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Politik

Vor 20 Jahren: Die erste Intifada beginnt

 
Die Bilder gehen um die Welt: Im Dezember 1987 beginnt die erste Intifada. Geprägt ist sie von jugendlichen Palästinensern, die Steine auf Israelis werfen. (Bild: Nablus 1988.)

Die Bilder gehen um die Welt: Im Dezember 1987 beginnt die erste Intifada. Geprägt ist sie von jugendlichen Palästinensern, die Steine auf Israelis werfen. (Bild: Nablus 1988.)

"Intifada" bedeutet "abschütteln" - die Palästinenser wehren sich gegen die israelische Besatzung.

Der "Krieg der Steine" wird zu einer Lawine. Im Gaza-Streifen und im Westjordanland entsteht eine permanente Revolte, die erst 1994 beendet wird.

Für die Palästinenser ist es ein Kampf um ihre politische Zukunft. Denn seit der Niederlage Ägyptens, Syriens und Jordaniens 1967 im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel ...

... ist das arabische Ziel, den Staat Israel militärisch zu vernichten, in weite Ferne gerückt. Die Palästinenser können sich nicht mehr auf die Hilfe der arabischen Staaten verlassen.

Statt dessen stehen nun die ägyptische Sinaihalbinsel, der Gaza-Streifen, die syrischen Golan-Höhen und das Westjordanland mit Ost-Jerusalem unter israelischer Besatzung.

Die Palästinenser fühlen sich als Gefangene im eigenen Land. Nach dem Einmarsch der israelischen Armee, wie hier in Gaza Stadt, befürchten sie Repressionen.

Die Flüchtlingslager sind überfüllt. Der schnell wachsenden Bevölkerung fehlt es an Wohnraum und an Land zum Ackerbau. (Das Shati-Lager in Gaza 1975.)

Das trifft vor allem die Kinder und Jugendlichen. Sie wachsen in den Lagern auf - umgeben von Soldaten. (Das Lager Jebaliya 1971.)

Arbeit ist knapp. Trotz Bildungseinrichtungen steigt die Arbeitslosigkeit stark an.

Es herrschen, zum Beispiel wegen fehlender Kanalisationen, teils katastrophale sanitäre Zustände. (Das UN-"Beach Camp" in Gaza 1973.)

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) unter der neuen Führung von Jassir Arafat nutzt das Elend der Flüchtlinge für ihre radikale Politik.

Die militärische Organisation bekämpft Israel - bis zur Vernichtung.

In den 1970er Jahren ist der Libanon zum Hauptstützpunkt der PLO. Der Norden Israels wird zum Ziel von Raketen.

Erst als Israel 1982 in den Libanon einmarschiert, flieht die PLO-Führung. Arafat findet in Tunis Unterschlupf, die Kämpfer in arabischen Ländern.

Doch dort finden sie kaum Gehör. Denn der Krieg zwischen Iran und Irak, der 1980 begonnen hatte, hält den Nahen Osten in Atem. (Irakische Soldaten zerreißen 1980 eine iranische Fahne.)

Auch die finanzielle Unterstützung für die Palästinenser versiegt. Die arabische Welt leidet unter dem Verfall der Ölpreise.

Die Lage in den palästinensischen Flüchtlingslagern wird von der internationalen Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Doch wo starke Fürsprecher fehlen ...

... entsteht der Nährboden für eine Radikalisierung. Islamistische Gruppen wie "Islamischer Dschihad" und "Hamas" entstehen. Ihr religiöser Fundamentalismus bringt eine neue Qualität in den Kampf gegen Israel. ("Hamas"-Gründer Scheich Ahmad Yasin 1992.)

Die Intifada ist Teil dieser Radikalisierung. (Szene in Beit Sahur 1988.)

Es fehlt nur noch ein Funke. Dieser entzündet sich bei einem Autounfall. Ein israelischer Militärlastwagen stößt am 8. Dezember mit zwei palästinensischen Taxis zusammen. Vier Palästinenser sterben.

Auf palästinensischer Seite vermutet man einen Racheakt für einen zuvor im Gazastreifen getöteten Israeli.

Auf die Beerdigung der getöteten Palästinenser folgen im Flüchtlingslager Jebaliya Massendemonstrationen und Ausschreitungen.

Der Aufstand breitet sich schnell in anderen Flüchtlingslagern und Städten des Gaza-Streifens und des Westjordanlandes aus.

Die folgenden Tage und Wochen sind von gewaltsamen Ausschreitungen bestimmt.

Da andere Waffen fehlen, kämpfen die Palästinenser vor allem mit Steinen. Getroffen werden israelische Soldaten und Grenzposten.

Molotov-Cocktails, Handgranaten und Handfeuerwaffen sind seltener im Einsatz.

Auch andere Proteste treffen Israel. Manche Palästinenser leisten zivilen Ungehorsam, der Boykott israelischer Produkte schadet der Wirtschaft, Barrikaden behindern die Soldaten.

Die israelische Armee kann diese Formen der Gewalt nur schwer unter Kontrolle bringen.

Sie verhängt Ausgangssperren, wie hier im Balata Flüchtlingslager, ...

... versucht, Straßenblockaden zu durchbrechen, ...

... setzt Tränengas ein (hier auf dem Tempelberg) ?

... und verhaftet ...

... meist junge Palästinenser.

Der damalige israelische Verteidigungsminister Jitzhak Rabin fordert ein hartes Vorgehen gegen die Demonstranten.

Zu den Opfern der Proteste zählen aber auch Palästinenser, die von den eigenen Leuten getötet werden. Etwa 1000 Menschen sterben als vermeintliche Kollaborateure.

Die PLO gerät, vom Ausbruch der Gewalt überrascht, in Zugzwang. Der Politiker Arafat tritt auf: Durch die Intifada angeschoben, ruft er 1988 einen palästinensischen Staat im Exil aus und erkennt das Existenzrecht Israels indirekt an.

Jetzt wird die Gewalt von diplomatischen Bestrebungen begleitet. Auf der Friedenskonferenz von Madrid 1991 und danach kommt es zu Gesprächen zwischen palästinensischen und israelischen Vertretern.

Geheime Verhandlungen in Norwegen führen 1993 zu einem israelisch-palästinensischen Prinzipienabkommen, den "Osloer Verträgen". (Bei der Unterzeichnung des Abkommens 1994 in Washington (v.l.n.r.): Israels Premier Rabin, US-Präsident Clinton, PLO-Chef Arafat.)

Das Gaza-Jericho Abkommen von 1994 präzisiert den Vertrag. Die Palästinenser feiern die Unterzeichnung als ersten Schritt zur Autonomie.

Der Osloer Friedensprozess beendet auch die erste Intifada. (Ein israelischer Soldat und ein arabischer Junge 1988.)

Bei den Auseinandersetzungen zwischen 1987 und 1994 werden über 1000 Palästinenser und über 150 Israelis getötet. (Text: Markus Lippold, Bilder: AP, dpa)

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