Bilderserie
Dienstag, 05. September 2017

München 1972: Die blutigen Spiele

Bild 1 von 31
München, 5. September 1972: 80.000 Zuschauer unter dem Zeltdach des neuen Stadions, mehrere hundert Millionen weltweit an den Fernsehern – die Olympischen Spiele feiern eine glanzvolle Eröffnung. (Foto: picture alliance / dpa)

München, 5. September 1972: 80.000 Zuschauer unter dem Zeltdach des neuen Stadions, mehrere hundert Millionen weltweit an den Fernsehern – die Olympischen Spiele feiern eine glanzvolle Eröffnung.

München, 5. September 1972: 80.000 Zuschauer unter dem Zeltdach des neuen Stadions, mehrere hundert Millionen weltweit an den Fernsehern – die Olympischen Spiele feiern eine glanzvolle Eröffnung.

Willi Daume, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), holt die dritten Olympischen Spiele nach den Winterspielen 1936 in Garmisch Partenkirchen und den Sommerspielen im selben Jahr in Berlin nach Deutschland.

Doch nichts soll an die Olympischen Spiele von 1936 erinnern.

Deutschland will zeigen, wie es sich verändert hat, zu einem gastfreundlichen, offenen Land. Es sollen heitere Spiele werden, in einem neuen Deutschland mit neuem Image.

Doch sie werden zum Alptraum.

Palästinensische Terroristen nehmen am 5. September israelische Sportler gefangen, die Geiselnahme endet mit einem Blutbad.

Alle elf Sportler, fünf Geiselnehmer und ein deutscher Polizist sterben im Kugelhagel.

Die Spiele werden nach einem Trauertag fortgesetzt, man will den Terroristen keinen Triumph gönnen. Mit "The Games must go on", prägt Avery Brundage, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den legendärer Satz.

Doch das Sommermärchen von München ist zerstört, die Fortsetzung der Spiele bleibt bis heute umstritten.

Die Gewalt traf Sicherheitskräfte und Olympia-Organisatoren völlig unvorbereitet. Die Polizisten im Olympia-Park trugen Trainings- oder Straßenanzüge. Uniformen passten nicht ins Bild, nichts sollte an die Nazi-Spiele 36 Jahre zuvor in Berlin erinnern.

Die Terroristen der Gruppe "Schwarzer September" kommen ungehindert in das Olympische Dorf.

Am frühen Morgen des 5. September klettern die acht Männer über den Zaun. Sie werden beobachtet, aber für heimkehrende Sportler gehalten. Die Türen zu den Wohnungen der Israelis sind nicht abgeschlossen.

Mit Sturmgewehren bewaffnet dringen die Terroristen ein, nehmen Geiseln. "Gegen 4.30 Uhr hörte ich eine Explosion, wie ein Schuss", erinnerte sich der israelische Ex-Ringer Gad Tsabary. Er konnte fliehen.

Der israelische Sportschütze Zelig Shtorch hatte seine Sportwaffe im Zimmer. Doch der damals 25-Jährige feuerte nicht - in der Hoffnung, die Verantwortlichen könnten das Drama beenden. Seither fragt er sich, ob es mehr Überlebende gegeben hätte, wenn er geschossen hätte.

Der Ringertrainer Mosche Weinberg ist das erste Opfer der Terroristen. Er wird bei einem Fluchtversuch erschossen.

Den ebenfalls bei einem Fluchtversuch angeschossenen Gewichtheber Josef Romano lassen sie vor den Augen der neun anderen Geiseln verbluten. (Im Bild: seine Witwe Ilana)

Die Terroristen verlangen die Freilassung von mehr als 200 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen sowie der deutschen Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof.

Israel lehnt dies ab. Zum Schein wird dennoch verhandelt, immer neue Ultimaten laufen ab. Der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (3.v.l.) und andere bieten sich vergeblich als Ersatzgeiseln an.

Die Terroristen verlangen, mit den Geiseln in den arabischen Raum ausgeflogen zu werden. Was außerhalb der Wohnungen abläuft, bekommen sie unterdessen per Radio und TV mit, auch einen Befreiungsversuch - man hatte vergessen, den Strom abzustellen.

Die Unterhändler hoffen nun, die Täter am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck überwältigen zu können. Kurz nach 22.30 Uhr treffen die Terroristen dort ein.

Doch die Aktion scheitert kläglich - unter anderem an zu wenigen Scharfschützen. Noch während am Flughafen geschossen wird, spricht ein Sprecher der Bundesregierung von einem guten Ausgang.

Aber erst um 0.30 Uhr endet das Gefecht. Fünf der acht Terroristen sind tot, die anderen festgenommen. Die Ermordung der neun übrigen Geiseln durch das Terror-Kommando kann die Polizei nicht verhindern. Auch ein deutscher Polizist kommt bei dem Einsatz ums Leben.

Es folgen scharfe Vorwürfe, als Reaktion auf das Massaker wird die GSG 9 als Anti-Terroreinheit aufgebaut.

In einem ihrer größten Einsätze beendet sie 1977 in Mogadischu erfolgreich die Entführung des Flugzeugs "Landshut" - ebenfalls durch palästinensische Terroristen.

Eine weitere Aufarbeitung des Fiaskos findet jedoch nicht statt. Die Überlebenden drei Terroristen werden nicht mal zwei Monate nach dem Anschlag von der PLO durch eine Flugzeugentführung aus deutscher Haft freigepresst.

Der damalige Mossad-Chef Zvi Zamir wirft den Sicherheitskräften Inkompetenz und Gleichgültigkeit vor. Das geht aus Dokumenten hervor, die das israelische Staatsarchiv 40 Jahre nach den tragischen Vorfällen 2012 veröffentlicht hat. (Bild: Schadensersatzprozess in München)

Israel reagiert mit Racheakten: Zwei der drei Attentäter von München werden vom Geheimdienst Mossad getötet, dazu mindestens zwölf weitere angeblich an der Planung beteiligte Palästinenser. (Bild: Filmausschnitt "München")

Damit verlieren durch das Attentat nicht nur die Olympischen Spiele ihren Charakter als unbeschwertes Sportereignis, auch der Nahost-Konflikt erreicht eine neue Stufe der Eskalation.

"Alles was man falsch machen konnte, wurde falsch gemacht. Die Deutschen haben nichts gewusst und waren arrogant", sagte die Witwe eines der ermordeten Israelis, Ankie Spitzer anlässlich des 40. Jahrestages 2012.

"Nach der Geiselnahme hatte Israel angeboten, eine speziell ausgebildete Einsatztruppe zu schicken, doch man wollte diese Gruppe nicht. Das macht mich immer noch böse." (Bild: Filmausschnitt "München")

Einzig den damaligen Bundesinnenminister Genscher, der sich als Austausch für die Geiseln angeboten hatte, klammerte Spitzer aus ihrer Kritik aus. (sla/AFP/rts/ dpa)

weitere Bilderserien