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"Der Spediteur des Todes": Die Hinrichtung von Adolf Eichmann

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Genau 50 Jahre ist es her. In der Nacht zum 31. Mai 1962 vollstreckt Israel zum einzigen Mal in seiner Geschichte die Todesstrafe. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Genau 50 Jahre ist es her. In der Nacht zum 31. Mai 1962 vollstreckt Israel zum einzigen Mal in seiner Geschichte die Todesstrafe.

Genau 50 Jahre ist es her. In der Nacht zum 31. Mai 1962 vollstreckt Israel zum einzigen Mal in seiner Geschichte die Todesstrafe.

Im Garten des Gefängnisses von Ramleh wird der NS-Verbrecher Adolf Eichmann, einer der Hauptverantwortlichen des Holocaust, erhängt.

Wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk, gegen die Menschheit sowie wegen Kriegsverbrechen.

Das Verfahren gegen Eichmann erregt weltweit Aufsehen ...

... und stellt einen Meilenstein in der Aufarbeitung des Massenmordes an den Juden dar.

"Der Prozess und die Hinrichtung waren wie eine Therapie für eine ganze Gesellschaft", meint der Historiker Tom Segev.

"Als der Prozess anfing, wurde das bis dahin in Israel herrschende Schweigen über den Holocaust gebrochen, als ob sich auf einmal eine große Wunde öffnet", so Segev.

Anders als bei den Nürnberger Prozessen steht hier nicht nur einer der perfidesten NS-Kriegsverbrecher vor Gericht.

Knapp 16 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen erstmals die Opfer des Holocaust ein Gesicht und eine Stimme, …

… die Überlebenden werden zu Anklägern und Richtern ...

... und das jahrelange Schweigen über die Gräueltaten der Nationalsozialisten findet ein Ende. (Zuschauer im Gerichtssaal)

Mehr als 110 Zeugen berichten von ihren traumatischen Erlebnissen in den Konzentrationslagern, ...

... erzählen von Gaskammern, Genickschüssen, Massengräbern, Todesqualen, aber auch von Rebellion und Widerstand.

"Zuhören ist Folter", notiert Chefankläger Gideon Hausner. Immer wieder fallen Zuschauer in Ohnmacht.

Eichmann führt schon bei der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942, auf der die Vernichtung der europäischen Juden koordiniert wurde, Protokoll.

Als Leiter des so genannten "Eichmannreferats" ist er im Reichssicherheitshauptamt für die Organisation der Vertreibung und Deportation der Juden aus Deutschland und den besetzten europäischen Ländern zuständig.

Er regelt die Transporte, überwacht die Einhaltung der Fahrpläne sowie die Zusammenstellung und "Auslastung" der Todeszüge, …

… mit denen Millionen Juden in die Konzentrationslager transportiert und dort ermordet werden.

Bis heute gilt Eichmann als Inbegriff des Schreibtischtäters. "Er hob den Telefonhörer und Eisenbahnwagen fuhren los in Richtung Vernichtungslager", so Hausner. Eichmann sei ein "Herrscher über Leben und Tod" gewesen.

Um die Vernichtungsmaschinerie auf grausame Art zu perfektionieren, besucht Eichmann unter anderem Auschwitz und Treblinka …

… und beobachtet den von ihm organisierten Massenmord in den Gaskammern.

Nach dem Ende des Krieges taucht der ehemalige SS-Obersturmbannführer als Holzfäller Otto Henninger zunächst in Niedersachsen unter. (Hier als 3. v.l. oben in Altensalzkoth im September 1947).

Wie viele der gesuchten NS-Kriegsverbrecher setzt er sich dann, mit Hilfe katholischer Geistlicher aus dem Vatikan, nach Argentinien ab. (In seiner Gefängniszelle)

Dort lebt er unter dem Namen Ricardo Klement ...

... zusammen mit seiner Frau und seinen vier Kindern. (Ehefrau Vera mit Sohn Ricardo)

Aus 2006 veröffentlichten CIA-Akten geht hervor, dass sowohl der US-amerikanische Geheimdienst als auch der BND bereits 1958 von dem Aufenthaltsort Eichmanns gewusst haben sollen.

Aber es sind Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad, die 1960 zugreifen – allerdings erst nach langem Zögern. (Links: Der Mossad-Agent Zvi Aharoni)

Als sie die ärmlichen Umstände sehen, in denen Eichmann lebt, glauben sie nicht, dass es sich um einen der wichtigsten Nazis handeln könne. (Eichmann in seiner Zelle)

Erst der Vergleich seines heimlich fotografierten linken Ohres mit alten Aufnahmen enttarnt den Drahtzieher des Holocaust.

Da zu der Zeit kein Auslieferungsabkommen zwischen Argentinien und Israel existiert, entführen die Fahnder Eichmann, ...

... setzen ihn unter Drogen und fliegen ihn nach Israel aus. (Untersuchung im Gefängnis)

Dort wird dem "Spediteur des Todes" neun Monate lang der Prozess gemacht. Chefankläger Hausner (stehend) eröffnet diesen am 11. April 1961 in Jerusalem mit den Worten: ...

... "Ich stehe nicht allein. Mit mir stehen an dieser Stelle und zu dieser Stunde sechs Millionen Ankläger."

Mit Eichmann steht genau der Richtige vor Gericht, ist sich der damalige stellvertretende Ankläger, Gabriel Bach, sicher.

"Hätte man mir gesagt, du kannst EINEN Menschen haben, um ihn vor Gericht zu stellen – gar kein Zweifel, dass ich Eichmann gewählt hätte. …

… Der Mann, der war wirklich verantwortlich für alle Aspekte der Durchführung des Judenmordes", so Bach.

Eichmann aber ist sich keiner juristischen Schuld bewusst. (Eichmanns Tagebücher)

In einem seiner Gespräche mit seinem deutschen Anwalt Robert Servatius erklärt Eichmann: "Mein Gewissen ist rein". Er habe nicht getötet.

Wie die meisten Nazis beruft er sich darauf, nur Befehle ausgeführt zu haben.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes sehe er die Vergangenheit jedoch "mit völlig anderen Augen".

Die Totalitarismusforscherin und Jüdin Hannah Arendt verfolgt den Prozess von April bis Juni und schreibt Reportagen für den "New Yorker".

Ihre Formulierung, Eichmann ziehe ein "Fazit von der furchtbaren 'Banalität des Bösen', vor der das Wort versagt und an der das Denken scheitert", wird bis heute kontrovers diskutiert.

Sein Gefängnisaufseher und späterer Henker, Schalom Nagar, meint: "Wenn ich nicht gewusst hätte, was er getan hat, hätte ich vielleicht gedacht, er sei ein Heiliger." Stets sei er höflich gewesen, am Tag seines Todes habe er gefasst gewirkt. Nach der Hinrichtung wird Eichmanns Asche außerhalb der jüdischen Hoheitsgewässer im Mittelmeer verstreut.

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