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Freitag, 13. Oktober 2017

Showdown im deutschen Herbst: Die Entführung der "Landshut"

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Es ist der 13. Oktober 1977. Die Rote Armee Fraktion hält die Bundesrepublik Deutschland in Atem. (Foto: imago/Sven Simon)

Es ist der 13. Oktober 1977. Die Rote Armee Fraktion hält die Bundesrepublik Deutschland in Atem.

Es ist der 13. Oktober 1977. Die Rote Armee Fraktion hält die Bundesrepublik Deutschland in Atem.

Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer ist seit fünf Wochen in der Hand der RAF.

Am frühen Nachmittag bringen vier Palästinenser einen deutschen Ferienflieger auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt/Main in ihre Gewalt.

Die Entführer wollen die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen um Andreas Baader und Gudrun Ensslin freipressen. Außerdem fordern sie 15 Millionen US-Dollar.

Anführer der Gruppe ist der 23-jährige Zohair Youssif Akache, der sich "Kapitän Mahmud" nennt.

Die Terroristen lotsen den Flug mit der Nummer LH181 zunächst nach Rom.

Es geht weiter über Larnaka auf Zypern auf die Arabische Halbinsel nach Bahrain und Dubai. Mehrere Länder verweigern der Maschine die Landeerlaubnis.

Die Bedingungen an Bord werden jeden Tag schlimmer, die Passagiere sitzen in der aufgeheizten Maschine, bekommen kaum Essen, nur wenig Wasser, dürfen nicht zur Toilette.

Hinzu kommt die Todesangst vor den brutal und unberechenbar agierenden Entführern.

In Aden im Südjemen ermordet Akache Flugkapitän Jürgen Schumann, weil er nach der Inspektion des Fahrwerks nicht sofort ins Flugzeug zurückkehrt.

Am 17. Oktober erreicht die "Landshut" schließlich die somalische Hauptstadt Mogadischu.

Es entwickelt sich ein Nervenkrieg. Die Entführer setzen ein Ultimatum bis 15 Uhr, das später bis zum Morgen des 18. Oktobers verlängert wird.

Freiheit für die RAF-Terroristen oder die Maschine werde gesprengt, so die Drohung.

Parallel bereitet die Regierung Schmidt die "Operation Feuerzauber" vor. Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski handelt bei der somalischen Regierung die Genehmigung dafür aus.

Kurz nach Mitternacht stürmt ein GSG-9-Kommando unter der Führung von Ulrich Wegener die "Landshut" (im Bild: Wegener bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes).

Die Geiselnehmer sind überrascht. Der Grenzschutz-Spezialeinheit gelingt es, alle noch lebenden Entführten zu befreien (das Bild zeigt ihre Ankunft in Frankfurt am 18. Oktober).

Eine Stewardess wird leicht verletzt, ein GSG-9-Beamter wird angeschossen.

Drei der vier Terroristen kommen ums Leben. Die einzige Überlebende, Souhaila Andrawes, hebt noch schwerverletzt auf der Trage die Hand zum Victory-Zeichen.

Andrawes wird später für die Tat verurteilt, verbüßt aber nur wenige Jahre der Strafe. Heute lebt sie in Oslo.

Die Bundesrepublik lässt die RAF-Terroristen nicht frei. Noch in der Nacht der Befreiung der "Landshut" nehmen sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in Stammheim das Leben.

Die Passagiere kehren körperlich unversehrt zurück.

Bundeskanzler Helmut Schmidt hatte für den Fall des Scheiterns sein Rücktrittsschreiben schon in der Schublade.

Die Boeing 737 fliegt noch jahrelang im Passagierdienst der Lufthansa und wird 1985 verkauft.

Anschließend wird sie bei sechs weiteren Gesellschaften im Fracht- und Passagierdienst eingesetzt, bis sie 2008 endgültig außer Dienst gestellt wird.

Im Mai 2017 kauft die Bundesregierung die Maschine. die auf dem brasilianischen Flugplatz Fortaleza vor sich hin rostet, zum Schrottwert von etwa 20.000 Euro.

An Bord einer Antonow An-124 wird sie demontiert nach Friedrichshafen gebracht.

Dort soll die Maschine mit dem weltberühmten Namen nach einer umfangreichen Restaurierung im Dornier-Museum ausgestellt werden. (sba)

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