Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 12° / 22°
Politik

Gefährliche Auslandseinsätze: Die Bundeswehr in Krisengebieten

 
Deutsche Soldaten tragen den Sarg eines toten Kameraden zu einer Transportmaschine.

Deutsche Soldaten tragen den Sarg eines toten Kameraden zu einer Transportmaschine.

Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind gefährlich, das wird an diesem Tag wieder jedem bewusst. Bislang sind 64 deutsche Soldaten in Krisengebieten ums Leben gekommen.

An zwölf Missionen weltweit ist die Bundeswehr momentan beteiligt - mit rund 7.800 Soldaten.

Eine davon ist die ISAF (International Security Assistance Force) in Afghanistan. Insgesamt 2.810 deutsche Soldaten sind in der Truppe integriert. Davon sind 96 Frauen und 204 Reservisten.

Ihr Auftrag: der Aufbau einer "dauerhaften Regierungssituation". Die afghanische Führung soll nach dem Sturz der Taliban bei der Herstellung und Wahrung des inneren Friedens unterstützt werden.

Ein schwieriges Unterfangen. Immer wieder gibt es Selbstmordanschläge. Und die Taliban konnten ihren Einfluss im Land wieder vergrößern.

An "Großgerät" hat die Bundeswehr den gepanzerten Truppentransporter "Dingo", den Transportpanzer "Fuchs" und den Waffenträger "Wiesel" nach Kabul verlegt.

Ein wesentlicher Teil der ISAF-Mission ist der Betrieb eines Lufttransportstützpunktes im usbekischen Termez.

Die Soldaten sind befugt, zur Durchsetzung der Missionsziele ihre Waffen zu benutzen.

Dem Wunsch der UN nach soll die ISAF über "robuste Fähigkeiten zum Eigenschutz, zur Selbstverteidigung und über eine hinreichende Abschreckung verfügen".

Die Versorgung der deutschen ISAF-Soldaten erfolgt über den Luftweg. 6.000 Kilometer werden damit überbrückt. Das ist die bisher aufwändigste Luft-Operation der Bundeswehr. Die Lebensmittel werden von einer zivilen Firma geliefert.

Als Unterkünfte dienen feste Gebäude, teilweise aber auch Zelte. Das Kontingent hat ein eigenes Feldlazarett, das personell und materiell einem deutschen Kreiskrankenhaus entspricht.

Zum Schutz der Soldaten gibt es Bunker und minensichere Fahrzeuge. Jeder Soldat trägt eine Splitterschutzweste.

Zur Vorbereitung auf den Einsatz werden die Soldaten laut Bundeswehr "bestens geschult". Dazu gehören Informationen über Bevölkerung und Geschichte Afghanistans sowie das Verhalten in Krisensituationen.

Jeder Soldat bekommt zudem "eine einsatzbezogene Sanitätsausbildung".

Körperliche Belastbarkeit und psychische Stärke sind die beiden wichtigsten Auswahlkriterien, denn...

...die Lebensbedingungen sind oft improvisiert und einfach.

Für den Einsatz, der in der Regel vier Monate dauert, bekommen die Soldaten zusätzlich zu ihrem normalen Sold eine steuerfreie Zulage, den "Auslandsverwendungszuschlag". Diesen gibt es in sechs Stufen.

Er liegt zwischen 25,56 Euro (für "Allgemeine, mit der Verwendung verbundene Belastungen") und 92,03 Euro ("Konkrete Gefährdung durch Kampfhandlungen") pro Tag.

Im Kosovo operiert die KFOR (Kosovo Force).

Dort ist die Bundeswehr seit Juni 1999 aktiv.

3.000 deutsche Soldaten sind beteiligt.

Ziel des Einsatzes: Im Kosovo ein "multi-ethnisches, friedliches, rechtsstaatliches und demokratisches Umfeld mit autonomer Selbstverwaltung" aufzubauen.

Der von der NATO geführten KFOR-Truppe kommt dabei die Rolle einer militärischen Schutzmacht zu.

Vor allem aber soll humanitäre Hilfe geleistet und die Rückkehr der Flüchtlinge und Vertriebenen gefördert werden.

Zusätzlich kümmern sich die Soldaten um die Instandsetzung zerstörter Straßen und Brücken,...

...und den Wiederaufbau von Krankenhäusern, Schulen und Wohnhäusern.

Mit der gefährlichste Aspekt: Die Soldaten spüren Minen auf und entschärfen diese.

Das Hauptquartier liegt in der 100.000-Einwohner-Stadt Prizren.

Die Wunden der Auseinandersetzungen zwischen Kosovo-Albanern und Kosovo-Serben sind tief. "Mehr als eine Stabilisierung und Verringerung der Gewalt in kleinen Schritten kann nicht erwartet werden", so die Bundeswehr.

Und weiter: "Trotz der greifbaren Erfolge und der täglich unternommenen kleinen Schritte ist...

...ein stabiler, eigenverantwortlicher Friedens- und Demokratisierungsprozess im Kosovo noch nicht gesichert."

Immer wieder flammt der Konflikt auf. Im März 2004 kommt es zu heftigen Unruhen. Gerüchte besagen, Serben hätten albanische Kinder in einen Fluss getrieben und getötet. Das stimmt zwar nicht, aber die KFOR muss Gewalt anwenden, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Die KFOR schützt auch das Internationale Kriegsverbrechertribunal bei seiner Arbeit im Kosovo.

Entspannung für die Soldaten ist nur selten in Sicht. Hier die Freude während eines Deutschland-Spiels bei der Fußball-WM 2006.

Bosnien-Herzegowina im ehemaligen Jugoslawien. Die NATO-geführte EUFOR (European Union Force) ist hier seit 1995 aktiv.

Mehrmals wird der Auftrag geändert, ebenso wie der Name der Mission. Zunächst heißt sie IFOR (Implementation Force), später SFOR (Stabilization Force).

Deutschland hat zurzeit rund 850 Soldaten bei der EUFOR stationiert. Insgesamt hat die EUFOR eine Stärke von rund 7.000 Mann.

Auftrag ist, die Umsetzung des im November 1995 geschlossenen Friedensvertrages zwischen den Staaten des auseinandergebrochenen Jugoslawiens zu sichern.

Vor allem soll die EUFOR "die Volksgruppen von Feindseligkeiten abhalten" und "die Bewegungsfreiheit eigener Kräfte, internationaler Organisationen und Nicht-Regierungsorganisationen gewährleisten".

Darüber hinaus überwachen die Soldaten die Einhaltung des Rüstungskontrollabkommens für Bosnien und Herzegowina.

Die Mission der EUFOR trägt den Namen "Althea" (griechisch, "die Heilende").

Die Friedenstruppe unterliegt der Aufsicht des Europäischen Rates. Ihre Einsätze werden vom "Hohen Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik" (aktuell Javier Solana) koordiniert.

Übrigens können Grundwehrdienstleistende aus rechtlicher Sicht auch an Auslandseinsätzen teilnehmen. In der Praxis ist dies jedoch nicht der Fall.

Wie bei allen Auslandseinsätzen der Bundeswehr sind nur Berufs- und Zeitsoldaten, dazu Reservisten und so genannte Freiwillig Wehrdienst Leistende (FWDL) beteiligt. Letzteres sind Grundwehrdienstleistende, die ihren Dienst um bis zu 14 Monate verlängern.

Sprung auf den afrikanischen Kontinent.

741 deutsche Soldaten sind Teil der EUFOR RD CONGO in der Demokratischen Republik Kongo.

Die Truppe soll die ersten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen seit 40 Jahren sichern. Das Land ist durch Bürgerkrieg und Kriege mit fast allen Nachbarstaaten politisch instabil.

Eigentlich wird die Demokratische Republik Kongo von den 17.000 Soldaten der UN-Truppe MONUC (Mission de lOrganisation des Nations Unies en République Démocratique du Congo) stabilisiert. Angesichts der Wahl bat die UN jedoch die Europäische Union um Hilfe.

Die ersten Soldaten des Vorauskommandos fliegen im Juni 2006 von Deutschland nach Kinshasa.

20 Tage später folgt das Hauptkontingent.

Es hat auch Material für den Bau eines mobilen Krankenhauses an Bord.

Diskussionen gibt es, weil befürchtet wird, die deutschen Soldaten könnten auf Kindersoldaten treffen.

Doch nachdem über 16.000 Kinder- und Jugendliche entwaffnet werden, minimiert sich das Risiko.

Der Einsatz der EUFOR RD CONGO ist auf die Hauptstadt Kinshasa konzentriert, das "politische Gravitationszentrum" des Landes und damit auch die instabilste Region.

Hier eine deutsche Patrouille kurz vor dem erstan Wahlgang.

Im Stützpunkt: Zelte, Wäscheleinen, Leben auf engstem Raum.

Die Straßen in Kinshasa.

Im Zuge der Wahlkämpfe der beiden Kontrahenten Joseph Kabila und Jean-Pierre Bemba kommt es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen.

Und mittendrin die europäischen Soldaten.

Der erste Wahlgang am 30.Juli 2006 endet ohne eindeutiges Ergebnis. Keiner der Kandidaten bekommt die absolute Mehrheit. Somit verlängert sich der Einsatz der Soldaten bis mindestens Ende Oktober 2006. Dann wird es eine Stichwahl geben. Kosten für den Einsatz bisher: über 50 Mio Euro.

Die Operationen Enduring Freedom (OEF) und Active Endeavour (OAE).

Beide sind eine direkte Antwort auf die Terroranschläge des 11. September 2001 auf das World Trade Center. Der NATO-Rat beschließt den Bündnis-Fall, sieht den Anschlag als "Angriff auf alle".

Unter amerikanischer Leitung operiert die deutsche Marine am Horn von Afrika und im Mittelmeer. Mit dabei sind auch französische, italienische und pakistanische Verbände.

Ziel der Missionen ist es, die Seeverbindungslinien im Operationsgebiet zu kontrollieren und den Seeverkehr zu dokumentieren.

Der Transport von "Personen und Gütern (Waffen, Munition, Drogen), die der Unterstützung des internationalen Terrorismus dienen" soll verhindert werden.

Als Stützpunkt bei der OEF dient der deutschen Marine der Hafen Djibouti,...

...streng bewacht von Soldaten.

Auf dem Meer am Horn von Afrika kontrolliert die Marine ein Gebiet, das acht Mal so groß ist wie die Bundesrepublik. Es umfasst das Rote Meer, den Golf von Aden,...

...die Arabische See, den Golf von Oman bis hin zur Straße von Hormus.

Außerdem fahren die Schiffe Patrouille entlang der Küste von Somalia.

Und immer wieder bringen die Soldaten Waffenschmuggler auf.

Die UN-Mission UNMEE (United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea) in Äthiopien und Eritrea.

Zwischen den beiden "Armenhäusern Afrikas" herrschte lange Krieg.

Die UN-Soldaten kontrollieren das im Jahr 2000 geschlossene "Abkommen von Algier", das den Frieden regelt.

Außerdem räumen die Truppen Minen.

Die Bundeswehr unterstützt die UNMEE-Mission mit zwei Militärbeobachtern.

Nur einen deutschen Militärbeobachter gibt es bei der UNAMA, die in Afghanistan rechtsstaatliche Strukturen ausbaut.

Dafür sind 36 deutsche Soldaten im Sudan eingesetzt. Und zwar im Zuge der UN-Mission UNMIS (United Nations Mission in Sudan). Bei der zweiten UN-Mission im Sudan, der AMIS (African Union Mission in Sudan), hat die deutsche Bundeswehr keine Soldaten stationiert, unterstützt die Mission aber mit der Luftwaffe.

Der Auftrag der deutschen Soldaten im Zuge der UNMIS lautet,...

...UN-Projekte in der Region zu organisieren, die Entwaffnung und Reintegration von Bürgerkriegskämpfern zu leiten,...

...humanitäre Aufgaben...

...zu erfüllen und die Regierung beim Aufbau einer Zivilpolizei zu unterstützen.

Die elfte Mission mit deutscher Beteiligung: die UNOMIG (United Nations Observer Mission in Georgia). Die Mission dient der Entschärfung des Konfliktes zwischen Georgiern und Abchasen. Letztere hatten sich 1992 als von Georgien unabhängig erklärt. Als Folge gab es Krieg.

Eine Soldatin verteilt Schulmaterial an Kinder.

Zurzeit stellt die Bundeswehr in Georgien drei Militärbeobachter, drei Ärzte und fünf Sanitäter.

In Deutschland stationiert ist der STRATAIRMEDEVAC, ein strategischer und taktischer Verwundeten-Lufttransport. 42 Spezialisten der Bundeswehr stehen in Bereitschaft, um verwundete Soldaten aus den Krisengebieten zu holen.

Die Zahl der Auslandseinsätze der Bundeswehr wird sich nun wohl erhöhen. (Text: Jochen Müter)

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.