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Das US-amerikanische Trauma: Der Vietnamkrieg

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Die Erinnerung an den Krieg bleibt eine offene Wunde. Doch ihre abschreckende Wirkung war nur von begrenzter Dauer. (Foto: AP)

Die Erinnerung an den Krieg bleibt eine offene Wunde. Doch ihre abschreckende Wirkung war nur von begrenzter Dauer.

Er ist eines der größten Desaster der US-amerikanischen Geschichte: Der Vietnamkrieg.

Vor 40 Jahren, am 27. Januar 1973, kommt es zum Waffenstillstandsabkommen in Paris, ...

... das den Austritt der USA aus dem Krieg markiert.

Begonnen hatte alles in den 1950er Jahren.

Nach der Teilung Vietnams infolge des Indochinakriegs ergreift - mit Hilfe der USA - 1955 Ngo Dinh Diem im Süden des Landes die Macht.

Die Kommunisten, von den US-Amerikanern "Vietcong" genannt, bekämpfen Diems autoritäres Regime. Sie werden von Nordvietnam unter Ho Chi Minh und der UdSSR unterstützt.

Der "Tonkin-Zwischenfall" im August 1964 wird zum Anlass für den direkten Kriegseintritt der USA: Die US-Zerstörer "Maddox" (Foto) und "Turner Joy" werden im Golf von Tonkin beschossen - angeblich. Die Meldung stellt sich später teilweise als Falschinformation heraus.

Die US-Regierung macht Nordvietnam für den Angriff verantwortlich. Der Kongress bevollmächtigt Präsident Lyndon B. Johnson zum "Gebrauch bewaffneter Gewalt" in Vietnam.

Am 8. März 1965 landen die ersten 3500 US-Marines in Südvietnam. Bis 1968 wird die Zahl der US-Soldaten in Vietnam auf mehr als eine halbe Million ansteigen.

Ende Februar 1965 beginnen die USA zudem ihre Operation "Rolling Thunder". Dahinter verbirgt sich das massive Flächenbombardement Nordvietnams.

Im Rahmen dieser Operation werden bis Ende 1968 über dem Norden Vietnams mehr Bomben abgeworfen als während des gesamten Zweiten Weltkriegs.

Ein US-General beschreibt das Ziel der Angriffe mit den Worten, Nordvietnam solle in die Steinzeit zurückgebombt werden.

Dabei kommen neben konventionellen Sprengsätzen auch Napalm-Bomben zum Einsatz, ...

... die bei ihren Opfern schlimmste Verbrennungen hinterlassen.

Zudem versprühen die USA im Vietnamkrieg mehr als 80 Millionen Liter hochgiftiger Herbizide.

In großen Mengen wird vor allem das dioxinhaltige "Agent Orange" freigesetzt - benannt nach der Farbe der Container, in denen es aufbewahrt wurde.

Ziel ist die völlige Entlaubung der Wälder.

So sollen die feindlichen Kämpfer und ihre Versorgungswege enttarnt werden. Im Bild ein Mangrovenwald 60 Kilometer von Saigon vor der Behandlung durch Agent Orange 1965 ...

... und im Jahr 1970. Die dunklen Flecke sind einige überlebende Bäume.

Schon bald sollte sich herausstellen, dass die totale technische Überlegenheit der USA im Dschungel von Vietnam kaum Vorteile bietet.

Der Einsatz in Vietnam wird zum Zermürbungskrieg.

Im Gegensatz zu den US-amerikanischen Soldaten sind die Kämpfer des "Vietcong" in Guerilla-Taktiken geübt.

Die US-Truppen erleiden schwere Verluste. Im Durchschnitt sterben pro Woche 100 Soldaten bei Überfällen oder Hinterhalten vietnamesischer Kämpfer.

Die US-Amerikaner setzen ihrerseits auf das Motto "search and destroy" (Suchen und Zerstören) - ob zu Lande ...

... oder mit Hubschraubern von der Luft aus.

Die Kämpfer des "Vietcong" sollen notfalls einzeln aufgespürt und unschädlich gemacht werden. Dabei gehen die US-Soldaten nicht selten mit extremer Brutalität vor.

Ganze Dörfer, in denen Anhänger des "Vietcong" vermutet werden, werden niedergebrannt.

Doch der Krieg zieht sich weiter hin.

Nicht nur innerhalb der Truppe schwindet die Moral, ...

... auch daheim in den USA stößt der Vietnamkrieg zunehmend auf Protest.

Insbesondere an den Universitäten formiert sich Widerstand, ...

... dem teilweise mit massiver Polizeigewalt begegnet wird.

Der Protest gegen den Krieg schwappt auch auf andere Länder über. In Deutschland wird er zu einer zentralen Triebfeder der 68er-Bewegung. (Im Bild: Rudi Dutschke bei einer Demonstration im Februar 1968)

Zwei Ereignisse des Jahres 1968 sind es vor allem, die den Widerstand gegen den Vietnamkrieg schüren. Zum einen ist dies die "Tet-Offensive".

Im vietnamesischen Monat "Tet", im Januar 1968, rücken der "Vietcong" und nordvietnamesische Truppen auf Städte im Süden des Landes vor.

Die US-amerikanischen und südvietnamesischen Einheiten, die nicht mit einer Offensive gerechnet hatten, werden komplett überrumpelt.

Die alte Kaiserstadt Huë wird von den Nordvietnamesen kurzerhand eingenommen.

Die US-Truppen holen umgehend zum Gegenschlag aus.

Zwar werden Huë und die übrigen verlorenen Orte rasch zurückerobert, doch haben die Geschehnisse vor allem eine psychologische Wirkung:

Zum einen lassen sie die Hoffnung auf einen raschen Sieg über den "Vietcong" weiter sinken, ...

... zum anderen schocken die grausamen Bilder von unzähligen Getöteten und Verwundeten die Welt.

Ein Übriges tut diese Aufnahme. Sie zeigt einen südvietnamesischen Polizeichef, ...

... der einen kommunistischen Kämpfer vor der Kamera erschießt.

Das zweite Ereignis des Jahres 1968, das den schleichenden Rückzug der US-Amerikaner aus Vietnam auslöst, ist das "Massaker von My Lai".

Am 16. März 1968 überfallen US-Soldaten das der Kollaboration mit dem "Vietcong" verdächtigte südvietnamesische Dorf My Lai.

Bewohner werden gefoltert, Frauen vergewaltigt.

Mehr als 500 Zivilisten beider Geschlechter und aller Altersgruppen werden getötet, bevor das Dorf niedergebrannt wird.

Ende März 1968 kündigt US-Präsident Johnson das Ende des Bombardements Nordvietnams an.

Er erfüllt damit eine nordvietnamesische Forderung für Waffenstillstandsgespräche. Diese beginnen im Mai 1968 in Paris.

1969 wird Johnson von Richard Nixon im Amt des US-Präsidenten abgelöst. Nixon legt ein Programm zur "Vietnamisierung" des Krieges vor.

Schrittweise soll die Verantwortung für den Krieg in die Hände der südvietnamesischen Regierung gelegt und 90.000 US-Soldaten abgezogen werden.

Bis zum vollständigen Abzug der USA sollen aber noch Jahre vergehen. Nach einem antikommunistischen Putsch der Militärs in Kambodscha ...

... intervenieren die USA 1970 dort zugunsten der neuen Regierung.

1971 wird zudem Laos bombardiert. Dem "Vietcong" soll so der Nachschub über die beiden Länder abgeschnitten werden.

Eine erneute Offensive Nordvietnams im März 1972 kostet die USA abermals viele Opfer.

Ende des Jahres fliegen die US-Amerikaner noch einmal schwere Bombenangriffe auf nordvietnamesische Städte.

Aus dem Jahr 1972 stammt auch das wohl bekannteste Bild aus dem Vietnamkrieg. Südvietnamesische Zivilisten fliehen, nachdem sie irrtümlich von ihren eigenen Soldaten mit Napalm angegriffen worden waren.

Am 27. Januar 1973 schließlich ist es so weit: In Paris wird ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.

Doch auch nachdem sich die USA langsam aus Vietnam zurückziehen, ist der Konflikt noch lange nicht beendet.

Vietnam versinkt zwei Jahre im Bürgerkrieg.

Am 30. April 1975 rücken nordvietnamesische Panzer in Saigon, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt, ein.

Südvietnam kapituliert noch am selben Tag. Am 2. Juli 1976 wird Vietnam wiedervereinigt - als Sozialistische Republik.

Der Vietnamkrieg zog einen Schlussstrich unter eine Reihe von Mythen:

Den Mythos vom sauberen Krieg, ...

... den Mythos vom heldenhaften Soldaten, ...

... den Mythos von der Unbesiegbarkeit der USA.

Nahezu 60.000 US-Soldaten werden getötet oder bleiben bis heute vermisst.

Unzählige Soldaten erleiden zum Teil schwerste Verletzungen.

Die Zahl der getöteten Vietnamesen ist bis heute unklar.

Schätzungen reichen bis zu vier Millionen.

Hinzu kommen die Spätfolgen des Krieges. Nach wie vor werden Blindgänger US-amerikanischer Bomben geborgen.

In Vietnam vergrabene Minen kosten noch immer Menschen das Leben.

Die versprühten Chemikalien belasten noch heute Landschaft und Menschen.

Waren die Eltern in Berührung mit Chemikalien wie "Agent Orange" gekommen, bestand auch noch Jahre nach dem Krieg die Gefahr, missgebildete Kinder zur Welt zu bringen.

Dem vietnamesischen Roten Kreuz zufolge leiden noch heute mehr als eine Million Menschen an den Folgen des Gifteinsatzes, darunter mehr als 100.000 Kinder.

Doch auch für die USA selbst wurde der Vietnamkrieg zum Trauma.

Viele Veteranen haben ihre Erlebnisse nicht verkraftet.

Die Erinnerung an den Krieg bleibt eine offene Wunde. Doch ihre abschreckende Wirkung war nur von begrenzter Dauer.

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