| SA | 9° / 23° |
| SO | 12° / 22° |
"Abschied ist ein bisschen wie sterben", sang Katja Ebstein einst melodramatisch.
Angesichts der hysterischen Reaktionen auf die Rücktritte von Karl-Theodor zu Guttenberg ...
... und Thomas Gottschalk möchte man dem Schlager allerdings ein Fünkchen Wahrheit zusprechen. Aber manchmal ist es nun einmal an der Zeit, Abschied zu nehmen. n-tv.de blickt zurück auf die Rücktritte des Jahres und sagt ...
... Tschüss allerseits, ...
... winkewinke ...
... und "Guttbye".
Den Abgang des Jahres liefert Karl-Theodor zu Guttenberg.
Der bis dato beliebteste Politiker Deutschlands sieht sich während einer Afganistanreise im Feburar plötzlich mit Enthüllungen über seine Doktorarbeit konfrontiert.
Die Netzgemeinde entdeckt Plagiate in seiner Dissertation und enttarnt den Verteidigungsminister als Lügenbaron.
Guttenberg selbst räumt die Plagiate nie ein, er redet stattdessen von "Fehlern" und beschwert sich über den Druck der Medien und der Opposition. Sein selbstgerechtes Auftreten macht es der Opposition leicht und der Kanzlerin schwer.
Am 1. März beugt sich Guttenberg dem Druck, gibt seinen Rücktritt bekannt und spart dabei nicht an Pathos und Selbstmitleid: "Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."
Doch schon vor Jahresfrist taucht Guttenberg wieder in der Öffentlichkeit auf - ohne Gel und ohne Kratzer im Selbstbewusstsein. Seine Auftritte lassen keinen Zweifel: Guttenberg hält sich für nur "Vorerst gescheitert".
Dem Eifer der Netzgemeinschaft fällt auch Silvana Koch-Mehrin zum Opfer. Die Plagiate in ihrer Dissertation kosten die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments den Doktortitel.
Am 11. erklärt sie ihren Rückzug von diesem Amt sowie aus dem FDP-Parteipräsidium. Ihr Mandat in Brüssel behält die 41-Jährige.
Dort sorgt Koch-Mehrin für Aufsehen, als sie als Vollmitglied in den Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie rückt - die deutsche Wissenschaftsgemeinde geht auf die Barrikaden, kurze Zeit später lenkt die FDP-Politikerin ein und wechselt den Ausschuss.
Mit der Karriere von Christian von Boetticher ist es vorerst vorbei, bevor sie so richtig begonnen hat.
Von Boetticher wird in der CDU Schleswig-Holstein als Kronprinz von Peter-Harry Carstensen gehandelt und zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen 2012 bestimmt. Der 41-jährige Hoffnungsträger stolpert über eine frühere Liason mit einer damals 16-Jährigen.
Der konservativen Klientel, heißt es im Umfeld der Kieler CDU, sei eine solche Amour Fou nicht zu vermitteln. Von Boetticher muss gehen.
Am 14. August tritt er zurück, betont aber: "Es war schlicht Liebe."
Von Liebe kann im Fall von Frank Mindermann wohl keine Rede sein. Dem CDU-Mann aus dem Landtag in Hannover werden zweifelhafte Kontaktversuche zu einer Minderjährigen via Facebook zum Verhängnis.
Er hatte einer 15-Jährigen, die sich als Praktikantin bewerben wollte, eindeutig sexuelle Fragen gestellt. Die Mutter des Mädchens war an die Öffentlichkeit gegangen, Mindermann gibt schließlich am 9. Dezember sein Mandat zurück.
Den schnellsten Absturz des Jahres legt Michael Braun hin.
Am 1. Dezember erhält der 55-Jährige seine Ernennungsurkunde als Justizsenator in Berlin. Kurz darauf brandet Kritik an seinem Mitwirken beim Verkauf von "Schrottimmobilien" auf.
Nur zögerlich verteidigt sich Braun gegen die Vorwürfe, und schon am 12. Dezember bittet er den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit um seine Entlassung. Ein kluger Schritt - ein Rücktritt hätte ihn um das sechsmonatige "Übergangsgeld" gebracht.
Bedeutend länger als Braun hält es FDP-Generalsekretär Christian Lindner im Amt. Trotzdem versetzt sein Rücktritt am 14. Dezember die Partei in einen Schockzustand.
Der 32-Jährige nutzt das Chaos um den Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm, um von Bord zu gehen.
Offenbar steht ein zerrüttetes Verhältnis zu Parteichef Philipp Rösler hinter dem Schritt.
Lindner selbst äußert sich nicht konkret zu den Motiven seines Rücktritts. In der Parteispitze macht das böse Wort von der "Fahnenflucht" die Runde - das Polittalent habe sich nicht von der wankenden FDP mitreißen lassen wollen.
Der unaufhaltsame Absturz der Liberalen hatte zuvor Parteichef Guido Westerwelle sein Amt gekostet. Stark unter Beschuss stehend, erklärt er am 3. April seinen Rückzug vom FDP-Vorsitz.
Beim Parteitag in Rostock im Mai übergibt er den Staffelstab an Philipp Rösler.
Allen Unkenrufen zum Trotz bleibt Westerwelle jedoch Angela Merkels Außenminister.
Ein anderer Mann will sich von der Kanzlerin nicht vereinnahmen lassen. Axel Weber gibt im Februar seinen Abschied vom Chefposten der Deutschen Bundesbank bekannt - aus "persönlichen Gründen", wie es offiziell heißt.
Der Wunschkandidat Merkels für das Präsidentenamt der Europäischen Zentralbank (EZB) macht der Kanzlerin einen Strich durch die Rechnung und erklärt seinen Verzicht.
Er sehe seine "Glaubwürdigkeit dieses Amts" nicht gewährleistet, klagt er. Im Klartext: Weber hatte nicht den Rückhalt der Euro-Länder. Vor allem für Frankreich war er ein rotes Tuch.
An seiner Unzufriedenheit mit dem Kurs der Eurozone verzweifelt auch Jürgen Stark, der EZB-Chefvolkswirt.
Der Streit über den Ankauf von Staatsanleihen von krisengeschüttelten Euroländern bringt das Fass zum Überlaufen. Stark reicht seinen Rücktritt zum Jahresende ein.
Vorzeitig das Handtuch wirft auch Eckhard Cordes. Der Chef des Handelsriesen Metro sieht sich einem monatelangen Machtkampf ausgesetzt, der im Sommer eskaliert.
Nachdem seine Vertragsverlängerung in der Schwebe gehalten wird, nimmt Cordes selbst den Hut und kündigt seinen Rückzug für sein Vertragsende im Oktober 2012 an.
Trotz Rücktritts ebenfalls noch ein paar Monate erhalten bleibt uns Magdalena Neuner.
Die Sportlerin des Jahres 2011 trägt sich schon lange mit Abschiedsgedanken.
Die Verkündung ihres Rückzugs am 6. Dezember schlägt bei den Sportfans trotzdem ein wie eine Bombe - schließlich ist sie erst 24.
Die Heim-WM in Ruhpolding im März 2012 wird der letzte Höhepunkt ihrer Ausnahmekarriere.
Völlig überraschend kommt der Rücktritt von Schalke-Trainer Ralf Rangnick am 22. September.
Der angesehene Fachmann fühlt sich kraftlos - er muss einem Burn-Out-Syndrom Tribut zollen.
Seine Entscheidung trifft in der Öffentlichkeit auf Respekt. Schwäche zeigen in der Fußballbranche weiterhin nur ganz wenige.
Offenkundig an Lust mangelt es DFB-Präsident Theo Zwanziger, der sich im März 2012 ins Privatleben und den "Korruptionsstadel" (Karl-Heinz Rummenigge) FIFA verabschieden will.
Zwanziger kündigt erst seinen Verzicht auf eine neue Amtszeit an, zeigt sich dann aber akut amtsmüde. "Ich hätte kein Problem damit, morgen aufzuhören", vertraut er einem Nachrichtenmagazin an.
Immerhin bringt der Chef des größten Sportverbandes der Welt noch genug Energie auf, um ganz demokratisch seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach zu küren.
Ganz anders als Wolfgang Overath: Der FC-Präsident stürzt seinen Verein mit seinem plötzlichen Abschied in die Führungslosigkeit.
Dem üblichen Lamento des dünnhäutigen Ex-Starspielers über die Kritik an seiner Person folgt aber plötzlich die Rücktrittserklärung - ein Paukenschlag für den "Karnevalsverein", der nun mithilfe eines Headhunters nach einem neuen Präsidenten sucht. Kandidaten unter anderem: Michael Schumacher, Heiner Brand und Wolfgang Bosbach.
Nichtsahnend lauschen die Mitglieder des FC, der sich gerade sportlich berappelt hatte, seiner Rede auf der Mitgliederversammlung am 13. November.
Wie man mit Kritik umgeht, hätte Overath bei Thomas Gottschalk lernen können. Der Showmaster lächelte die miesen Urteile des Feuilletons stets tapfer weg. Beschwerden über Zoten und schlampige Vorbereitungen waren nie ein Grund, an sich oder seinem TV-Dino "Wetten, dass..?" zu zweifeln.
Der schwere Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch im Dezember 2010 bringt Gottschalk jedoch ins Wanken.
Seit dem Unfall liege "ein Schatten" auf der Show, erklärt der Moderator bei der nächsten Sendung im Februar 2011. Deswegen werde er sich mit dem Ende der aktuellen Staffel zurückziehen.
Die Gerüchte über seine Nachfolge füllen fortan die Spalten, weil sich die Suche endlos hinzieht.
Offensichtlich haben die meisten Kandidaten Angst, dass sich die Fußstapfen des 1,93-Meter-Mannes als zu groß erweisen können.
Auch ZDF-Wunschbesetzung Hape Kerkeling sagt ab - bei einem "Wetten, dass..?"-Auftritt.
Im Gespräch ist derzeit auch Johannes B. Kerner.
Der Sat1-Moderator ist mittlerweile frei. Sein Magazin beim Kölner Privatsender gibt der 46-Jährige wegen schwindender Quoten zum Jahresende auf. Das ZDF soll nicht abgeneigt sein, sich die Blöße zu geben und Kerner mit "Wetten, dass...?" und Champions League zurück in den öffentlich-rechtlichen Schoß zu locken.
Gottschalk ficht die Diskussion um seine Nachfolge nicht an. Er genießt die letzte Show am 3. Dezember in Friedrichshafen ...
... und sagt nach 24 Jahren im Dienste des Entertainment "Servus".
Gottschalk ist nicht der Einzige, der sich von "seiner" Sendung verabschiedet. Claus-Theo Gärtner, als Detektiv Matula das Gesicht von "Ein Fall für zwei", gibt im Oktober seinen Rückzug bekannt.
Seit 1981 ermittelt er an der Seite von wechselnden Rechtsanwälten. Nach Folge 300 ist nun Schluss.
Einen Schlussstrich zieht auch die "Super Nanny".
Nach sieben erfolgreichen Jahren - mit dem Fernsehpreis 2007 als Höhepunkt - beendet Katharina Saalfrank ihre Fernsehpräsenz am 26. November. "Wir sind in der Reifephase angekommen", heißt es in der offiziellen Begründung.
Die Zeit gekommen sahen einige Kritiker im Dezember auch für Bundespräsident Christian Wulff.
Doch die Affäre um einen Privatkredit für den Bau seines Haus hat bislang nur Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker den Job gekostet - angeblich hatte er nur zu gerne Gratisreisen angetreten.
Die Opposition sieht noch "eine ganze Reihe Fragen offen", erklärte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Gut möglich also, dass wir an dieser Stelle auch 2012 hochkarätige Rücktritte dokumentieren müssen.
Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.
Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.