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Freitag, 01. April 2016

Neuer Dienst und alte Nazi-Freunde: Die Affären des BND

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Die Welt der Geheimdienste liefert packenden Stoff und viele Affären, die niemals an die Öffentlichkeit gelangen sollten. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Welt der Geheimdienste liefert packenden Stoff und viele Affären, die niemals an die Öffentlichkeit gelangen sollten.

Die Welt der Geheimdienste liefert packenden Stoff und viele Affären, die niemals an die Öffentlichkeit gelangen sollten.

Neben CIA, KGB oder MI6 gibt es auch noch den Bundesnachrichtendienst (BND), ...

Am 1. April 1956 nimmt der Bundesnachrichtendienst offiziell seine Arbeit für die noch junge Bundesrepublik auf.

Seitdem macht der im Verborgenen agierende Nachrichtendienst mal mit kleineren, mal mit größeren Skandalen von sich reden.

Vorläufer des BND ist ein offiziell namenloser Geheimdienst in der US-amerikanischen Besatzungszone, ...

... die "Organisation Gehlen", benannt nach ihrem Gründer Reinhard Gehlen. Während seiner Gefangenschaft bei der US Air Force erkennen die US-Nachrichtendienstler, dass der ehemalige Generalmajor der Wehrmacht Gold wert ist.

Für seine Tätigkeit an der Ostfront soll das ehemalige NSDAP-Mitglied eigentlich an die Sowjetunion ausgeliefert werden - doch Gehlen hat ein Ass im Ärmel.

Ihm und seinen Vertrauten ist es gelungen, das gesamte Archiv der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) kurz vor Kriegsende nach Bayern zu transportieren und in Stahlkisten zu vergraben.

Statt als NS-Verbrecher in Kriegsgefangenschaft genommen zu werden, betrauen die US-Amerikaner Gehlen 1946 mit dem Aufbau der geheimdienstlichen Organisation.

Neben Gehlen finden weitere NS-Verbrecher ihren Weg in die Organisation - so wie etwa Klaus Barbie, der 1987 wegen seiner NS-Verbrechen verurteilt wird, ...

... oder der ehemalige Eichmann-Vertraute Alois Brunner. Anfang der 1950er-Jahre kommt die CIA in einer internen Untersuchung zu dem Schluss, dass in der Organisation zwischen 13 und 28 Prozent der Mitarbeiter ehemalige NSDAP-Mitglieder sind.

Erst im Jahr 2010 richtet der BND unter Leitung des Historikers Bodo Hechelhammer (l.) eine Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit ein. Allerdings zählt die Offenlegung der eigenen Historie eben nicht zur Lieblingsbeschäftigung von Geheimdiensten.

Auch sonst legt der BND einen regelrechten Kaltstart hin. Und aller Anfang ist schwer, ...

... mangelnde Effizienz ist noch ein liebevoller Ausdruck, der die Arbeit der Agenten beschreibt - das soll sich auch für eine ganze Weile nicht ändern. Nach seiner Amtszeit kommt beispielsweise Bundeskanzler a.d. Helmut Kohl zu einem vernichtenden Urteil über den BND.

"Sein Nutzen war nahezu null. Die wussten überhaupt nichts." Der ineffiziente und meist miserabel geführte Dienst habe ihm mit Nichtigkeiten seine Zeit geklaut, lautet die schroffe Analyse des Altkanzlers.

Besonders gut läuft es tatsächlich nicht. In den 50er-Jahren hat die Organisation Gehlen viele Spione in die staatlichen Strukturen der DDR eingeschleust - eine Untersuchung ergibt jedoch, dass 90 Prozent aller damaligen Ost-Quellen von der Stasi geführt werden und damit Doppelagenten sind.

Immer wieder kommt es zu spektakulären Zwischenfällen mit den Ostblockstaaten.

So reicht der mächtige Arm des sowjetischen Geheimdienstes KGB bis in die "Organisation Gehlen". Mit Heinz Felfe platziert er erfolgreich einen Maulwurf, der bis zu seiner Enttarnung 1961 jahrelang ungestört spioniert.

Es gibt nicht viele Ereignisse von historischer Bedeutung, die der BND frühzeitig richtig einordnet - der Mauerbau stellt eine der wenigen Ausnahmen dar.

50 Jahre später veröffentlicht der BND geheime Akten über den Bau der Mauer - eine ungewöhnliche Offensive. Man habe gewusst, dass die Sektorengrenze "zwischen dem 12. und 18. August" geschlossen werde, so der Nachrichtendienst.

Die deutschen Geheimdienstler verschlafen dagegen den Zusammenbruch der Sowjetunion ...

... und die Wiedervereinigung Deutschlands.

Verdient machen sich BND-Mitarbeiter dagegen beim Protokollieren von Witzen aus der DDR. Kein Wunder, dass andere Dinge auf der Strecke bleiben.

Ob der BND auch Witze der RAF-Häftlinge abhört, ist nicht bekannt. Die Abhöraffäre von Stammheim bringt dem Bundesnachrichtendienst 1975 viel Negativpresse. Der BND verwanzt Zellen von RAF-Terroristen, um an Informationen zu gelangen - das führt beinahe zum Scheitern des RAF-Prozesses.

1994 sorgt die Plutonium-Affäre für den bis dato größten Skandal in der Geschichte des BND. Auch heute ist die Affäre trotz Untersuchungsausschuss nicht vollständig aufgeklärt.

Der ehemalige BND-Präsident Konrad Porzner muss sich verantworten. Ihm wird vorgeworfen, mit einer Lufthansa-Maschine den illegalen Transport von Plutonium nach München inszeniert zu haben.

Nach Recherchen des "Spiegel" will der BND mit der "Operation Hades" beweisen, dass weltweiter Handel mit zum Bau von Atomwaffen geeignetem Plutonium getrieben wird.

Der "Journalisten-Skandal" wird 2005 publik ...

... und deckt die systematische Überwachung kritischer Journalisten von 1993 bis mindestens 1998 auf. Die Öffentlichkeit erhält detaillierte Einblicke in die Arbeit der Agenten.

Das "Forschungsinstitut für Friedenspolitik e.V" wird mit bis zu 15 Mitarbeitern täglich überwacht, um an Informationen über den dort tätigen Journalisten Erich Schmidt-Eenboom zu gelangen.

Bis ins Jahr 2003 wird das Altpapier des Instituts durch den BND monatlich von der Straße entfernt, ausgetauscht und nachrichtendienstlich untersucht.

Auch in der Sauna lässt man Eenboom nicht in Ruhe - man hat Angst, der Journalist könne dort konspirative Treffen mit Quellen abhalten. Folglich schwitzen auch die Agenten in der Sauna. Heutzutage würde fiele das wohl unter Ressourcenverschwendung.

Die Beziehung zu Journalisten mag nicht die beste sein - mit den US-Amerikanern verbindet den Bundesnachrichtendienst dagegen eine langjährige und enge Zusammenarbeit.

Die Freundschaft geht so weit, dass der deutsche Nachrichtendienst Ziele im Irak-Krieg ausspäht - auch wenn die Regierung Schröder sich offiziell gegen den Krieg stellt.

Der "Spiegel" zitiert einen US-General, der die Beiträge der Deutschen als "extrem wichtig" bezeichnet: Agenten sollen detaillierte Informationen über das Anzünden von Ölquellen gemacht haben.

Ausspähen für Freunde geht anscheinend ziemlich gut.

Was allerdings gar nicht geht, ...

... ist Ausspähen unter Freunden.

Diesen Mann muss man nicht vorstellen. Die Kurzversion des Whistleblowers Snowden: Er hat genug von seinem Arbeitgeber, dem US-Geheimdienst NSA, packt seine Sachen und nimmt beim Abschied Dokumente mit. 1,7 Millionen hochbrisante Dokumente, genauer gesagt.

Snowden wird über Nacht zum US-Staatsfeind Nummer eins - weltweit wird er für seine Aktion gefeiert. Was der Ex-NSA-Administrator ans Tageslicht bringt, ist schier unglaublich. Auch der Bundesnachrichtendienst kommt nicht gut weg.

Dokumente belegten, dass die NSA die weltweite Internetkommunikation überwacht und Abermillionen von Daten sammelt.

Das klingt nicht nur aufwändig, sondern ist es auch. Doch es ist Verlass auf die Freunde aus Deutschland.

Der BND soll außerdem Metadaten im großen Stil an die US-Kollegen übermittelt haben: An Spitzentagen überwacht die NSA rund 60 Millionen Telefonverbindungen in Deutschland.

Auch die Telefonate der Kanzlerin sind nicht privat. Immerhin gilt der Lauschangriff nicht nur Merkel, auch andere Staatsoberhäupter werden im großen Stil ausgespäht.

Ein Untersuchungsausschuss will die Verfehlungen im Rahmen der NSA-Affäre aufklären - doch es gibt einen Maulwurf.

Ein Ex-BND-Mitarbeiter soll geheimes Material aus dem Ausschuss an die CIA und später auch an den russischen Geheimdienst geliefert haben: Die Dokumente sind dem US-Geheimdienst etwa 25.000 Euro wert.

Das letzte Kapitel in der Geschichte des BND ist noch nicht geschrieben.

In den Archiven lauern mit Sicherheit noch viele geheime Affären, ...

... die nur darauf warten, entdeckt zu werden. (jgu)

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