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Der Provokateur aus Teheran: Die Karriere des Mahmud Ahmadinedschad

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Bei der Präsidentenwahl 2005 sorgt der bis dahin unbekannte Mahmud Ahmadinedschad für eine faustdicke Überraschung. (Foto: REUTERS)

Bei der Präsidentenwahl 2005 sorgt der bis dahin unbekannte Mahmud Ahmadinedschad für eine faustdicke Überraschung.

Bei der Präsidentenwahl 2005 sorgt der bis dahin unbekannte Mahmud Ahmadinedschad für eine faustdicke Überraschung.

Er siegt haushoch gegen einen der mächtigsten Männer des Landes, ...

... gegen Hashemi Rafsandschani.

Ahmadinedschad wird Führer der sogenannten Dritten Welle, eine Alternative zu den zwei klassischen Fraktionen der Konservativen und Reformer.

Vier Jahre später wird er wiedergewählt, erneut mit deutlichem Vorsprung, obwohl diese Wahl von Vorwürfen der Manipulation überschattet war.

Seine Anhänger jedoch, die meisten von ihnen mit islamistischen Ansichten, sehen in ihm einen Helden.

In seiner achtjährigen Amtszeit sorgt der Bauingenieur für sehr viel Furore, meist aber im negativen Sinne.

Für sie wird er als Initiator des iranischen Atomprogramms in die Geschichtsbücher eingehen.

Unter seiner Präsidentschaft wird das Programm zur Urananreicherung auf 5 Prozent gestartet und später sogar auf 20 Prozent ausgeweitet.

Trotz UN-Sanktionen, die er als "Papierschnipsel" abtut, will er "kein Iota" von dem Atomprogramm abweichen.

"Für seine Anhänger ist diese Politik mutig und gewagt, den Iran treibt sie aber in den Ruin", sagt ein Politologe in Teheran.

Noch kontroverser als die Atompolitik ist seine Einstellung gegenüber Israel.

Zunächst sorgt er für internationale Empörung, als er die "Ausradierung" Israels von der Landkarte des Nahen Ostens fordert.

Danach bezeichnet er den Holocaust als "Märchen", und organisiert eine Holocaustkonferenz in Teheran, an der zahlreiche Antisemiten und auch Neonazis aus Deutschland teilnehmen.

"Mit einer Hetzrhetorik das Land militärischen Drohungen (Israels) auszusetzen, kann definitiv nicht die hohe Kunst der Diplomatie sein", sagt der ehemalige Atomchefunterhändler Hassan Ruhani.

Auch wirtschaftlich macht er große Versprechen. Mit einer Mischung von Eloquenz und Populismus spielte er sich als islamischer Robin Hood auf.

Versprechen an die ärmeren Sozialschichten, wie etwa das Ölgeld direkt in ihre Stuben zu bringen, kommen bei diesen am Anfang auch gut an.

"Nicht nur hat keiner etwas von dem Ölgeld gesehen, dank Robin Hood ist sogar ihr eigenes Geld jetzt nur noch die Hälfte wert", sagt ein iranischer Journalist.

Am Anfang kommt Ahmadinedschads Politik auch im Establishment gut an. Klerus und die konservative Mehrheit im Parlament stehen geschlossen hinter dem Präsidenten und befürworten sogar seine provokanten Aussagen gegenüber dem Ausland.

Das ändert sich spätestens in seiner zweiten Amtsperiode.

"Wir sind politisch und wirtschaftlich am Abgrund, so deutlich muss man das sagen", sagt Mohsen Resaei, einer der unabhängigen Kandidaten in der Präsidentenwahl 2013.

Neben der großen Politik nimmt sich Ahmadinedschad auch Zeit für Details. So setzt er sich zum Beispiel für den Erhalt der persischen Sprache ein. Begriffe wie "Pizza" oder "Handy" werden verboten. Iraner sollen künftig "dehnbarer Laib" oder "Telefon, das man mit sich trägt" sagen.

Ende Juli 2006 schreibt Ahmadinedschad einen Brief an Bundeskanzlerin Merkel. Darin will er seine Gedanken zur Weltpolitik zu Papier bringen. Ein wirres Konvolut voller Antisemitismus und historischer Halbwahrheiten ist das Ergebnis. Berlin ignoriert das Schreiben.

Sänger wie George Michael oder Eric Clapton sind dem iranischen Präsidenten ein Dorn im Auge. Daher untersagt er den staatlichen Radio- und Fernsehsendern die Ausstrahlung westlicher Musik. Die Anordnung richtet sich auch gegen Filme, Fernsehserien und Kommentare.

Nicht nur der Westen, sondern auch die islamische und arabische Welt wenden sich zunehmend von ihm und dem Iran ab.

Am Ende bleibt nur Syrien übrig, das aber selbst in einem Bürgerkrieg versinkt.

Ahmadinedschad investiert auch viel in seine sozialistischen "Brüder" in Lateinamerika, insbesondere die Führer in Bolivien, ...

... Nicaragua und ...

... Venezuela.

Die jedoch bringen den Iran weder wirtschaftlich noch politisch weiter.

Auch die beiden islamischen Supermächte Ägypten und die Türkei wollen von Ahmadinedschad nichts wissen.

Jetzt stehen im Iran Wahlen an und Ahmadinedschad darf laut Verfassung kein drittes Mal antreten.

Sein Lieblingskandidat, Esfandiar Rahim Maschaei, wurde für die Wahlen nicht zugelassen.

Noch peinlicher ist, dass ihm eine Rede zum 24. Todestag des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini untersagt wurde, obwohl dies stets zum Protokoll gehört.

Außerdem sagt keiner der Präsidentschaftskandidaten etwas Positives über ihn. Für sie ist seine Abenteuerpolitik Auslöser der Krise im Land.

Nach Meinung von Beobachtern hat Ahmadinedschad sich zu sehr überschätzt. "Er hat ja mehrmals ernsthaft behauptet, dass der Iran unter seiner Führung die zweite Weltmacht hinter den USA sei", sagt ein ausländischer Diplomat in Teheran.

Gestolpert ist er auch über seine Statistiken, besonders die wirtschaftlichen, die nach Angaben seiner Kritiker meistens nicht der Wahrheit entsprachen.

Die Menschen werfen ihm leere Versprechen vor und kreiden ihm den wirtschaftlichen Druck an, dem sie ausgeliefert sind.

"Die Karriere von Ahmadinedschad ist sehr einfach zusammenzufassen: gefeierter Supermann am Anfang, nicht mehr gewollter Buhmann am Ende", sagt der iranische Journalist. (Text: dpa)

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