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Donnerstag, 26. November 2015

Fliegendes Auge aus Deutschland: Die Tornados der Bundeswehr

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Der Syrien-Einsatz hat begonnen: Piloten der deutschen Luftwaffe sollen den Verbündeten Frankreich unterstützen und sich dem Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) anschließen. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Syrien-Einsatz hat begonnen: Piloten der deutschen Luftwaffe sollen den Verbündeten Frankreich unterstützen und sich dem Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) anschließen.

Der Syrien-Einsatz hat begonnen: Piloten der deutschen Luftwaffe sollen den Verbündeten Frankreich unterstützen und sich dem Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) anschließen.

Mit der Zustimmung der Parlamentarier im Bundestag die sollen Kampfjets aus Deutschland Stellungen der IS-Milizen auskundschaften und die erforderlichen Zieldaten für etwaige Luftschläge durch verbündete Kräfte liefern.

Konkret geht es um Düsenflugzeuge vom Typ "Tornado", die in der Variante "Recce" hochauflösende Aufnahmen schießen können - unter anderem digital und in Infrarot.

Recce steht im Sprachgebrauch der Militärs als Abkürzung für "Reconnaissance" (deutsch etwa: Informationsbeschaffung, Aufklärung).

Mit dem solidarischen Beitrag zum Kampf gegen den IS verlegt die Bundeswehr nicht gerade ihre jüngsten Gerätschaften in den Krieg nach Syrien.

Der zweisitzige Kampfjet ist bereits seit mehr als drei Jahrzehnten bei den deutschen Streitkräften im Einsatz.

Den ersten von insgesamt 357 Tornados bekommt die Bundeswehr im Jahr 1981. Doch so viele Tornados gibt es in Deutschland längst nicht mehr. Der Bestand wurde in den vergangenen Jahren deutlich reduziert.

Die Luftwaffe verfügt derzeit nur noch über 85 Tornados. Nur ein kleiner Teil davon kann Recce-Einsätze fliegen.

Überzählige Maschinen dienen den Mechanikern als Ersatzteillager: Zur "Hochwertteilgewinnung" werden sie in den Hangars der Bundeswehr nach und nach ausgeschlachtet.

Schlagzeilen machen die Tornado-Jets in ihrer rund 34-jährigen Dienstzeit vor allem durch die zahlreichen Abstürze: Mehr als drei Dutzend Tornados gehen über die Jahre bei Unfällen verloren.

Zuletzt stürzt zum Beispiel Anfang 2014 ein Tornado bei einem Übungsflug in der Eifel ab. Beide Piloten können sich mit dem Schleudersitz retten. Ihre Maschine (Bild) wird beim Aufschlag total zerstört.

Insgesamt fällt die Unfallbilanz vergleichsweise gut aus: Im Auslandseinsatz in Afghanistan zum Beispiel kommt es bei den sechs stationierten Tornados vor Ort in drei Jahren nur zu einer einzigen Bruchlandung.

Die deutsche Tornadoflotte besteht aus Jagdbomberversionen, Aufklärern und den sogenannten ECR-Tornados für die elektronische Kriegsführung (Electronic Combat and Reconnnaissance, ECR).

ECR-Tornados können feindliche Radarstationen erkennen und mit Raketen bekämpfen. Bei den Nato-Einsätzen auf dem Balkan waren das international gefragte Fähigkeiten.

Weil die Kämpfer in Syrien jedoch nur über Luftabwehrkanonen geringer Reichweite verfügen, werden die ECR-Maschinen dort nicht gebraucht.

Die Aufklärer in den Recce-Tornados schießen ihre Fotos üblicherweise aus großer Höhe und bei Geschwindigkeiten von bis zu 900 Kilometern in der Stunde.

Das 2009 eingeführte Zusatzsystem "Recce-Lite" überträgt hochauflösendes digitales Bildmaterial in Echtzeit an die Einsatzzentrale am Boden.

Dank der Infrarotsensoren können die Piloten gegnerische Stellungen auch bei Nacht erkennen. Für einen wenig hochgerüsteten Feind bleiben die Maschinen aus Deutschland damit so gut wie unsichtbar.

Die Luftwaffe spricht mit Blick auf mögliche Nachteinsätze von einer "signifikanten Reduzierung der Gefährdung der Tornado-Besatzungen".

Experten erkennen einen Tornado bereits am scharfen Klang, mit dem die Maschinen in den 1980er-Jahren regelmäßig zu Tiefflugübungen quer über Westdeutschland donnerten.

"Besonderes Merkmal des Tornado ist sein hohes Eindringvermögen durch seine exzellente Fähigkeit zum Tiefstflug in Baumwipfelhöhe", heißt es bei der Bundeswehr.

Lobend erwähnt werden zudem die unterschiedlichen Möglichkeiten bei der Bewaffnung, die hohe Reichweite und das "sehr effektive Selbstschutzsystem".

Über einen abklappbaren Ausleger können Tornado-Piloten während des Fluges auftanken.

Bei Bedarf lassen sich Zusatztanks und ein spezieller Behälter unter Rumpf und Flügeln montieren, mit dem sich die Tornado selbst in kleine Tankflugzeuge verwandeln.

Das allwetterfähige, überschallschnelle und tiefflugtauglich Mehrzweckkampfflugzeug geht zurück auf ein multinationales Gemeinschaftsprojekt.

An Entwicklung und Bau sind Großbritannien, Italien und Deutschland beteiligt.

Eingesetzt wird der Tornado zudem in einer speziellen Exportversionen von den Luftstreitkräften Saudi-Arabiens.

Im Vorbeiflug ist die charakteristische Silhouette gut zu erkennen: ...

... Die kegelförmige Nase, der bullige Rumpf mit den kantigen Lufteinlässen der beiden Triebwerke und das haifischartige Seitenleitwerk, das dem Jet eine Gesamthöhe von knapp sechs Metern verleiht.

Das Cockpit bietet Platz für eine zweiköpfige Besatzung: Der Pilot sitzt vorn. Hinter ihm nimmt der sogenannte "Waffensystemoffizier" Platz. Er bedient die Navigationsrechner, kümmert sich um die Aufklärungselektronik und steuert die Kameras.

Weitere Besonderheit des maximal knapp 29 Tonnen schweren Flugzeugs sind die Schwenkflügel: ...

... Für Starts und Landungen muss die Maschine ihre Schwingen spreizen.

So entsteht mehr Auftrieb, und der Pilot kann niedrigere Geschwindigkeiten fliegen. (Im Bild ein Tornado in Sonderlackierung anlässlich der 150.000. Flugstunde beim Jagdbombergeschwader 33).

Für hohe Geschwindigkeiten im Überschallbereich und im Tiefflug schwenken die Tragflächen nach hinten.

Das ermöglicht einen Anflug ins Zielgebiet mit bis zu Mach 1,3 in Bodennähe - vollautomatisch gelenkt vom Terrainfolgeradar des Autopiloten.

Bewaffnet sind die Recce-Tornados der Bundeswehr mir einer im Rumpf integrierten Bordkanone im Kaliber 27 Millimeter. Je nach Auftrag können am Rumpf oder unter den Flügen auch Luft/Luft-Raketen vom Typ "Sidewinder" aus US-Produktion zur Selbstverteidigung angebracht werden.

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