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Montag, 30. Dezember 2013

"Hätte, hätte, Fahrradkette": Die besten Sprüche des Politik-Jahres 2013

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Politiker sind auch nur Menschen, heißt es oft. Doch einen Unterschied zum Normalbürger gibt es: Bei den Volksvertretern zählt jedes Wort. Im Laufe eines Jahres kommen da denkwürdig ernste, aber auch unfreiwillig komische Ergüsse zusammen, die in Erinnerung bleiben. (Foto: picture alliance / dpa)

Politiker sind auch nur Menschen, heißt es oft. Doch einen Unterschied zum Normalbürger gibt es: Bei den Volksvertretern zählt jedes Wort. Im Laufe eines Jahres kommen da denkwürdig ernste, aber auch unfreiwillig komische Ergüsse zusammen, die in Erinnerung bleiben.

Politiker sind auch nur Menschen, heißt es oft. Doch einen Unterschied zum Normalbürger gibt es: Bei den Volksvertretern zählt jedes Wort. Im Laufe eines Jahres kommen da denkwürdig ernste, aber auch unfreiwillig komische Ergüsse zusammen, die in Erinnerung bleiben.

Leg' dich nicht mit Berlinern an. Im Januar ist die Geduld des SPD-Politikers und früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse am Ende. In Richtung der angeblich integrationsunwilligen Mitbürger in der Hauptstadt wettert er: "Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche."

Ungesühnt bleibt das nicht. Unbekannte verüben kurz darauf einen Spätzle-Anschlag auf die Skulptur der Künstlerin Käthe Kollwitz am Kollwitzplatz im Stadtteil Prenzlauer Berg, wo Thierse wohnt.

Das nächste Zitat ist zwar älter, bekannt wird es allerdings erst 2013. Ende Januar diskutiert die Republik über den "Herrenwitz" von Rainer Brüderle.

Im "Stern" beschreibt eine Journalistin den Annäherungsversuch des Liberalen an einer Hotelbar. "Brüderles Blick wandert auf meinen Busen", beschreibt sie. Anschließend habe der FDP-Mann gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen."

Sogar ein Seitensprung-Portal greift die Debatte später auf und wirbt auf seinen Plakaten mit Brüderle.

Verbal bot Peer Steinbrück einen unterhaltsamen Wahlkampf. Im Hinblick auf den Wahlausgang in Italien und das überraschend gute Abschneiden von Silvio Berlusconi und Beppe Grillo sagt er im Februar: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben." Der Satz bleibt nicht ohne Wirkung. So sagt der italienische Präsident Giorgio Napolitano kurzerhand sogar ein Essen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten ab.

Und nochmal Steinbrück: Einige Wochen nach den "Clowns" liefert er erneut einen denkwürdigen Satz. Als ein Journalist ihn fragt, ob er sich einige der Pannen im Wahlkampf nicht hätte sparen können, reagiert der Politiker genervt, aber schlagfertig: "Hätte, hätte, Fahrradkette." Der Satz avanciert zum Kultspruch. Monate später verteilen die SPD-Wahlkämpfer Flaschenöffner mit dem Slogan. Die Niederlage der Sozialdemokraten bei der Wahl kann der Spruch jedoch auch nicht verhindern.

Wenn SMS-Streit an die Öffentlichkeit gelangt, ist das für die Beteiligten nicht immer angenehm. "Wenn du bis morgen 12 Uhr nicht zurückgetreten bist, knallt es ganz gewaltig", simst Christopher Lauer, der Fraktionschef der Berliner Piraten, seinem Parteikollegen Johannes Ponader am 6. Februar. Besonders elegant ist das nicht, aber einen Monat später verkündet Ponader tatsächlich seinen Rücktritt als politischer Geschäftsführer.

Auweia, das ging aber daneben: Zum Jahrestag der Fukushima-Katastrophe veröffentlicht Grünen-Chefin Claudia Roth einen missverständlichen Eintrag auf ihrer Facebook-Seite. "Heute vor zwei Jahren ereignete sich die verheerende Atom-Katastrophe [...]. Insgesamt starben in Japan 16.000 Menschen." Dass die Menschen eigentlich aufgrund eines Tsunamis starben, erwähnt Roth allerdings nicht. Nach einem heftigen Shitstorm entschuldigt sich die Grünen-Politikerin.

Altkanzler haben nicht immer recht. Mit einer Vorhersage lag Helmut Schmidt 2013 jedenfalls ziemlich daneben. Im Mai kommentiert er die Chancen von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück bei der Bundestagswahl folgendermaßen: "Die Wahrscheinlichkeit ist weitaus größer als die Unwahrscheinlichkeit." Bei der Wahl holen die Genossen schließlich nur enttäuschende 25,7 Prozent, mitregieren dürfen sie aber trotzdem.

Ursula von der Leyen werden große Ambitionen nachgesagt, was die Nachfolge Angela Merkels betrifft. Im Mai sagt die Niedersächsin: "Eines Tages wird es diese Frau mit kleinen Kindern an der Spitze unseres Landes geben." Die neue Verteidigungsministerin ist selbst Mutter von sieben Kindern.

Im Juni besucht US-Präsident Barack Obama die Bundesrepublik. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz spricht ein Journalist Angela Merkel auf das US-amerikanische Spähprogramm Prism an. Da entgegnet die Kanzlerin: "Das Internet ist für uns alle Neuland."

Die Netzgemeinde feixt. Auch Monate später, während der Proteste gegen die Spähaffäre der NSA, taucht der "Neuland"-Begriff immer wieder auf.

Beim SPD-Parteikonvent im Juni spricht Steinbrücks Frau Gertrud über die Zumutungen des Wahlkampfes. "Wir konnten Scrabble spielen, wann wir wollten. Dann kommt er auf die Idee und wird Kanzlerkandidat. Und dann wird er nur noch verhauen für das, was er vorher gemacht hat", sagt sie. Daraufhin verschlägt es Steinbrück die Sprache und er kämpft sogar mit den Tränen.

Regierungssprecher Steffen Seibert ist eigentlich eher für seine diplomatische Zurückhaltung bekannt. Doch angesichts der NSA-Affäre äußert er sich im Juli ungewohnt direkt. "Abhören von Freunden, das ist inakzeptabel, das geht gar nicht, wir sind nicht mehr im Kalten Krieg", sagt Seibert.

TV-Duell im September: Peer Steinbrück will keine Große Koalition mit der Union. Stefan Raab hakt nach. Was er denn wählen müsse, wenn er sich eine Große Koalition mit Steinbrück als Vizekanzler wünsche, will der Moderator wissen. Der SPD-Kanzlerkandidat blockt erneut ab, aber Raab lässt nicht locker. "Das ist doch keine Haltung, zu sagen, ich will nur gestalten, wenn ich King of Kotelett bin." Viele Zuschauer erklären Raab später zum Sieger des Duells.

Eine Woche vor der Bundestagswahl debattiert die Republik über Steinbrücks Stinkefinger-Foto im Magazin der "Süddeutschen Zeitung". Auch Armin Laschet, der CDU-Chef Nordrhein-Westfalens, mischt mit. "Ein deutscher Bundeskanzler ist nicht Bushido", sagt er.

Die AfD ist eine der großen Überraschungen der Wahl. Nur knapp verpassen die Euroskeptiker den Einzug in den Bundestag. Viel zitiert wird nach dem Wahlabend ein Satz von Parteichef Bernd Lucke. "Wir haben so viel an Entartung von Demokratie und Parlamentarismus in den letzten vier Jahren erlebt", sagt er nach der Einblendung der ersten Hochrechnungen.

Am 23. September, dem Tag nach Bundestagswahl, kann Angela Merkel ihre Freude nicht verbergen. Auf die Fragen eines Journalisten, ob ihr grüner Blazer für die Koalitionsverhandlungen eine Bedeutung habe, sagt die Kanzlerin: "Ich habe heute morgen vor meinem Kleiderschrank gestanden und irgendwie gedacht: Rot geht nicht, Knallgrün geht nicht, Blau war gestern. Und was machst du? Und dann habe ich mich für was sehr Neutrales entschieden." Trotz der Farbwahl scheitern die Sondierungen über eine schwarz-grüne Koalition einige Wochen später.

Viele Sozialdemokraten setzen große Stücke auf sie. Doch Hannelore Kraft bereitet den Spekulationen über ihre Zukunft im November ein vorzeitiges Ende. "Ich werde nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten", sagt die NRW-Ministerpräsidentin in einer Fraktionssitzung. Nur, gilt dieses Versprechen für die Ewigkeit? Peer Steinbrück hatte eine Kandidatur 2010 ebenfalls ausgeschlossen. Zwei Jahre später trat er trotzdem an.

Zugegeben: Eine Politikerin ist Maria Furtwängler nicht, doch im Dezember tritt sie in dem politisch brisanten Prozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff in Erscheinung. Im Mittelpunkt der Befragung steht ein Besuch der Wulffs mit dem Verleger Hubert Burda und seiner Frau Furtwängler beim Oktoberfest und die Frage, wer die Rechnung übernommen hat. "Wenn Sie mit Herrn Professor Burda an einem Tisch sitzen, dann ist es kein privater Anlass mehr", sagt die Schauspielerin vor Gericht.

Im Dezember besiegeln CDU und Grüne in Hessen die erste schwarz-grüne Landesregierung. Wie das funktionieren kann, erklärt der alte und neue Ministerpräsident Volker Bouffier so: "Eine der Grundphilosophien muss sein, dass man sich wechselweise etwas gönnt." Ob das gelingt und wie viel sich beide Seiten tatsächlich gönnen, wird sich in den kommenden vier Jahren zeigen.

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