, 16 Tonnen schwere Allzweck-Ungetüm mit 12 Litern Hubraum ist bei der Bundeswehr in 16 verschiedenen Varianten im Einsatz.

In der Version als ABC-Spürpanzer gleicht der Fuchs einem fahrbaren, luftdichten Chemielabor - Fähigkeiten, die auch die US-Armee überzeugen und den Fuchs für Rheinmetall zum Exporterfolg machen.

Das Verteidigungsministerium zählt den Fuchs zu den "Hauptwaffensystemen" des Heeres - neben Kampf- und Schützenpanzern.

Trotzdem sind seine Tage gezählt: Ein neues "Gruppentransportkraftfahrzeug" (GTK) soll den Fuchs bei einer Reihe seiner Aufträge ablösen. In Afghanistan ist der "Boxer" bereits seit Juli 2011 für Deutschland unterwegs.

Der Boxer stammt aus dem Hause Artec, einem Gemeinschaftsprojekt von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann. An der Entwicklung beteiligt waren auch Briten und Niederländer.

Das achträdrige Gefährt ist umhüllt von einer neuartigen Panzerung und liegt deutlich schnittiger im Gelände als viele seiner Konkurrenzmodelle.

An Bord des futuristischen Panzerwagens findet eine komplette Gruppe Infanteristen samt Ausrüstung Platz.

Bei der Bundeswehr bekommt der Boxer Lob in den höchsten Tönen: Ausstattung, Schutz, Stauraum, Zuladung, Bewaffnung und Antrieb seien "ausgewogen", "ergonomisch" und insgesamt auf "zukunftsweisendem Niveau".

Sogar von einem neuen "Mutterschiff der Infanterie" ist die Rede. Die Bundeswehr soll bisherigen Plänen zufolge 272 Stück bekommen.

Abseits der großen Panzerwagen nutzen die deutschen Soldaten eine Vielzahl an Spezialfahrzeugen, die in sehr viel kleineren Stückzahlen unterwegs sind.

Für Einzelfahrten durchs Gelände trainiert die Bundeswehr zum Beispiel mit dem "Kodiak".

Der allradangetriebene Quad von Yamaha trägt einen Soldaten und bis zu 150 Kilogramm seiner Ausrüstung querfeldein - zur Not auch unter ABC-Schutz mit Kapuze, Handschuhen und Gasmaske.

Schneller und beweglicher sind die herkömmlichen Krafträder, mit denen Melder zwischen Befehlsständen hin- und herflitzen sollen. Das Kraftrad "400 LS-E/mil" des Herstellers KTM gleicht zivilen Motorrädern bis auf den tiefergelegten Sitz und die größeren Freiheiten bei der Kraftstoffwahl.

Die KTM ersetzt die gute alte "K 180 Bw" des Mofa-Herstellers Hercules.

Auf extreme Einsätze unter arktischen Bedingungen warten diese Motorschlitten. Mit dem "Ski-doo" können dick vermummte Soldaten über Eis und geschlossene Schneedecken jagen.

Besonders viele Spezialfahrzeuge kommen bei den Pionieren zum Einsatz: Sie sollen die "Bewegungen der eigenen Truppe" fördern, beim "Überwinden von Geländerhindernissen" helfen, "Sperren" bauen und Minen räumen.

Pioniere sind die Allround-Bauarbeiter der Bundeswehr. Sie kümmern sich für den Rest der Truppe um Brücken, Wege und die allgemeine Schadensbeseitigung.

Mit dem "Keiler" können Pioniere zum Beispiel Schneisen quer durch feindliche Minensperren pflügen: Die rotierenden Dreschflegel des schweren Minenräumpanzers sollen dabei alle gängigen Panzer- und Anti-Personenminen zerstören.

Weil man beim Militär immer damit rechnen muss, dass etwas kaputt geht, kümmern sich Pioniere auch um die Abschlepphilfe.

Weil das anders als im zivilen Leben auch bei Gefechtsbedingungen unter feindlichem Beschuss klappen muss, rücken die gepanzerten Pannenhelfer mit speziellen Mehrzweckfahrzeugen aus.

Der "Bergepanzer 2" zum Beispiel basiert auf dem ehemaligen Hauptkampfpanzer Leopard I. Statt Kanone ist er mit Seilwinden und einem Räumschild ausgestattet.

Der Bergepanzer 3 namens "Büffel" sieht ähnlich aus, ist aber noch stärker.

Dicht hinter der Front soll er den Kampfpanzern überall hin folgen. Wie viele Großgerätschaften der Bundeswehr ist auch der Büffel ein Geschöpf des MDax-Konzerns Rheinmetall.

Fernab jeder Werkstatt ist ein Motorwechsel im Feld mit der bordeigenen Krananlage nur eine Sache von Minuten.

Der Büffel besitzt die Kraft eines Leopard II: Motor, Fahrwerk und große Teile des Rumpfs sind identisch mit den Bauteilen des Kampfpanzers.

Ähnlich verhält es sich mit dem "Gepard", einem weiteren Ableger des Leo-Programms: Er gleicht den Kampfpanzern, die er begleiten soll, nicht nur in der Spurweite und bei der Reichweite. Der Turm allerdings der hat es in sich: ...

... zwei drei Meter lange Oerlikon-Schnellfeuerkanonen im Kaliber 35 Millimeter und einer theoretische Feuerrate von 1100 Schuss pro Minute.

Der Flugabwehrpanzer war als mobiles Bollwerk gegen Kampfhubschrauber und Tiefflieger des Warschauer Pakts gedacht.

Im Jahr 2010 fiel das veraltete System den Sparzwängen zum Opfer. Die Bundeswehr lässt sämtliche Panzer diesen Typs ausmustern.

Rheinmetall beliefert das Heer mit weiterem Spezialgerät wie etwa mit dem Pionierpanzer "Dachs", leicht erkennbar an seiner lässig geschulterten Riesenschaufel.

Entwickelt wurden diese Fahrzeuge zum Teil noch unter Regie der Maschinenbau Kiel (MaK). Wie der Bergepanzer besteht er zu großen Teilen aus bewährten Komponenten.

Die Beliebtheit einzelner Panzer-Chassis zeugt nicht etwa von Einfallslosigkeit. Im Gegenteil, das Vorgehen hat Methode.

Es spart eine Menge Zeit und Geld: Verschleißteile wie Federstangen, Motor und Kettenglieder sind untereinander austauschbar.

Austauschbarkeit und Standardisierung bieten strategische Vorteile. Je mehr Teile beim Abwracken oder Instandsetzen verschiedener Waffensysteme weiterverwendet werden können, desto besser.

Der gepanzerter Bagger Dachs ist dann auch nichts anderes als ein Leopard oder ein Bergepanzer - nur mit Schaufel statt Kran oder Kanone.

Echte Baggerfahrer werden allerdings lächeln: Elegant buddeln lässt es sich mit einem solchen Teleskoparm nicht - notgedrungen ist er sehr niedrig angesetzt.

Dafür kann sich der olivgrüne Kollege unbeschadet bis ins dickste Schlamassel vorwagen. Fahrer, Kommandant und Bergesoldat sind hinter dickem Stahl gut geschützt.

Gewässer erkennt das geschulte Auge des Soldaten als "Geländehindernis": Um ein solches zu überwinden, haben Rüstungsingenieure den "Biber" entwickelt.

Für eine "Panzerschnellbrücke" braucht der Biber nur wenige Minuten. Die Brücke selbst ist 22 Meter lang und wiegt fast 10 Tonnen.

Wie Biber, Dachs, Gepard und Keiler basiert auch der Biber auf dem Fahrgestell des Leopard I.

Weil Kampfpanzer dazu neigen, durch ihre sogenannte "Kampfwertsteigerungen" immer schwerer zu werden, müssen "Faltfestbrücken" und Biber mitwachsen.

Der Brückenpanzer bekommt ein Upgrade: Mit dem Unterleib des Leo II wird der Biber zur "Panzerschnellbrücke 2". Doch eine Brücke alleine führt nicht weiter: ...

Die Arbeit des Biber vervollständigt das sogenannte Faltstraßengerät (FSG). Es besteht aus einem LKW mit einem Metallmattensatz. Damit können Pioniersoldaten zum Beispiel schlammige Passagen befestigen oder rutschige Ufer sichern.

Für längere Strecken reicht das Material nicht, aber für sumpfige Zufahrtswege auf den letzten Metern vor und nach einer Behelfsbrücke ist die Faltstraße ideal.

In nur zehn Minuten kann das FSG eine 50 Meter lange und 4,20 Meter breite Straße auslegen.

Doch für wen bauen Biber, Dachs und FSG ihre Zufahrten und Brücken?

Sie tun das für Monster wie den Kampfpanzer "Leopard II", die stärkste und mächstigste Waffe im Arsenal der deutschen Landstreitkräfte.

Flachere Furten kann der Hauptkampfpanzer der Bundeswehr zwar auf eigene Faust durchqueren. Und selbst tiefer Flüsse sind kein Problem, wenn ...

... die Besatzung vor der Durchfahrt einen speziellen Tauchschacht auf die Kommandantenluke schraubt.

Damit ist der Leo bis zu einer Tiefe von maximal vier Metern "unterwasserfahrfähig". Zu empfehlen ist das allerdings nur bei festem Untergrund und schwacher Strömung.

Immerhin wühlt sich der "Standardpanzer der Panzertruppe" (O-Ton Bundeswehr) mit einem Kampfgewicht von fast 60 Tonnen in den Boden.

Entworfen wurde der Leo II zur Landesverteidigung: Und genau das ist seine größte Schwachstelle.

Denn die Anforderungen an die Bundeswehr haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 1955 fundamental verändert.

Seine volle Wirkung entfaltet ein Kampfpanzer wie der Leo eigentlich erst im freien Gelände.

In dieser Disziplin zählt der Leo unzweifelhaft zu den stärksten Waffensystemen der Welt - nur wird er da eigentlich kaum noch gebraucht.

Denn der Kalte Krieg mit seinen Großangriffsszenarien ist Geschichte. Die reine Landesverteidigung steht für Heer, Marine und Luftwaffe längst nicht mehr ganz oben auf der Agenda.

Um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, treiben die Hersteller die Entwicklung voran. Der Kundenkreis ist übersichtlich: Weltweit gibt es nur ein 17 Abnehmerstaaten. Das neueste Modell, die Version "A7+", löste in Deutschland eine intensive Debatte über Rüstungsexporte in Länder wie Saudi-Arabien aus.

Für die deutsche Rüstungsindustrie ist der Kampfpanzer ein wichtiges Aushängeschild. Bei der Bundeswehr sind allerdings viele weitere Kettenfahrzeuge im Einsatz.

Allein für die Isaf-Mission in Afghanistan stellt die Bundeswehr ihren Soldaten vor Ort 1250 Fahrzeuge unterschiedlicher Schutzklassen und Funktionen zur Verfügung.

Der Schützenpanzer "Marder" zum Beispiel gilt eigentlich als enger Begleiter des Leo - beide Konzepte sind Kinder des Kalten Krieges. Im Gefecht gegen angreifende Feinde sollte der Marder mit den Kampfpanzern "zusammenwirken".

Im Inneren des Schützenpanzers finden neben Fahrer, Kommandant und Bordschütze bis zu sechs Panzergrenadiere Platz.

Hauptwaffe des Marder ist seine 20-Millimeter-Bordkanone. Der Motorraum liegt vorn, der mehr als drei Tonnen schwere Geschützturm sitzt mittig. Das Heck beherbergt den Mannschaftsraum mit Ladeklappe für den eiligen Ausstieg.

Die Grenadiere haben dabei eine undankbare und im Ernstfall höchst gefährliche Aufgabe: Sie sollen mit den Kampfpanzern mithalten und sie vor feindlicher Infanterie beschützen.

In Afghanistan muss der Marder einer andere Rolle ausfüllen: Die Gefahr durch Hinterhalte und Überfälle machen seinen Einsatz unverzichtbar - das insgesamt 38,5 Tonnen schwere und 600 PS starke Gefährt soll die deutschen Isaf-Kräfte unterstützen.

Dabei muss er ohne Leo auskommen.

Und auch die Tage des Marder sind gezählt: Mit der Einführung seines Nachfolgers dürfte er bald ausgedient haben.

Der neue Schützenpanzer "Puma" soll weitaus mehr leisten als sein altgedienter Vorgänger: mehr Schutz, mehr Feuerkraft, mehr Hightech und die Luftverlegbarkeit mit dem A400M.

Dazu gab es eine "taktische und logistische Einsatzprüfung", unter anderem mit Klimatests in Nordnorwegen.

Die Bundeswehr kauft den beiden Herstellern Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann weniger Exemplare ab als ursprünglich vorgesehen.

Im Rahmen der "Neuausrichtung der Bundeswehr" haben die beteiligten Stellen die vertraglich vereinbarte Stückzahl von 410 auf 350 Stück heruntergeschraubt.

Ab Mitte 2013 soll es mit dem Puma losgehen. Bis dahin müssen die Soldaten noch mit ihren alten Mardern Vorlieb nehmen - oder eines der kleineren Kettenfahrzeuge aus der Halle ziehen.

Da wäre zum Beispiel das "Wiesel": Im Prinzip nichts anderes als eine fahrbare Kanone mit leichter Rundumpanzerung und bis zu drei Mann Besatzung.

Das Wiesel gibt es bei Rheinmetall in mehreren Ausführungen: Mit Maschinenkanone zur bewaffneten Aufklärung oder als Wiesel 2 in einer verlängerten Version ...

... als Führungs- und Transportfahrzeug der Sanitätstruppe. Es gibt Wiesel, die einen Mörser tragen und Wiesel, die der Flugabwehr dienen. Angetrieben wird das Wiesel 2 von einem 4-Zylinder-Turbodiesel von Audi mit 110 PS.

Auch am Hindukusch kreuzt der knapp vier Meter lange und 1,90 Meter hohe Mini-Panzer auf: Mit seinen maximal 4,1 Tonnen Gefechtsgewicht lässt sich ein Wiesel per Hubschrauber rasch verlegen - als Außenlast am Haken.

Insgesamt geht der Trend eindeutig zum flexibel einsetzbaren Mehrzweck-Panzer: Die Richtung geben dabei die praktischen Erfahrungen vor. Das Ergebnis trägt mitunter sonderbare Züge.

Mit seinem Gehäuse aus Stahl und dicken Panzerglasscheiben begleitet zum Beispiel der unförmige Geländetransporter "BV 206 S" die deutschen Truppen.

Das Raupenfahrzeug der schwedischen BAE-Tochter Hägglund sieht aus wie eine geländegängige Pistenraupe und wird bei der Bundeswehr vor allem von Gebirgsjägern gesteuert.

Der Beiname "Husky" verweist auf eines der Spezialgebiete des "Bandvagn" (BV), wie er auf Schwedisch heißt: die ungehinderte Fahrt über tief verschneite Flächen und Hochgebirgsregionen.

Bis zu zwölf Soldaten kann ein Husky mitnehmen und auch in der gepanzerten Version noch 1,4 Tonnen Nutzlast über Stock und Stein bewegen - und das, ohne dabei seine Schwimmfähigkeit zu verlieren.

Nicht zu verwechseln ist der Bandvagn mit dem Minenwerfer "Skorpion".

Der beruht nämlich auf dem Fahrwerk des US-amerikanischen "M-113", dem erfolgreichsten westlichen Transportpanzer der Nachkriegszeitder, gemessen an den Produktionszahlen.

Die Bundeswehr nutzt den vielfach weiterentwickelten Mannschaftstransportwagen (MTW) mittlerweile hauptsächlich als mobilen Gefechtsstand, als Sanitätswagen auf Ketten oder als Radarträger für die Artilleriebeobachtung.

Leichte Ähnlichkeiten bestehen auch zum Raketenwerfer "Mars": Das "Mittleren Artillerieraketensystem" rollt allerdings auf dem Unterbau des US-Schützenpanzers "M2 Bradley".

Dieses Waffensystem aus der US-Rüstungsschmiede Lockheed Martin beschreibt die Bundeswehr als "autonome Flächenfeuerwaffe, die in Verbindung mit der Lenkrakete aber auch zur hochpräzisen Bekämpfung von Einzel- und Punktzielen befähigt ist".

Nicht unumstritten sind die Mars-Werfer, weil sie mit jeder einzelnen Rakete eine Fülle verschiedener Spezialminen und "Bomblets" verschießen können.

Damit soll bald Schluss sein: Bis 2015 will die Bundeswehr die letzten Reste ihrer einst 31.000 Tonnen Streumunition entsorgen.

Konventioneller geht es beim derzeit größten deutschen Panzer zu: Die "Panzerhaubitze 2000" (hier links im Bild) verschießt Nato-Munition im Kaliber 155 Millimeter.

Hersteller Krauss-Maffei Wegmann bewirbt die gepanzerte Artilleriekanone als "hochmobiles und flexibles Waffensystem" und als "leistungsfähigstes Artilleriesystem weltweit".

Das Hightech-Geschütz kann sein todbringenden Projektile bis zu 56 Kilometer weit spucken. Pro Minute verlassen bis zu zehn Geschosse das Rohr.

Für die Kanoniere der Bundeswehr ist der 57 Tonnen schwere Koloss die neue Standardartillerie. Seit 2006 befindet sie sich auch in Afghanistan im Einsatz.

Eingedeckt mit diesem "Rohrartilleriesystem" haben sich insgesamt vier Nato-Staaten. Neben Deutschland sind das die Niederlande sowie Italien - und auch die Militärs der Griechen wollten nicht auf die Fähigkeiten der Panzerhaubitze 2000 verzichten.

Dabei ist es kein Geheimnis: Die Ausrüstung einer Armee kostet Unmengen an Geld. Der Unterhalt des komplizierten Kriegsgeräts verschlingt Milliarden - von der Anschaffung neuer Waffensysteme ganz zu schweigen.

Wie viel Geld das ist, lässt sich am Beispiel Deutschland zeigen: Im Bundeshaushalt lag der Wehretat für 2012 bei knapp 32 Milliarden Euro inklusive Heer, Marine, Luftwaffe und Verwaltung - und das trotz Sparzwang, Abschaffung der Wehrpflicht und Verkleinerung der Bundeswehr.

Immerhin: Nach den bisherigen Planungen will das Verteidigungsministerium seine Ausgaben bis 2015 auf 30,4 Milliarden Euro drücken ...

... sofern in der sicherheitspolitischen Gesamtlage nichts Grundlegendes dazwischenkommt. (Text: Martin Morcinek)

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