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Gold, Korruption, Hass und Machtgier: Die Kongo-Tragödie

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Die Demokratische Republik Kongo rückt wieder ins Blickfeld. Im Osten des flächenmäßig zweitgrößten afrikanischen Landes kontrollieren Rebellen der "Bewegung 23. März" (M23) große Teile des Territoriums. Sie sind vom Volk der Tutsi. (Foto: REUTERS)

Die Demokratische Republik Kongo rückt wieder ins Blickfeld. Im Osten des flächenmäßig zweitgrößten afrikanischen Landes kontrollieren Rebellen der "Bewegung 23. März" (M23) große Teile des Territoriums. Sie sind vom Volk der Tutsi.

Die Demokratische Republik Kongo rückt wieder ins Blickfeld. Im Osten des flächenmäßig zweitgrößten afrikanischen Landes kontrollieren Rebellen der "Bewegung 23. März" (M23) große Teile des Territoriums. Sie sind vom Volk der Tutsi.

Die Provinzen Nord- und Südkivu sind seit Jahren heftig umkämpft. Tausende Menschen verloren bei den militärischen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Rebellengruppen und kongolesischen Regierungstruppen ihr Leben.

Unzugängliche Regenwaldlandschaft im Osten Kongos. Verfeindete Volksgruppen stehen sich gegenüber. Hutu und Tutsi haben sich schon im benachbarten Ruanda bekämpft. 1994 wurden Hunderttausende Tutsi von Hutu-Milizionären regelrecht abgeschlachtet. Es geht bei den Auseinandersetzungen im Kongo auch um Rohstoffe und damit um viel Geld.

Die Demokratische Republik Kongo, die gar nicht demokratisch ist, hat viele Bodenschätzen. Die Kongolesen haben davon nicht viel. Im Gegenteil: Überall dort, wo es Rohstoffe gibt, schwelt der Konflikt ungeachtet geschlossener Friedensabkommen weiter. Verträge werden geschlossen und danach wieder gebrochen.

Blick auf eine Goldmine nahe der Stadt Kamitunga. Neben Gold werden im Osten Kongos auch Diamanten, Kupfer, Kobalt und Zink abgebaut. Heiß begehrt ist Coltan. Dieser Rohstoff ist wichtig für die Herstellung von Handys.

Archivbild aus dem Jahr 2005: Seit Jahren existieren in der Region zahlreiche Flüchtlingslager. Hilfe von der kongolesischen Regierung können sie nicht erwarten. Führende Politiker in der mehr als 1000 Kilometer entfernten Hauptstadt Kinshasa haben ein Interesse an der unsicheren Lage. Sie verdienen mit am Krieg.

M23-Kämpfer in Karuba. Die Gruppierung rekrutiert sich aus Mitgliedern der 2009 aufgelösten Rebellenarmee "Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes" (CNDP). Die M23 wirft der Regierung Kongos vor, sich nicht an den Friedensvertrag gehalten zu haben.

Die Bezeichnung "Bewegung 23. März" bezieht sich auf das Datum, an dem die Integration der CNDP in die kongolesische Armee beschlossen wurde.

Noch immer ist nicht klar, ob sich die Rebellen aus den besetzten Gebieten zurückziehen. Es gibt mehrere Ankündigungen der Kommandeure, die aber noch nicht umgesetzt wurden. Die Lage in Ostkongo ist auch ein Fall für den UN-Sicherheitsrat. Er verlängert die Sanktionen gegen Kongo. Bis 1. Februar 2014 dürfen dorthin keine Waffen geliefert werden.

An Waffen herrscht im Kongo wahrlich kein Mangel. Dieser Kämpfer bewacht den Eingang zur Zentralbank in der Hauptstadt der Provinz Nordkivu, Goma. Die Regierungsarmee hat die Kontrolle nur über wenige Teile des umkämpften Ostens.

Sie unterstützen angeblich die M23. Aber eigentlich ist den Menschen egal, wer in ihrer Provinz das Sagen hat. Sie wollen endlich Frieden und menschenwürdige Lebensbedingungen. Die Regierungstruppen hatten vor ihrem Abzug aus Goma die Stromleitungen der Millionenstadt gekappt.

Großkundgebung der Rebellen in Goma. Viele Menschen gehen aus Angst vor Repressionen hin. Sie "jubeln" dem politischen Führer der M23, Jean-Marie Runiga, zu.

Dieser hat bereits die Schaffung einer politischen Struktur in Nordkivu durch die M23 bekanntgegeben. Runiga, der aus Bukavu stammt, ist auch ein Mann der Kirche. Er hat die Funktion des Koordinators des Hohen Rats der kongolesischen Erweckungskirchen.

Aber die Rebellen stoßen mit ihren Bestrebungen, ihre Macht in Ostkongo dauerhaft zu installieren, auf Widerstand. Kongos Präsident Joseph Kabila (links/mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon) ist natürlich dagegen. Der starke Mann Ruandas, Paul Kagame (rechts), der sich permanent in die Angelegenheiten des riesigen Kongos einmischt, hat die Rebellen unterstützt.

Bereits Kabilas Vor-Vorgänger Mobutu Sese Seko hatte Probleme mit den unruhigen Ostprovinzen. Er sicherte sich lange Zeit seine Macht, indem er die Stämme gegenseitig ausspielte. Der 1997 verstorbene Mobutu war durch und durch korrupt. Während seiner Herrschaft wurde die DVR Kongo 1971 in Zaire umbenannt. Erst nach seinem Tod bekam sie ihre alte Bezeichnung zurück.

Der Konflikt ist nicht nur ein kongolesischer. Auch die Nachbarstaaten mischen kräftig mit. Kabila und sein ugandischer Amtskollege Yoweri Museveni (rechts) bei der Konferenz der Regionalmächte in Kampala. Uganda hatte in der Vergangenheit Truppen in den Kongo geschickt. Nun fürchtet Museveni, dass die Unruhen im Kongo auch sein Land erfassen. Mehrere Stämme haben Angehörige dies- und jenseits der gemeinsamen Grenze.

Im Oktober sind Uganda und Ruanda in einem UN-Bericht schwer belastet worden. Beide Länder werden beschuldigt, die M23 mit Waffen und Rekruten zu unterstützen. Ruanda soll sogar das direkte Kommando über die Rebellen im Kongo übernommen haben. Beide Länder weisen diese Vorwürfe zurück.

Der neue kongolesische Armeechef Francois Olenga gilt als enger Gefolgsmann von Präsident Kabila. Er hat den Befehl, die M23 zu zerschlagen. Olenga war lange Zeit in Deutschland und hat eine Kneipe in Köln betrieben.

Den Regierungstruppen ist es bisher nicht gelungen, die Rebellenorganisation zu zerschlagen. Die Struktur der Armee ist sehr kompliziert. Sie hat in der Vergangenheit Rebellentruppen in ihre Reihen aufgenommen, damit sie nicht mehr kämpfen. Dabei floss auch reichlich Geld.

Die Fluktuation in der Armee ist groß. Viele Soldaten sind unzuverlässig und desertieren, wenn ihnen woanders mehr Geld geboten wird. Andere Soldaten leiden Hunger, weil ihre Versorgung nicht gewährleistet ist.

Zudem besitzt die Regierungsarmee in der Bevölkerung keinen Rückhalt. Auch aus ihren Reihen kommt es zu gewaltsamen Übergriffen gegen Zivilisten.

Plünderungen und Zerstörungen sind an der Tagesordnung. In der kongolesischen Armee spiegelt sich die Situation des Landes wider: Ihre Führung ist korrupt. Der Zustand der Truppen ist katastrophal.

Mitunter bekommen die Soldaten monatelang kein Geld. Ihre Kampfmoral ist dementsprechend. So verwundert es kaum, dass viele Armeeangehörige desertieren und zu den Rebellengruppen wechseln.

Hauptleidtragende des Krieges ist die Zivilbevölkerung. Hunderttausende befinden sich auf der Flucht und müssen in riesigen Lagern kampieren.

Die Schwächsten leiden am meisten. Die Gewaltorgie macht auch vor ihnen nicht halt.

Flüchtlinge an der kongolesisch-ruandischen Grenze. Sie versuchen den Kämpfen zu entkommen. Wenn sie Glück haben, finden sie Unterschlupf in einem Lager.

Eine Frau trägt ihr kleines Kind in Minova, rund 50 Kilometer westlich von Goma. Nur wenige Halbseligkeiten kann sie mitnehmen.

Gespielte Normalität: Die Menschen arrangieren sich mit den M23-Rebellen. Ihnen bleibt auch nichts anderes übrig. Das Leben muss weitergehen.

Dieser Mann bringt sich in Kibati, nördlich von Goma in Sicherheit. Es geht den Menschen um das nackte Überleben.

Ein kongolesischer Soldat munitioniert auf. Bei der Regierungsarmee herrscht in dieser Hinsicht Knappheit, weil der Nachschub nicht ordentlich funktioniert. Deshalb sind auch ihre Verluste hoch. Viele Soldaten lassen an der Front ihr Leben.

Eine M23-Einheit nimmt einen Mann fest, der von Ruanda über die Grenze nach Kongo gekommen ist.

Katastrophal sind die Zustände in einem Krankenhaus in Goma. Die Hygiene ist nicht gewährleistet. Das Hospital ist hoffnungslos überfüllt. Kurzum: Die gesundheitliche Versorgung im Krisengebiet ist denkbar schlecht.

Der fünfjährige Gloire Sebahunde ist einer der vielen Patienten in Goma. Die Ärzte bemühen sich mit ihren beschränkten Mitteln um den Kleinen.

Ein weiteres Kriegsopfer ist der zwölfjährige Promess Bitibo. Seine Wunden werden im Krankenhaus notdürftig versorgt.

Der elfjährige Junior Mutsima ist mit seiner Mutter in der Klinik. Er hat Glück im Unglück und wird "nur" leicht verwundet. Dafür leidet aber seine Psyche umso mehr.

Soldaten der UN-Friedenstruppe Monusco. Sie greifen kurzzeitig in die Kämpfe ein. Die M23 droht daraufhin den Blauhelmsoldaten: "Bisher hat die M23 noch nie Uno-Stellungen vor Ort angegriffen. Das kann sich aber schnell ändern."

Die UN-Einheiten müssen tatenlos zusehen, wie die Rebellen Goma einnehmen. Ihnen fehlen die Mittel und das Mandat für ein stärkeres Engagement.

Um die Blauhelm-Mission Monusco zu stärken, erwägen die Vereinten Nationen den Einsatz unbewaffneter Drohnen zur Überwachung. Dadurch sollen die Zivilisten besser geschützt werden.

Diese Maßnahme, die erst noch beschlossen werden muss, wird wohl nicht viel bringen. Die Menschen leiden weiter. Dieses Foto entstand in einem Camp in Mugunga.

Auch das gibt es: Diese Jungen aus Goma machen das Beste aus ihrer Situation. Eine kleine Insel der Glückseligkeit mitten im Kriegsgebiet.

Neben der M23 operieren auch die sogenannten Mai-Mai-Kämpfer im Osten Kongos. Die unterstehen regionalen Warlords und Stammesältesten.

Die Mai-Mai haben nur einen schwachen Zusammenhalt. Sie treten sehr brutal auf. "Kämpfer sollen sich nicht waschen, sie sollen Frauen vergewaltigen."

Die Einheiten der Mai-Mai operieren nur lokal. So sind sie zur Verteidigung ihrer Gebiete gegen ruandische Kräfte aufgestellt worden.

Sie kämpfen auch gegen Regierungstruppen, die ihre Dörfer angreifen.

Wie geht es weiter mit dem Kongo? Mit Kagame, Museveni und Kabila ist wohl kein Ende des Krieges in Sicht. Sie haben sich mit viel Mühe zu dem Ultimatum an die M23 verständigen können.

Die Freundlichkeit der Teilnehmer der Konferenz von Kampala kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sie für die Lösung der explosiven Lage in Ostkongo keine Lösung parat haben. Im Gegenteil: Einige von ihnen wollen ihren Einfluss dort sichern und werden - direkt oder verdeckt - weiter militärisch mitmischen.

Und Männer wie Runiga haben ihr Ziel noch nicht aufgegeben, einmal ganz über die Demokratische Republik Kongo zu herrschen. Der Weg nach Kinshasa ist zwar weit, aber die Hauptstadt ist nicht unerreichbar.

So wird im riesigen Land weiter gekämpft und gestorben. Es ist zwar reich an Bodenschätzen, aber der überwiegende Teil seiner Menschen ist bettelarm. Über Kongo lastet ein Fluch. (Text: wne)

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