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Dienstag, 07. Juli 2015

Anstehen für 120 Euro Rente: Die Gesichter der griechischen Krise

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Sie stehen vor den Banken des Landes und warten. (Foto: REUTERS)

Sie stehen vor den Banken des Landes und warten.

Sie stehen vor den Banken des Landes und warten.

Anfangs lief das mitunter chaotisch ab, ...

... mittlerweile werden von vielen Banken Wartenummern ausgegeben.

Für Rentner, die häufig keine Bankautomatenkarte haben, öffnen rund 1000 griechische Bank-Filialen.

Wenn sie dann an der Reihe sind, dürfen sie 120 Euro abheben.

Dabei finanzieren viele Rentner ihre arbeitslosen Kinder oder Enkel mit.

Nach den Kürzungen der letzten Jahren haben die griechischen Rentner seit 2009 mehr als 30 Prozent ihrer Bezüge verloren.

Die Durchschnittsrente beträgt heute offiziellen Angaben zufolge 664,69 Euro. 44,8 Prozent der Rentner erhalten Bezüge, die unter der Armutsgrenze liegen.

Die Gläubiger wollten in der jüngsten Verhandlungsrunde weitere, indirekte Kürzungen durchsetzen.

Trotzdem waren die Griechen über 65 Jahren die einzige Altersgruppe, in der es keine Mehrheit für das Nein zu den Sparauflagen der "Institutionen" gab.

Allerdings haben noch immer 44,9 Prozent der über 65-Jährigen beim Referendum am Sonntag ihr Kreuz hinter "Όχι" gemacht.

Zumindest jene, die am Montag nach dem Referendum vor dieser Filiale der Nationalbank in Athen warten, feiern den Ausgang des Referendums nicht.

Anders ihre - meist jüngeren - Landsleute am Sonntagabend.

An diesem Abend sagte Finanzminister Yanis Varoufakis im griechischen Fernsehen, das Mandat, das die Wähler ihm erteilt hätten, "ruft nicht nach einem Bruch mit Europa, sondern verleiht mir eine größere Verhandlungsmacht".

Bundeskanzlerin Angela Merkel, von der viele in Griechenland eine Lösung der Krise erhoffen, sieht das anders.

Ihren Sprecher lässt sie am Montag sagen, angesichts des Referendums gebe es "zurzeit nicht die Voraussetzungen, um in Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm einzutreten".

Am Abend sagt Merkel nach einem Treffen mit dem französischen Präsidenten François Hollande, jetzt müsse der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras Vorschläge "für ein mittelfristiges Programm" vorlegen, "das auch Griechenland wieder zu Prosperität und Wachstum führt".

Yanis Varoufakis ist zu diesem Zeitpunkt längst zurückgetreten ...

... und mit dem Motorrad und seiner (unbehelmten) Frau fortgebraust.

Die von Merkel geforderten Vorschläge muss nun sein Nachfolger Euklid Tsakalotos vorlegen.

Tsipras hat sich für die neuen Verhandlungen, von denen am Montag noch nicht einmal klar ist, ob sie überhaupt beginnen, schon einmal Rückendeckung besorgt: Die Chefs der griechischen Parteien (mit Ausnahme der Kommunisten und Faschisten) geben ihm ein Verhandlungsmandat für die sofortige Wiederherstellung der Liquidität der griechischen Banken.

Das ist auch bitter nötig.

Die Touristen bekommen von der Krise nicht viel mit.

Sie dürfen an den griechischen Bankautomaten unbeschränkt Geld abheben - was in der Praxis nicht viel heißt, da viele Automaten bereits leer sind.

Das Auswärtige Amt rät Griechenland-Urlaubern daher, ausreichend Bargeld mitzunehmen - möglichst in kleinen Scheinen.

Das hilft auch den Griechen.

Allerdings wird das Geld der Urlauber kaum reichen, die griechische Wirtschaft liquide zu halten.

Und wenn kein Geld mehr da ist? Dann wird der Staat sich gezwungen sehen, Schuldscheine auszugeben, sagt der in Berlin lehrende US-Ökonom Mark Hallerberg im Interview mit n-tv.de.

Theoretisch sei es möglich, dass dies dann nur eine Übergangslösung ist.

"Aber realistischerweise führt eine Parallelwährung zu einer neuen Drachme und schließlich dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone", so Hallerberg.

Die Wahrscheinlichkeit sei hoch: "Wenn es nicht sehr bald einen Durchbruch gibt, fällt Griechenland aus der Eurozone. Das ist für alle Beteiligten ein schlechtes Szenario."

Bereits jetzt wurden die 60 Euro, die jeder Grieche täglich aus dem Geldautomaten holen darf, praktisch auf 50 Euro reduziert, weil vielerorts die Zehn-Euro-Scheine ausgingen.

Und so warten die jüngeren Griechen weiter vor dem Geldautomaten, ...

... während die Älteren an den Eingängen der Bankfilialen stehen, die für sie öffnen.

Eine demütigende Erfahrung, ...

... der sich selbst gebrechliche Rentner aussetzen müssen.

Diese Frau wird von einem Bankangestellten mit Wasser versorgt.

Eine Woche lang müssen die Rentner mit den 120 Euro auskommen, die sie abheben dürfen.

Hallerberg sagt es so: Die wirtschaftlich schwächsten Griechen "werden von einem wirtschaftlichen Tsunami getroffen".

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