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Freitag, 01. September 2017

50 Millionen Tote: Der Zweite Weltkrieg

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... und dem schon bald Jahrzehnte des Kalten Krieges bevorstehen. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

... und dem schon bald Jahrzehnte des Kalten Krieges bevorstehen.

Es ist ein warmer Spätsommertag, als das große Inferno über Europa hereinbricht.

Am 1. September 1939 verkündet Adolf Hitler im Berliner Reichstag: "Polen hat nun heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. ...

... Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten!"

Es ist gleich eine doppelte Lüge: Der angebliche polnische Angriff auf den Rundfunksender der Grenzstadt Gleiwitz vom Tag zuvor, der als Kriegsgrund herhalten sollte, war von SS-Leuten in polnischen Uniformen fingiert worden.

Und auch die Uhrzeit stimmte nicht. Geschossen wurde bereits um 4 Uhr 45.

In der Danziger Bucht nahm das deutsche Marineschiff "Schleswig-Holstein" den polnischen Militärposten auf der Halbinsel Westerplatte unter Beschuss.

Wenig später bombardierten deutsche Sturzkampfbomber die zentralpolnische Kleinstadt Wielun: Rund 1200 Menschen starben.

Sie sind die ersten Opfer eines Krieges, der in seiner Ungeheuerlichkeit alle bisherigen Kriege in den Schatten stellt.

Für Polen endet der deutsche Überfall, an dem mehr als 1,5 Millionen Wehrmachtssoldaten teilnehmen, binnen weniger Wochen mit der kompletten Niederlage.

Zwar erklären Polens Verbündete Großbritannien und Frankreich am 3. September Deutschland den Krieg, doch faktisch bleibt Polen auf sich allein gestellt - ...

... und ist dem deutschen Militär hoffnungslos unterlegen.

Hinzu kommt: Am 17. September teilt auch die Sowjetunion mit, dass sie den polnischen Staat als "nicht mehr existent" betrachtet.

Wie im Hitler-Stalin-Pakt kurz zuvor in einem geheimen Zusatzprotokoll beschlossen, teilen sich die Sowjetunion und Nazi-Deutschland die Beute Polen.

Die Rote Armee besetzt den Osten Polens - zur großen Überraschung der dortigen Behörden, die die sowjetischen Soldaten mancherorts noch freundlich begrüßen.

Noch in der Nacht flieht die polnische Regierung nach Rumänien, am 6. Oktober kapitulieren die letzten polnischen Feldtruppen nach der Schlacht bei Kock.

In Warschau feiert Hitler mit einer Parade den schnellen Sieg in einem Krieg, der zunächst nicht so genannt werden darf.

Schon während des Polenfeldzuges beginnen die Einsatztruppen von SS-Chef Heinrich Himmler ihren Terror gegen Zivilisten.

Bis zum Ende des Jahres werden rund 60.000 polnische Staatsbürger, darunter große Teile der Intelligenzija, ermordet.

Auch die ersten Juden fallen Massakern zum Opfer.

Als einige deutsche Generäle gegen die "Verwilderung" protestieren, erklärt Hitler noch im September, mit "Heilsarmee-Methoden" könne er keinen Krieg führen.

Schon zuvor hatte er klargestellt: Ziel des Feldzugs sei die "Vernichtung Polens", die "Beseitigung der lebendigen Kräfte, nicht die Erreichung einer bestimmten Linie".

Gleich nach der Besetzung wird das Land ausgeplündert: Rohstoffe, Nahrungsmittel werden nach Deutschland gebracht, ebenso Zehntausende Zwangsarbeiter.

Der Krieg gegen Polen markiert erst den Anfang von Hitlers Großmachtsträumen.

Im April 1940 überfällt die Wehrmacht handstreichartig die neutralen Länder Dänemark und Norwegen.

Dadurch soll der Zugang zu den strategisch wichtigen schwedischen Erzlagern gesichert werden und die Wehrmacht eine gute Operationsbasis gegen England bekommen.

Einen Monat später, am 10. Mai, beginnt die Westoffensive.

Die Benelux-Staaten und Frankreich müssen eine schmähliche Niederlage einstecken.

Obwohl die Westmächte und die deutsche Wehrmacht fast gleichstark sind, kann Deutschland mit einem taktisch geschickten Angriff Frankreich in die Enge treiben.

Den Nazitruppen gelingt binnen kürzester Zeit, was im Ersten Weltkrieg fehlgeschlagen war: ...

... Am 14. Juni fällt Paris, ...

... wenig später kündigt Marschall Philippe Pétain ein Waffenstillstandsersuchen an.

Als Hitler die Nachricht von der Kapitulation des "Erbfeindes" erhält, vollführt er einen Freudentanz.

Er ist auf dem Zenit seiner Macht ...

... und Generaloberst Wilhelm Keitel erklärt ihn zum "größten Feldherrn aller Zeiten".

Doch damit ist die Phase der "Blitzkriege" auch beendet.

Das Kriegsglück wendet sich.

Am 19. Juli 1940 lehnt Großbritannien Hitlers sogenanntes Friedensangebot ab und steht damit nun allein dem hochgerüsteten Nazi-Deutschland gegenüber.

Premier Winston Churchill hatte schon im Frühjahr seine Landsleute auf "nichts als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß" eingeschworen.

In einer Ansprache im Sommer kündigt er an: "Wir werden kämpfen bis zum Ende. Wir werden in Frankreich kämpfen, wir werden auf den Meeren und Ozeanen kämpfen. ...

... Wir werden mit wachsender Zuversicht und wachsender Stärke am Himmel kämpfen. Wir werden unsere Insel verteidigen, wie hoch auch immer der Preis sein mag. ...

… Wir werden uns nie ergeben." Dieser Durchhaltewillen und die Hartnäckigkeit Churchills bestimmen bedeutend den weiteren Kriegsverlauf.

Im Krieg gegen Großbritannien erwartet die deutschen Truppen ein bis dahin ungekannter Widerstand.

Die deutsche Luftwaffe, die im August ihre Angriffe beginnt, kann ihre Ziele nicht verwirklichen.

Die Luftüberlegenheit über England erringt sie nicht, ...

... die anvisierte Landung auf der Insel rückt in weite Ferne.

So verlegt sich der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, Hermann Göring, auf eine Zermürbungstaktik.

Zunehmend bombardieren seine Piloten nicht nur militärische Ziele, sondern fliegen auch Angriffe auf Wohnbezirke - ...

... was sich allerdings als strategischer Fehler erweist und den britischen Widerstandswillen nur stärkt.

Die Royal Air Force reagiert ihrerseits mit Angriffen auf Berlin.

Auch angesichts steigender Verluste der deutschen Luftwaffe verschiebt Hitler Mitte September die geplante Landung in Großbritannien "bis auf Weiteres".

Der "Größte Feldherr aller Zeiten" entschließt sich zur Flucht nach vorn ...

... und zu dem Krieg, den er seit den 1920er Jahren geplant hat: den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.

Sein Ziel ist es, ein "blockadefestes Großimperium" bis zum Ural und über den Kaukasus hinaus zu errichten.

Große Teile der dort lebenden Bevölkerung sollen getötet oder versklavt werden, um der deutschen Kolonisation den Weg zu ebnen.

"Was für England Indien war, wird für uns der Ostraum sein", so Hitler.

Am 22. Juni 1941 beginnt das "Unternehmen Barbarossa", die Wehrmacht greift mit 3,2 Millionen Soldaten die Sowjetunion an.

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt vom August 1939, der die Aufteilung Polens besiegelt hatte, wird über Nacht außer Kraft gesetzt.

Dabei bemüht sich die NS-Propaganda, den Angriff auf die Sowjetunion als einen Krieg gegen den "jüdischen Bolschewismus" und die "asiatische Barbarei" zu überhöhen.

Tatsächlich offenbart der Krieg von Anfang an eine unvorstellbare deutsche Barbarei.

Dörfer und Städte werden niedergewalzt, Zivilisten verschleppt und ermordet.

Millionen russische Soldaten verhungern in deutscher Gefangenschaft.

Der Überfall auf die Sowjetunion ist die größte Offensive der Weltgeschichte und scheint für Nazi-Deutschland zunächst nach Plan zu verlaufen.

Ein "Sandkastenspiel", glaubt Hitler in der für ihn typischen Verkennung der Realität.

Die sowjetischen Truppen sind von dem deutschen Überfall überrascht und die Wehrmacht kann schnell in die weiten Räume vorrücken. Ende 1941 steht sie sogar vor Moskau.

Doch schon bald rächt es sich, dass die militärische Führung von einem "Blitzfeldzug" ausgegangen war.

Viele Verbände besitzen keine Winterkleidung, die Waffen- und Geräteausstattung ist nur für drei Monate ausgelegt, auch der Munitionsvorrat reicht gerade für ein Jahr.

Zunehmend bleiben die deutschen Truppen im Schlamm stecken.

In den ersten sieben Monaten verliert die Wehrmacht mehr als eine Million Soldaten.

Im Herbst 1942 wird die Katastrophe offensichtlich.

Die Ostfront - inzwischen kämpfen deutsche Soldaten auch in Jugoslawien, Griechenland und in Nordafrika an der Seite der verbündeten Italiener - ist mit einer Länge von rund 4000 Kilometern hoffnungslos überdehnt.

Im November beginnt die Rote Armee ihre Offensive bei Stalingrad.

"Um jedes Haus, jede Fabrikhalle, um Wassertürme, Bahneinschnitte, Mauern, Keller und schließlich um jeden Trümmerhaufen tobte ein Kampf, wie man ihn in dieser Konzentration selbst in Materialschlachten des Ersten Weltkrieges kaum erlebt hatte", beschreibt ein deutscher Offizier das Gemetzel.

Kaum einer mehr glaubt an die Losung, die General Friedrich Paulus kurz nach der Einkesselung der Stadt ausgegeben hatte: ...

... "Drum haltet aus, der Führer haut uns raus!"

Hitler haut niemanden raus, Paulus ergibt sich Ende Januar 1943 der Roten Armee.

Anfang Februar weht in der Stadt mit dem symbolträchtigen Namen wieder die sowjetische Fahne.

Rund 90.000 deutsche Soldaten geraten in Kriegsgefangenschaft - nur die wenigsten von ihnen überleben.

Stalingrad wird zum psychologischen Wendepunkt des Krieges.

Der Glaube an den viel beschworenen "Endsieg" schwindet rapide.

Es wirkt mehr wie eine Verzweiflungstat, wenn Propagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast die Parole vom "totalen Krieg" ausruft.

Zumal kurz danach die Deutschen das "zweite Stalingrad" ereilt.

Auch der Afrika-Feldzug endet im Desaster.

Im Mai 1943 geraten 230.000 deutsche und italienische Soldaten in Kriegsgefangenschaft.

Niederlage folgt auf Niederlage, doch Hitler will den Tatsachen nicht ins Auge sehen und schwankt immer wieder zwischen illusionären Hoffnungen und Untergangsfantasien.

Und je mehr die Deutschen das Kriegsglück verlässt, desto intensiver verfolgen Himmler und seine Schergen die "Endlösung der Judenfrage".

Schon zu Beginn des Krieges im Osten hatten sie Juden verfolgt und ermordet.

Doch jetzt, mit den zunehmenden Niederlagen, schreitet die Massenvernichtung, die am Ende zum Tod von rund sechs Millionen Juden führt, rapide voran.

Selbst in den Zeiten des größten Mangels rollen die Züge in die gigantische Vernichtungsmaschinerie Auschwitz.

Obwohl die Alliierten schon früh von den Vernichtungslagern erfahren, greifen sie nicht ein. Sie bombardieren zwar umliegende Fabriken, aber nicht Auschwitz oder die Gleise dahin.

Sie setzen mehr auf ein schnelles Ende des Krieges - das dann auch die Vernichtung der Juden stoppt.

Am 6. Juni 1944 kommen sie dem Kriegsende einen bedeutenden Schritt näher.

Mit einer Armada und mehr als 130.000 Soldaten überraschen sie die Deutschen in der Normandie und eröffnen damit eine neue Front.

Nach und nach rücken sie Richtung Deutschland vor.

Doch Hitler fordert erbitterten Widerstand. In einem Führerbefehl vom 23. August heißt es an den Stadtkommandanten von Paris: "Die Seine-Brücken sind zur Sprengung vorzubereiten. ...

... Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen."

Stadtkommandant Dietrich von Choltitz entscheidet sich zur Befehlsverweigerung und kapituliert am 25. August.

Paris bleibt so weitgehend unzerstört, ...

... anders als die polnische Hauptstadt Warschau. Nach dem Aufstand der polnischen Untergrundarmee gegen die Besatzer Anfang August 1944 befiehlt Hitler auch hier eine Politik der verbrannten Erde: ...

... "Warschau muss dem Erdboden gleichgemacht werden, und es soll in dieser Hinsicht ein abschreckendes Beispiel für ganz Europa geschaffen werden."

Die deutschen Truppen leisten ganze Arbeit, von Warschau bleibt kaum mehr als ein Trümmerfeld.

Doch auch so kann Deutschland den Vorstoß der Roten Armee nicht stoppen, unaufhaltsam rückt sie Richtung Westen vor.

Vor sich her treiben die Rotarmisten einen Treck von Hunderttausenden Flüchtlingen.

Deren Angst, dass es nach den deutschen Gräueln im Osten zu Vergeltungsaktionen kommt, ist groß und nicht unberechtigt. Hat doch gerade die Sowjetunion mit fast 30 Millionen Toten die meisten Opfer im Zweiten Weltkrieg zu beklagen.

Ende 1944 muss sich die Wehrmacht vor der Roten Armee bis an die Reichsgrenze zurückziehen.

Ab Mitte April 1945 beginnt die letzte bedeutende Schlacht des Krieges, die Schlacht um Berlin.

Zehntausende Zivilisten und Soldaten lassen hier noch ihr Leben, rund 500.000 Soldaten werden verwundet.

Schon vor den Kämpfen um Berlin gesteht Hitler im Januar ein, was nicht mehr zu übersehen ist: Der Krieg ist für Deutschland verloren.

"Die Übermacht ist zu groß. Ich bin verraten worden."

Längst hat der Krieg auch die deutschen Städte ereilt.

Millionen Menschen sind ausgebombt, ...

... schätzungsweise zwischen 300.000 bis 600.000 Zivilisten kommen allein bei Luftangriffen ums Leben.

Doch trotz der völlig aussichtslosen Lage und dem Ausbleiben einer "Wunderwaffe" weigert sich Hitler zu kapitulieren.

Vielmehr scheint er nun auch einen Kampf gegen das eigene Volk zu führen, das seine Träume von einem Großdeutschland so enttäuscht hat.

"Wir kapitulieren nicht, niemals. Wir können untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen."

Bis zum letzten Atemzug sollen die Deutschen ihre verwüstete Heimat verteidigen, auch viele Kinder und Alte müssen im sogenannten Volkssturm noch in den letzten Kriegstagen ihr Leben lassen.

Als die Schüsse der sowjetischen Truppen schon seinen Bunker in der Wilhelmstraße erschüttern, erschießt sich Hitler am 30. April. Im Radio heißt es am nächsten Tag: "Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, dass unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist."

Es vergehen noch mehrere Tage - in Berlin weht inzwischen die sowjetische Fahne - ...

... bis Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die Kapitulationsurkunde unterzeichnet.

Der von Deutschland entfesselte Krieg ist beendet und seine Bilanz ist verheerend: ...

... Mehr als 55 Millionen Menschen hat er das Leben gekostet.

Etwa 20 Millionen Menschen verlieren ihre Heimat, ein Exodus von Vertriebenen zieht quer durch Europa.

Durch einen Kontinent, der in Schutt und Asche liegt - ...

... und dem schon bald Jahrzehnte des Kalten Krieges bevorstehen.

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