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Donnerstag, 03. August 2017

Entführt im Deutschen Herbst: Die Geschichte der "Landshut"

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40 Jahre nach ihrer Entführung kehrt die Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Deutschland zurück. (Foto: dpa)

40 Jahre nach ihrer Entführung kehrt die Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Deutschland zurück.

40 Jahre nach ihrer Entführung kehrt die Lufthansa-Maschine "Landshut" nach Deutschland zurück.

Die Boeing war am 13. Oktober 1977 von vier Palästinensern entführt worden, die damit RAF-Mitglieder freipressen wollten, die in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim inhaftiert waren.

Die Flugzeugentführung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer. Beide Aktionen sind die zentralen Ereignisse im sogenannten "Deutschen Herbst" von 1977.

Die "Rote Armee Fraktion" war eine westdeutsche Terrorgruppe, die für Mordanschläge an Politikern, hochrangigen Beamten und Wirtschaftsvertretern in der Bundesrepublik verantwortlich war.

Die RAF wollte, wie es in einem Aufruf in der Zeitschrift "Agit 883" vom Juni 1970 hieß, "DIE KLASSENKÄMPFE ENTFALTEN", "DAS PROLETARIAT ORGANISIEREN" und "MIT DEM BEWAFFNETEN WIDERSTAND BEGINNEN".

Tatsächlich verübte die Gruppe 33 Morde und verletzte über 200 Menschen bei Anschlägen und Banküberfällen - hier das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Heidelberg nach einem Anschlag mit einem Toten und mehreren Verletzten im Mai 1972.

Erst 28 Jahre nach ihrer Gründung, im März 1998, verkündete die dritte Generation der RAF die Selbstauflösung der "Stadtguerilla".

Im Jahr 1977 sollten mit der "Offensive 77", wie die RAF sie nannte, mehrere Terroristen freigepresst werden, darunter Andreas Baader (l.), Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe.

Alle drei sowie weitere RAF-Mitglieder waren bereits 1972 verhaftet worden (hier ein Bild der Festnahme von Andreas Baader).

Im April 1977 wurden Baader, Ensslin und Raspe zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Ulrike Meinhof, die ebenfalls zur Gründergeneration der RAF gehörte, hatte sich 1976 in ihrer Zelle in der JVA Stammheim das Leben genommen.

Nach Meinhofs Tod wurde das verurteilte RAF-Mitglied Irmgard Möller nach Stammheim gebracht.

Ein "Kommando Ulrike Meinhof" ermordete am 7. April 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback, seinen Fahrer sowie den Chef der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft.

Am 30. Juli wurde der Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, ermordet.

Der eigentliche Deutsche Herbst begann am 5. September mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer. Drei Polizisten sowie Schleyers Fahrer wurden dabei erschossen.

Die Entführer verlangten die Freilassung von insgesamt elf inhaftierten RAF-Mitgliedern.

Die Bundesregierung um Kanzler Helmut Schmidt lehnte dies ab. Noch zwei Jahre zuvor waren nach der Entführung des Berliner CDU-Chefs Peter Lorenz fünf Terroristen freigelassen worden.

Um den Druck zu erhöhen, entführten vier Palästinenser am 13. Oktober die "Landshut".

An Bord waren hauptsächlich Urlauber: Die Lufthansa-Maschine war auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt.

Anführer der Gruppe war der 23-jährige Zohair Youssif Akache, der sich "Kapitän Mahmud" nannte.

Nach einigen Zwischenstopps erreichte das Flugzeug (hier auf dem Flughafen von Dubai) Aden, die Hauptstadt des damaligen Südjemen. Da die Landebahn blockiert war, musste Kapitän Jürgen Schumann die Maschine im Sand notlanden.

Um zu prüfen, ob das Fahrwerk intakt war, ließen die Entführer Schumann (Foto) das Flugzeug verlassen. Da der Pilot ihrer Ansicht nach zu lange weg war, tötete "Kapitän Mahmud" ihn nach seiner Rückkehr mit einem Schuss in den Kopf.

Am 17. Oktober flog die "Landshut" weiter nach Mogadischu in Somalia. Die Entführer setzten der Bundesregierung ein Ultimatum bis 15 Uhr am selben Tag, um die RAF-Mitglieder zu entlassen. Ansonsten würden sie das Flugzeug sprengen.

Dieses Ultimatum wurde bis zum frühen Morgen des 18. Oktober verlängert. Kurz vor dem Auslaufen der Frist stürmte ein Kommando der GSG-9 die Maschine. Drei der palästinensischen Terroristen wurden getötet, eine, Souhaila Andrawes (Bild), überlebte verletzt.

Alle Passagiere und die Crew überstanden die Befreiung unversehrt (das Bild zeigt ihre Ankunft in Frankfurt). Eine Stewardess wurde leicht verletzt, ein GSG-9-Beamter wurde angeschossen.

Raspe, Ensslin und Baader nahmen sich noch in derselben Nacht das Leben. Möller ist die einzige Überlebende des kollektiven Suizids von Stammheim. Sie wurde mit Messerstichen gefunden und konnte gerettet werden.

Dass es Selbstmord war – beziehungsweise, in ihrem Fall, sein sollte – bestreitet Möller allerdings. "Das hätte unserer Moral widersprochen", sagte sie 2006 im Interview mit einem linksradikalen Blatt.

Die "Landshut" wurde repariert und von der Lufthansa bis 1985 genutzt. Danach wurde sie von mehreren Fluggesellschaften verwendet, zuletzt von der brasilianischen TAF.

Im Mai 2017 kaufte die Bundesregierung die Boeing 737-200 für rund 20.000 Euro. Der Kaufpreis entspricht dem Schrottwert der Maschine.

Das Flugzeug wurde im September 2017 in Einzelteile zerlegt...

... und nach Deutschland gebracht, um es zu restaurieren und im Dornier-Museum in Friedrichshafen auszustellen.

Die "Landshut" habe es verdient, "in Deutschland eine letzte und würdige Heimat zu finden", sagte Außenminister Sigmar Gabriel Ende Juli der "Bild"-Zeitung. Ihre Geschichte sei "hochaktuell in Zeiten, in denen ein ganz anderer Terrorismus unser friedliches Zusammenleben bedroht".

Die Botschaft der Landshut laute: "Wir lassen uns nicht unterkriegen."

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