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Dienstag, 11. November 2008

Architektur des Massenmordes: Die Baupläne für Auschwitz

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Als die alliierten Truppen im Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreiten, fanden sie das Vernichtungslager in Auflösung vor.

Als die alliierten Truppen im Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreiten, fanden sie das Vernichtungslager in Auflösung vor.

Als die alliierten Truppen im Januar 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreiten, fanden sie das Vernichtungslager in Auflösung vor.

Ende 1944 hatten wegen des Vorrückens der Allierten Abrissarbeiten begonnen. Die Verbrennungsöfen sollten von der SS in das noch als sicher geltende KZ Mauthausen gebracht werden.

Das Lager war professionell angelegt und projektiert worden, Architekten entwarfen am Reißbrett die Infrastruktur eines Todeslagers für bis zu 200.000 Gefangene mit Gaskammern und Leichenkellern.

Auschwitz war das größte Vernichtungslager im "Dritten Reich" - die Realität gewordene Idee des nationalsozialistischen Rassenwahns.

Mehr als 63 Jahre nach Kriegsende, im Herbst 2008, sind die Original-Baupläne für das Vernichtungslager Auschwitz und andere nationalsozialistische Konzentrationslager aufgetaucht.

Die insgesamt 28 Pläne stammen aus den Jahren 1941 bis 1943.

Sie tragen den Stempel der "Bauleitung der Waffen-SS und Polizei" und sind von maßgeblichen SS-Führern abgezeichnet.

Auf einem Dokument befindet sich in grüner Schrift das Kürzel von Heinrich Himmler, dem Chef-Organisator der Judenvernichtung durch die Nazis.

Die Zeichnungen wurden offenbar von Häftlingen selbst angefertigt.

Ein Dokument, das auf den 8. November 1941 datiert ist, ist gezeichnet von "Häftling Nr. 127".

Wahrscheinlich starb auch dieser Häftling im Gas.

Weder das Bundesarchiv noch das Münchner Institut für Zeitgeschichte verfügen bislang über derartige Original-Pläne.

Bisher existierten nur die 1989 von dem französischen Privatforscher Jean-Claude Pressac in einer sehr seltenen Dokumentation herausgegebenen Pläne des Lagers.

Hans-Dieter Kreikamp, Leitender Archivdirektor des Bundesarchivs in Berlin, misst dem Dokumentenfund "eine außerordentliche Bedeutung" bei.

"Die Pläne sind die authentischen Zeugnisse des systematisch geplanten Völkermordes an den europäischen Juden."

Die Dokumente belegen, dass bereits 1941 der systematische Massenmord geplant wurde, noch bevor die Nazis den Massenmord an den Juden auf der berüchtigten Wannseekonferenz im Januar 1942 besiegelten.

Klar und deutlich steht auf einem der Pläne in einem kleinen Anbau an dem lang gestreckten Gebäude das Wort "Gaskammer".

Die insgesamt 28 großformatigen Pläne sollen bei der Entrümpelung einer Berliner Wohnung gefunden worden sein.

Laut der Einschätzung von Experten gehörten sie zur Bauleitung der SS in Auschwitz.

Die meisten Pläne sind im Maßstab 1:100 gehalten.

Jeder, der mit der Planung und dem Bau des Konzentrationslagers beschäftigt war, konnte den Plänen entnehmen, dass es um die Organisation eines Massenmordes ging. Nicht zuletzt das belegen die Pläne.

Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden in Auschwitz ermordet. Der Plan war Realität geworden.

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