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Dschihad ohne Kompromiss: Die Hamas

 
Dschihad ohne Kompromiss: Die Hamas

Das Wappen der Hamas zeigt zwei gekreuzte Schwerter, den Felsendom und eine Karte des historischen Palästina - also Gazastreifen, Westjordanland und heutiges Israel.

Die Karte steht für die Ziele der Hamas: die Vernichtung Israels durch den "Dschihad", die Eroberung Palästinas, die Errichtung eines islamischen Staates vom Jordan bis zum Mittelmeer.

Die Hamas nennt sich in ihrer Charta zwar "menschenfreundlich". Doch gilt dies nur, wenn die islamische Dominanz durchgesetzt ist. Nur in einem islamischen Staat könnten Muslime, Christen und Juden friedlich zusammenleben.

Symbol der Hamas ist denn auch die grüne Flagge des Islam.

"Sicherheit gibt es nur im Schatten des Islam", heißt es in der Charta, die angefüllt ist mit primitiven antisemitischen Glaubenssätzen. So standen "die Feinde" laut Hamas-Charta "hinter der Französischen und der Kommunistischen Revolution ...

... und hinter den meisten Revolutionen, von denen wir hier und da hören". Auch die Freimaurer, Rotarier und Lions Clubs sind in der Weltsicht der Hamas nur Werkzeuge der Juden.

Der Hamas zufolge gründeten die Juden den Völkerbund, "um die Welt über diese Organisation zu beherrschen; sie standen auch hinter dem Zweiten Weltkrieg" sowie hinter der Gründung der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrates.

"Es gab keinen Krieg, der irgendwo ausgebrochen ist, ohne ihren Fingerabdruck darauf", heißt es in Artikel 22 der Hamas-Charta.

Artikel 32 geht so weit, die "Protokolle der Weisen von Zion" als historische Quelle zu zitieren - eine antisemitische Fälschung vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die auch in der Weltsicht von Neonazis ihren Platz hat.

Apropos Nazis: Trotz gewisser antisemitischer Gemeinsamkeiten taucht der Ausdruck "Nazi" gleich vier Mal in der englischen Übersetzung der Hamas-Charta auf; so als "Nazismus der Juden", der Frauen und Kinder nicht verschone.

Diese Botschaft wird nicht nur in Gaza verstanden. (Das Bild zeigt Teilnehmerinnen einer Demonstration in Istanbul.)

Der Name der Hamas ist aus einem Kürzel für die arabische Bezeichnung "Islamische Widerstandsbewegung" gebildet. Zugleich bedeutet "Hamas" im Arabischen "leidenschaftlicher Eifer" oder "Begeisterung".

Die Hamas entstand im Gazastreifen unter Führung von Scheich Ahmed Jassin ...

... kurz nach Beginn der ersten Intifada 1987 als Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft, die ebenfalls eine islamische Staats- und Gesellschaftsordnung anstrebt.

"Zu Recht wird vermutet", schreibt das "Nahostlexikon", dass Israel "ursprünglich der Entstehung der Hamas wohlwollend gegenüberstand, da es sich davon eine Schwächung des palästinensischen Widerstands und der PLO erhoffte".

Diese Behauptung ist eine Legende, die auf Jassir Arafat zurückgeht - mit ihr wollte er die Hamas diskreditieren. Tatsache ist, dass die Hamas seit ihrer Gründung nicht nur extrem nationalistisch, sondern auch islamistisch ist und sich damit gegen die PLO stellte.

Das historische Palästina sieht die Hamas "von Anbeginn und bis zum Tag des Jüngsten Gerichts" als "Waqf", als göttliche Stiftung.

Daher könne niemand auf Palästina oder Teile davon verzichten, heißt es in der Hamas-Charta von 1988. In der Praxis bedeutet dies, dass eine Anerkennung Israels, wie die PLO sie im selben Jahr zumindest faktisch vollzog, ...

... aus Sicht der Hamas ein Verstoß gegen den göttlichen Willen ist.

Für die Hamas ist ein Strategiewechsel in Richtung Pragmatismus damit so gut wie ausgeschlossen. Das Mittel der Hamas zur "Befreiung" Palästinas sind nicht Kompromisse oder Verhandlungen, sondern der "Heilige Krieg".

Seit ihrer Gründung widmet sich die Hamas sozialen Aufgaben, unterhält Kindergärten, Schulen und Suppenküchen und sichert sich so den Rückhalt bei verarmten Palästinensern - von denen es gerade im Gazastreifen viele gibt.

Von Anfang an setzte Scheich Jassin auf den bewaffneten Kampf. 1984 wurde er wegen Waffenbesitzes von israelischen Sicherheitskräften verhaftet. Nach elf Monaten kam er im Rahmen eines Gefangenenaustausches frei.

Auf Terror spezialisiert sind die 1991 gegründeten Issedin-al-Kassam-Brigaden der Hamas, denen nach palästinensischen Schätzungen bis zu 30.000 Mann angehören.

Am 16. April 1993 sprengte sich der erste Hamas-Terrorist selbst in die Luft. Seither schickte die Hamas Hunderte Selbstmordattentäter auf ihre blutige Mission.

Dritte Säule der Hamas neben Wohlfahrt und Terror ist die Islamische Universität von Gaza, die 1978 aus einem islamischen Zentrum hervorging, das Scheich Jassin fünf Jahre zuvor gegründet hatte.

Die Universität wurde am 28. Dezember bei israelischen Luftangriffen zerstört. Ein israelischer Armeesprecher sagte, das Universitätsgelände sei zur Entwicklung von Raketen, Sprengstoff und elektronischem Gerät benutzt worden.

Der Hamas-Strategie von Politik, Sozialarbeit, Bildung und Terror hatte Israel nichts entgegenzusetzen. Scheich Jassin wurde im Mai 1989 erneut von Israel festgenommen, zusammen mit 250 weiteren Hamas-Aktivisten.

Nach dem gescheiterten israelischen Anschlag in Amman auf den Auslandschef der Hamas, Chaled Maschaal, ...

... wurde Jassin 1997 auf Druck Jordaniens wieder entlassen; die Hamas war stärker als zuvor.

Anfang 2004, nachdem Scheich Jassin persönlich einen Selbstmordanschlag am Kontrollpunkt Eres befohlen hatte (eine Frau führte ihn aus, die nach einem Ehebruch so ihre Ehre wiederherstellen sollte), ...

... beschloss die israelische Regierung, den Hamas-Chef zu töten. Am 22. März 2004 feuerte ein israelischer Hubschrauber drei Raketen auf ihn ab.

Nicht einmal einen Monat später tötete die israelische Armee auch Jassins Nachfolger, den Hamas-Mitbegründer Abd al-Aziz al-Rantisi.

Heute wird die Hamas von Ismail Hanijah geführt.

Politischer Chef der Hamas ist Chaled Maschaal, der im Exil in der syrischen Hauptstadt Damaskus lebt.

Finanzen und wohl auch Waffen kommen hauptsächlich aus dem Iran, dem ideologisch engsten Verbündeten der Hamas.

Im Sommer 2005 zog Israel komplett aus dem Gazastreifen ab: Die Armee verließ das kleine Küstengebiet, gegen den Widerstand der Siedler wurden zudem alle Siedlungen geräumt. Die Hamas feierte den Rückzug als Sieg.

Seither haben militante Palästinenser nach Angaben des israelischen Militärs Tausende Kassam-Raketen und Mörsergranaten auf israelisches Territorium geschossen.

Im Januar 2006 gewann die Hamas die Wahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten und erhielt 76 von 132 Sitzen im palästinensischen Parlament - eine Regierung ohne die Hamas wurde unmöglich.

Präsident war jedoch weiterhin Mahmud Abbas von der Fatah, der führenden Gruppierung in der PLO.

Der Machtkampf zwischen Fatah und Hamas zog sich über Monate. Hunderte Palästinenser wurden dabei getötet. Alle Versuche, einen Kompromiss auszuhandeln, scheiterten kläglich.

Im Februar 2007 handelten Abbas (r) sowie Maschaal (M) und Hanijah (l) unter saudi-arabischer Vermittlung in Mekka einen Waffenstillstand aus. Die Kämpfe gingen dennoch weiter.

Im Juni 2007 übernahm die Hamas nach kurzem Bruderkrieg mit der Fatah gewaltsam die Kontrolle im Gazastreifen. Seither herrscht Abbas nur noch im Westjordanland, der Gazastreifen wird durch Israel weitgehend blockiert. (Bilder: AP, rts)

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