Bilderserie

Wenn der Schlafmohn blüht: Der Tod kommt aus Afghanistan

Bild 1 von 34
Schlafmohn sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Doch er hat es in sich: Aus dem Schlafmohn wird Opium gewonnen. (Foto: REUTERS)

Schlafmohn sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Doch er hat es in sich: Aus dem Schlafmohn wird Opium gewonnen.

Schlafmohn sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Doch er hat es in sich: Aus dem Schlafmohn wird Opium gewonnen.

Der Mohnsaft ist Grundlage für Heroin - die Droge, die am schnellsten abhängig macht. Süchtige bekommen erst einen "Kick", sie fühlen sich glücklich und zufrieden. Die Nebenwirkungen sind groß: Schmerzen, Schlaf- und Appetitlosigkeit.

Spitzenreiter im Anbau von Opium ist Afghanistan.

90 Prozent des weltweiten Opiums kommen aus dem kriegsgeplagten Land in Zentralasien.

Um Opium aus dem Schlafmohn zu gewinnen, ritzen die Bauern die unreifen Samenkapseln ein.

Der milchigweiße Saft perlt heraus und trocknet.

Einen Tag später schaben die Bauern den getrockneten Saft ab - 20 bis 50 Milligramm pro Kapsel.

Zum Teil wird das Opium schon in afghanischen Laboren zu Heroin weiterverarbeitet. Dann wird es in alle Welt geschmuggelt.

Hin und wieder gelingt Polizei und Militär schon in Afghanistan ein Coup: Hier sind 270 Kilogramm Heroin beschlagnahmt worden.

Doch der Großteil der Drogengeschäfte wird nicht aufgedeckt. Die UN schätzt, dass Opium im Wert von 2,4 Milliarden US-Dollar 2011 außer Landes geht. Die Wirtschaft Afghanistans hängt an der Nadel des Westens.

Das Opium geht vor allem nach Europa - über den Landweg. Die Schmuggler verstecken die Drogen überall - wie in der Autotür.

Ein beliebtes Schmugglerversteck ist auch der Hohlraum hinter dem Autoradio.

2011 beschlagnahmt der deutsche Zoll 357 Kilogramm Heroin und 111 Kilogramm Opium - vor allem mithilfe von Drogenspürhunden.

Jahrelang werden sie trainiert, bis die Hunde an Flughäfen, Seehäfen und bei Autobahnkontrollen eingesetzt werden.

Doch keine Spürnase reicht aus, um die Drogenflut einzudämmen. Nach Schätzungen der Bundesdrogenbeauftragten sterben im vergangenen Jahr 279 Menschen in Deutschland an Heroin.

Auch Afghanistan hat ein Suchtproblem. Ein bis zwei Millionen Einwohner sind drogenabhängig.

Sie spritzen, rauchen oder schnupfen die süchtigmachende Droge.

Erst seit rund 12 Jahren ist Afghanistan wieder großer Opiumproduzent. Bis 2000 unterdrückten die Taliban den Schlafmohn-Anbau.

Als die Isaf-Truppen gegen die Taliban einmarschierten, expandiert die Produktion.

Denn mit Opium, dem getrockneten Mohnsaft, verdienen die Bauern mehr Geld.

Pro Kilo bekommen sie rund 150 Euro.

Mit Rohopium verdienen Bauern elf Mal so viel wie mit dem Weizenanbau.

Hauptanbaugebiet ist die Provinz Helmand, eine Taliban-Hochburg im Süden Afghanistans.

Mit dem Verkauf von Opium finanzieren die islamistischen Terroristen ihren Kampf und bombardieren beispielsweise Polizeistationen.

Peu á peu zerstören Sicherheitskräfte Felder. Nach UN-Angaben vernichten sie 2011 mehr als 9.600 Hektar Anbaufläche.

Diese Fläche ist etwas größer als Konstanz am Bodensee.

Die Felder gehören Kleinbauern. Wird das Mohnfeld zerstört, zerbricht auch ihre Lebensgrundlage.

Die Regierung in Kabul versucht seit Jahren, Bauern zu überzeugen wieder mehr Lebensmittel anzubauen - mit mäßigem Erfolg.

Denn angesichts der großen Drogennetzwerke und der riesigen Anbauflächen reicht das Engagement noch lange nicht, um das Problem zu beseitigen.

Dennoch wird medienwirksam zu Verbrennungen von beschlagnahmtem Opium eingeladen.

Auch hochgiftige Chemikalien aus illegalen Drogenlaboren werden vernichtet.

Einfach und unkompliziert werden sie entsorgt.

Umweltschutz ist dabei nicht sonderlich wichtig.

Schlafmohn zerstört das Leben von Süchtigen und dennoch hält er die Kleinbauern Afghanistans über Wasser. Ein Teufelskreis.

weitere Bilderserien