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Die Wannseekonferenz und der Holocaust: Die Vernichtung der europäischen Juden

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Er bleibt ein kaum fassbares Verbrechen und ist zum Sinnbild für den Zusammenbruch der Zivilisation geworden: ... (Foto: AP)

Er bleibt ein kaum fassbares Verbrechen und ist zum Sinnbild für den Zusammenbruch der Zivilisation geworden: ...

Er bleibt ein kaum fassbares Verbrechen und ist zum Sinnbild für den Zusammenbruch der Zivilisation geworden: ...

... der Holocaust, die systematische Vernichtung von Europas Juden.

Durchgeführt von Hunderttausenden Deutschen, SS-Männern, Soldaten und anderen willigen Helfern.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur industriellen Massentötung von Millionen Menschen ist die Wannsekonferenz am 20. Januar 1942.

Eingeladen hat hierzu SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich.

In der pompösen Villa im Süden der Stadt kommen 15 hochrangige Vertreter der NS und SS zusammen.

Das Thema ihres Treffens: Das "Töten und Eliminieren und Vernichten", wie sich der Organisator des Holocausts, Adolf Eichmann, später erinnert.

Die "Endlösung der Judenfrage" soll nun systematisch angegangen werden, ...

... 11 Millionen Juden Europas sollen deportiert und letztendlich vernichtet werden.

Im einzig erhaltenen Konferenzprotokoll wird festgehalten: ...

... "In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. ...

... Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, ...

... da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eine neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist."

Dass der Holocaust in dieser Form stattfand, lag vor allem am Aufstieg des gescheiterten Künstlers und Gefreiten Adolf Hitler.

Er machte schon in den Bierzelten der Weimarer Republik die Juden als "Volksfeinde" aus.

Ihre "Entfernung" müsse das Ziel einer Volksgemeinschaft sein, tönt er bereits im September 1919.

Mit der Machtübernahme 1933 rückt dieses Ziel, eine "persönliche Angelegenheit des Nationalsozialismus", wie manche Historiker meinen, in greifbare Nähe.

Sofort beginnen begeisterte SA-Führer mit der Drangsalierung und Verfolgung der Juden in Deutschland.

Am 1. April 1933 boykottieren sie jüdische Geschäfte und Einrichtungen, das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" sorgt wenig später für die Entfernung jüdischer Beamten aus dem Staatsdienst.

Im Konzentrationslager Dachau werden noch im Frühling 1933 die ersten Juden ermordet.

Ein Exodus beginnt, schon 1933 verlassen Zehntausende das Land.

Der Großteil der mehr als 500.000 deutschen Juden vertraut allerdings fatalerweise auf die Vernunft einer Nation, die sie noch immer mit Dichtern und Denkern assoziiert.

Die assimilierten Juden können sich nicht vorstellen, was noch folgt.

Dabei verschärfen sich die Repressionen und Schikanen innerhalb kürzester Zeit.

Ende November 1933 stellt Hitler laut Propagandaminister Joseph Goebbels fest: ...

"Die Juden müssen aus Deutschland, ja aus ganz Europa heraus."

Zwei Jahre später folgen die Nürnberger Gesetze, die die Ehe zwischen Juden und Nichtjuden als "Rassenschande" verbieten.

Spätestens am 9. November 1938 sind die allgegenwärtigen Schikanen gegen Juden nicht mehr zu übersehen.

Im ganzen Land gehen Synagogen in Flammen auf, jüdische Läden werden verwüstet, ...

... Zehntausende Juden festgenommen.

Mit dem Krieg im Osten, der am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen beginnt, verschärfen sich die Repressionen.

Die mehr als 3 Millionen polnischen Juden müssen fortan den gelben Stern tragen.

Das soll den Deutschen das Erkennen und die Deportationen erleichtern.

Diese beginnen wenig später, ...

... Juden werden in Ghettos, in sogenannte Seuchensperrgebiete gepfercht.

Allein in Warschau lebt zwischenzeitlich ein Drittel der Bevölkerung auf drei Prozent des Stadtgebiets, zeitweise bis zu 460.000 Menschen.

Gelbfieber, Typhus und Hunger raffen Zehntausende hin, im Monat sterben rund 6000 Menschen.

Leichname pflastern die Straßen.

Bis zur Wannseekonferenz Anfang 1942 werden bereits 500.000 Juden in Europa ermordet. Getötet in Ghettos, ...

... bei Massenerschießungen ...

... oder bei ersten Vergasungen in Lastern.

Besonders seit der Ausweitung des Krieges durch den Angriff auf die Sowjetunion ...

... verschärft sich die Judenverfolgung drastisch.

Am 12. Dezember 1941, einen Tag nach seiner Kriegserklärung an die USA, lädt Hitler Reichs- und Gauleiter zu sich in die Reichskanzlei. Goebbels schreibt daraufhin in sein Tagebuch: ...

... "Bezüglich der Judenfrage ist der Führer entschlossen, reinen Tisch zu machen." ...

... Der Weltkrieg ist da, die Vernichtung des Judentums muss die notwendige Folge sein."

Wenige Monate später kündigt Hitler im Sportpalast an, dass das "Ergebnis dieses Krieges die Vernichtung des Judentums sein wird. ...

... Zum ersten Mal wird diesmal das echt altjüdische Gesetz angewendet: Aug' um Aug', Zahn um Zahn."

Die bisherigen Ermordungen der Juden gelten als "ineffizient".

Auch beklagen etliche Kommandeure, dass die blutige Arbeit belastend sei.

Besonders, wenn Familienväter kleine Kinder erschießen müssten, sei es bisweilen schwierig.

Und es gibt ein weiteres Problem: Obwohl die SS ihr mörderisches Geschäft lieber im Geheimem abwickelt, entwickelt sich bisweilen ein regelrechter "Erschießungstourismus", an dem auch Soldaten der Wehrmacht teilnehmen.

"Die SS hat eingeladen zum Judenschießen", berichtet etwa Oberstleutnant von Müller-Rienzburg in seiner Gefangenschaft seinen Kameraden. Die ganze Truppe sei mit Gewehren hingegangen.

"Hat jeder sich aussuchen können, was für einen er wollte."

Den Unmut über die bisherige Vernichtungspolitik drückt auch Hans Frank, der berüchtigte Generalgouverneur in Polen, Ende Dezember 1941 aus.

"Mit den Juden - das will ich Ihnen ganz offen sagen - muß so oder so Schluß gemacht werden. ...

... Diese 3,5 Millionen Juden können wir nicht erschießen, wir können sie nicht vergiften, werden aber doch Eingriffe vornehmen müssen, die irgendwie zu einem Vernichtungserfolg führen, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reich her zu besprechenden großen Maßnahmen."

Die "entsprechende Behandlung" erfolgt vor allem durch das Giftgas Zyklon B.

Probeweise wird es erstmals 1941 im KZ und Vernichtungslager Auschwitz an 900 Kriegsgefangenen angewandt.

Der Tod erfolgt auf qualvolle Weise.

"Ich kann einfach nicht beschreiben, wie diese Menschen geschrieen haben", erinnert sich der ehemalige SS-Unterscharführer Richard Böck. "Das dauerte etwa 8 bis 10 Minuten, dann war alles still. ...

... Kurze Zeit später wurde das Tor von Häftlingen geöffnet und man konnte noch einen bläulichen Nebel über einem riesigen Knäuel Leichen schweben sehen. Die Leichen waren derartig ineinander verkrampft, dass man nicht erkennen konnte, zu wem die einzelnen Gliedmaßen und Körperteile gehörten. ...

... Man kann dieses Bild nicht mit Worten beschreiben."

Propagandaminister Goebbels, sonst nie um Worte verlegen, beschreibt die Vergasungen in seinem Tagebuch nur kryptisch: "Es wird hier ein ziemlich barbarisches, nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig."

Seit der Wannseekonferenz wird die Ermordung der Judenimmer systematischer vorangetrieben. Allein in Auschwitz wird rund eine Millionen Juden getötet, die meisten von ihnen sterben in Gaskammern.

Tag und Nacht lodern die Schornsteine der Krematorien, in der Luft hängt der Geruch von verbranntem Fleisch.

Nicht nur in Auschwitz, in hundert anderen Lagern in ganz Europa erwartet die Juden ein ähnliches Schicksal.

Sie verhungern, werden erschossen, vergast, zu Tode gepeinigt.

Am Ende des Krieges hat Hitler sein Ziel fast erreicht: ...

Die jüdische Kultur in Europa ist vernichtet.

Mehr als sechs Millionen Juden - rund die Hälfte von ihnen aus Polen - sind ausgerottet.

Als die Alliierten viele Deutsche in die Konzentrationslager führen, sehen die meisten von ihnen weg.

Wie schon in all den Jahren zuvor.

Wenn sie sich nicht gar selbst an den Diskriminierung und an der Verfolgung beteiligen, ignorieren sie, was kaum zu übersehen ist: die öffentliche Demütigung der Juden, ...

... die zunehmende Ausgrenzung, ...

... die Deportationen am hellichten Tag.

Kein Wunder, sind doch viele Deutsche auch Nutznießer des Holocaust, wie der Historiker Götz Aly darlegt.

Etwa wenn sie jüdische Geschäfte, Posten, Häuser billig übernehmen oder auch den Hausrat. Aus ganz Europa trifft jüdische Beute in Deutschland ein: Haushaltsgegenstände, Kunst, Schmuck.

Allein aus Auschwitz rollen Dutzende Züge mit Gold nach Berlin. Viele Firmen beuten die billigen Zwangsarbeiter aus, ...

...einbehaltene Pensions- und Rentenansprüche der getöteten Juden sprudeln in die Kassen der Sozialsysteme, Milliarden Reichsmark aus jüdischem Besitz fließen in die Staatskassen.

Der Holocaust ist mehr als eine Vernichtung um der Vernichtung willen.

Er ist eine gigantische Umverteilungsmaßnahme in der sogenannten Volksgemeinschaft.

SS-Reichsführer Heinrich Himmler nennt dies Prinzip "Sozialismus des guten Blutes".

Und er ist vor allem eines, wie es der Holocaust-Überlebende Imre Kertesz beschreibt: ...

... Ein langer dunkler Schatten, der sich über die gesamte Zivilisation legt.

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