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Das gescheiterte Experiment: Die Prohibition in den USA

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Sie galt als "nobles Experiment" - ...

Sie galt als "nobles Experiment" - ...

Sie galt als "nobles Experiment" - ...

... und scheiterte grandios.

Vor 90 Jahren, am 16. Januar 1919, wurde in den USA das Gesetz zur Einführung der Prohibition unter Präsident Woodrow Wilson ratifiziert.

"Nach Ablauf eines Jahres ? ist die Erzeugung, der Verkauf oder die Versendung alkoholischer Getränke innerhalb des Gebietes der Vereinigten Staaten, ...

... ihre Einfuhr in oder ihre Ausfuhr aus den Vereinigten Staaten und allen Gebieten, die ihrer Hoheit unterstehen, für menschlichen Genuss hiermit verboten", hieß es hier.

Schon zuvor hatte es in vielen Bundesstaaten Prohibitionsgesetze gegeben ...

... und im 1. Weltkrieg erließ das Parlament die so genannte "Kriegsprohibition".

Bereits seit Mitte der 1820er predigte der presbyterianische Pfarrer Lyman Beecher aus Boston in Neuengland totale Abstinenz.

In der Folgezeit traten mehr als eine Million Menschen, meistens Arbeiter, lokalen oder regionalen Abstinenz-Gruppen bei und legten Gelübde ab, keinen Alkohlol oder zumindest keinen "hard liquor" zu trinken.

Während sich besonders irische und deutsche Einwanderer heftig gegen den Zwang zur Nüchternheit wehrten, ?

... setzten sich protestantische Kirchen und die so genannte Anti-Saloon League vehement für die Ächtung von Alkohol ein.

Die Befürworter der Prohibition hatten dabei hehre Ziele.

Sie wollten vor allem "die Demokratie stärken, Kriminalität und Korruption reduzieren, ...

... die Gesundheit verbessern und Suchterkrankungen reduzieren", meint der Ökonom Mark Thornton vom Ludwig-von-Mises-Institut im US-Bundesstaat Alabama.

Alkohol galt vielen Reformern als Quelle der schlimmsten Übel wie Verbrechen, Armut, Misshandlung von Frauen, Prostitution.

Doch Wunsch und Wirklichkeit klafften mal wieder weit auseinander.

Statt einer Stärkung der Demokratie nahm vielmehr der Alkoholmissbrauch unkontrolliert zu, ...

... die Gewaltkriminalität verdoppelte sich in den 13 Jahren der Prohibition.

Allein von 1920 bis 1921 stieg sie um 24 Prozent an.

Der Schmuggel blühte, ...

... Schwarzbrennereien gab es allerorten.

Mit der illegalen Herstellung und dem Ausschank von Alkohol ließen sich riesige Profite erzielen, ...

... in dunklen Hinterzimmern der Großstädte boomten so genannte Flüsterkneipen, in denen der illegale Fusel in Strömen floss.

Vor allem in Großstädten wie New York oder Chicago habe das Alkoholverbot "ein Klima der Gesetzlosigkeit und des Rechtsverstoßes geschaffen", meint die Historikerin Amy Mittelman.

Die Einkünfte stärkten organisierte Verbrecherkartelle, ...

... so wie jenes des legendären Al Capone in Chicago.

Bis zu seiner Verurteilung 1931 soll Al Capone pro Jahr rund 100 Millionen Dollar Gewinn erzielt haben.

In Chicago, wo er sein Hauptquartier aufschlug und 10.000 Kneipen kontrollierte, wurden in dieser Zeit mehr Morde verübt als in ganz England zusammen.

In New York gab es nach Einführung der Prohibition rund 32.000 illegale Kneipen - ...

... doppelt so viele, wie es vor der Prohibition an legalen Kneipen gab.

Auch Joseph Kennedy, der Begründer des Politiker-Clans, verdiente in dieser Zeit offenbar an illegalem Schnapshandel.

Die bundesweit rund 2.300 Prohibitionsagenten schafften es nicht, das Verbot durchzusetzen.

Selbst Polizeiagenten wie der Verkleidungskünster Isadore Einstein (l.) und Moe Smith (r.), der insgesamt 4392 Menschen verhaftete, konnten da nichts ausrichten.

Das Scheitern der Prohibition wurde zuletzt sogar von einstigen Verfechtern anerkannt.

So schrieb der Industrielle John D. Rockefeller, der anfangs das Alkoholverbot begrüßt hatte, im Jahr 1932:

"Das Trinken hat generell zugenommen; die Flüsterkneipen haben das Lokal ersetzt; ...

... eine riesige Armee von Gesetzesbrechern ist aufgetaucht; viele unserer besten Bürger haben öffentlich die Prohibition ignoriert; ...

... der Respekt für das Gesetz hat sich enorm verringert; ...

... und die Kriminalität hat sich auf ein Niveau erhöht wie nie zuvor."

Am 5. Dezember 1933 wurde schließlich das Experiment beendet - ...

... nicht zuletzt dank des Drucks der Straße.

Der unübersehbare Erfolg der organisierten Kriminalität und auch auf der Straße ausgetragene Bandenkriege führten zu heftigem Widerstand in der Bevölkerung.

Vor allem aber wurde das Alkoholverbot aufgehoben, ...

... weil der Staat in der Weltwirtschaftskrise auf die Einkünfte aus der Alkoholsteuer - rund 500 Millionen Dollar jährlich - angewiesen war.

Auch waren die Kosten zur Durchsetzung des Alkoholverbots äußerst hoch.

Als Franklin Roosevelt im März 1933 die Gesetzesnovelle zur Aufhebung der Prohibition unterzeichnete, war die Erleichterung groß ...

... und Roosevelt bemerkte: "Ich denke, es wäre nun Zeit für ein Bier."

Das Ende der Prohibition wurde lebhaft gefeiert, ...

... und viele Amerikaner zeigten sich in ihrer Überzeugung bestärkt, dass der Staat keine Recht dazu habe, zwangsweise die Moral seiner Bürger anzuheben.

Das Erbe der Prohibition lebt allerdings vielerorts noch in Form restriktiver Gesetze fort. Auch nach 1933 blieb es den einzelnen Bundesstaaten freigestellt, die Prohibition auf eigene Faust fortzuführen.

1948 existierte sie noch in drei Staaten. Als letzter Bundesstaat schaffte Mississippi die Prohibition 1966 wieder ab. (Im Bild: Ein Schuh, in dem Alkohol versteckt ist).

In den meisten US-Bundesstaaten ist es bis heute verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken.

In mehr als einem Dutzend der 50 Bundesstaaten ist der Alkoholverkauf am Sonntag komplett verboten.

Und fast überall gilt für Alkoholkonsum in Gaststätten ein Mindestalter von 21 Jahren - was offenbar wenig nutzt:

Eine Studie der Universität Harvard kam zu dem Schluss, dass 44 Prozent der US-Studenten regelmäßig exzessiv trinken.

Vor allem im konservativen "Bibel-Gürtel" im Süden der USA haben freilich bis heute alkoholfreie Zonen überlebt.

"In Alabama und anderen Staaten gibt es immer noch viele trockene Landkreise", so der Ökonom Thornton.

In Alabama etwa hat der Staat ein Monopol auf den Verkauf vieler Alkoholika, das sehr restriktiv gehandhabt wird - was wiederum einer gewissen Doppelmoral den Boden bereitet:

"Hier gibt es immer noch viele Schwarzbrenner, die ihr Einkommen verlieren würden, wenn das Zeug legalisiert würde", so Thornton. (Text: Gudula Hörr)

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